Mitte () ist ein Stadtteil von Bremen und bildet zusammen mit dem Stadtteil Häfen den Bremer Stadtbezirk Mitte.
Geografie und Ortsteile mini|hochkant=1.5|Bremen 1603. Die Stadtmauer zwischen Stephaniviertel und übriger Altstadt ist abgerissen, aber ihr Verlauf ist noch als Straßenzug vom Ansgaritor zum Fangturm – heute: Jakobistraße, Hankenstraße, Wenkenstraße – erkennbar.
Der Stadtteil Mitte liegt im Zentrum der Stadt auf dem rechten Weserufer.
Altstadt Fläche: 1,18 km², 3.917 Einwohner (3.319 Einwohner je km²)
Die Altstadt ist der historische Kern der Stadt Bremen. Sie lässt sich unterteilen in den Stadtkern, das Schnoorviertel im Südosten, das Stephaniviertel mit dem Faulenquartier im Westen und das Weserufer mit der Schlachte.
Die Keimzelle der Stadt Bremen befindet sich in der Mitte des heutigen Stadtkerns, rund um den Bremer Marktplatz und den Dom. Auf diesen Kern geht auch die Besiedlung des Schnoorviertels und des östlichen Rands des Faulenquartiers zurück. Um 1200 wurde die erste Stadtmauer um diese Siedlung gebaut.
Der Kern des Stephaniviertels ist die vor den Toren der Stadt um 1050 erbaute Stephanikirche. Erst 1307 wurde die Steffensstadt als erste Erweiterung Bremens an die heutige Altstadt angeschlossen und mit einer ergänzenden Stadtmauer versehen.
Über die Grenzen der Altstadt hinaus hat sich Bremen erstmals im 17. Jahrhundert durch die planmäßige Gründung der Neustadt erweitert. Daneben ist die als Leprastation vor den Toren der Stadt gegründete Gemeinde St. Remberti, erstmals erwähnt 1306, zu nennen.
mini|Wallanlagen mit Mühle
Die Altstadt ist von den Wallanlagen umgeben. Die ehemaligen Stadtbefestigungsanlagen wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer Grünanlage umgestaltet, welche unlängst unter gartendenkmalpflegerischen Gesichtspunkten restauriert wurde. Von den ehemals hier befindlichen Windmühlen ist nur die Herdentorswallmühle erhalten, die jetzt als Restaurant und Café genutzt wird.
Von den ehemaligen Torgebäuden sind die jetzt musealen Zwecken dienenden klassizistischen Wachhäuser am Ostertor erhalten. Direkt daneben befindet sich das Gebäude der Kunsthalle Bremen.
In der Dechanatstraße, hinter der ehemaligen Kaiserlichen Oberpostdirektion befindet sich der Fachbereich Musik der Hochschule für Künste Bremen.
Stadtkern mini|Stadtkern: Rathaus mit Roland mini|Der östliche Teil der Schlachte mit der Kirche St. Martini und der Fregatte „Admiral Nelson“ mini|hochkant|Bremer Kornhaus, 1591 errichtet, 1944 durch Luftangriffe zerstört
Als Stadtkern kann der Bereich der Bremer Altstadt zwischen Brill und Ostertor bezeichnet werden.
Die Fußgängerzone
In der Altstadt sind ab den 1960er Jahren die Haupteinkaufsstraßen zu Fußgängerzonen umgestaltet worden. Dazu gehört unter anderem der Bremer Marktplatz, Unser-Lieben-Frauen-Kirchhof, der Domshof, die Domsheide, die Böttcherstraße, die Obernstraße und Hutfilterstraße, die Sögestraße, die Langenstraße mit der Stadtwaage und dem Essighaus, die Pieper- und die Papenstraße, der Ansgarikirchhof und die Knochenhauerstraße.
Mit der Umwandlung der Hundestraße in die private überdachte Lloydpassage wurde der Einkaufsbereich erweitert und attraktiver gestaltet. Zu den sich vorwiegend in Ost-West-Richtung erstreckenden Einkaufspassagen gehören u. a. die Domshof-Passage, die Katharinen-Passage, die Lloyd-Passage und das Bremer Carrée mit der Ansgari-Passage.
Sehenswürdigkeiten
Zum Kern gehören die typischen innerstädtischen Einkaufsmöglichkeiten und Institutionen sowie viele Sehenswürdigkeiten wie der Roland, das Rathaus, der Schütting (Sitz der Handelskammer), der Bremer Dom, das Haus der Bremischen Bürgerschaft (Landesparlament), die Baumwollbörse und die Liebfrauenkirche.
Vom Marktplatz in alle Himmelsrichtungen:
Südlich vom Marktplatz führt die Böttcherstraße zur Weser und zur Schlachte, einer Promenade mit zahlreichen Gaststätten, und zur Martinikirche. Früher trennte ein Flussarm der Weser – die Balge – die Altstadt von der Weser.
Nördlich an den Marktplatz schließt der Domshof an mit dem Neptunbrunnen. Er ist bis auf seine Südseite von Bankgebäuden umgeben. Hier wird täglich bis auf Sonntag ein Wochenmarkt abgehalten und auf dem nahe gelegenen Liebfrauenkirchhof ein Blumenmarkt.
Östlich des Marktplatzes befinden sich an der Domsheide das Haus der Glocke mit Konzertsaal sowie das monumentale historistische Gerichtsgebäude. Die Kirche St. Johann befindet sich am Rande des südlich daran anschließenden Schnoorviertels.
Westlich vom Marktplatz, in der Hundestraße befand sich das monumentale Gebäude der Hauptverwaltung des Norddeutschen Lloyd. Nach dessen Abriss entstand hier das Kaufhaus Horten, das später von Galeria Kaufhof genutzt wurde. Nach der Schließung im Jahr 2020 folgte von 2022 bis 2024 eine Zwischennutzung durch Opti-Wohnwelt. Seit November 2024 befindet sich das Gebäude im Besitz der städtischen Entwicklungsgesellschaft BRESTADT GmbH, die dort eine städtebauliche Neugestaltung plant. In der Sögestraße baute 1904 Rudolph Karstadt die erste Filiale in Bremen, an dessen Standort eine Filiale von Karstadt Sport bis 2020/21 stand. Von 2021 bis 2024 befand sich dort eine Filiale von SportScheck. Seit dem 23. Oktober 2025 wird die Fläche von TK Maxx genutzt. Das heutige Kaufhaus Karstadt Bremen an der Obernstraße wurde von 1930 bis 1932 errichtet und nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.
Noch weiter westlich befand sich am Ansgarikirchhof die Ansgarikirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und deren Ruine in den 1950er Jahren abgerissen wurde. Die Kirchturmspitze diente Carl Friedrich Gauß im 19. Jahrhundert als Vermessungspunkt für die erste Landesvermessung. Hieran erinnert eine Platte auf dem Ansgarikirchhof vor dem Bremer Carrée. Auf dem Platz befindet sich weiter eine Säule zur Erinnerung an den ersten Erzbischof Bremens, Ansgar von Bremen. An seiner Westseite befindet sich das Gewerbehaus im Renaissancestil.
Anstelle der Kirche wurde das Kaufhaus Hertie errichtet, welches inzwischen abgerissen und durch das Bremer Carrée ersetzt wurde. Auf dem neuen Platz Hanseatenhof steht das Friedrich-Wilhelm-Bessel-Denkmal.
Schnoor mini|Schnoorviertel in Bremen
Der Schnoor (auch Schnoorviertel genannt) ist ein mittelalterliches Gängeviertel im Südosten der Altstadt. Es ist nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges das letzte in der Altstadt erhaltene Gebiet mit zusammenhängender Bebauung aus der Zeit vom 15. bis 19. Jahrhundert. Nach seiner Restaurierung in den 1950/60er Jahren entwickelte es sich zu einem touristischen Hauptanziehungspunkt Bremens mit vielen Restaurants, Galerien, Kleinkunstbetrieben und Kunstgewerbegeschäften. Der Name des Quartiers bezieht sich auf den Straßenzug Schnoor.
Schlachte
Entlang der Weser erstreckt sich zwischen der Wilhelm-Kaisen-Brücke und der Jugendherberge Bremen in der Kalkstraße die als Uferpromenade neu gestaltete Schlachte, welche sich zu einer Gastronomiemeile entwickelt hat.
Stephaniviertel
Den Westen der Altstadt bildet das Stephaniviertel, auch Steffensstadt oder Faulenquartier genannt, wo die gotische Stephanikirche steht sowie u. a. Radio Bremen, die historische Sparkasse am Brill, das frühere Kaufhaus Bamberger und heutige Bremer Volkshochschule, die Jugendherberge Bremen und das Haus der Architektenkammer beheimatet sind.
Bahnhofsvorstadt mini|Überseemuseum, vom Bahnhofsvorplatz aus mini|Kulturzentrum am ehemaligen Güterbahnhof südwestlich des Hauptbahnhofes
Fläche: 1,12 km², 6.053 Einwohner (5.404 Einwohner je km²)
Die Bahnhofsvorstadt wird im Wesentlichen begrenzt durch Schienen der Eisenbahn im Westen und Norden bzw. die Theodor-Heuss-Allee nordöstlich des Bremer Hauptbahnhofs, die Wallanlagen im Süden sowie den Straßenzug Rembertistraße – Parkallee im Osten.
Am Bahnhofsplatz befinden sich der Bremer Hauptbahnhof von 1889 und das Überseemuseum von 1896.
In diesem Gebiet es mehrere Hochhäuser: Tivoli-Hochhaus, 53 m hoch, 16 Etagen Siemens-Hochhaus, 61 m hoch, 16 Etagen das ehemalige Bundeswehrhochhaus an der Falkenstraße 45, 60 m hoch GEWOBA-Hochhaus, Rembertiring 27 / Ecke Rembertistraße, 43 m hoch, 16 Etagen
Entlang des Breitenwegs erstreckt sich eine Vergnügungsmeile, die umgangssprachlich auch Diskomeile genannt wird, mit zahlreichen Gaststätten, Diskotheken und Kiosken, teilweise auch in den Seitenstraßen. Die Bahnhofsvorstadt wird durch die Hochstraße auf dem Breitenweg optisch zerschnitten. Die Gegend ist geprägt von meist vier- bis siebenstöckigen Wohnhäusern; entlang der Straßen finden sich im Erdgeschoss oft Ladenlokale.
Am Herdentorsteinweg befand sich von der Verlegung aus den Innenstadtkirchhöfen bis zum Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert der Hauptfriedhof. In dieser Zeit wurden die Großfriedhöfe am Riensberg, in Walle und in Osterholz angelegt.
In der Bahnhofsstraße 6 hat das Bürogebäude der Bremer Vertretung der Deutschen Hollerithgesellschaft (DEHOMAG) aus den 1920er Jahren den Krieg überstanden.
In der Bahnhofsvorstadt haben zahlreiche Behörden ihren Dienstsitz, darunter die Senatorin für Finanzen, welche in dem repräsentativen Gebäude Haus des Reichs untergebracht ist, sowie weitere Behörden im Siemens-Hochhaus und im Tivoli-Hochhaus.
Am neu gestalteten Hillmannplatz entstanden 1984 nach Plänen von Meinhard von Gerkan ein Hotel mit einer kleinen Passage sowie das Parkhaus Hillmannplatz. Bemerkenswert ist auch das 2006 errichtete Contrescarpe-Center von Oswald Mathias Ungers gegenüber dem Ende der Bahnhofstraße.
Ostertor mini|Das „Osterthor“ 1640/41 (rot hervorgehoben). Der Weg in Richtung Osten war noch nicht gradlinig. Der östliche Ostertorsteinweg mit allen seinen Nebenstraßen ab Wulwesstraße war auf der Karte schon eingetragen (außerhalb dieses Bildausschnitts).
Fläche: 0,82 km², 8.368 Einwohner (10.205 Einwohner je km²)
Zusammen mit dem Ortsteil Steintor bildet dieser Ortsteil das sogenannte Viertel.
Seinen Namen verdankt das Ostertor seiner Lage vor dem Osttor der Stadtmauer des historischen Bremens, an dem ein mittelalterlicher Handelsweg begann, der heutige Ostertorsteinweg. Dort vor der Stadt befand sich ab 1050 das von Benediktinern geführte Paulskloster mit weitreichendem Landbesitz im Bremer Umland, unter anderem der Pauliner Marsch, die auch den Standort des heutigen Weserstadions umfasst. Im 15. Jahrhundert wurde das Kloster jedoch samt der Düne, auf der es stand, abgerissen bzw. abgetragen mit der offiziellen Begründung, von dieser Erhebung sei Bremen gut mit Kanonen zu beschießen und das Kloster biete eine gute Belagerungsposition für feindliche Heere. Möglicherweise leistete aber auch die permanente Rivalität zum Bischof von Bremen ihren Beitrag.
Der Ostertorzwinger wurde 1514 am Ostertor als Verteidigungsanlage, Waffen- und Munitionsdepot sowie Gefängnis erbaut. Durch Blitzschlag entzündeten sich 1624 die Pulvervorräte, der Bau wurde zerstört und zwei Jahre später wieder aufgebaut. Ab 1720 wurde hier kein Pulver mehr eingelagert, die Funktion als Gefängnis blieb bis zum Abbruch 1826 erhalten.