Huchting (Plattdeutsch ) ist ein Stadtteil in Bremen, der zum Stadtbezirk Süd gehört.
Geografie und Ortsteile mini|Schöpfwerk Huchting-Nord Huchting liegt auf der westlichen, linken Seite der Weser. Der Stadtteil ist etwa 6 km vom Bremer Zentrum entfernt. Nachbarstadtteil ist die Neustadt. Der Ort grenzt im Süden an die Gemeinde Stuhr und im Westen an Delmenhorst.
Der Stadtteil besteht heute aus den vier Ortsteilen Kirchhuchting, Mittelshuchting, Sodenmatt und Grolland. Früherer Mittelpunkt war der Historische Dorfkern Kirchhuchtings an der Kirche. Seit etwa 1975 entwickelt sich langsam ein neues Zentrum in Kirchhuchting beim Roland-Center.
Huchting wird durch die Bundesstraße 75 mit Bremen und Delmenhorst verbunden. Den Öffentlichen Personennahverkehr betreibt die Bremer Straßenbahn AG durch Linienbusse und die Straßenbahnlinien 1 und 8.
Entwässert wird das eigentliche Huchting (nicht jedoch Grolland) großenteils durch das Huchtinger Fleet. Der Deichverband am linken Weserufer regelt den Wasserstand des Fleets und damit auch den Grundwasserstand im Stadtteil mit dem Schöpfwerk Huchting-Nord.
mini|Alte St.-Georgs-Kirche, gezeichnet von J. H. Menken Kirchhuchting mini|hochkant|St.-Georgs-Kirche in Kirchhuchting
Fläche: 3,37 km², 8117 Einwohner
Der Bau einer Kirche wurde bereits 1201 erwähnt. Kirchhuchting selbst wurde 1288 als Kerchhoytiggen erstmals urkundlich genannt. Durch Kirche, Schule (1649), Dorfkrug (1867. 1894), Bahnhof (1910), Feuerwehr, Sporteinrichtungen und Ortsamt wurde Kirchhuchting zum Zentrum der Ortsteile.
Die Mitte von Kirchhuchting bildete lange Zeit der Bereich um den Dorfkrug und die St.-Georgs-Kirche, die 1878–1879 im neugotischen Stil an Stelle der baufällig gewordenen alten Dorfkirche nach Plänen der Architekten Eduard Gildemeister und Henrich Deetjen gebaut wurde. Das daneben stehende Gemeindezentrum wurde um 1963 von Carsten Schröck geplant. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Ortsamt, Polizeirevier und eine Sparkasse in dessen Nähe dazu. Das Ortsamt wurde 1989 aufgestockt. Diese traditionelle, historische Mitte hat sich verlagert.
Kirchhuchting hat drei Schulen, die öffentliche Grundschule Kirchhuchting, die katholische Grundschule St. Johann / St. Pius und die Oberschule an der Hermannsburg. Das frühere Schulzentrum am Willakedamm von 1959, entworfen von Carl Rotermund, wurde um 2006 aufgegeben.
Der Historische Dorfkern Kirchhuchting mit Kirche, Schule und Dorfkrug wurde 2024 denkmalgeschützt.
Mittelshuchting links|mini|Mittelshuchting: Bonhoeffergemeinde
Fläche: 6,76 km², 10.788 Einwohner
Mittelshuchting wird 1384 als Myddelshuchtinghe erstmals genannt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg behielt es seinen dörflichen Charakter. Von 1932 bis 1935 entstanden am Roggenkamp und am Heidkruger Weg neue Siedlerstellen. Von 1955 bis 1970 wurden zumeist als sozialer Wohnungsbau zahlreiche Geschosswohnungsbauten hauptsächlich von der GEWOBA errichtet. Der Bereich der Bauerschaften um Brokhuchting wurde in früheren Jahren als weitere Landgemeinde genannt. Brokhuchting ist heute ein Teil von Mittelshuchting.
Mittelshuchtinger Quartiere sind: Das alte Mittelshuchting um die Mittelshuchtinger Dorfstraße, die Gebiete westlich der Heinrich-Plett-Allee (Belgier-Viertel) und am Varrelgraben sowie Brokhuchting, nördlich der Huchtinger Heerstraße.
Die Kirche der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde von 1971 wurde nach Plänen von Carsten Schröck gebaut. An der Brokhuchtinger Landstraße befindet sich das Huchtinger Siel aus dem 18. Jahrhundert.
Mittelshuchting hat zwei Schulen, die Grundschule an der Robinsbalje und die Roland zu Bremen Oberschule (Sek I) an der Flämischen Straße.
Sodenmatt mini|Park um den Sodenmattsee
Fläche: 1,77 km², 6911 Einwohner
Sodenmatt entwickelte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Hauptsächlich durch die Gewoba wurden in den 1950/60er Jahren über 3000 Wohnungen errichtet, vorwiegend für den sozialen Wohnungsbau. Zugleich entstand von 1960 bis 1964 beim Neuausbau der Bundesstraße 75 der sieben Hektar große Sodenmattsee mit Badebucht und Park.
Am Rande der Grünanlage am Sodenmattsee liegen viele Senioreneinrichtungen (Bremer Heimstiftung, Arbeiterwohlfahrt, Gewoba, Senioren Wohnpark Weser) sowie ein Hallenbad von 1980.
An der Amersfoorter Straße befindet sich in einer ehemaligen Schule das Bürger- und Sozialzentrum Huchting (BuS). Hier sind u. a.: Kulturladen, Bürgerhaus, Behinderten-Zentrum der AWO, Verein Arbeit und Ökologie, Haus der Familie, Sozialeinrichtungen der Stadt, Einrichtungen der Volkshochschule, Pfadfinder, Selbsthilfegruppen, Sportverein, Musikgruppen, Mädchentreff und Mütter- und Familienzentrum Huchting.
Sodenmatt hat die ev. Kirche St. Johannes, die Grundschule Delfter StraßeGrundschule Delfter Straße mit einem Förderzentrum, das Alexander-von-Humboldt-GymnasiumAlexander-von-Humboldt-Gymnasium und die Wilhelm Wagenfeld Schule (Berufliche Schulen für Gestaltung, Fachoberschule für Gestaltung und Berufliches Gymnasium für Gestaltung und Multimedia).
Grolland mini|Grolland: St.-Lukas-Kirche
Fläche: 1,80 km², 3332 Einwohner
Grolland liegt zwischen zwei Flussläufen der Ochtum (neue und alte Ochtum) und zwischen der Neustadt und Kirchhuchting. Der Zusammenhang zwischen den Huchtinger Ortsteilen und Grolland wird gebildet durch die Bundesstraße 75 und die Straßenbahnlinien 1 und 8 sowie den Park links der Weser. Dieser 1976 entlang der Ochtum angelegte Park entwickelte sich zu einem vielgenutzten Naherholungsgebiet.
In der Straße Am Vorfeld befindet sich die St.-Lukas-Kirche, eine Stahlnetzkonstruktion, geplant von dem Bremer Architekten Carsten Schröck mit Beratung durch Frei Otto. Sie steht, obwohl erst 1962 bis 1964 gebaut, unter Denkmalschutz. Die Kirche hat Ähnlichkeit mit der Kongresshalle in Berlin. Im Gegensatz zur Kongresshalle, bei der die Dachbügel aus Beton von konventionellen Wänden getragen werden, werden hier die Bügel aus Leimholzbindern nur von dem Stahlnetz verbunden.
Das um den Grollander See gelegene Gebiet Kuhlen der Gemeinde Stuhr (Landkreis Diepholz) grenzt an Grolland und bilden eine Art Enklave und ist von der Startbahn des Bremer Flughafens, die hier teilweise auf niedersächsisches Gebiet reicht, vom Rest des Landkreises getrennt.
Geschichte
Namen Der Name Huchting bezieht sich auf einen hochgelegenen Thingplatz (Gerichtsplatz auf dem „Hohen Thing“). Er könnte jedoch auch als Hucht-ing (-ing, -inghen, häufige althochdeutsche Endung für Heim, Heimstatt) auf eine hochgelegene Siedlung der Chauken hindeuten, die hier ab 300–200 v. Chr. auf der im Vergleich mit der kilometerbreiten Flussmarsch zwischen Weser und Ochtum höhergelegenen und damit weitgehend hochwasserfreien Vorgeest siedelten. Der Name wandelte sich von Huhtinge (1171), Huchtinge (1189) zu Huchtyghe (1259) und Huchthingehe (1362) und schließlich zu Huchting (1385).
Kerchhoytiggen (1288) oder Kerchutinghen (1348) oder Kerchuchtighe (1368) und Miydeddelshuchtinghe (1384) oder Myddelshuchtingh (1420) werden im 13. bzw. 14. Jahrhundert die Dorfteile genannt. Das Gebiet Brokhuchtings kommt schon 1062 als Huchtinghebroch vor, also als ein Huchtinger Bruchland. Der Name des Ortsteils Grolland steht für Gronland, also vielleicht für ein sehr grünes Land. Der Ortsteil Sodenmatt hat seinen Namen von einer alten Flurbezeichnung. Es war ein torfiges Wiesengrundstück, auf dem Soden gestochen wurden. Warfeld und Wardamm an der Ochtum steht für Ware als eine Fischvorrichtung.
Urgeschichte Gestaltet wurde die Landschaft von mehreren Eiszeiten des Pleistozäns. Diese gestalteten die Landschaft völlig neu und beeinflussten auch den Verlauf von Weser und Ochtum. Die sich zurückziehenden Gletscher gaben den Weg für das Urstromtal der Weser nach Norden wieder frei. Das Urstromtal prägte auch die Huchtinger Landschaft. Die Vorgeest zum Urstromtal der Weser wurde durch Sandplatten, Sümpfe, Kleinmoore und Dünenreste geformt.
In der Jungsteinzeit, die in Norddeutschland ab etwa 4000 v. Chr. einsetzte und mit einer bäuerlichen Kultur gleichzusetzen ist, ist eine Besiedlung der Marschen durch zahlreiche Steinzeitfunde belegt. Huchting ist zugleich ein Durchgangs- und Siedlungsland während der Bronze- und der Eisenzeit, wie Bodenfunde z. B. auf dem Hohen Horst beweisen. In der Umgebung wurden Großsteingräber (7000–2000 v. Chr.) gefunden.Andreas Fetchenhauer: Huchting 1860–1945, Edition Temmen, Bremen 2000, S. 5–6; ISBN 3-86108-627-1.Alfred Schweder: Sammlung im Privatbesitz
300–200 v. Chr. erfolgte die Besiedlung durch die germanischen Chauken. Auf dem Hohen Horst wurde durch Funde von Alfred Schweder und nach archäologischen Grabungen des Landesamtes für Archäologie drei Gebäude nachgewiesen, die aus der Zeit des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. stammen.Heinz Meyer: Huchting. Einst und Jetzt, Bremen 1981, S. 8–10.
Von 12 v. Chr. bis 16 n. Chr. unterwarfen sich für kurze Zeit die Chauken den Römern. Mit ihnen gab es Handelskontakte, gleichfalls belegt durch Funde auf dem Hohen Horst. 47 n. Chr. scheiterte ein römischer Eroberungsfeldzug zur Unterwerfung der Küstenregion (Bericht 50 n. Chr. durch Plinius den Älteren).Christian Pantle: Die Varusschlacht, S. 84 ff, S113, S. 259ff.Tacitus: Annalen I-VI, Buch II S. 77 ff-S. 93; Reclam, Stuttgart 1964 2015 wurde ein Sesterz des Commodus sowie das Huchtinger Orakelstäbchen (wohl aus dem 3. Jahrhundert) entdeckt, das erste Stäbchen dieser Art, das in Bremen aufgefunden wurde. Das Stäbchen ist 2 cm lang und diente dazu, den Willen der Götter zu erkennen.Dieter Bischop: Der Haruspex von Huchting?, in: Archäologie in Deutschland 1 (2016) 44. Um 350 gingen die Chauken im Stammesverband der Sachsen auf.
Im 5./6. Jahrhundert fielen Sachsen aus dem norddeutschen Raum zwischen Weser und Elbe in England ein. Englische Prägestempel auf Gefäßen sächsischer Rückwanderer oder aus Handelsbeziehungen sind in Huchting nachweisbar.
Mittelalter Spätestens seit dem Mittelalter wurde die Verengung der Flussniederung der Huchtinger Geest bis hin zum Weserufer bei Bremen im Fernhandel als Querung benutzt – als Teil des Handelsweges Flämische Straße und östlicher Zugang zur Friesischen Straße. Im tiefgelegenen Marschgebiet Vieland an der Ochtum gab es auf den höher gelegenen Gebieten alte Bauernansiedlungen, so auch in Huchting z. B. am Hohenhorster Weg oder An der Höhpost. Durch Maßnahmen der Entwässerung und Melioration erweiterte sich das Siedlungsgebiet.
1063 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung Brokhuchtings als Huchtinghebroch. Das Gebiet wurde von König Heinrich IV. der bremischen Kirche vermacht.
Ab dem 12. Jahrhundert ist auf dem Gebiet Huchtings eine verstärkte Besiedelung zu verzeichnen. 1171 soll dort ein aus vier Bauerschaften bestehendes Kirchspiel des Namens Huhtinge überliefert sein, das dem Lokator Friedrich von Mackenstedt zugeordnet war.
1158 wurde die Ochtum erstmals als Ochtmund = Ochtummündung erwähnt.
1171 wurde dann auch Huhtinge erwähnt. Neben den Erzbischöfen von Bremen haben vor allem die Grafen von Oldenburg und Delmenhorst Einfluss in Huchting und im Vieland.
1200 erhielt der „Unternehmer“ Hermann als Lokator die Erlaubnis zur Urbarmachung im Huchtinger Gebiet. Seine Wohnstelle befand sich wahrscheinlich bei der Flur Hermannsburg.
Die erste Erwähnung für den Bau einer Dorfkirche aus Feldsteinen (heute St. Georg) wird unterschiedlich benannt mit 1201 (lt. ?), 1215 (lt. Pinz) und 1266 (lt. Fetschenbauer). Erstmals wurde 1288 Kirchhuchting als Kerchhoytiggen und 1384 Mittelshuchting als Myddelshuchtinghe urkundlich genannt.
Hansezeit und Reformation