mini|297px|Luftbild mini|hochkant|Straßentor von Abtswind mini|hochkant|Barocker Hofzugang

Abtswind (mundartlich: Abschwinn) ist ein Markt mit rund 800 Einwohnern im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid. Der Ort befindet sich am Fuße des Friedrichsbergs im Westen des Naturparks Steigerwald. Abtswind, das 783 erstmals urkundlich erwähnt wurde, bestand im frühen Mittelalter aus den beiden Orten Kleinabtswind und Großabtswind. Während Kleinabtswind im Dreißigjährigen Krieg zu einer Wüstung verkam, entwickelte sich der Hauptort weiter. Das Kloster Münsterschwarzach war bis ins 15. Jahrhundert der Ortsherr. Doch erwarben auch andere Herren Anteile des kleinen Ortes. Später erhielt Abtswind eine eigene Gerichtsbarkeit und wurde zum Freiflecken. Abtswind ist durch seinen Weinbau und die alten Sandsteinhäuser im Ortskern geprägt.

Geografie Lage Der Ort liegt am Fuß des Friedrichsberges ca. 40 Kilometer südlich von Schweinfurt, ca. 16 Kilometer östlich von Kitzingen und etwa 50 Kilometer westlich von Bamberg. Die Universitätsstadt Würzburg ist 35 Kilometer entfernt. Am nördlichen Ortsrand fließt der Kantersbach, der in Rüdenhausen in den Schoßbach mündet.

Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Abtswind (Hauptort) Friedrichsberg (Einöde)

Es gibt nur die Gemarkung Abtswind. Sie hat eine Fläche von 12,804 km² und ist in 1654 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7741,35 m² haben.

Flächennutzung 48,1 % der Gemarkung werden landwirtschaftlich genutzt, 11 % sind Siedlungs- und Verkehrsflächen, 39,5 % Wald und 1 % Wasserflächen.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Wiesentheid, Geiselwind, Castell und Rüdenhausen.

Schutzgebiete Das Dorf ist von mehreren Schutzgebieten umgeben. So ragt die Schutzzone des Naturparks Steigerwald als Landschaftsschutzgebiet in die Gemarkung von Abtswind. Die Berge östlich der bebauten Fläche sind Teil dieser Schutzzone. Innerhalb des Landschaftsschutzgebiets besteht außerdem der sogenannte Ortelsbruch unterhalb des Friedrichsberges. Aus den Steinen dieses Bruchs wurde die Würzburger Residenz und die barocke Münsterschwarzacher Klosterkirche gebaut. Daneben besteht mit einer alten Kastanie an der Kreisstraße KT 15 in Richtung Rehweiler ein Naturdenkmal in Abtswind.

Geschichte Namensherkunft und Frühes Mittelalter Bereits in der Karolingerzeit tauchte der Name „Abbatissaewinden“ (später Abtswinden, Abtswind) auf. Die Bedeutung des Namens zu den Wenden des Abtes auf geht wohl auf den Abt des Benediktinerklosters Megingaudeshausen bei Ullstadt, das 877 aufgehoben und nach Kloster Münsterschwarzach verlegt wurde, zurück. Der Namensbestandteil -wind bezieht sich, ähnlich wie in anderen Orten der Umgebung (Geiselwind, Bischwind etc.) auf das westslawische Volk der Wenden. Die sich dem Frankenreich Karls des Großen widersetzenden Sachsen und Wenden wurden umgesiedelt, um sie aus ihrem ursprünglichen Stammesverband zu lösen. Wenden wurden an bestimmten Orten angesiedelt und unter die Herrschaft lokaler Autoritäten gestellt (eines Abtes: Abtswind, eines Bischofs: Bischwind).Vgl. Ulrich Kniewasser: Der Steigerwald. Band 1983-1 S. 14 ff.

Die erste Siedlung von Abtswind, Kleinabtswind, lag am Eichsee, an der Straße von Abtswind nach Wiesentheid. Dort soll um 680 der Frankenapostel Kilian gepredigt und getauft haben. Später befand sich dort eine Kapelle. Dieser Ortsteil gehörte bis 1364 zur Herrschaft der Grafen von Castell. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand das heutige Abtswind, das dem Kloster Münsterschwarzach unterstand. Kleinabtswind wurde im Dreißigjährigen Krieg aufgegeben. Bei Straßenbauarbeiten um 1830 fand man eine Vielzahl von Totengebeinen, die auf das ehemalige Kleinabtswind hinweisen.Vgl. Ernst Zehnder: 125 Jahre Sängerkranz Abtswind. Abtswind 1986.

Spätmittelalter Das Kloster Münsterschwarzach war vermutlich der Gründer des heutigen Abtswind und bis 1536 Lehensherr über einen Großteil des Ortes. Daneben hatten dort das Kloster Ebrach, die Grafen von Castell und die Adelslinie Fuchs von Dornheim Besitzungen. Bis ins späte Mittelalter gab es im Ort drei Schultheißen, die den drei Herrschaften Castell, Ebrach und Fuchs unterstanden.

Frühe Neuzeit Unter dem Einfluss der Grafen von Castell wurde Abtswind 1559 protestantisch. Das Dorfgericht unterstand in dieser Zeit der Hoheit des Klosters Ebrach. Es wurde von fünf Bauern ausgeübt, deren Häuser mit Wappen gekennzeichnet waren. Neben der Verbannung von Verbrechern aus dem Dorf wurden Vergehen auch mit dem Tod am Galgen bestraft. Zwischen Abtswind und Rüdenhausen fanden 1617 mehrere Hexenverbrennungen statt, denen 13 Personen, zwei Männer und elf Frauen, zum Opfer fielen. Insgesamt waren damals 91 Personen angeklagt. Da durch Abtswind eine Heerstraße vom Steigerwald in das Maintal führte, verfügte der Ort über wehrhafte Verteidigungsanlagen mit Wassergraben, massiven Mauern und Türmen sowie einen befestigten Kirchhof. Die Gaden der Kirchenburg sind teilweise noch erhalten.

Obwohl es zu keinen direkten Kampfhandlungen kam, litt Abtswind während des Dreißigjährigen Krieges unter Einquartierungen, Plünderungen, Brandstiftung und Gewalttaten. Hatte das Dorf 1618 etwa 1200 Einwohner, waren es 1648 nur noch 15.Vgl. Rudolf Kniewasser: Abtswind. In: Georg Güntsch (Hrsg.): Castell-Grafschaft und Dekanat. Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen 1991. Insbesondere die Pest, die 1628 mit den fremden Soldaten ins Dorf kam, war für den Niedergang verantwortlich.Wolf-Dieter Raftopoulo: Kulturführer Steigerwald. S. 25.

Nach der Säkularisation des Klosters im Jahr 1803 sowie der Mediatisierung der Grafen (1806) zugunsten Bayerns wurde der Ort 1810 an das Großherzogtum Würzburg des Erzherzogs Ferdinand von Toskana abgetreten, bevor er mit dem Pariser Vertrag 1814 zum Königreich Bayern gelangte.

Seit 1815 Im Jahre 1880 wurde in der Ortsmitte das Schulhaus gebaut, in dem sich bis 2020 der Kindergarten befand. Dieser zog in einen Neubau am Ortseingang von Rüdenhausen kommend um. Seit 1479 ist das Schulwesen in Abtswind nachweisbar. Im Jahre 1923 wurde eine erste Wasserversorgung für den Ortskern fertiggestellt. Im Jahre 1948 erfolgte die Kanalisierung des restlichen Ortes sowie die Errichtung einer Kläranlage.

Während des Zweiten Weltkrieges kam es zu keinen direkten Sachschäden. Zwei Bomben, die im Februar 1944 an der Straße nach Untersambach als Notabwurf gefallen waren, richteten keinen Schaden an. Als einziges ziviles Opfer war ein dreijähriges Kind zu beklagen, das bei einem Tieffliegerangriff von einem Querschläger getötet wurde. Zu Beginn des Krieges kamen Evakuierte aus der Pfalz nach Abtswind, die nach dem Frankreichfeldzug wieder zurückkehrten. Im Jahre 1942 übersiedelten Frauen und Kinder aus den zerstörten Städten des Ruhrgebietes. Ab Februar 1945 kamen Ausgebombte aus Kitzingen, Schweinfurt und Würzburg in Abtswind unter. Hinzu kam nach dem Krieg eine Vielzahl von Vertriebenen und Flüchtlingen und ließ die Einwohnerzahlen rapide steigen. Bis zum Eintreffen der amerikanischen Truppen im März 1945 hielt sich der NS-Kreisleiter Heer mit seiner Familie in Abtswind auf.Vgl. Marion Kopp: Abtswind 1945 und danach. In: Der Steigerwald. Band 1999-3.

Von 1948 bis 1950 wurden viele baufällige Häuser abgerissen, um unter anderem die Wohnungsnot zu beheben und den Dorfplatz zu erweitern. Im Jahre 1976 wurde das Haus des Gastes eingeweiht. Am 25. März 1975 wurde Abtswind Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid.

Einwohnerentwicklung 1840: 861 Einwohner 1961: 693 Einwohner 1970: 681 Einwohner 1987: 681 Einwohner 1991: 727 Einwohner 1995: 781 Einwohner 2000: 783 Einwohner 2005: 798 Einwohner 2010: 807 Einwohner 2015: 851 Einwohner 2019: 841 Einwohner 2020: 837 Einwohner

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 687 auf 862 um 175 Einwohner bzw. um 25,5 %.https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/statistik_kommunal/2022/09675111.pdf

Politik Bürgermeister Bürgermeister ist Jürgen Schulz (Bürgerblock). Er wurde am 1. Mai 2014 Nachfolger von Klaus Lenz (Bürgerblock) und am 15. März 2020 mit 87,6 % der Stimmen wieder gewählt.

Marktgemeinderat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014 und 2020 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat: 2002 2008 2014 2020 Bürgerblock888 8 Gesamt 8 8 8 8

Steuereinnahmen Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2014 1,2 Millionen Euro, davon waren (netto) ca. 600.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Abtswinder Friedhofarkaden mit Holz-Friedhofkanzel mini|hochkant|Hauseingang im Ortskern von Abtswind Ortskern entlang der Hauptstraße mit prachtvollen Sandsteinhäusern, darunter der Gasthof Zur Schwane Kirchenburg mit evangelischer Pfarrkirche St. Marien Friedhof mit Predigtkanzel unter den Arkaden. Dieses Bauwerk entstand, als der Platz um die Kirche zu klein wurde. Deshalb verlegte man es an den Rand des Ortes.

Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Sehenswürdigkeiten in der Natur Ältester Weinlehrpfad Bayerns Frankenblick im Weinberg. Ausblick bei gutem Wetter bis in die Rhön

Sport Freibad, Babybecken mit großen Rasenflächen, Spielplatz und Beach-Volleyball-Feld In Abtswind ist der TSV Abtswind beheimatet, der über die Abteilungen Fußball, Korbball, Gymnastik und Tanz verfügt. Die Herren-Fußballmannschaft, die ihre Heimspiele in der Kräuter-Mix-Arena austrägt, spielt in der fünftklassigen Liga Bayern Nord.

Regelmäßige Veranstaltungen Abtswinder Weinfest an allen Samstagen im Oktober im beheizten Festzelt Weihnachtsmarkt mit kunstgewerblichen Ständen und Krippenspiel am zweiten Advent festlicher Tanzball am zweiten Samstag im neuen Jahr: Chrysanthemen-Ball

Sagen und Erzählungen Der Fuchs Gorad In Abtswind lebte ein Mann namens Gorad. Wenn er gereizt wurde, schimpfte er und sagte: „Hol mi der wille Fuchs!“ (mainfränkisch: Hol mich der wilde Fuchs). Nachdem er verstorben war, wurde er wegen des häufigen Fluchens wirklich in einen Fuchs verwandelt. Viele Geschichten ranken sich um sein Auftauchen bei Arbeiten auf den Feldern oder beim Durchqueren der Wälder. Nie jedoch tat der Fuchs Gorad jemanden etwas zuleide.

Eine Begebenheit spielte sich an der Landstraße nach Wiesentheid ab. Die Kirchenglocken läuteten gerade zu Mittag, als eine Frau aus Wiesentheid zurückkehrte und dem Fuchs begegnete. Sie fragte: „Gorad, was tust denn du da?“ Der Fuchs stellte sich auf seine Hinterläufe und antwortete: „Hätte es nicht zwölf Uhr geschlagen, hätte ich dir den Kopf umgedreht!“ Voller Furcht kehrte die Frau nach Hause zurück.Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 11.

Der Pöpelsbaum Zwischen Abtswind und dem nahen Rüdenhausen stand vor langer Zeit ein einzelner, großer Birnbaum. Zwei Männer gingen in einer Vollmondnacht von Rüdenhausen aus an dem Baum vorbei. Es war bereits kurz nach Mitternacht, als sie den Baum erreichten. Der eine rief dem anderen zu: „Schau, was ist denn dort an dem Birnbaum?“ Darauf antwortete der andere Mann: „Das ist eine Hexe, die auf einer weißen Ziege reitet.“ Beide rannten schnell nach Hause. Der Baum wurde fortan Pöpelsbaum genannt.Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 11.

Der Drudenstein Eine weitere Begebenheit wird in das Wäldchen zwischen Abtswind und Rüdenhausen verortet. Eine breite Feldsteinplatte wurde lange Zeit „Der Drudenstein“ genannt. Am Drudenstein wurden die vermeintlichen Hexen von Abtswind verbrannt.