mini|hochkant=1.3|Adelsdorf, Luftaufnahme (2015) mini|Marktplatz mini|hochkant|Katholische Kirche St. Stephanus mini|Ortsteil Aisch
Adelsdorf ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt in Bayern. Die Gemeinde Adelsdorf liegt im Aischgrund und gehört seit der Gebietsreform 1972 zu Mittelfranken, zuvor zum oberfränkischen Landkreis Höchstadt an der Aisch.
Geografie Topografie Durch das Gemeindegebiet fließt die Aisch. Das Landschaftsbild ist von zahlreichen Weiherplatten geprägt. Das Relief ist flachhügelig mit Höhenunterschieden von an der Aisch bis im Lichtholz.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn):
Höchstadt an der Aisch (Landkreis Erlangen-Höchstadt), Hallerndorf, Heroldsbach (beide Landkreis Forchheim), Hemhofen, Röttenbach, Heßdorf, Gremsdorf (alle Landkreis Erlangen-Höchstadt). Außerdem grenzt die Gemeinde durch die zu Pommersfelden gehörende Exklave Limbacher Weiher auch an den oberfränkischen Landkreis Bamberg.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Adelsdorf, Aisch, Heppstädt, Neuhaus, Uttstadt, Weppersdorf und Wiesendorf. Die Gemarkung Adelsdorf hat eine Fläche von 5,550 km². Sie ist in 3736 Flurstücke aufgeteilt.
Geschichte Bis zur Gebietsreform Erstmals urkundlich erwähnt wurde Adelsdorf in den Bamberger Festkalendarien als Schenkung des Dompropstes Egilbert im Jahr 1121. Der Ortsname lässt darauf schließen, dass die Ansiedlung unter der Führung eines Otloh erfolgte (1121 „Otlohesdorf“, 1369 „Otelsdorf“, 1460 „Adelsdorff“). Die Herren von Otlohesdorf bauten durch Rodung, Burgenbau und kluge Erwerbspolitik im Aisch- und Ebrachgrund ein stattliches Herrschaftsgebiet auf und nannten sich seit 1219 nach der von ihnen erbauten Burg Schlüsselberg bei Ebermannstadt. Im Jahre 1347 fiel der letzte Schlüsselberger auf seiner Burg Neideck.
Ein häufiger Besitzwechsel kennzeichnete im folgenden Jahrhundert die Geschichte. Nachdem die Herren von Wiesenthau, von Künsberg, von Stiebar und die Schönborns Adelsdorf kurzfristig in Besitz hatten, erwarben es 1696 die von Bibra, in deren Händen es über Jahrhunderte blieb.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Adelsdorf aus 133 Anwesen. Das Hochgericht übte das Adelige Halsgericht der Freiherren von Bibra aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Rittergut Adelsdorf. Grundherren waren das Rittergut Adelsdorf (Schloss, Pfarrhaus, Schulhaus, 2 halbe Fronhöfe, 2 Halbhöfe, 2 Güter, 3 Gütlein, 16 Sölden, 12 Tropfhäuser, 47 Häuser, 16 halbe Häuser, 1 Schmiede), die Herrschaft Pommersfelden (10 Güter, 4 Häuser), das Rittergut Buch (3 Güter, 3 Tropfhäuser, Judenschule), das Rittergut Neuhaus (1 Freiwirtshaus, 1 Gut, 1 Gütlein, 3 Häuser), das Rittergut Wilhermsdorf (3 Tropfhäuser), die nürnbergische Landesalmosenamt-Vogtei Lonnerstadt (1 Gut), das bambergische Domkapitel, die Erboblei Adelsdorf (1 Gut), das Steueramt Adelsdorf (2 Sölden, 1 Tropfhaus) und die Pfarrei Adelsdorf (2 Güter).H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 59.
1806 kam Adelsdorf zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Adelsdorf gebildet, zu dem Aisch und Nainsdorf gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt 1818 entstanden zwei Ruralgemeinden: Adelsdorf und Aisch mit Nainsdorf.
Die Gemeinde Adelsdorf war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Höchstadt und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Höchstadt zugeordnet. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 91 Anwesen dem Patrimonialgericht (PG) Adelsdorf (bis 1841), 15 Anwesen dem PG Pommersfelden (bis 1848), acht Anwesen dem PG Buch (bis 1848), sechs Anwesen dem PG Neuhaus (bis 1848) und drei Anwesen dem PG Wilhermsdorf (bis 1817).H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 127. Ab 1862 gehörte Adelsdorf zum Bezirksamt Höchstadt an der Aisch (1939 in Landkreis Höchstadt an der Aisch umbenannt) und weiterhin zum Rentamt Höchstadt (1919 in Finanzamt Höchstadt umbenannt, 1929–1972: Finanzamt Forchheim, seit 1972: Finanzamt Erlangen). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Höchstadt (1879 in das Amtsgericht Höchstadt an der Aisch umgewandelt), von 1959 bis 1973 war das Amtsgericht Forchheim zuständig, seitdem ist es das Amtsgericht Erlangen. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 5,406 km².
Bezirks- und Kreiszugehörigkeit Seit dem 1. Juli 1972 gehört Adelsdorf zum neu gebildeten Landkreis Erlangen-Höchstadt (vorher Landkreis Höchstadt an der Aisch) und damit zum Regierungsbezirk Mittelfranken.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1971 die Gemeinden Aisch und Heppstädt eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Neuhaus hinzu. Weppersdorf (zuvor im Landkreis Forchheim) folgte am 1. Juli 1972.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Adelsdorf Jahr 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2016 2017Einwohner 5725 6390 6799 6974 7185 7190 7429 7561 7936Häuser 1416 2069 2128 2276Quelle
Ort Adelsdorf (= Gemeinde Adelsdorf bis 1971) Jahr 1819 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 Einwohner 870 886 913 870 837 871 850 843 905 900 871 831 836 885 924 965 977 993 1457 1590 1573 1500 1739 2294 3035HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Diese werden als Wohngebäude bezeichnet. 153 160 162 165 178 209 279 753Quelle
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat hat 21 Mitglieder einschließlich des Bürgermeisters. Bei den Kommunalwahlen am 8. März 2026 erreichten die angetretenen Parteien und Wählergruppierungen folgendes Ergebnis: +Parteien und Wählergemeinschaften% 2026Sitze 2026Veränderung zu 2020Sitze +/-Freie Wähler27,66 −14,1 % −2CSU37,77 +13,4 % +2Bündnis 90/Die Grünen12,63 −0,5 %0SPD10,82 +1,0 %0Adelsdorfer Bürger- und Wählerinitiative11,32 +0,2 %0Gesamt100,020Wahlbeteiligung: 71,1%
Parteien und Wählergemeinschaften %2020 Sitze2020 Freie Wähler41,88 CSU24,15Bündnis 90/Die Grünen13,23SPD9,92 Adelsdorfer Bürger- und Wählerinitiative11,12Gesamt100,020Wahlbeteiligung 68,4 %
(Stand: Kommunalwahl am 15. März 2020)
Bürgermeister Erster Bürgermeister von Adelsdorf ist seit Mai 2026 Nico Kauper (CSU). Er wurde am 22. März 2026 mit 71,1 % der Stimmen in der Stichwahl gewählt. Die Kandidaten waren Nico Kauper (CSU) und Tim Scheppe (Freie Wähler). Sie hatten im ersten Wahlgang bei den Kommunalwahlen vom 8. März 2026 die meisten Stimmen erreicht: Kauper 49,5 Prozent und Scheppe 24,3 Prozent.
Amtsvorgänger des Ersten Bürgermeisters Karsten Fischkal (FW) 2008–2026 Armin Goß (CSU) 1996–2008 Ewald Münch (CSU, * 13. Oktober 1929 in BambergWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 874.) 1978–1996 Alfons Trapp (SPD) 1948–1978
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß-schwarz.
Gemeindepartnerschaften : Partnergemeinde ist seit 1997 Uggiate-Trevano. : Partnerstadt ist seit 2007 Feldbach in der Steiermark.
Bau- und Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab 2020 nach amtlicher Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 338 und im Bereich Handel und Verkehr 1330 Beschäftigte am Arbeitsort. Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 4002. Im verarbeitenden Gewerbe (sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden) bestanden drei Betriebe, im Bauhauptgewerbe sechs Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2016 33 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 987 Hektar. Davon waren 749 Hektar Ackerfläche und 238 Hektar Dauergrünfläche. Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2020 umgerechnet 9.767.000 Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 3.032.000 Euro.
Energie GmbH Adelsdorf Im Herbst 2006 wurde ein Konzept zur Versorgung der gemeindlichen Gebäude mit thermischer Energie erstellt. Das Ziel war, eine möglichst große Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und gleichzeitig eine Verwertung des Landschaftspflegeholzes, das in den Grünanlagen anfällt, zu erreichen. Zudem wurde besonderer Wert auf geringen Betriebs- und Wartungsaufwand gelegt.
Die Energiegesellschaft Adelsdorf mbH wurde im Herbst 2007 von der Gemeinde Adelsdorf gegründet.
Die Kernaufgabe der GmbH ist die Umsetzung von Projekten zur Erzeugung regenerativer Energien, dazu wurden bisher zwei Maßnahmen getroffen: Bau einer Hackschnitzelheizung mit Nahwärmenetz (2010 erweitert) Betrieb von mehreren Photovoltaikanlagen
Stiftung Schloss Adelsdorf mini|Schloss Adelsdorf Mit der Zustimmung zum notariellen Einbringungsvertrag am 17. September beschloss der Gemeinderat, das Adelsdorfer Schloss, das die Gemeinde 1993 von Freifrau von Bibra erworben hatte, in eine Stiftung einzubringen. Der Grundsatzbeschluss dazu wurde am 27. Oktober 2004 gefasst. Rückwirkend zum 10. Juli 2008, dem Tag der Genehmigung der Stiftung Schloss Adelsdorf, gingen Nutzen und Lasten des Adelsdorfer Schlosses auf die Stiftung über.
Für die Gemeinde Adelsdorf, den bisherigen Eigentümer, unterzeichnete Erster Bürgermeister Karsten Fischkal, zugleich auch Vorsitzender des Stiftungsrates, den Einbringungsvertrag. Für die Stiftung unterzeichnete der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Wolfgang Mößlein, die Urkunde.
Die Stiftung soll langfristig die Erhaltung des Schlosses sicherstellen. Dazu wurde das Schloss aus dem Gemeindevermögen in das Stiftungsvermögen übertragen.
Ansässige Unternehmen Im Gemeindegebiet gibt es holzverarbeitende Kleinbetriebe, Logistikunternehmen, Bonbonhersteller, eine Regionalgesellschaft von Aldi Süd, Solaranlagenhersteller, Kläranlagenbau, Metallbau, Spezialisten für Landtechnik, ein Verteilzentrum der Fristo Getränkemarkt GmbH und einige Software-Dienstleister.
Ein im Wald befindlicher Traditionsbiergarten, der Weppersdorfer Keller, ist ein nahe Forchheim zwischen Adelsdorf und Hallerndorf gelegenes Freiuftwirtshaus.Martin Droschke: Alles andere als überlaufen – aber auch nicht ganz leicht zu finden […]. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 6. Juli.
Verkehr Die Bundesstraße 470 tangiert den Ort südlich und führt zur Anschlussstelle 80 der Bundesautobahn 3 (3 km westlich) und weiter nach Gremsdorf (4,7 km westlich) bzw. über Oesdorf und Wimmelbach nach Forchheim zur Anschlussstelle 28 der Bundesautobahn 73 (12 km östlich). Die Staatsstraße 2264 verläuft zur B 470 (1,6 km südöstlich) bzw. nach Weppersdorf (2 km nordöstlich). Die Kreisstraße ERH 16 verläuft nach Aisch (0,7 km nördlich) bzw. die B 470 kreuzend nach Neuhaus (3,5 km südlich). Gemeindeverbindungsstraßen verlaufen nach Nainsdorf (1 km südwestlich), nach Uttstadt (0,6 km nördlich) und nach Wiesendorf (1 km südlich).
Betreuungs- und Bildungseinrichtungen Es gibt folgende Einrichtungen: gemeindliche Kindertagesstätte Villa Regenbogen (Adelsdorf), gemeindliche Kindertagesstätte Villa Sonnenschein (Adelsdorf), gemeindliche Kindertagesstätte Kunterbunt, katholische Kindertagesstätten Sancta Maria (Adelsdorf) und St. Theresia (Aisch), evangelische Kindertagesstätte Flohkiste (Neuhaus), Waldkindergarten Fuchsbau Adelsdorf e. V., Grund- und Mittelschule Adelsdorf, Volkshochschule, private Musikschule.
Söhne und Töchter des Ortes Georg Moenius (1890–1953), katholischer Priester, Schriftsteller, Zeitungsredakteur und Vertreter der Friedensbewegung in der Weimarer Republik, Angelus Kupfer (1900–1951), Abt des Klosters Ettal 1933–1951, Erich Geyer (* 1950), ehemaliger Fußballspieler und Fußballtrainer.
Literatur
Manfred Welker: Adelsdorf im Aischgrund und seine Ortsteile. Eigenverlag Gemeinde Adelsdorf, Adelsdorf 2026, ISBN 978-3-00-086019-5.
Weblinks
Gemeinde Adelsdorf
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Erlangen-Höchstadt Kategorie:Bibra (Adelsgeschlecht) Kategorie:Ersterwähnung 1121