mini|KTM Quad aus einer 990 SM Supermoto gebaut mini|Daumengashebel mini|Quads bei einem Supermoto-Rennen in Biebertal 2005 mini|Yamaha Grizzly ATV mini|Quads für den Polizeieinsatz (Valencia) mini|Im Motorsport werden Quads häufig benutzt, um Rennwagen durch das Fahrerlager zu bewegen mini|Yamaha Raptor nach einem Rennen mini|Side-by-Side-ATV (Explorer Bazooka) mini|Allwettertaugliches UTV Renault Twizy ohne Seitenfenster für zwei Personen
Ein Quad [] () (aus lateinisch über quattuor, „vier“, zu quadruplex, „vierfach“) oder ATV () (kurz für all-terrain vehicle, englisch für „Geländefahrzeug“) ist ein kleines Kraftfahrzeug für eine bis drei Personen mit vier Rädern oder seltener mit vier Gleisketten, häufig mit dicken Ballonreifen als Geländefahrzeug. Im deutschen Sprachgebiet werden häufig Sport- und Freizeitfahrzeuge als Quad bezeichnet, Arbeitsfahrzeuge für den Geländeeinsatz hingegen, beispielsweise Bergrettungsfahrzeuge mit Allradantrieb, eher als ATV. In Kanada oder den USA gibt es diese Unterscheidung nicht.
Bauformen
Der Fahrersitz hat beim Quad und bei den meisten ATVs wie beim Motorrad eine Sattelform, gelenkt wird mit einer Lenkstange. Die bisher noch selteneren Side-by-Side-Fahrzeuge (auch UTV = Utility-ATV genannt), die aus den ATVs abgeleitet sind, haben Sitze ähnlich dem Autositz, die Lenkung wird über ein Lenkrad bedient. ATV und Side-by-Side-Fahrzeuge werden beim Militär, für das sie ursprünglich entwickelt wurden, zur Personenbeförderung und Aufklärung eingesetzt.
Technik
Quads haben in der Regel eine starre, zum Rahmen verwindungssteife, an einer Schwinge geführte Hinterachse. Diese Art der Konstruktion sorgt für eine geringe Neigung in Kurven. Wegen des hohen Schwerpunkts wird das kurveninnere Hinterrad entlastet, dabei kann der Reifen den Kontakt zur Fahrbahn verlieren. Damit dabei die Traktion erhalten bleibt, haben Quads kein Differenzialgetriebe, das freie Rad würde sonst durchdrehen. Ein gewisser Schlupf auf den Hinterrädern ist bei dieser Konstruktion notwendig, er ermöglicht erst die Kurvenfahrt der kleinen Vierradfahrzeuge.
Die Vorderräder werden sowohl beim Quad als auch beim ATV an Doppelquerlenkern geführt, im Fachjargon A-Arms genannt. Bei den allradgetriebenen ATV wird teilweise zusätzlich ein sperrbares Differenzialgetriebe eingebaut. Beim ATV setzt sich inzwischen eine Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern an der Hinterachse durch, wobei Sperrdifferentialgetriebe an der Hinterachse noch die Ausnahme sind.
Bei ATVs mit groß dimensionierten Ballonreifen mit geringem Reifenfülldruck ist der Druck des Reifens auf den Untergrund geringer als beim typischen Quad. Das verringert den Reifenabrieb bei Kurvenfahrten. Die hintere Einzelradaufhängung ermöglicht eine stärkere Verschränkung der beiden Achsen, was beim Arbeitseinsatz im schweren Gelände oder auf einem Endurotrail deutliche Vorteile gegenüber einer Starrachse bringt. Im Motocross-Sport bringt diese Bauweise (bis jetzt) keine erfahrbaren Vorteile, zudem ist eine Einzelradaufhängung schwerer und wartungsintensiver als eine Schwingenkonstruktion.
Zur Fahrwerksdämpfung werden in modernen Sportquads Stoßdämpfer an Vorder- und Hinterachse verwendet, die in der Zug- und Druckstufe voll einstellbar sind. Viele Dämpfer haben einen separaten Druckausgleichsbehälter, der zur Aufnahme des beim Einfedern verdrängten Öls und auch zur Kühlung des Dämpferöls dient. Die Fahrwerksfedern sind mit veränderlicher Steigung gewickelt. Dadurch nimmt die Federhärte beim Einfedern progressiv zu. Alternativ werden Quads mit einer Luftfederung ausgestattet, die bis zu 3,5 kg leichter ist.
Die meisten Sportquads der Premiummarken haben eine hintere Schwinge aus Aluminiumdruckguss, diese ist leichter als geschmiedete oder geschweißte Schwingen aus Stahl. Zusammen mit Aluminiumrädern wird dadurch eine Reduzierung der ungefederten Masse an der Hinterachse erzielt. Der hintere Dämpfer ist oftmals nicht direkt oben auf der Schwinge angebunden, sondern stützt sich auf ein Umlenksystem, dieses soll die vorher beschriebene Progression des einzelnen hinteren Dämpfers unterstützen.
Das Fahrwerk ist die wichtigste Systemgruppe am Quad, weit vor der Motorleistung, da bei einem nicht richtig funktionierenden Fahrwerk die Motorleistung nicht vollständig genutzt werden kann. Zudem wird die Kondition des Fahrers übermäßig beansprucht.
Yamaha bietet in seinem Modell Grizzly 700 als erster OEM (Original Equipment Manufacturer) eine Servolenkung an. Die Vorteile der elektronischen Servolenkung sind bei diesem schweren ATV schon im normalen Betrieb spürbar. Wenn das ATV mit einem Raupenfahrwerk ausgestattet wird, ist der Vorteil sehr groß, da ohne die Lenkhilfe hohe Lenkkräfte vom Fahrer aufzubringen sind.
Verzögert werden Quads mit Scheibenbremsen an der Vorder- und Hinterachse, die hydraulisch (über Mehrkolbenbremszangen) oder mechanisch (über Bowdenzug) betätigt werden, wobei teilweise Stahlflex-Bremsleitungen verwendet werden. Die Trommelbremse wird nur noch an einfachen Maschinen verwendet. Die Hersteller Kawasaki und Yamaha gehen mit einer gekapselten Ölbad-Mehrscheibenbremse an der Hinterachse einiger ihrer ATVs und der KFX700 einen Sonderweg.
Die Rahmen der höherwertigen Sportquads sind verwindungssteif aus Stahl und Aluminium gefertigt, es gibt auch Rahmen aus Aluminium.
Für Rennzwecke können Nerf Bars (Schutzbügel), Lenkungsdämpfer, eine verstärkte Lenksäule und Lenker, ein „Kill-Switch“, also eine Abreißleine zu einem Notausschalter, allerlei Motortuning-Teile sowie verbreiterte A-Arms und Hinterachsen eingebaut werden.
Motorisierung
Die Motorisierung der Fahrzeuge liegt zurzeit zwischen 50 cm³ und 1000 cm³ mit einer Leistung von bis zu 50 kW. Es gibt auch Sonderanfertigungen mit bis zu 1150 cm³ Hubraum und Turbolader. Die Motoren sind in der Regel Viertakt-Einzylinder, wobei es auch Modelle mit Viertakt-Zweizylinder, Zweitaktmotoren und Dieselmotoren gibt. Zur Gemischaufbereitung werden in neueren Modellen statt Vergasern elektronische Einspritzanlagen verwendet, um die Leistung und Laufkultur der Motoren zu verbessern und die Schadstoffemissionen zu reduzieren.
Bei Quads wird die Antriebskraft in der Regel mit einer Kette zur Hinterachse übertragen, ATVs mit zuschaltbarem Allradantrieb haben überwiegend Kardanantrieb. Die Übersetzung lässt sich beim Kardanantrieb nur mit sehr hohem Aufwand verändern, beim Kettenantrieb braucht man dazu nur Ritzel vorne und Kettenblatt hinten auszutauschen. Dies ist ein wichtiger Aspekt für Sportfahrer, die ihr Quad an die jeweilige Rennstrecke anpassen wollen.
Bei Quads ist wie bei Motorrädern Fußschaltung üblich. Die meisten Maschinen haben auch einen Rückwärtsgang, außer Sportquads, die für den Renneinsatz auf der Motocross-Strecke gedacht sind. Bei ihnen wird aus Gewichtsgründen darauf verzichtet. Beim Einlegen des Rückwärtsganges ist eine Sperre zu überwinden, um ein versehentliches Einlegen sicher zu vermeiden. Einfache Quads werden in den letzten Jahren mit stufenlosen automatischen Keilriemengetrieben (CVT, Continuously variable transmission) ausgestattet, diese sind bei ATVs schon seit Jahren Standard. In der Regel gibt es eine Low- und High-Fahrstufe sowie einen Leerlauf und eine Parkstellung. Wie beim Automobil sind Sportfahrer sehr skeptisch zur Automatikschaltung eingestellt, weshalb die Zahl der Sportquads mit CVT-Getriebe klein ist.
Aus Sicherheitsgründen wird an den Fahrzeugen wie auch an Jet-Skis oder Motorschlitten ein Daumengashebel verwendet. Ein Gasdrehgriff ist nachrüstbar, dieser erschwert aber eine genaue Gasdosierung wegen der relativ hohen Lenkkräfte. Speziell bei der Gewichtsverlagerung des Fahrers steigt die Gefahr des versehentlichen Gasgebens erheblich. Es gibt auch die Kombinationen aus Dreh- und Daumengasgriff, mit denen der Fahrer auf das für ihn passende Konzept für Gelände und Straße umschalten kann.
Geschichte mini|Can-Am Quad Maverick mini|Can-Am Quad Maverick
Als „Ur-Quad“ wird in Deutschland meist der Kraka (Kurzwort für Kraftkarren) genannt, der 1962 in Deutschland von der Zweirad Union für den land- und forstwirtschaftlichen Einsatz entwickelt wurde. Faun hat nach Auflösung der Zweirad-Union das Kraka übernommen, modifiziert und für die Bundeswehr nutzbar gemacht. Ein weiteres „Ur-Quad“ ist das M274 Mechanical Mule der US Army (1957). Diese Fahrzeuge wurden von den Luftlandetruppen als luftverlastbare Waffenträger verwendet. Das Nachfolgemodell des Kraka war der gepanzerte Waffenträger Wiesel. Verwendung finden Quads beim Kommando Spezialkräfte (KSK) als analoge Fahrzeuge zu Krädern im schnellen Geländeeinsatz und für Verbindungszwecke, da sie mit der Führerscheinklasse B gefahren werden können, und die Fahrausbildung nicht so aufwendig ist wie für die Führerscheinklasse A.
Die Vorläufer der Quads aus der jüngeren Vergangenheit waren ursprünglich von Honda entwickelte dreirädrige All-terrain (Motor)cycles (ATC). Auch Yamaha (unter anderen „Tri-Z“) und Kawasaki (unter anderen „Tecate“) machten sich in diesem Bereich einen Namen. Hauptabsatzmarkt waren die USA, hier tauchten die Fahrzeuge als erstes auf. Die Dreiräder waren zunächst nur als Freizeitfahrzeuge für die südkalifornischen Wüsten gedacht. Die Motorkraft wird auf eine starre Hinterachse ohne Schwinge übertragen, auf der zugleich das meiste Gewicht des Fahrers lagert. Beim Beschleunigen wird das Vorderrad so stark entlastet, dass Lenkbewegungen nicht auf den Untergrund übertragen werden. Eine Fahrwerksfederung wurde anfangs nicht eingebaut, stattdessen boten Ballonreifen eine gewisse Federung. Die Folgen dieser sehr einfachen Konstruktion und die Unerfahrenheit der Fahrer waren zahlreiche schwere Unfälle in den USA, die Medien griffen das Thema auf. Die Verbraucherschutzorganisation CPSC (Consumer Product Safety Commission) setzte schließlich in Übereinkunft mit der Herstellerindustrie (Honda, Kawasaki, Suzuki, Polaris Industries, Yamaha) Ende der 1980er Jahre eine auslaufende Produktion der Dreiräder durch, aber kein Vertriebsverbot. Die Übereinkunft galt von 1987 an für 10 Jahre. Um das Fahren sicherer zu machen, aber den lukrativen Absatzmarkt nicht aufzugeben, entwickelte Suzuki das erste vierrädrige „Quad“, die LT 125, andere Hersteller folgten mit vierrädrigen Produkten wenig später. Neben dem Freizeit- und Sporteinsatz (Publikationen in den damals noch existierenden 3Wheeler Magazinen erreichten Millionen von ATC-Fahrern) wurden die Quads auch von Landwirten für die Arbeit auf ihren großen Weiden, dann als nützliches Transportfahrzeug entdeckt. Aber besonders als Sportgerät setzt sich das Quad immer weiter durch, inzwischen werden in vielen Ländern offizielle Quad-Meisterschaften ausgetragen.
Hauptabsatzmarkt für die Quads/ATVs ist heute immer noch Nordamerika mit rund einer Million Einheiten pro Jahr, aber auch die Märkte in Südamerika, Australien und Europa haben sich lukrativ für die Hersteller entwickelt. Europa spielt vor allem für Polaris, Can Am und Arctic Cat eine immer wichtigere Rolle.
Straßenzulassung
Die Fahrzeuge werden in der Regel als reines Geländefahrzeug nach Europa importiert und müssen für die Straßenzulassung aufwendig von den Importeuren bzw. Händlern umgerüstet werden. Bei der Umrüstung werden Scheinwerfer, Blinker, Bremslichter, Standlicht und Tacho nach EC-Norm angebaut. Durch Spurverbreiterung, Tieferlegung und Straßenreifen kann die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden.