mini|hochkant=1.5|Dünenheide auf Hiddensee: Beispiel für eine Heidelandschaft mit natürlicher (Dünenvegetation) und anthropogener (Überweidung) Entstehungsgeschichte Heide (veraltet auch Haide) ist die Bezeichnung für einen Landschaftstyp, ursprünglich für das vom Menschen unbebaute Land, später auch eine schlechthin unfruchtbare, nicht urbar zu machende Landschaft.

Im engeren Sinne versteht die Ökologie darunter inzwischen Vegetationstypen des Offenlandes, die durch niedrige Zwergsträucher wie Besenheide, Heidelbeere und Preiselbeere mit immergrünem, hartem Laub geprägt sind.Matthias Schaefer: Wörterbuch der Ökologie. 5. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-8274-2562-1, S. 114. Heiden sind dabei insbesondere Landschaften, die von Heidekrautgewächsen dominiert werden.

Da im Klima der feuchten Mittelbreiten von Natur aus grundsätzlich Wald entsteht, kommen natürliche Heiden – die fachsprachlich in der Regel Zwergstrauchheide genannt werden – nur unter bestimmten edaphischen Bedingungen (etwa sehr magere, durchlässige Kalk- oder Sandböden, Dünenbildung an Küsten, Torfboden, Felsstandorte) vor. Der Großteil der heute bestehenden Heidelandschaften ist anthropogen durch Jahrhunderte lange übermäßige Waldbeweidung mit starkem Verbiss und/oder Niederwaldwirtschaft auf mageren Böden entstanden. Der Fortbestand solcher Heiden als Kulturlandschaften ist von dauerhafter Landschaftspflege abhängig. Ohne diese Maßnahmen würde sich wieder Wald einstellen.

Heiden waren vor den umfangreichen bodenverbessernden Maßnahmen Mitte des 20. Jahrhunderts in der Landwirtschaft Europas weit verbreitet. Heute sind nur noch Reste verblieben, die zu weiten Teilen unter Naturschutz stehen.

Naturlandschaften mini|Naturlandschaft: Subtropische Küstenheide im Innes-Nationalpark in Süd-Australien Natürliche Heidelandschaften sind beispielsweise: die atlantischen Zwergstrauchheiden der kühlgemäßigten Küsten Nordwest-Europas (vor allem in Irland und Schottland), Heidemoore oder Standorte auf Silicatfelsen und kalkarmen BödenStichwort Heidelandschaft auf spektrum.de, abgerufen am 20. Dezember 2022. in der Laubwaldregion, Zwergstrauchheiden der polaren Tundren oder der alpinen Höhenstufe oberhalb der Waldgrenze, die Heiden Australiens und der Fynbos Südafrikas in der subtropischen Hartlaubvegetation. Der Begriff der Heide ist hier sehr unspezifisch, da keine einheitliche Zuordnung zu einer Klimazone möglich ist. Daher wird er in Fachpublikationen für die Naturlandschaften selten verwendet.

Kulturlandschaften mini|Die Lüneburger Heide ist eine der bekanntesten Heiden als Kulturlandschaft. Menschengenerierte Heide-Kulturlandschaften sind zumeist auf mageren, meist sandigen Standorten der gemäßigten Breiten durch extensive Bewirtschaftung (z. B. Beweidung, Hauwaldnutzung, Allmendeweiden) oder Trockenlegung von Feuchtgebieten anthropogen entstandene baumlose Flächen. Ohne landschaftspflegerische Maßnahmen entwickeln sich solche Heidegebiete wieder zu Wald.

Alle trockenen Heiden Mitteleuropas – abseits von Meeresküsten und Feuchtgebieten – verdanken dabei ihre Entstehung der ungeregelten Beweidung über lange Zeiträume, bei der sich ein Hutewald durch den Verbiss des Viehs in eine mehr oder weniger baumfreie, offene Fläche umgewandelt hat.Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 5., stark veränderte und verbesserte Auflage. Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-2696-6, S. 719.

Begriffsgeschichte Im Ursprung bedeutete das althochdeutsche Wort heide (auch heyde) „unbebautes Land“ im Gegensatz zu dem für Garten- oder Landwirtschaft urbar gemachten Land im Umkreis von Siedlungen. Diese Bezeichnung wurde auf die Allmendeweiden übertragen, die von allen Bauern der Gemeinde gemeinsam genutzt wurden; dabei waren Wald und Weideland nicht voneinander getrennt, der Wald wurde mitbeweidet und lichtete sich dadurch immer mehr aus. Heide war in der Folge mehr ein Rechtsbegriff als eine Landschaftsform, andernorts hieß es im gleichen Sinne Mark, Gemeine, Gemeinde, Gemeinheit, Allmende. Entsprechend sind Heiden in Norddeutschland Zwergstrauchfluren, in Süddeutschland Kalktriften mit Magerrasen, im Osten lichte Kiefernwälder. In der Neuzeit setzte sich dann der norddeutsche Name durch. Regional gibt es noch weitere Bezeichnungen für die Heide, zum Beispiel Palvė im baltischen Raum.

Im traditionellen Sprachgebrauch werden regional verschiedene Landschaftstypen als „Heide“ bezeichnet, teils auch mit zusammengesetzten Begriffen wie Felsheide oder Steppenheide (vergleiche zum Beispiel die Garchinger Heide, einen Trockenrasen bei München). In Ostdeutschland werden darunter, wohl von der älteren Bedeutung des Worts abgeleitet, aufgelichtete Kiefernwälder, seltener auch andere Wälder, verstanden.Jürgen Kunze: Schorfheide und verwandte Namen: Erkundungen zu einem rätselhaften Wort. LIT Verlag, Münster, 2007. ISBN 978-3-8258-0007-9.Hans Mortensen (1941): Zum Landschaftsbegriff „Heide“ in Nordwestdeutschland und im deutschen Osten. In: Nachrichten von der Akademie der Wissenschaften in Göttingen aus dem Jahre 1941. Mathematisch-physikalische Klasse. Göttingen 1942, S. 76–83.

Im engsten Wortsinn werden solche Flächen „Heide“ genannt, die durch vorherrschendes Heidekraut (Calluna vulgaris) auf nährstoffarmen und sauren Böden gekennzeichnet sind, oft mit eingestreutem Wacholder. Der Name des Heidekrauts ist schon im Althochdeutschen belegt und zeigt dadurch die langstehende Verbindung des Landschaftsnamens mit weitgehend unbebaubarem Flachland. Das blühende Heidekraut als Leitpflanze verwandelt einmal im Jahr, von Sommer bis Herbst, die weite, baumlose Heidelandschaft atlantischen Typs in einen lilafarbenen Teppich.

Geographische Verteilung Deutschland Naturlandschaften Die baumlosen alpinen Regionen der Alpen werden gelegentlich als Heide bezeichnet und sind zusammen mit den Dünenheiden der Nord- und Ostseeinseln die einzigen natürlichen Heiden Deutschlands.

Im Osten Deutschlands gibt es den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaften.

Historische Kulturlandschaften Bekannte Heidelandschaften sind die Lüneburger Heide in Niedersachsen, die Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt, die Senne und die Westruper Heide in Nordrhein-Westfalen. Alle genannten Heidegebiete gehören biologisch gesehen zum Typus der atlantischen Heiden.

Weitere Heiden gibt es vor allem in Süddeutschland. Zu ihnen gehören die Lechtalheiden bei Augsburg und die Fröttmaninger Heide im Münchner Norden.

Heideflächen in Parks In einigen Parks sind Heideflächen angelegt, teilweise auch unter Berücksichtigung mehrerer Sorten, um deren Vielfalt zu veranschaulichen.

Übriges Europa Zu unterscheiden sind drei Haupttypen von atlantischen Heiden:

Küstennahe Heiden sind vom milden, feuchten Meeresklima geprägt. Diesen Heidetyp gibt es in Norwegen, Irland, Nordwestschottland sowie auf den Orkney- und Shetland-Inseln. Er ist mit Moor- und Sumpf­landschaften verbunden und stellt einen natürlich gewachsenen Landschaftstyp dar. Die zentralen, nicht unmittelbar an der Küste gelegenen Heideregionen umfassen Gebiete in Schweden, Dänemark, Deutschland, den Benelux-Staaten, England, Frankreich, Polen und den baltischen Staaten. Dabei handelt es sich überwiegend um Sandheiden, die durch menschliche Einflüsse entstanden sind. Ein dritter – ebenfalls anthropogen entstandener – Typ befindet sich im subtropischen Südeuropa. In Südfrankreich, Spanien und Portugal liegen die Heideregionen im küstennahen, steilen Bergland (vgl. Macchie), während die zentralen Heidegebiete eher in flach welligen Tiefland-Regionen zu finden sind. Im Süden überziehen bunte Blumenteppiche die felsigen Bergkuppen.

In Europa gibt es eine Vielzahl von Heidegebieten. Neben Heiden des atlantischen Typs gibt es außerhalb des atlantischen Einflusses Gebiete mit Heiden des nicht-atlantischen Typs.Planet Wissen: Heidelandschaften in Europa

Anthropogene Heiden

Entstehung Ursprünglich waren Heiden nur an natürlich waldfreien Standorten an Küsten (Dünen), in Mooren und im Gebirge zu finden. Die meisten der heute existierenden Heidelandschaften traten durch menschliche Bewirtschaftung anstelle der ursprünglichen Mischwälder. Dies zeigt sich unter anderem am Beispiel der Lüneburger Heide: Die Weide- und Feldwirtschaft auf den Böden im norddeutschen Tiefland prägte zwar bis zum 10. Jahrhundert bereits die Landschaft. Den wüchsigen Eichen- und Buchenwaldgesellschaften gelang es jedoch immer wieder, die vom Menschen aufgegebenen Flächen zu besiedeln. Die intensive Nutzung der Waldbestände in den folgenden Jahrhunderten erschöpfte die Regenerationskraft der Bestände. Durch Rodung, Beweidung und Feuer wurden die Wälder aufgelichtet und die Ausbreitung lichtliebender Pflanzengesellschaften gefördert. Bei extremer Übernutzung kam es auf leichten Böden (pleistozäne Sander und Dünen) zur Bildung von Flugsanden. Als besonders verheerend erwies sich die zusätzliche landwirtschaftliche Nutzung durch Plaggenhieb.

mini|Heidschnucken in der Lüneburger Heide

Beim bis ins 19. Jahrhundert praktizierten Plaggenhieb als Teil der Heidebauernwirtschaft wurde der Oberboden mit der Vegetation und der Wurzelzone entfernt. Zurück blieb der reine Mineralboden. Die Plaggen wurden als Brennmaterial genutzt oder als Einstreu in Stallungen verwendet und mit dem Kot der Tiere vermengt als Dünger auf die Felder ausgebracht. Weitere Nährstoffe wurden durch Beweidung, insbesondere mit Heidschnucken entzogen. Die Beweidung verhinderte zudem den Aufwuchs größerer Gehölze bzw. von Bäumen und förderte nicht verbissene Gehölzarten (Weideunkräuter) wie den für Heidelandschaften charakteristischen Wacholder.

Hinzu kam in vielen Heidegebieten das regelmäßige Abbrennen der Vegetation: Da die Besenheide nach Bränden besonders gut keimt und für jagdbares Kleinwild (etwa Birkhühner und Hasen) eine besonders nährstoffreiche Nahrung darstellt, erhöhte sich dadurch der Tierbestand.Hermann Remmert: Ökologie. Ein Lehrbuch. 5. Auflage. Berlin Heidelberg 1992, ISBN 3-540-54732-0. S. 63–64.

Nährstoffe wurden aus den so genutzten Böden exportiert. Niederschläge wuschen die letzten verbleibenden Nährstoffe aus, die im durchlässigen Bodenausgangsmaterial (Sande) schnell in tiefere Schichten verlagert wurden. Auf diesen degradierten Böden siedelten nun Spezialisten wie Heidekrautgewächse (Ericaceae) und Heide-Wacholder (Juniperus communis), die durch starke organische Säuren die letzten Nährstoffe aus den Böden erschließen. Es kam zu einer Versauerung des Bodens, in dem immer weniger Bakterien als Zersetzer existieren können. In der Folge konnte Streu und organische Bestandteile immer weniger zersetzt werden. Unterhalb des Auswaschungshorizontes dieser Böden bildete sich durch Podsolierung eine Zone, in der organische Komplexbildner (Polyphenole, Carbonsäuren, Fulvosäuren) mit Eisen-, Mangan- und Aluminiumionen ausfallen und sich verfestigen.Wulf Amelung, Hans-Peter Blume, Heiner Fleige, Rainer Horn, Ellen Kandeler, Ingrid Kögel-Knabner, Ruben Kretzschmar, Karl Stahr, Berndt-Michael Wilke: Scheffer/Schachtschabel Lehrbuch der Bodenkunde. 17., überarbeitete und ergänzte Auflage, Springer Spektrum, Berlin 2018. ISBN 978-3-662-55870-6. Abschnitt 7.2.4.2 Podsolierung, S. 363–364. Auf feuchteren Standorten unter Erikaheiden bildete sich in dieser Schicht der für Pflanzenwurzeln oft undurchdringliche Ortstein, auf trockeneren Böden unter Callunaheiden Orterde.

Biodiversität mini|Heide-Steppenrüssler