Heide () ist eine Mittelstadt in Schleswig-Holstein und die Kreisstadt des Kreises Dithmarschen.

Geografie Geografische Lage Das Stadtgebiet von Heide befindet sich am westlichen Rand der Schleswig-Holsteinischen Geest im Nordteil des Dithmarscher Kreisgebiets nordöstlich der Meldorfer Bucht. Zur Unterscheidung von anderen Orten gleichem Namens wird der Zusatz „i. H.“ / gesprochen „(in) Holstein“ benutzt.

Gemeindegliederung Die Volkszählung 1987 registrierte die Einwohnerzahlen auf Basis des folgenden Wohnplatzverzeichnisses. Danach gliederte sich die Stadt wie folgt: Bennewohld Dellweg Duvenheide Hochfeld Süderholm

Als Stadtteile von Heide (Holst.) werden heute Rüsdorf (1924 eingemeindet), Süderholm-Bennewohld (1967 eingemeindet) und Butendiek genannt.

Zudem wird die Stadt häufig pragmatisch entsprechend den vier Haupthimmelsrichtungen in Heide-Nord und Heide-Süd sowie Heide-Ost und Heide-West eingeteilt.

Nachbargemeinden Direkt an das Heider Stadtgebiet grenzen:

Klima mini|links|Klimadiagramm von HeideGeoklima 2.1

Geschichte mini|hochkant=1.5|Marktplatz von Heide von dessen Nordost-Ecke aus, Zeichnung um 1895 Das Gebiet war bereits in der Steinzeit besiedelt. 2025 entdeckten Archäologen etwa auf einem geplanten Neubaugebiet in Heide Spuren einer Siedlung aus der Steinzeit. Sie fanden den Grundriss eines Wandgräbchenhauses mit einer Länge von etwa 17 Metern. Derartige Gebäude, bei denen die Pfosten des Hauses in Gräben gesetzt wurden, werden auf ein Alter von 4700 Jahren geschätzt und sind in Schleswig-Holstein bisher nur dreimal bekannt. Weitere Funde stammten aus der Bronzezeit bis zur römischen Kaiserzeit, darunter Langhäuser und ein Grubenhaus.

Frühe Entwicklung 1404 wurde Heide als Uppe de Heyde zum ersten Mal erwähnt. Laut einer Chronik von 1577 hatten im 14. Jahrhundert die Dörfer Rickelshof, Lohe, Wesseln und Rüsdorf beschlossen, im Schnittpunkt ihrer Gebiete eine Kapelle – oder nach anderer Quelle ein Gasthaus – zu errichten. In: Internetseite der Stadt Heide. Abgerufen am 16. April 2019. Wieder anderer Quellen zufolge soll es durch die Wollersmannen gegründet worden sein, da es inmitten ihrer Stammsitze lag. Bereits 1434 wurde Heide als Versammlungsort der Bauernrepublik erwähnt. 1447 wählten die Dithmarscher Heide zum Obergericht der Achtundvierziger und sicherten den Status des Orts als einer der Dithmarscher Hauptorte neben Meldorf. Zu den Landesversammlungen konnten sich bis zu 12000 wehrfähige Männer auf dem 4,6 ha großen Platz versammeln. An dessen Rand ist schon 1437 eine dem heiligen Georg geweihte St.-Jürgen-Kapelle bezeugt.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein; 3. Aufl. Deutscher Kunstverlag 2009; S. 353 f.

Am 10. Dezember 1524 wurde auf dem Marktplatz der ehemalige Mönch Heinrich von Zütphen verbrannt, der Ende November auf Einladung von Nicolaus Boie nach Meldorf gekommen war, um dort die evangelische Lehre zu predigen. Die Reformation setzte sich erst acht Jahre später durch.

Auch wenn Dithmarschen nach der Letzten Fehde 1559 seine Unabhängigkeit verlor und Heide dabei völlig zerstört wurde, behielt Heide seine Bedeutung als Handelsort und Sitz der Verwaltung der späteren Landschaft (in dänischer Zeit) bzw. des Kreises (in preußischer Zeit) Norderdithmarschen. Der ehemalige Versammlungsort diente nunmehr nur noch als Marktplatz. Die ursprünglich aus Feldstein errichtete Kirche wurde aus Ziegeln neu aufgeführt und schon im folgenden Jahr wieder eingeweiht. Der Turm wurde 1611 angefügt und 1724 erneuert. (mit Video)

Eisenbahnanschlüsse Im Jahr 1877 bekam Heide durch die Westholsteinische Eisenbahn-Gesellschaft im Bahnhof Heide erste Eisenbahnverbindungen nach Neumünster und Tönning, die zum 1. November 1878 durch die Einbindung der Marschbahn um direkte Verbindungen nach Altona und zehn Jahre später direkt nach Husum erweitert wurden. 1905 bis 1937 bestand gegenüber dem Bahnhof das Betriebsgelände der Kreisbahn Norderdithmarschen, die mit zwei Strecken den Kreis erschloss.

Politische Entwicklungen Von 1867 bis 1971 war Heide Sitz des Amtsgerichts Heide. Am 7. Juli 1870 erhielt Heide das Stadtrecht. Heide war Kreisstadt des Kreises Norderdithmarschen.

Heide war eine frühe Hochburg des Nationalsozialismus. Bei der Reichstagswahl 1928 erreichte die NSDAP in Heide 12,6 %. Nach der von den Nazis so genannten Blutnacht von Wöhrden verzeichnete die Heider Ortsgruppe der NSDAP einen starken Mitgliederzuwachs. Bei den Kommunalwahlen 1929 kam die NSDAP in der Folge auf 14 Prozent. Bei der Reichstagswahl 1930 wählten 33,3 % der Wähler in Heide die NSDAP, bei der Reichstagswahl Juli 1932 50,8 %.

Trotz der absoluten Mehrheit für die NSDAP bei den Kommunalwahlen 1933 mit 57,7 % blieb der deutschnationale Bürgermeister Hermann Hadenfeldt vorerst im Amt. 1937 gab Hadenfeldt sein Amt aber vorzeitig auf und Karl Herwig wurde als Bürgermeister eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ernannten die Briten August Vehrs zum Bürgermeister.

Während der Operation Gomorrha warfen Bomber der 381st Bombardment Group der United States Army Air Forces am Nachmittag des 25. Juli 1943 ihre Bombenlast nicht wie geplant über Hamburg, sondern erst während ihres Rückflugs zur Nordsee über Heide ab.Martin Middlebrook: Hamburg Juli '43. Alliierte Luftstreitkräfte gegen eine deutsche Stadt, Ullstein, Berlin 1983, ISBN 3-550-07937-0, S. 232.

Seit 1970 ist Heide Kreisstadt des aus den Kreisen Norder- und Süderdithmarschen neu geschaffenen Kreises Dithmarschen und setzte sich in der Wahl gegen Meldorf durch. Bereits 1932 hatte die preußische Regierung die Kreise Norder- und Süderdithmarschen zusammengelegt, dabei aber Meldorf zur Kreisstadt erkoren. Die Nazis machten die Zusammenlegung 1933 wieder rückgängig. Im September 1967 wurden die Orte Süderholm und Bennewohld auf eigenen Wunsch eingemeindet.

Eingemeindungen Am 9. Oktober 1924 wurde die Dorfgemeinde Rüsdorf, die bis dahin der Kirchspielslandgemeinde Weddingstedt angehörte, eingegliedert. Am 1. Januar 1968 kam die bis dahin selbstständige Gemeinde Süderholm hinzu. Diese entsprach gebietsmäßig der Gemeinde Süderholm-Bennewohld, die am 1. April 1934 auf die neuen Gemeinden Bennewohld und Süderholm aufgeteilt wurde. Bennewohld wurde am 1. April 1943 nach Süderholm eingemeindet.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von 1835 bis 2016

Die Grafik weist einen für die Region typischen Anstieg der Einwohnerzahl auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Dithmarschen und Eiderstedt (zusammen damals unter 120.000 Einwohner) zum Internierungsgebiet Sperrgebiet G der Alliierten für bis zu 400.000 Wehrmachtssoldaten. Während des Krieges und danach wurden sehr viele Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten Deutschlands in Heide aufgenommen und auch dauerhaft sesshaft.

Jahr Einwohner 1835 (1. Feb.) 5.135 1840 (1. Feb.) 5.284 1845 (1. Feb.) 5.396 1855 (1. Feb.) 6.120 1860 (1. Feb.) 6.452 1864 (3. Dez.) 6.846 1871 (1. Dez.) 7.420 1875 (1. Dez.) 7.485 1880 (1. Dez.) 8.219 1885 (1. Dez.) 8.032 1890 (1. Dez.) 8.103 1895 (1. Dez.) 8.594 1905 (1. Dez.) 9.478 1919 (1. Dez.) 10.912 1925 (16. Juni) 11.164 1933 (16. Juni) 12.368 Jahr Einwohner 1939 (17. Mai) 13.205 1946 (29. Okt.) 23.175 1950 (13. Sep.) 23.178 1956 (25. Sep.) 20.792 1961 (6. Juni) 20.675 1970 (27. Mai) 22.992 2003 (30. Juni) 20.533 2005 (30. Juni) 20.660 2006 (31. Dez.) 20.695 2007 (31. Dez.) 20.827 2012 (31. Dez.) 20.894 2016 (31. Dez.) 21.529 2017 (31. Dez.) 21.699 2018 (31. Dez.) 21.684 2019 (31. Dez.) 21.852

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren (Mai 2022) 44,7 % der Einwohner evangelisch, 5,2 % katholisch, und 50,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 10. August 2024.

Politik

Ratsversammlung

Seit der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 verteilen sich die 32 Sitze (+ 3) in der Ratsversammlung folgendermaßen auf die einzelnen Parteien (in Klammern: Differenz zur Anzahl der Sitze nach der Kommunalwahl am 6. Mai 2018): CDU: 14 Sitze (+ 2) SPD: 6 Sitze (− 2) Grüne: 4 Sitze (+ 4) FDP: 3 Sitze (± 0) LINKE: 2 Sitze (− 1) FWH: 1 Sitz (− 2) UWH: 1 Sitz (+ 1) DFN: 1 Sitz (+ 1)

Bürgermeister Der Bürgermeister der Stadt Heide ist seit dem 1. Dezember 2018 Oliver Schmidt-Gutzat (SPD). Seine Stellvertreter sind Marc-Friedrich Trester (CDU) und Manfred Will (SPD).

Bei der Bürgermeisterwahl am 7. Juni 2026 wurde Schmidt-Gutzat im Amt bestätigt. Im ersten Wahlgang erhielt er 50,6 Prozent der abgegebenen Stimmen und konnte sich somit gegen seine beiden Herausforderer durchsetzen. Die Wahlbeteiligung betrug 40,5 Prozent.

Stadtpräsident (Bürgervorsteher) Bürgervorsteher bzw. seit 2025 Stadtpräsident der Stadt Heide ist Michael Stumm (CDU). Seine Stellvertreter sind Hülya Altun (SPD) und Christoph Siewert (CDU).

Die ehemaligen Bürgervorsteher waren: 15. Juni 1950 – 1. April 1966 Adolf Stein 1. April 1966 – 25. April 1990 Helmut Petersen-Schmidt 25. April 1990 – 16. April 2003 Reinhard Woelk 16. April 2003 – 24. Juni 2008 Olof Paulsen 26. Juni 2008 – 13. Juni 2018 Franz Helmut Pohlmann

Wappen Das Kommunalwappen von Heide wurde von dem Brunsbütteler Heraldiker Willy „Horsa“ Lippert gestaltet und am 31. Januar 1952 genehmigt. mini|Altes Siegel der Stadt Heide mit dem Stadtpatron St. Georg

mini|hochkant=0.7|Flagge von Heide Flagge In Rot die Figuren des Stadtwappens sämtlich in Weiß ohne Schild, begleitet oben und unten unweit des Randes von einem schmalen weißen Streifen.

Städtepartnerschaften Nowogard in Polen – Städtefreundschaft (ehemals Naugard) Anklam in Mecklenburg-Vorpommern – Städtefreundschaft Freudenstadt – freundschaftliche Beziehungen zur Großen Kreisstadt im Schwarzwald. Freudenstadt ist die andere Stadt in Deutschland, die den Anspruch erhob, den größten Marktplatz des Landes zu haben. Beide Städte einigten sich mittlerweile darauf, dass die Marktplätze gleich groß seien, jedoch hat Heide den größten unbebauten Marktplatz Deutschlands und Freudenstadt den größten bebauten Marktplatz.

Patenschaften Patenschaft mit der Deutschen Privatschule in Feldstedt/Dänemark Patenschaft zur 12. Inspektion der Unteroffizierschule der Luftwaffe Patenschaft Containerschiff „Heide“ – Reederei Wentorf Patenschaft Lufthansa-Jet „Heide“ Patenschaft zu den ehemaligen Einwohnern der Stadt und des Kreises Naugard in Pommern

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

St.-Jürgen-Kirche mini|St.-Jürgen-Kirche von Süd-Ost

Die lichtdurchflutete Kirche steht auf dem Süd-West-Eck des Marktplatzes und wurde auf den Grundmauern des 1559 bei einem Brand vollständig zerstörten Vorgängerbaus errichtet. 1694–1696 wurde das Gebäude erweitert und im gleichen Jahrhundert an der Nordseite eine Empore eingezogen, an der in bildhaften Darstellungen Szenen aus der Bibel gezeigt werden. 1724 wurde die Kirche durch einen neuen, breiteren Chor zu einer Saalkirche vergrößert und der 1611 errichtete Turm so umgestaltet, wie man ihn heute noch sieht.Dehio, S. 354. Aus der alten Kirche wurde ein Taufbecken aus Sandstein übernommen. Vermutlich zusammengesetzt aus zwei älteren Altären ist der Schrein eines gotischen Schnitzaltars an der Südwand. Die Kanzel aus der Erbauungszeit mit Darstellungen von Szenen aus dem Leben Jesu mit niederdeutscher Beschriftung stammt aus der Zeit des Neubaus, der barocke Altar von 1699. Außerhalb der Kirche an der Südseite befindet sich ein Sühnestein der in Bild und Wort von einem im Jahr 1567 erfolgten Totschlag berichtet.

Weitere Kirchen Erlöserkirche (evangelisch) Auferstehungskirche (evangelisch) St. Josef-Kirche (katholisch) Neuapostolische Kirche Islamischer Gebetsaal im ehemaligen Ballhaus Tivoli

Altes Pastorat mini|Altes Pastorat