mini|Wappen der Maurenbrecher am Türsturz des Hauses „En de Canon“ („In der Kanone“) mini|Allianzwappen Maurenbrecher–Stock von 1694, Glasfenster in der Urdenbacher Dorfkirche„Herr Johan Reinhardt Maurenbrecher Bürger in Düsseldorff Undt Eltester der Reformirten Gemeinde Daselbst Undt Catharina Stocks Eheleut 1694“ – sie vermutlich Tochter des Predigers zu Urdenbach 1691–1692 Johann Anton Stock. Die Maurenbrecher sind ein Düsseldorfer Postmeistergeschlecht, das zu den Pionieren des Postwesens am Niederrhein zählt und bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann.
Überblick Als Stammvater gilt Franz Maurenbrecher (geboren vor 1560) aus Pempelfort. Seine Nachkommen betrieben seit dem 16. Jahrhundert in Düsseldorf ein Fuhr- und späteres Fahrpostunternehmen.
Die Gründung der Fahrpost 1623 richtete Johann Maurenbrecher (nach 1585 – nach 1623), Sohn des Franz Maurenbrecher, in Düsseldorf eine privat betriebene Fahrpost nach Wesel ein, die über Duisburg führte.Günter von Roden: Geschichte der Stadt Duisburg. Das alte Duisburg von den Anfängen bis 1905. Duisburg 1975, S. 178.
1639 erwarb sein Bruder Tilman Maurenbrecher (1580–1665) in Düsseldorf das Barockhaus, die heutige Zollstraße 7, das zum Stammhaus der Maurenbrecherschen Fahrpost wurde.
Johann Maurenbrecher der Jüngere (1615/23–1685) erhielt 1668 das pfalzgräfliche Privileg zur Einrichtung einer „Fahrenden Post“, der ältesten kurpfälzisch privilegierten Landkutsche.Martin Dallmeier: Thurn und Taxis-Studien, Bd. 9, H. 1–2, 1977, S. 169. Dies galt als „Menetekel“ für die Kaiserliche Reichspost der Thurn und Taxis,Wolfgang Behringer: Im Zeichen des Merkur. Reichspost und Kommunikationsrevolution in der Frühen Neuzeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Bd. 189), S. 449. die sich in der Folge gezwungen sah, aus Konkurrenzgründen eine eigene, zunächst defizitäre Fahrpost aufzubauen.Wolfgang Behringer: Thurn und Taxis. München 1990, S. 123, 133.
Ein weiterer Ausbau erfolgte, als der Kurfürst von Brandenburg, als Landesherr des Herzogtums Kleve, am 29. März 1675 das Privileg für eine Postverbindung von Düsseldorf nach Nimwegen in Holland erteilte.Tonnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), Bd. 1, 1886, S. 18.
Der Maurenbrechersche Postbetrieb „besorgte den Personen- und Güterverkehr des ganzen Niederrheins mit Holland und – unter Mitbenutzung anderer Postbetriebe – den Verkehr nach Norden und Osten Deutschlands bis nach Polen.“Hans Müller-Schlösser: Die Stadt an der Düssel. 4. Aufl., Düsseldorf 2010, S. 228.
In Düsseldorf unter Jan Wellem „Nachdem die Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. den Pfälzern das Heidelberger Schloss zerstört hatten, machte der junge Erbe das Nest am rechten Rheinufer zur Ersatzresidenz“Jutta Hoffritz: Die letzte Medici. In: Die Zeit, Nr. 46/2008 – Düsseldorf blieb mithin trotz seiner Kurfürstenwürde der Sitz Jan Wellems, Regent und Herzog von Jülich und Berg von 1679 bis 1719. Durch die Präsenz des glanzvollen Hofes erfuhr die Stadt eine beachtliche wirtschaftliche, kulturelle und städtebauliche Entwicklung.
Die Maurenbrecher betrieben in jener Zeit in dem Haus in der Zollstraße neben ihrer Fahrpost eine Weinhandlung mit Ausschank. „Die ‚Zechstube‘ bei Maurenbrecher ist durch Jan Wellem berühmt geworden“Hans Müller-Schlösser: Die Stadt an der Düssel, 4. Auflage. Düsseldorf 2010, S. 230 – dort kamen die zahlreichen ausländischen Künstler zusammen, die Jan Wellem an seinen Hof gezogen hatte, und hier verkehrte auch der Kurfürst selbst gerne im vertrauten Kreise.Jan Wellem: Mythen und Legenden – Moselwein und Wasser. duesseldorf.de
Zweige der Maurenbrecher Durch die Heirat des kurpfälzischen Kommerzienrats Johann Heinrich Maurenbrecher (1691–1753) mit Catharina Helena Bernsau (1710–1792), einer Urenkelin des Bergischen Marschalls und Herrn zu Hardenberg Wilhelm V. (III.) von Bernsau (1514–1572), versippten sich die Maurenbrecher mit den ältesten Geschlechtern der Region.
Nach der Verstaatlichung der Post im Zuge der Napoleonischen Kriege teilte sich der deutsche Hauptast des Geschlechts in zwei Linien: Die eine brachte namhafte Wissenschaftler hervor, von denen einzelne über ihre Rezipienten Kaiser Wilhelm II. (Wilhelm Maurenbrecher)Volker Ulrich: Kaiser Wilhelm II. Prinz und Bummelknabe. In: Die Zeit campus, Juli 2008 – „Unter den Professoren übte der Historiker Wilhelm Maurenbrecher die größte Anziehungskraft auf Wilhelm aus. Maurenbrecher war ein schrankenloser Bewunderer des Reichskanzlers Otto von Bismarck [Corps Hannovera Göttingen] und ein Verächter aller liberalen Bestrebungen im Kaiserreich. Unter seinem Einfluss wandte sich der in seinen politischen Ansichten noch ganz unreife Prinz von seinen anglophilen, liberal eingestellten Eltern ab – und Bismarck zu.“ und Adolf Hitler (Max Maurenbrecher)Martin Liepach: Abitur-Wissen Geschichte – Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Freising 2001, S. 95 ff: „Es ist klar, dass die entscheidenden geistesgeschichtlichen Einflüsse für die nationalsozialistische Ideologie und die Weltanschauung Hitlers sich nicht im Einzelnen in ihrem Ausmaß bestimmen lassen. Von verschiedenen Seiten wurde dennoch die lohnenswerte Frage nach den Ideengebern Hitlers gestellt. So gibt es eine Bücherliste, die die Titel enthält, die Hitler bei dem Nationalsozialistischen Institut ausgeliehen haben soll, einer Leihbücherei in der Nähe Münchens, die in der Frühphase der Partei gegründet wurde. Diese Liste umfasst sämtliche wichtigen Autoren des Rassismus: Houston Stewart Chamberlain, Richard Wagner, Julius Langbehn und den völkischen Rassisten Max Maurenbrecher, der sowohl gegen die Juden als auch gegen die christliche Kirche schrieb. In dieser Phase ist die Ausbildung der Weltanschauung Hitlers noch nicht abgeschlossen, sondern im Gegenteil, sie beginnt erst.“George Lachmann Mosse: Toward the Final Solution: A History of European Racism. New York 1978, S. 205: „A list of books which Hitler is purported to have borrowed from the National Sozialistisches Institute – a lending … Richard Wagner, Langbehn, and no less than three books by Max Maurenbrecher, who was a Volkish racist …“, 205 nicht unwesentlichen Einfluss auf die Zeitgeschichte erlangt haben, die andere, Dombacher Linie wandte sich der Papierfabrikation zu.
Mit dem Prediger Johann Gabriel Maurenbrecher (1773–1801) bildete sich ein niederländischer Zweig, der vornehmlich in Niederländisch-Indien tätig war. Sein Spross war der Generalleutnant und Pionier der Einhand-Weltumseglung Hans Anton Maurenbrecher (1910–1966).
Die Maurenbrecher gehörten traditionell der Reformierten Kirche an. Sie stellten vielfach Diakone und Älteste der Reformierten Gemeinde in Düsseldorf. Ihr Wappenfenster befindet sich in der 1693 erbauten reformierten Kirche in Düsseldorf-Urdenbach. Die Dombacher Linie der Maurenbrecher ist überwiegend römisch-katholisch.
Nachkommen Zu den Nachkommen der Maurenbrecher gehört der linksliberale Politiker Eugen Richter, Sohn der Bertha Maurenbrecher (1810–1868) und einer der profiliertesten Gegner Fürst Bismarcks, über den Heinrich Mann in „Der Untertan“ schreibt: „Seine Majestät haben das erhabene Wort gesprochen: ‚Mein afrikanisches Kolonialreich für einen Haftbefehl gegen Eugen Richter!‘“1914, S. 445
Ein Nachfahr des Historikers Wilhelm Maurenbrecher ist der Liedermacher Manfred Maurenbrecher.
Geschichte Die Maurenbrechersche Fahrpost Siehe auch den Artikel → Postkutsche
Im Herzogtum Berg mini|Samuel Maurenbrecher(1648–1690), Postmeister mini|Maurenbrechersche Postkutsche in der Zollstraße, Düsseldorf-Altstadt (um 1800) Johann Maurenbrecher (1600–1685) übernahm das bereits von seinem Großvater Franz Maurenbrecher sowie seinem Vater Johann Maurenbrecher (1585–1623) und dessen Bruder Tilman Maurenbrecher (1580–1665) seit dem 16. Jahrhundert betriebene Fuhrgeschäft in Düsseldorf. Ab dem 23. Mai 1623 eröffnete er einen privaten „Postbetrieb“ im Bereich von Düsseldorf.Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), 1886, 1. Jahrbuch, S. 17.
1668 erteilte der Kurfürst Philipp Wilhelm ihm das pfalzgräfliche Privileg zur Einrichtung einer Fahrenden Post, das 1673 auf seine drei Söhne Samuel, Johann Reinhard und Johann Dietrich erweitert wurde. 1675 folgte durch den Großen Kurfürsten ein kurbrandenburgisches Privileg. Bedient wurden die Strecken nach Aachen, Kleve, Köln und Duisburg. Ab Ende des 17. Jahrhunderts kamen Dienste von Düsseldorf Richtung Holland mit Emmerich und Nijmegen hinzu.Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), 1886, 1. Jahrbuch, S. 18.
Befördert werden durften Personen und Frachtstücke; das Briefmonopol lag bei der Kaiserlichen Reichspost, organisiert und betrieben von den Thurn und Taxis. Über fünf Generationen waren Mitglieder der Familie Maurenbrecher als Postmeister in Düsseldorf tätig.
1767 erwarb Johann Wilhelm Maurenbrecher (1742–1784) den Wormshof in Niederkassel bei Düsseldorf und baute ihn als Poststation aus. 1860 verkaufte die Familie das inzwischen „Maurenbrecher Hof“ genannte Anwesen einschließlich 70 Morgen Ackerland an die Eheleute Benedikt und Maria Christina Schmittmann, denen sie die Gebäude bereits zuvor zum Betrieb einer Kornbrennerei verpachtet hatte und deren Nachkommen bis heute dort in der Brennerei Schmittmann produzieren.Heide-Ines Willner: Dörfliche Idylle am Rand der Stadt. In: Rheinische Post, 10. Oktober 2003, rp-online.de.Schmittmann – Korn, „So geht Tradition“. 1985 wurden die Wirtschaftsgebäude niedergelegt und unter Verwendung der alten Steine neu errichtet.Maurenbrecher Hof.
Mit der Eroberung des Rheinlandes durch die Franzosen wurde der linke Niederrhein vom rechtsrheinischen getrennt. Nur für kurze Zeit wurde linksrheinisch von Aachen aus ein eingeschränkter Betrieb aufrechterhalten.Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), 1886, 1. Jahrbuch, S. 24. Mitte Juli 1794 wurde das Privilegium für die Witwe Sibilla Maurenbrecher für eine Post von Düsseldorf nach Roermond durch die französische Okkupation unterbrochen. Im September 1795 stellte Sibilla Maurenbrecher den Antrag an die Königlich Preußische Regierung, den Postdienst zu Düsseldorf und Wesel aufzuheben und die Route dem preußischen Posthalter in Duisburg zu übertragen. Dies wurde bewilligt und damit die Maurenbrecher von der Post auf dem Kurs Düsseldorf–Wesel entbunden.Tönnies: Die kurpfälzischen Posten am Niederrhein. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins (Düsseldorfer Geschichtsverein), 1886, 1. Jahrbuch, S. 20.
Das Anwesen an der Zollstraße war schon lange zu eng für ein Unternehmen geworden, das seine Wagen nach Aachen und Nimwegen, ins Oberbergische und in das Westfälische sandte. Peter Wilhelm Maurenbrecher (1777–1861) siedelte in die Carlstadt über und erwarb an der Benrather Straße ein seit 1790 von der Familie genutztes Eckhaus, das der Front zum Palais Spee den heutigen Namen Poststraße eintrug. Er errichtete unweit seines Postcomptoirs eine Werkstatt für Wagenbau, die eine Hundertschaft von Handwerkern, Schmieden, Schlossern, Sattlern, Lackierern und Stellmachern zählte.
Im Großherzogtum Berg
Die Kriegsereignisse beeinträchtigten den Postbetrieb erheblich. Nach der Besetzung des Niederrheins durch die Franzosen erloschen die deutschen Konzessionen, und der Verkehr auf den Landstraßen stockte. Mit der Bildung des Großherzogtums Berg ging die Post 1806 in landesherrlichen Besitz über. 1807 wurde Peter Wilhelm Maurenbrecher Kontrolleur bei der Großherzoglich Bergischen General-Postdirektion. 1809 ernannte ihn Joachim Murat per Erlass zum Inspekteur des Postwesens (Postdirektor) des Großherzogtums.