mini|300px|Dreistufiger Stadtaufbau von Kronach an der Haßlach: direkt am Fluss die Gebäude der Vorstadt, darüber die von einer Stadtmauer umschlossene Altstadt und im Hintergrund links die oberhalb von Kronach gelegene Festung Rosenberg mini|300px|Stadtturm und Stadtpfarrkirche Kronach von der Festung Rosenberg mini|Festung Rosenberg und Altstadt von Westen mini|Luftbild von Kronach mini|Kronach von Westen Kronach (, oberfränkisch: Gronich; historisch auch Cronach geschrieben) ist die Kreisstadt des oberfränkischen Landkreises Kronach und ein Mittelzentrum in Bayern. Die Stadt liegt am Fuße des Frankenwaldes, wo die Flüsse Haßlach, Kronach und Rodach zusammenfließen. Kronach ist die Geburtsstadt von Lucas Cranach d. Ä. und verfügt mit der Festung Rosenberg über eine der am besten erhaltenen Festungsanlagen Deutschlands. Das Stadtbild wird geprägt von der fast ganz erhaltenen Altstadt mit Sandstein- und Fachwerkhäusern, Stadtmauern, Toren, Türmen und Gewölbekellern. Kronach liegt an der Burgenstraße, an der Bier- und Burgenstraße und an der Bayerischen Porzellanstraße. Mit dem Lucas-Cranach-Campus ist Kronach Hochschulstadt.
Geografie Geografische Lage Kronach liegt südwestlich des Frankenwaldes. Im Stadtgebiet treffen die drei Flüsse Haßlach, Kronach und Rodach zusammen.
Das Stadtzentrum mit der historischen Altstadt liegt erhöht auf einem Bergsporn und wird auch Obere Stadt genannt. Es wird von der Haßlach im Westen, der Kronach im Südosten und dem Rosenberg im Norden in der Form eines Dreiecks eingeschlossen.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde Kronach hat 67 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Außerdem gibt es 16 ehemalige Gemeindeteile, die mittlerweile Teil von anderen Gemeindeteilen sind, und 9 wüst gegangene Gemeindeteile, die sich auf dem heutigen Gemeindegebiet von Kronach befinden: Sonstige Wohnplätze: Brand Breitenloh Brunnschrott Ellmershaus Entmannsdorf Geiersgraben Hammermühle Judenhof Kellerhaus Neuglosberg Neumühle Rauershof Schafhof Wachtersmühle Walkmühle ZollbrunnWüstungen: Bergmühle Breitenschrot Fallmeisterei Felsmühle Heinleinshaus Hochwart Kalkhütte Lindleinsberg Schießhaus
Nachbargemeinden Beginnend im Norden grenzen im Uhrzeigersinn folgende Gemeinden des Landkreises Kronach an die Stadt Kronach: Wilhelmsthal, Marktrodach, Weißenbrunn, Küps, Mitwitz und Stockheim. Im Südosten grenzt zwischen Marktrodach und Weißenbrunn auch die im Landkreis Kulmbach gelegene Gemeinde Rugendorf an das Stadtgebiet von Kronach.
Klima
Geschichte mini|Wappen des Hochstifts Bamberg und der Stadt Kronach über dem Bamberger Tor
Bis zum 19. Jahrhundert Der Ort Kronach entstand vermutlich im achten oder neunten nachchristlichen Jahrhundert und wurde im Jahr 1003 in der Chronik des Thietmar von Merseburg als „urbs crana“ erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1122 schenkte Kaiser Heinrich V. Kronach und die umliegenden Gebiete, das sogenannte praedium crana, dem Hochstift Bamberg. Bis zur Säkularisation des Hochstifts in den Jahren 1802/03 behielten die Bamberger Fürstbischöfe die Herrschaft über die Stadt. Zwischen der Reformationszeit (ab 1517) und dem Westfälischen Frieden von 1648 stellte Kronach das nördliche Bollwerk des katholischen Hochstifts zum protestantischen Kurfürstentum Sachsen dar. Infolge dieser Grenzlage wurde die oberhalb der Stadt gelegene und Mitte des 13. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnte Burg Rosenberg zu einer frühneuzeitlichen Schlossfestung ausgebaut.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Kronach in den Jahren 1632 bis 1634 mehrmals von einer großen Überzahl der Schweden und ihrer deutschen Verbündeten belagert. Durch den strategisch günstigen Aufbau der Stadt und die entschiedene Gegenwehr ihrer Bewohner konnten die Angreifer jedoch erfolgreich zurückgeschlagen werden. Noch heute erinnert die seit 1633 jährlich stattfindende Schwedenprozession an diese Ereignisse. Eine Besonderheit der Prozession ist, dass die Frauen für ihre Tapferkeit bei der Verteidigung der Stadt den Männern voranschreiten.
Auf die Zeit der Belagerungen geht auch der Spitzname der Kronacher als „Kroniche Housnküh“ (Kronacher Hasenkühe) zurück. Da die Stadt nicht direkt eingenommen werden konnte, versuchten die Angreifer die Bewohner auszuhungern, indem sie sie von der Nahrungs- und Wasserversorgung aus dem Umland abschnitten. Der Legende nach ließen die Kronacher als List das letzte lebende Tier, einen weiblichen Hasen, frei auf der Stadtmauer herumlaufen, um so einen großen Nahrungsvorrat in der Stadt vorzutäuschen. Die Schweden sollen daraufhin die als sinnlos erachtete Belagerung abgebrochen haben und abgezogen sein. Die „Kroniche Housnkuh“ – Feline von der Festung – ist heute das Maskottchen der Stadt.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Kronach aus 433 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Kronach aus. Grundherren waren die Stadt Kronach, das Kastenamt Kronach, die Pfarrei Kronach, die Gotteshausstiftung Kronach, die Frümessstiftung Kronach, die Apostelmessstiftung Kronach und das Seniorat von Waldenfels. Die meisten Anwesen unterstanden der Stadt Kronach.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 485 f.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurde das Hochstift Bamberg 1803 zwangsweise aufgelöst und seine Territorien dem Kurfürstentum Bayern übertragen. Anfang Oktober 1806 dienten Stadt und Festung als Lager für das Heer des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte, der von hier aus seinen Feldzug gegen Preußen startete, der am 14. Oktober 1806 in die Schlacht bei Jena und Auerstedt mündete.
Mit dem Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Kronach gebildet, zu dem Bergmühle, Biegenmühle, Detschramühle, Fröschbrunn, Gänsmühle, Hammermühle, Kleienmühle, Kreuzberg, Mostrach, Rosenberg, Rußmühle, Wachtersmühle und Zollscheer gehörten. Im selben Jahr entstand die Munizipalgemeinde Kronach, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kronach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kronach (1919 in Finanzamt Kronach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden einige Anwesen bis 1848 dem Patrimonialgericht Oberrodach. Fallmeisterei, Heinleinshaus, Kalkhütte und Schießhaus wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem Gemeindegebiet gegründet. Ab 1862 gehörte Kronach zum Bezirksamt Kronach (1939 in Landkreis Kronach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kronach (1879 in Amtsgericht Kronach umbenannt).H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 588 f. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 11,868 km². Kreuzberg wurde um 1880 nach Unterrodach umgemeindet.
20. Jahrhundert mini|April 1945: Zwei US-Soldaten des 101. Infanterie-Regiments während der Explosion eines deutschen Benzintank-Anhängers auf dem Marktplatz. Anmerkung: Die Szene wurde für die Aufnahme gestellt. Im Ersten Weltkrieg diente die Festung Rosenberg als Offiziersgefangenenlager, in dem 1917 zeitweise auch der französische Hauptmann Charles de Gaulle, der spätere General und Staatspräsident von Frankreich, untergebracht war. Nach zwei erfolglosen Fluchtversuchen wurde de Gaulle zunächst in ein Lager in der Festung Ingolstadt und später auf die Wülzburg in der Nähe von Weißenburg in Bayern verlegt.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die letzten acht verbliebenen Kronacher Juden am 24. April 1942 mit der Eisenbahn in Richtung des Vernichtungslagers Sobibor deportiert, wo sie in Gaskammern ermordet wurden.„Verhindern, dass sich diese Verbrechen wiederholen“ in: Nordbayerischer Kurier vom 3. November 2023, S. 20. Den Zweiten Weltkrieg überstand Kronach relativ unbeschadet. Gegen Ende des Krieges sollten auf der Festung Rosenberg Produktionshallen für die Herstellung von Teilen für das Raketenflugzeug Messerschmitt Me 163 errichtet werden. Die geplanten Anlagen wurden jedoch nur zum Teil fertiggestellt und nie in Betrieb genommen, wodurch Stadt und Festung von einer großflächigen Bombardierung durch die Alliierten verschont blieben. Ab März 1945 erfolgten regelmäßig Luftangriffe auf die Stadt. Die Bevölkerung fand bei den Angriffen Zuflucht in den zahlreichen Kellergewölben, die praktisch den gesamten Bergsporn unterhalb der Altstadt durchziehen. Am Nachmittag des 12. April 1945 marschierten amerikanische Truppen nach mehrstündigem Artilleriebeschuss in Kronach ein und besetzten die Stadt.
mini|Bevölkerungsentwicklung der Stadt Kronach (mit Eingemeindungen) seit 1840 Die Nachkriegszeit war durch die Nähe zur innerdeutschen Grenze sowie die Eingliederung einer großen Zahl von Heimatvertriebenen geprägt. So erhöhte sich die Einwohnerzahl der Stadt nach 1945 von ursprünglich 6.500 auf über 10.000 Personen. In jüngerer Zeit ermöglichten die Vorbereitungen der Landesgartenschau 2002 die Beseitigung von Bau- und Umweltsünden in einem in den zurückliegenden Jahrzehnten als Gewerbegebiet genutzten Areal; heute dient das Gelände als stadtnahes Erholungsgebiet.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1971 die Gemeinde Knellendorf eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Ziegelerden hinzu, Vogtendorf folgte am 1. Juli 1972. Höfles schloss sich am 1. Januar 1975 der Kreisstadt an. Am 1. Januar 1978 wurden Dörfles und Gundelsdorf eingemeindet. Abgeschlossen wurde die Reihe der Eingemeindungen mit der Eingliederung der bis zu diesem Zeitpunkt selbstständigen Gemeinden Fischbach, Friesen, Gehülz, Glosberg, Neuses und Seelach am 1. Mai 1978.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 18.246 auf 16.874 um 1372 Einwohner bzw. um 7,5 %. Gemeinde Kronach Jahr 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2008 2015 2017Einwohner 3399 3193 3169 3715 3779 3992 3685 4037 4137 4140 4252 4788 5206 5434 5596 6244 6706 6773 8929 9451 9885 10204 10098 18401 17564 16808 16877HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2017 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 495 505 499 524 671 1008 1431 4421 4768 4775Quelle
Ort Kronach Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 2648 3286 3992 4137 4671 6139 9385 10134 10012 9232Häuser 416 495 505 506 656 996 1417 1971Quelle
Religion mini|Gedenkstein für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Kronach
Katholische und evangelische Gemeinde Bedingt durch die Geschichte des Ortes, der bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zum Herrschaftsgebiet des katholischen Hochstifts Bamberg gehörte, sind 55 % der Bevölkerung katholisch, vor allem in der Kernstadt und den südlichen, nördlichen und westlichen Gemeindeteilen. Evangelischen Christen wurde erst nach der Säkularisation des Hochstifts im Jahr 1803 das Bürgerrecht in Kronach gewährt. 2016 waren 26 % der Einwohner evangelisch, insbesondere in den östlichen Stadtteilen.
Jüdische Gemeinde