mini|Der amerikanische Senator Alben W. Barkley besichtigt das KZ Buchenwald, 24. April 1945 Als Konzentrationslager wurden bisher verschiedene Internierungsorte in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten bezeichnet. Die lateinische Wortherkunft bedeutet sammeln, zusammenziehen oder zusammenlegen. Das nationalsozialistische Deutsche Reich benutzte den Namen für ein Netzwerk von Lagern. Die Konzentrationslager des Deutschen Reichs wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die bekanntesten; durch sie wurde das Wort weltweit zum Schlagwort, da in ihnen die von den Nationalsozialisten angestrebte Judenvernichtung stattfand. Als Abkürzung wird dafür sehr oft die Buchstabenfolge KZ verwendet, während die offizielle deutsche Abkürzung während der NS-Herrschaft KL (auch in der Schreibweise K.L.) lautete.
Begriffsgeschichte Das Wort Konzentrationslager bezeichnete in verschiedenen Epochen verschiedener Länder mehrere Arten von Sammel-, Internierungs- und Arbeitslagern. Sammellager für Kriegsgefangene, Strafgefangenen- und Strafarbeitslager waren schon längere Zeit verbreitet, daneben entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert die Form des Internierungs- oder Auffanglagers im Kontext von Vertreibung, Auswanderung und kolonialistischer Eroberung.
So wurden schon 1838 auf Anordnung des damaligen US-Präsidenten Andrew Jackson zur Durchsetzung des Indian Removal Act Angehörige der Cherokee vor ihrer zwangsweisen Umsiedlung durch die US-Armee in Lagern gefangengehalten. Die Cherokee erinnern sich noch heute an den „Trail of Tears“ ihrer Umsiedlung. Auch die in der Folgezeit von den USA angelegten Indianerreservate für zahlreiche indigene Gruppen sind als Konzentrationslager anzusehen: Die Menschen wurden aus rassistischen Motiven unter inhumanen Umständen auf Gebieten festgehalten, die ein eigenes Auskommen unmöglich machten und dazu führten, dass Kinder, Frauen und auch Männer verhungerten. Flucht oder Gegenwehr wurden mit dem Tod bestraft.
Die eigentliche Geschichte des Begriffes „Konzentrationslager“ allerdings beginnt erst im kubanischen Unabhängigkeitskampf gegen Spanien 1868–1898, als der spanische General Blas Villate y de la Herra, Graf von Valmaseda, und später, 1896, in weitaus größerem Umfang der spanische Gouverneur Valeriano Weyler y Nicolau anordneten, dass sich all jene Einwohner, die nicht als Aufständische behandelt werden wollen, in befestigten Lagern aufhalten müssen, den sog. campos de reconcentración. Dabei handelte es sich ausdrücklich um Zivilisten: „Greise, Frauen und Kinder“.Georg Pichler: Eingesperrt und Ausgeschlossen. In: Zwischenwelt. Zeitschrift der Theodor Kramer Gesellschaft Jg. 27, H. 1–2, August 2010, , S. 22.
Im Jahre 1900 richteten die USA auf der Insel Mindanao, die sie den Spaniern abgenommen hatten, ebenfalls Konzentrationslager ein, auf denen sie philippinische Guerilleros internierten.
Der britische General Horatio Herbert Kitchener ließ während des Burenkrieges (1899–1902) in Südafrika Konzentrationslager (Concentration Camps) einrichten, um dort etwa 120.000 burischen Farmbewohner, vor allem Frauen und Kinder, zu internieren, wovon über 26.000 aufgrund katastrophaler Lebensbedingungen an Hunger und Krankheiten starben.
Im Deutschen Reich verwendete Reichskanzler Bernhard von Bülow den Begriff Konzentrationslager offiziell erstmals am 11. Dezember 1904 im Zusammenhang mit der Internierung gefangen genommener Herero.
Als Robert Koch 1905 den Nobelpreis erhielt, verließ er seine Forschungsstation am damals britischen Viktoriasee und empfahl in einem Reisebericht über seine Untersuchungen zur Schlafkrankheit, medizinische „Konzentrationslager“ einzurichten, um Parasitenträger zu separieren.Robert Koch: Vorläufige Mitteilungen über die Ergebnisse einer Forschungsreise nach Ostafrika. In: Deutsche Medicinische Wochenschrift. Heft 47, 1905, S. 1485–1489. Damit nutzte er als erster den Begriff auch für den Quarantänefall.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden Staatsbürger der Mittelmächte für die Dauer des Krieges in Konzentrationslagern interniert, eine Praxis, die in allen am Ersten Weltkrieg beteiligten Staaten üblich war. In Großbritannien wurden Konzentrationslager auf der Isle of Man (Cunningham, Douglas, Knockaloe) eingerichtet. Dazu kamen zwei Lager in London (Stratford, Alexandra Palace) und kleinere Lager in Islington, Frith Hill, Newbury, Handforth und Shrewsbury.
Deutschland Konzentrationslager in Deutsch-Südwestafrika
Die deutschen Kolonialtruppen setzten nach dem Aufstand der Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika 1904 beim von Lothar von Trotha befohlenen Völkermord an den Herero und Nama zur Internierung geflohener Herero Konzentrationslager in Deutsch-Südwestafrika ein. Kaiser Wilhelm II., der zunächst die Vernichtung unterstützte, hob diesen Befehl später auf. Trotha setzte jedoch weiter seine Vernichtungsstrategie um. Im Oktober 1904 erhoben sich die Nama, die ebenfalls niedergeschlagen wurden. Nach Angaben der deutschen Militärverwaltung starben zwischen Oktober 1904 und März 1907 insgesamt 7682 Internierte. Die Sterblichkeit betrug je nach Lager zwischen 30 und 50 % der gesamten Gefangenen. Nach modernen Schätzungen starben etwa 65.000 bis 85.000 Herero und 10.000 Nama von 1904 bis 1908 als Folge des Vorgehens der deutschen Kolonialtruppen, das unter Historikern als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts gilt. Im Jahr 2015 wurden die Ereignisse vom deutschen Auswärtigen Amt erstmals als „Völkermord“ bezeichnet.Deutsche Kolonialverbrechen: Bundesregierung nennt Herero-Massaker erstmals „Völkermord“. In: Spiegel Online. 10. Juli 2015.
Lager des Ersten Weltkriegs und der frühen Nachkriegszeit Als Konzentrationslager wurden ab März 1915 Internierungslager der zum Kruppkonzern gehörenden Friedrich-Albrecht-Hütte für polnische Arbeiter in Barmen und Elberfeld bezeichnet. Dem folgten zahlreiche Internierungslager und provisorische Gefängnisse für deportierte Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und politische „Schutzhäftlinge“ im Ersten Weltkrieg und in der frühen Nachkriegszeit.
Im Frühjahr 1919, zur Amtszeit des Preußischen Ministerpräsidenten Paul Hirsch, des deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert und des Reichswehrministers Gustav Noske, wurden auf Basis eines Kaiserlichen Erlasses aus der Kriegszeit, zuletzt aktualisiert im „Gesetz betr. die Verhaftung und Aufenthaltsbeschränkung auf Grund des Kriegszustandes und des Belagerungszustandes vom 4. Dezember 1916“, innerhalb kürzester Zeit im Zusammenhang mit dem bürgerkriegsähnlichen kommunistischen Spartakusaufstand tausende (meist kommunistische) politische Gegner interniert.
Die ersten auch als „Konzentrationslager“ bezeichneten Einrichtungen entstanden in Deutschland um das Jahr 1920. So ließen etwa der preußische Innenminister Carl Severing (SPD) und dessen Nachfolger Alexander Dominicus (DDP) 1921 im Zuge der massenhaften Ausweisung von „Ostjuden“, aber auch Sinti, Jenischen und Roma zwei Konzentrationslager in Cottbus-Sielow und in Stargard in Pommern errichten, in die all jene zuvor Genannten eingewiesen wurden, die Deutschland nicht sofort freiwillig verließen. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen wurden diese Lager allerdings nach Protesten schon 1923 wieder aufgelöst.
Zur längerfristigen Einrichtung von Konzentrationslagern für politische Häftlinge, zunächst in ehemaligen Kriegsgefangenenlagern und Truppenübungsplätzen, kam es dafür ab Ende 1923 infolge der von Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) verhängten Reichsexekution gegen die aus SPD und KPD gebildeten Koalitionsregierungen in Sachsen und Thüringen.
Im deutschen Sprachraum allerdings steht der Begriff „Konzentrationslager“ seit der Zeit des Nationalsozialismus in Verbindung mit der Abkürzung „KZ“ (deren Herkunft im Übrigen ungeklärt ist) vor allem für die Arbeits- und Vernichtungslager des NS-Regimes. Ursprünglich wurde dabei von den NS-Funktionären auch die viel näherliegende Abkürzung „KL“ (für „Konzentrationslager“) verwendet – nach Eugen Kogon (Der SS-Staat) gaben jedoch SS-Wachmannschaften später der Abkürzung „KZ“ wegen ihres härteren Klanges den Vorzug.
Zeit des Nationalsozialismus mini|hochkant|Wachturm des Vernichtungslagers Majdanek
Die in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 errichteten Konzentrationslager sind die weltweit bekanntesten. Sieben dieser Lager waren ausschließlich Vernichtungslager. Insgesamt gab es 24 selbstständige KZ-Stammlager, denen zuletzt ein Netz von weit über 1000 Außen- oder Nebenlagern organisatorisch unterstellt waren. Diese Stammlager waren in ihrem Aufbau dem Konzentrationslager Dachau nachgebildet. Die Außenlager wurden teilweise als Außenkommando bezeichnet und waren sehr verschieden groß. Zum Teil wurden die Häftlinge als Arbeitskräfte ohne angemessene Ernährung im Rahmen der „Vernichtung durch Arbeit“ ausgebeutet. Den KZs waren zum Teil Durchgangslager und Sammellager (Jüdischer Wohnbezirk, Ghetto) vorgeschaltet.
Als Besonderheit der auf Veranlassung der deutschen nationalsozialistischen Führung errichteten Konzentrations- und Vernichtungslager galt die rationalisierte, bürokratisch und fast industriell durchorganisierte Ermordung und Vernichtung von tausenden Menschen pro Tag. Hauptziel der NS-Lager war etwa ab 1939 die Vernichtung aller Bürger jüdischen Glaubens oder Herkunft: die Shoa.
Schätzungen gehen davon aus, dass ca. zwei Drittel der sechs Millionen Juden, die dem Holocaust zum Opfer fielen, direkt in den Lagern des Dritten Reiches ermordet worden oder dort an den Folgen von Misshandlungen und Krankheiten umgekommen sind. Das verbleibende Drittel starb in von der SS so genannten Ghettos, bei Massenerschießungen vor allem durch die „Einsatzgruppen“ und auf den so genannten Todesmärschen. Es wurden in den KZ auch viele andere Menschen ermordet, z. B. Homosexuelle, geistig Behinderte und sogenannte Asoziale. Die Anzahl der Toten ist bis heute unklar, da längst nicht über alle Opfer Akten geführt wurden, am Ende des Krieges keine Ermordungen mehr festgehalten wurden und viele Unterlagen wie die Zeugen vernichtet wurden bzw. unwiederbringlich verloren gingen.
Verschiedene Lager aus der Geschichte Nach obiger Definition bzw. der Wortherkunft gab es nicht nur im Nationalsozialismus Internierungs- oder Konzentrationslager:
Südafrika mini|Burische Frauen und Kinder in einem britischen Konzentrationslager im Zweiten Burenkrieg mini|Lizzie van Zyl war ein junges Burenmädchen in Südafrika, das siebenjährig in einem britischen Konzentrationslager während des Zweiten Burenkriegs an Typhus starb.
Der Begriff „concentration camp“ (dt. Konzentrationslager) wurde zuerst vom Militär Großbritanniens in Südafrika benutzt, um die im Zweiten Burenkrieg (1899–1902) angelegten Gefangenenlager für Zivilisten zu beschreiben. Ziel der Briten war es, die kämpfenden Männer der Buren zur Aufgabe zu zwingen. Alte, Frauen und Kinder der Buren sowie Afrikaner, die mit den Buren kooperierten, wurden in großen Lagern zusammengetrieben. Die gezielt herbeigeführte schlechte Ernährung sowie die schlechten hygienischen Verhältnisse bedingten eine hohe Sterblichkeitsrate. Hier starben etwa 26.000 Frauen und Kinder. Die Offenlegung der Verhältnisse in Südafrika durch Emily Hobhouse führte dort zu einer Entspannung der Situation.
Frankreich