Die Liste der Konzentrationslager des Deutschen Reichs enthält Konzentrationslager und KZ-Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Ebenso listet sie jene Tötungsanstalten auf, in welche KZ-Häftlinge zur Ermordung deportiert wurden.

Zur Abgrenzung vom streng definierten KZ-System der Nationalsozialisten werden auch die Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“ sowie Jugend-Haftstätten, Durchgangslager und weitere deutsche NS-Lager angeführt.

Vorgeschichte Die Vorgeschichte der Konzentrationslager bildeten die von Historikern sog. frühen Konzentrationslager. Sie werden heute u. a. auch als „wilde“ Konzentrationslager bezeichnet. Es waren jene Lager, die ab 1933, nach der Machtübernahme Adolf Hitlers im Deutschen Reich, unsystematisch eingerichtet wurden, meist provisorisch an bestehenden Orten. Sie hatten das Ziel, verhaftete politische Gegner der NSDAP einzusperren und dadurch zu entmachten, existierten meist bis zu drei Jahren und standen unter der Leitung von SA, SS, Gestapo, Innenministerium usw.

Die frühen KZ unterstanden nicht der IKL, da diese erst später gegründet wurde. Einige wurden später in das große Lager-System der SS aufgenommen.

Sonderfall ist hier das KZ Dachau, das bis Kriegsende betrieben wurde und Prototyp der späteren KZ-Stammlager war.

Frühe Konzentrationslager Name Standort(heutiger Staat) Typ Zeit Geschätzte Anzahlder Inhaftierten Geschätzte Anzahlder Toten Ahrensbök Deutschland frühes KZ der SA – ging aus dem KZ Eutin hervor Oktober 1933 bis Mai 1934 300 0 Alt-Daber Deutschland frühes KZ der SA April 1933 bis Juli 1933 Bad Sulza Deutschland frühes KZ der SA / Innenministerium November 1933 bis Juli 1937 800 Benninghausen Deutschland frühes KZ der SA März bis September 1933 344 unbekanntBergisch Gladbach Deutschland frühes KZ der SA (Stella-Werk Bergisch Gladbach) Juni bis Juli 1933mindestens 29 Börnicke Deutschland frühes KZ der SA Mai bis Juli 1933mindestens 13 mindestens 13 Bredow Deutschland (Polen) frühes KZ der SS 20. Oktober 1933 bis 11. März 1934 40 Brandenburg an der Havel Deutschland frühes KZ, später Tötungsanstalt der Aktion T4 August 1933 bis Februar 1934 1.000–1.200 3 (mindestens) Breitenau Deutschland frühes KZ, später „Arbeitserziehungslager“ Juni 1933 bis März 1934bzw. 1940–1945 470 bzw. 8.500 Breslau-Dürrgoy Deutschland (Polen) frühes KZ, „Privatlager“ Edmund Heines April bis August 1933 200–400 Bochum Deutschland Führungslager der Bochumer SA-Standarte 17, siehe auch NS-Zwangsarbeit in Bochum und Wattenscheid sowie Bochumer Verein#Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg wahrscheinlich März 1933 bis Mitte 1933 / Anfang 1934 (verschiedenen Angaben) Colditz Deutschland frühes KZ der SA und SS 21. März 1933 bis 18. August 1934ab 31. März 1934 Außenlager des KZ Sachsenburg 2311 Columbia-Haus Deutschland frühes KZ der Gestapo Dezember 1934 bis Dezember 1936 10.000 Dachau Deutschland Erstes KZ der SS, Prototyp März 1933 bis April 1945 200.000 etwa 41.500 Elsterberg Deutschland frühes KZ im Gefängnis des Amtsgerichts ElsterbergDas KZ Elsterberg auf www.gedenkplaetze.de Anfang März 1933 bis 19. April 1933 unbekannte Anzahl von politischen Gegnern, zehn Personen namentlich nachgewiesen unbekannt Emslandlager Deutschland frühes KZ (mehrere Teillager: KZ Börgermoor, KZ Neusustrum, KZ Esterwegen), ab 1936 Strafgefangenenlager Juni 1933 bis 1945 80.000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene,100.000–180.000 Kriegsgefangene 30.000 überwiegend sowjetische Kriegsgefangene Eutin Deutschland frühes KZ der SA ca. Juli 1933 bis Mai 1934 259 0 Heuberg Deutschland frühes KZ März bis Dezember 1933 3.500 – 4.000 mindestens 1 Hainewalde Deutschland frühes KZ der SA März 1933 bis August 1933 Hohnstein Deutschland frühes KZ der SA März 1933 bis August 1934 5.600 unbekannt Kemna Deutschland frühes KZ Juni 1933 bis Januar 1934 2.500–3.0004 Kislau Deutschland frühes KZ des badischen Innenministeriums April 1933 bis April 1939 1 Königstein-Halbestadt Deutschland frühes KZ der SA – ging später in KZ Hohnstein auf 10. März bis Mai 1933 215 unbekannt Kuhlen Deutschland frühes KZ Juli bis Oktober 1933 200 0 Leschwitz Deutschland frühes KZ März bis August 1933 1.000–1.500 unbekannt Lichtenburg Deutschland Männer-, dann Frauen-Konzentrationslager Juni 1933 bis Mai 1939 Meissnershof Deutschland frühes KZ, Außenstelle des KZ Börnicke Februar 1933 bis Juni 1933 Mißler Deutschland frühes KZ der SA und SS März bis September 1933 148später 300 Neustadt an der Haardt Deutschland frühes KZ („Schutzhaft-, Arbeits- und Internierungslager“), heute befindet sich die Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt auf dem Gelände der Turenne-Kaserne März bis Juni 1933 gegen 500 keine Nohra Deutschland Frühes KZ 3. März bis 1. Oktober 1933 260 Ulm, Oberer Kuhberg Deutschland Frühes KZ November 1933 bis Juli 1935 ca. 600 0 Oederan Deutschland Frühes KZ März 1933 bis April 1933 80 unbekannt Oranienburg Deutschland Sammellager März 1933 bis Juli 1934 3.000 16 (mindestens) Osthofen Deutschland Sammellager „Umerziehungslager“ März 1933 bis Juli 1934 3.000 keine SA-Gefängnis Papestraße Deutschland frühes KZ der SA März 1933 bis Dezember 1933 ca. 2.000 ca. 30 Perleberg Deutschland frühes KZ der SA und SS Mai bis Juni 1933 34 keine Plaue Deutschland frühes KZ der SA und SS 9. März bis 10. Juni 1933 600 keine Sachsenburg Deutschland frühes KZ der SA Juni 1933 bis Juli 1937 2.000 11 (mindestens) Sonnenburg Deutschland (Polen) frühes KZ April 1933 bis April 1934 1.000 Senftenberg Deutschland frühes KZ Juni 1933 bis August 1933 265 Wasserturm Berlin-Prenzlauer Berg Deutschland frühes KZ der SA März 1933 bis Juni 1933 Vechta Deutschland Schutzhaftlager 10. Juli 1933 bis Juli 1934 100 0 Wittmoor Deutschland frühes KZ der SA März bis Oktober 1933 Zschorlau Deutschland frühes KZ 21. April 1933 bis 10. Juli 1933 207

Konzentrationslager der IKL bzw. des WVHA

Die Konzentrationslager, die von der Inspektion der Konzentrationslager (IKL) gegründet wurden und zumeist bis Kriegsende Bestand hatten, sind im engeren Sinn gemeint, wenn von „Konzentrationslager“ die Rede ist.

Nach einem Befehl Himmlers durften nur solche Lager offiziell als Konzentrationslager bezeichnet werden, die der IKL (später dem Wirtschafts-Verwaltungshauptamt, WVHA) unterstellt waren.

Charakteristisch für diesen Lagertyp ist neben dem Unterstellungsverhältnis (IKL/WVHA) insbesondere die nach dem „Dachauer Modell“ geformte Struktur der späteren KZ. Es galt die von Theodor Eicke in Dachau erarbeitete KZ-Lagerordnung.

Name Standort(heutiger Staat) Typ Zeit Geschätzte Anzahlder Inhaftierten Geschätzte Anzahlder Toten Arbeitsdorf-Fallersleben Deutschland Konzentrationslager April bis Oktober 1942 ca. 1.200 Auschwitz-Stammlager Polen Konzentrationslager Mai 1940 bis Januar 1945 siehe Birkenau Auschwitz-Birkenau Polen Konzentrations- und Vernichtungslager Oktober 1941 bis Januar 1945 400.0001,1 bis 1,5 Millionen Auschwitz-Monowitz Polen Konzentrationslager Ende 1942 bis Januar 1945 siehe Birkenau Bergen-Belsen Deutschland Konzentrationslager April 1943 bis April 1945 120.00070.000 Buchenwald Deutschland Konzentrationslager Juli 1937 bis April 1945 250.000 56.000 Dachau Deutschland Konzentrationslager (Prototyp) März 1933 bis April 1945 200.000 etwa 41.500 Flossenbürg Deutschland Konzentrationslager Mai 1938 bis April 1945 mindestens 100.000 30.000 Groß-Rosen Deutschland (Polen) Konzentrationslager August 1940 bis Februar 1945 125.000 40.000 Gusen Österreich Konzentrationslager Mai 1940 bis April 1945 60 - 70.000 44.602 Herzogenbusch-Vught Niederlande Konzentrationslager Januar 1943 bis September 1944 31.000 749 Hinzert Deutschland SS-Sonderlager, Durchgangslager, 'Eindeutschungslager' Juli 1940 bis März 1945 14.000 mindestens 302 Riga-Kaiserwald Lettland Konzentrationslager März 1943 bis September 1944 15.000 Kauen Litauen Konzentrationslager September 1943 bis Juli 1944 17.000 18.500–30.000 Majdanek-Lublin Polen Konzentrations- und Vernichtungslager Juli 1941 bis Juli 1944 10 - 25.000 78.000 Mauthausen Österreich Konzentrationslager August 1938 bis Mai 1945 195.000 mindestens 95.000 (mit Gusen) MittelbauDas KZ Mittelbau-Dora wurde am 28. August 1943 unter der Bezeichnung Arbeitslager Dora als Außenlager des KZ Buchenwald gegründet und wurde am 28. Oktober 1944 eigenständiges Konzentrationslager; vgl. Jens-Christian Wagner (Hrsg.): Konzentrationslager Mittelbau-Dora 1943–1945. Göttingen, 2007, S. 45, 53 f. Deutschland Konzentrationslager August 1943 bis April 1945 60.000 mindestens 20.000 Moringen Deutschland Frauen-Konzentrationslager Juni 1933 bis März 1938 1.350 Natzweiler/Struthof, Fortführung in Guttenbach/Neckarelz Frankreich Konzentrationslager Mai 1941 bis September 1944, danach eine nominelle Fortführung im Konzentrationslager Neckarelz bis März 1945 52.000 22.000 Neuengamme Deutschland Konzentrationslager Dezember 1938 bis Mai 1945 106.000 55.000 Niederhagen / Wewelsburg Deutschland Konzentrationslager September 1941 bis Frühjahr 1943 3.900 1.285 Plaszow Polen Konzentrationslager Dezember 1942 bis Januar 1945 (mindestens 150.000) 8.000 Ravensbrück Deutschland Frauen-Konzentrationslager Mai 1939 bis April 1945 150.000 20.000–30.000 Sachsenhausen Deutschland Konzentrationslager Juli 1936 bis April 1945 mindestens 200.000 mindestens 30.000–40.000 (20.500 namentlich bekannte + 10.000–13.000 sowjetische Kriegsgefangene + weitere Opfer) Stutthof Freie Stadt Danzig Konzentrationslager September 1939 bis Mai 1945 110.000 65.000 Vaivara Estland Konzentrationslager September 1943 bis März(?) 1944 20.000 950 Warschau Polen Konzentrationslager Juli 1943 bis Juli 1944 40.000 20.000

Konzentrationslager, das der Gestapo unterstand KZ Hohenbruch bei Hohenbruch (bis 1938 Lauknen, seit 1946 Gromowo/Гро́мово) im damaligen Ostpreußen war ein von August 1939 bis Januar 1945 bestehendes Konzentrationslager, das der Gestapo in Königsberg unterstand.

Übersicht der KZ-Außenlager und KZ-Außenkommandos

Die folgenden Listen beinhalten sowohl dauerhaft errichtete Außenlager (Lager mit Häftlings-Wohnstätten und SS-Wachtürmen), als auch temporäre Außenkommandos. KZ-Außenkommandos waren mobile KZ-Häftlingskommandos, die von der SS z. B. bei der Bombenräumung eingesetzt wurden (Bsp. KZ-Außenkommando SS-Baubrigade).

Liste der Außenlager des KZ Auschwitz I (Stammlager) Liste der Außenlager des KZ Buchenwald Liste der Außenlager des KZ Dachau, ca. 169 Außenkommandos und -lager Liste der Außenlager des KZ Flossenbürg Liste der Außenlager des KZ Groß-Rosen Liste der Außenlager des KZ Hinzert Liste der Außenlager des KZ Majdanek Liste der Außenlager des KZ Mauthausen Liste der Außenlager des KZ Mittelbau Liste der Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof Liste der Außenlager des KZ Neuengamme Liste der Außenlager des KZ Ravensbrück Liste der Außenlager des KZ Riga-Kaiserwald Liste der Außenlager des KZ Sachsenhausen Liste der Außenlager des KZ Stutthof, ca. 39 Außenkommandos und -lager Liste der Außenlager des KZ Plaszow

Vernichtungslager

Lager, die der industrialisierten Vernichtung von Menschen dienten, werden von Historikern heute Vernichtungslager genannt.

Vernichtungslager (innerhalb des KZ-Systems) Zum Begriff Vernichtungslager zählen die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Majdanek (Lublin), die der IKL unterstellt waren. Bei diesen beiden KZ stand das Kriterium des fabrikmäßig organisierten Massenmordes im Vordergrund.

Name/Bezeichnung Standort (heutiges Land) Typ Inbetriebnahme Schließung/Befreiung Geschätzte Anzahl der Toten KZ Auschwitz-Birkenau, (auch Auschwitz II genannt) Polen Konzentrations-, Kriegsgefangenen- und VernichtungslagerOktober 1941 Januar 1945 1,1 bis 1,5 Millionen KZ Majdanek (Lublin) Polen Konzentrations- und Vernichtungslager Juli 1941 Juli 1944 78.000

Vernichtungslager (nicht innerhalb des KZ-Systems)