mini|Auferstehungskirche St. Maria Magdalena mini|Relief am Kircheneingang, darunter der Stein des Anstosses mini|Zugang zur Kirche mit Symbolik nach Alois Spichtig Die Auferstehungskirche St. Maria Magdalena ist die römisch-katholische Pfarrkirche in Rafz im Zürcher Unterland. Als Besonderheit bietet sie ein Gesamtkunstwerk von Alois Spichtig, das sich von der Strasse durch das Gebäude hindurch bis zum Altarraum hinzieht.

Die Pfarrei ist zuständig für die Orte Buchberg, Eglisau, Glattfelden, Hüntwangen, Rafz, Rüdlingen, Stadel, Wasterkingen und Wil. Zwei weitere Kirchen gehören zur katholischen Kirchgemeinde dazu: die Kirche St. Judas Thaddäus in Eglisau und die Kirche St. Josef in Glattfelden. Die Anfangsbuchstaben der Ortschaften mit den drei katholischen Kirchen ergeben die Abkürzung der Pfarrei Glattfelden – Eglisau – Rafz, wie sie auch im Internet verwendet wird: Glegra.

Die Pfarrei ist mit ihren 4'227 Mitgliedern (Stand 2021) eine der mittelgrossen katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2021. Zürich 2021, S. 105.

Geschichte Pfarreigeschichte Bis 1496 war die Kirche in Rafz eine Filiale der Mutterkirche in Lottstetten. Wohl an der gleichen Stelle, wo heute die reformierte Kirche von Rafz steht, die 1585 erbaut worden war, soll sich im Mittelalter eine Kapelle befunden haben, die dem hl. Nikolaus von Myra geweiht gewesen war.Kirchgemeinde Glegra (Hrsg.): Auferstehungskirche St. Maria Magdalena Rafz. 1994, S. 34. Nach der Reformation in Zürich im Jahr 1523 wurde die Ausübung des katholischen Kults für beinahe 300 Jahre in der Region Zürich verboten. Das Toleranzedikt des Zürcher Regierungsrats vom 10. September 1807 erlaubte erstmals wieder eine katholische Gemeinde in Zürich.Henri Truffer: 25 Jahre Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Zürich 1989, S. 192. Das sog. Erste zürcherische Kirchengesetz im Jahr 1863 anerkannte schliesslich die katholischen Kirchgemeinden neben Zürich auch in Winterthur, Dietikon und Rheinau (die letzten beiden waren traditionell katholisch geprägte Orte). Auf Grundlage des Vereinsrechts konnten daraufhin im ganzen Kanton katholische Niederlassungen gegründet werden. Mit Hilfe von Fördervereinigungen wie dem Piusverein (gegründet 1857) und der Katholischen Gesellschaft für inländische Mission (gegründet 1863) entstanden in den 1860er Jahren in kurzer Folge weitere Seelsorgestationen und spätere Pfarreien im Kanton Zürich.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. 1992, S. 4–5.

Mit Inkrafttreten der Schweizer Bundesverfassung von 1848 wurde die Niederlassungsfreiheit eingeführt. Infolge der Industrialisierung zogen Katholiken aus der Ost- und der Zentralschweiz, aber auch aus dem benachbarten katholischen Ausland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Zürcher Unterland. Durch den Bau der Eisenbahnstrecken erhielt Bülach eine regionale Zentrumsfunktion, weshalb dort im Jahr 1882 die erste katholische Seelsorgestation im Zürcher Unterland errichtet wurde. Aus der Pfarrei Bülach gingen im 20. Jahrhundert vier Tochterpfarreien hervor, von denen die Pfarrei Glegra die jüngste ist. Mit dem Bau des Kraftwerks Rheinsfelden und der neuen Strassenbrücke über den Rhein in Eglisau in den Jahren 1915–1920 stieg der Anteil der katholischen Wohnbevölkerung auch im nördlichsten Teil des Zürcher Unterlands weiter an.Kirchgemeinde Glegra (Hrsg.): Auferstehungskirche St. Maria Magdalena Rafz. 1994, S. 25–26. Die Pfarrei Glegra entwickelte sich zunächst in den Gemeinden Glattfelden und Eglisau. So fanden für die Katholiken nördlich von Bülach ab 1931 im Schulhaus Aarüti in Glattfelden Gottesdienste statt. In Eglisau wurde die erste hl. Messe seit der Reformation am Palmsonntag 1942 in einem Magazin gefeiert.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. 1980, S. 211. Im Jahr 1949 wurde in Eglisau die Kirche St. Judas Thaddäus erbaut, im Jahr 1950 die Kirche St. Josef in Glattfelden. 1962 ernannte der Bischof von Chur, Johannes Vonderach, das Gebiet zu einem Pfarr-Rektorat und am 22. Dezember 1967 zu einer eigenständigen Pfarrei.Kirchgemeinde Glegra (Hrsg.): Auferstehungskirche St. Maria Magdalena Rafz. 1994, S. 24–30.

Baugeschichte und Namensgebung Erst rund 40 Jahre nach dem Bau der Kirchen von Glattfelden und Eglisau wurde der Bau in Rafz, der drittgrössten Gemeinde der Pfarrei, realisiert. Im Jahr 1985 hatte die Pfarrei in Rafz günstig Bauland erwerben können mit der Auflage, innert 10 Jahren darauf eine katholische Kirche zu errichten. Aus dem Architekturwettbewerb im Jahr 1991 ging das Architekturbüro WAP (seit 2000 ArchiNet), Zürich, als Sieger hervor, von dem Jan Bossard der ausführende Architekt war. Für die künstlerische Gestaltung konnte der Innerschweizer Künstler Alois Spichtig gewonnen werden. Am 3. Oktober 1993 fand die Grundsteinlegung und am 27. November 1994 die Einweihung des Kirchenbaus durch Weihbischof Peter Henrici statt.Kirchgemeinde Glegra (Hrsg.): Auferstehungskirche St. Maria Magdalena Rafz. 1994, S. 6–10.

Für die Kirche sollte ursprünglich der hl. Nikolaus von Myra als Kirchenpatron ausgewählt werden, da die mittelalterliche Kapelle von Rafz bis zur Reformation ihm geweiht war. Auf Anregung des damaligen Pfarrers Josef Kohler fand dann aber die Idee, die Kirche als Auferstehungskirche St. Maria Magdalena zu benedizieren, in der Gemeinde grösseren Anklang. Dadurch konnte dem Wunsch nachgekommen werden, auf die tragende Rolle der Frauen in der Kirche hinzuweisen, und es wurde durch dieses Patrozinium der Ausrichtung der katholischen Kirche auf Ostern Nachdruck verliehen. Zudem wurde durch die Wahl einer biblischen Person als Namenspatronin der Kirche der Diaspora-Situation mit einer grossen Überzahl reformierter Christen Rechnung getragen.Andreas Diener: Kunstführer der Auferstehungskirche St. Maria Magdalena Rafz (Entwurf). Der Künstler Alois Spichtig sagt über Maria Magdalena und die künstlerische Ausgestaltung der Kirche in Rafz: Der Lebensweg dieser Frau ist exemplarisch für den suchenden Menschen und soll die Gestaltungsarbeit dieser Kirche mitprägen.Kirchgemeinde Glegra (Hrsg.): Auferstehungskirche St. Maria Magdalena Rafz. 1994, S. 14.

Baubeschreibung mini|hochkant|Der Glockenturm Kirchturm und Äusseres Die Kirche St. Maria Magdalena präsentiert ihre Schaufassade den Gottesdienstbesuchern, die von der Badener Landstrasse vom Dorfzentrum Rafz her zur Kirche kommen. Es handelt sich um einen Rundbau mit zur Strasse ansteigendem Dach, in welchen zur Strasse hin das Glockengehäuse und auf der Gegenseite der Pfarreisaal integriert ist. Das Dach der Kirche läuft durchgängig aufsteigend vom Pfarreisaal über die Kirche bis zum Glockengehäuse hin.

Die Glocken Das Glockengehäuse beherbergt vier Glocken:Vgl. zum Folgenden: Kirchgemeinde Glegra (Hrsg.): Glockenweihe. Diese wurden von der Glocken- und Kunstgiesserei Rincker in Sinn (Hessen) gegossen. Die Glockenzier schuf Alois Spichtig.

Glocke Gewicht Durchmesser Ton Widmung Inschrift 1 680 kg 106 cm fis1 Dreieinigkeit Alle sollen eins sein, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin.(Joh 17, 21) 2 440 kg 91 cm a1 Maria Magdalena Jesus ist auferstanden. (Mt 28, 7) 3 310 kg 81 cm h1 Apostel Wer mich liebt, wird an meinem Wort festhalten.(Joh 14, 23) 4 220 kg 71 cm d2 Heilige Familie Wer den Willen meines Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter. (Mt 12, 50)

Künstlerisches Gesamtkonzept In Zusammenarbeit mit dem Architekten Jan Bossard schuf der Künstler Alois Spichtig ein integrales Konzept, das sich vom Weg zur Kirche durch das Pfarreizentrum bis in die Kirche zum Altarbereich hinzieht.Vgl. zum Folgenden Andreas Diener: Kunstführer der Auferstehungskirche St. Maria Magdalena Rafz (Entwurf).

Der Zugang zur Kirche Das Quadrat für das Irdische oder Diesseitige und der Kreis für das Himmlische oder Jenseitige spielen im künstlerischen Konzept der Kirche St. Maria Magdalena eine zentrale Rolle. So beschreitet der Gottesdienstbesucher vom Dorfzentrum her kommend zunächst einen Plattenweg, der aus quadratischen Steinplatten besteht. Dieser Plattenweg symbolisiert den Lebensweg der Maria Magdalena, deren Leben Zäsuren und Brüche aufwies, welche in der Aneinanderreihung der quadratischen Bodenplatten dargestellt werden, die dadurch ungeordnet wirken. Beim Beschreiten dieses Weges zur Kirche hin soll der Gottesdienstbesucher das Ungeordnete seiner eigenen Gedanken hinter sich lassen und parallel zur zunehmenden Ordnung des Plattenweges selber ruhig und konzentriert werden. Der im Plattenweg angedeutete Lebensweg der Maria Magdalena, der zunächst Zäsuren und Brüche aufweist und dann durch die Begegnung mit Jesus ruhig und klar wird, weist den Gottesdienstbesucher darauf hin, dass der ungeordnete Lebensweg des Menschen ruhiger und klarer wird, je näher dieser zu Gott führt.

Unmittelbar vor dem Zugang zur Kirche und zum Pfarreizentrum ist im Boden ein Dreieck aus Kupfer eingelassen, das selber wiederum aus drei Dreiecken besteht, was auf die Trinität verweist. Auf dieser dreieckigen Bodenplatte wird in der Osternacht das Osterfeuer entzündet, welches das von Gott neu geschenkte Leben symbolisiert. Das Dreieck kann auch als Pfeil verstanden werden, der auf das Portal der Kirche verweist.

Das Tonrelief Zusammen mit einem Töpfer hat Alois Spichtig ein vier Meter langes Relief aus gebranntem Ton geschaffen. In Symbolen erzählt es den Lebensweg von Maria Magdalena und thematisiert zudem fünf Dimensionen aus dem Leben der Heiligen: das Dämonische, die innere Zerrissenheit und das Erlösende, das Handelnde und das Bezeugende.Alois Spichtig, in: Kirchgemeinde Glegra (Hrsg.): Auferstehungskirche St. Maria Magdalena Rafz. 1994, S. 14. Das Relief beginnt links aussen, wo als erstes das Chaotische im Leben der Maria Magdalena dargestellt wird, die sieben Dämonen, welche von Jesus ausgetrieben wurden. Danach folgt die für den weiteren Lebensweg der Maria Magdalena entscheidende Begegnung mit Jesus: Gezeigt wird das ausgegossene Öl, mit dem sie Jesus salbt. Der daran anschliessende Lebensweg von Maria Magdalena mit Jesus wird als harmonisch und fliessend dargestellt und bildet einen Gegensatz zum Anfang des Reliefs auf der linken Seite. Der gemeinsame Lebensweg von Jesus und Maria Magdalena führt zum Kreuz, das im Relief als Nächstes folgt. Der Tod von Jesus Christus bedeutet für das Leben der Maria Magdalena eine Zäsur und hinterlässt eine Leere, welche rechts vom Kreuz im Relief auch optisch dargestellt wird. Daneben ist das Grab Jesu zu erkennen, vor dem sich der Rundstein befindet, welcher das Grab verschliesst. Oberhalb des Grabsteines ist die Inschrift Maria zu lesen. Das letzte Motiv auf dem Relief symbolisiert die Auferstehung Jesu und verweist mit der nach oben geöffneten Darstellung auf den Himmel, auf die Transzendenz.

Unter dem Relief befindet sich ein Stein, der aus den Bodenplatten des Wegs von der Strasse zur Kirchentür herauszuwachsen scheint. Es handelt sich um den Stein des Anstosses, der den Gottesdienstbesucher auf das Relief verweist. Anstoss hatten auch die Jünger Jesu an Maria Magdalena und an ihrem Tun genommen, als sie Jesus mit dem kostbaren Öl gesalbt hatte.

Zugang zur Kirche mini|Innenansicht mini|Taufstein und Tabernakelwand mini|Altarraum mini|Kreuz von Alois Spichtig mini|hochkant|Muttergottes mit Jesuskind