mini|Minako Seki, Februar 2008
Minako Seki (japanisch , Seki Minako; * in Tomitsu, Präfektur Nagasaki) ist eine deutsch-japanische Tänzerin, Choreographin, Performancekünstlerin und Dozentin für zeitgenössischen Tanz. Sie ist Leiterin der Minako Seki Company und Co-Direktorin der Berlin Post School of Physical Theatre-Dance. Sie ist eine der Wegbereiterinnen des Butoh in Europa.Wolfgang Dietrich: Variationen über die vielen Frieden. Band 2: Elicitive Konflikttransformation und die transrationale Wende der Friedenspolitik. Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-93089-3, S. 233.
Leben Ausbildung Während ihrer Ausbildung zur Grundschullehrerin, Anfang der 1980er Jahre, begegnet Minako Seki erstmals dem modernen japanischen Theater und Ausdruckstanz. Nach Abschluss ihres Studiums 1983 nimmt sie ein zweijähriges Schauspiel- und Tanzstudium auf und schließt sich dem KSEC Ensemble in Nagoya an. Sie lernt zunächst bei Anzu Furukawa und Tetsuro Tamura und wird Mitglied der Tokioter Butoh Tanzcompagnie „DanceLoveMachine“, unter der Leitung von Maro Akaji.
Zusammen mit weiteren Ensemblemitgliedern der „DanceLoveMachine“ reist sie 1986 nach Europa, auf Einladung des Künstlerhauses Bethanien kommt sie 1987 nach Berlin, wo sie sich niederlässt und zusammen mit Delta Ra’i und Yumiko Yoshioka die Kompagnie „tatoeba-Théâtre Danse Grotesque“ gründet – dem bis dahin ersten japanisch-deutschen Butoh-Ensemble.
Seki vertiefte den distinkten Stil von „tatoeba“ in rund 50 Inszenierungen als Tänzerin, Choreographin und Regisseurin und erfuhr auf internationalen Bühnen Anerkennung für ihre Arbeit. Seit 1996 arbeitet sie erfolgreich international unter eigenem Namen. Seit 2020 lebt sie in Detmold, Nord-Rhein-Westfalen.
Lehrtätigkeit Neben ihrer künstlerischen Arbeit engagiert sie sich in der Lehre an Kunsthochschulen und Universitäten, Tanzwerkstätten und Kulturhäusern in ganz Europa, Asien, Südamerika und dem Mittleren Osten (u. a. langjährig in der Tanzfabrik/Berlin). Sie erhielt u. a. Lehraufträge am dänischen „teatret cantabile 2“ (School of Stage Arts, Vordingborg), an der staatlichen Akademi for Scenekunst und der Akademi for Figurteater in Norwegen, am Institut für angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter, sowie an der Folkwang Hochschule Essen (2010), der Universität Hamburg im Bereich Performance Studies und zuletzt 2013 an der Sommerakademie der Hochschule für Künste im Sozialen, Ottersberg. In den letzten 20 Jahren leitete sie Workshops in u. a. Santiago de Chile, Frankfurt/Main, London und Antwerpen, New York, Buenos Aires und San Francisco. Seit 2024 fokussiert sie ihre Lehrtätigkeit auf eine dreijährige Ausbildung zum Lehrer und Lehrerin ihrer Lehrmethode (Teacher-Training Seki Method). Die Kurse finden jeweils in Japan, Chile und Berlin statt.
2025 brachte sie ihr Buch "The Seki Method - Basics" heraus.
Werk Stil Sekis Tanzstil ist offen und vielschichtig, neben dem klassischen Butoh und weiteren Strömungen des modernen japanischen Ausdruckstanzes finden sich Elemente anderer Tanzformen wie Contact Dance, Breakdance, Capoeira, Tango und physical theatre in ihrer Arbeit wieder. Sie entwickelte eine eigene Tanztechnik, die sie „Dancing Between“ nennt. Der Raum des „Dazwischen“ ist dabei der eigentliche Ort der Handlung. Einem Gedankenspiel der Meditation entsprechend, nach dem es eine Aufgabe ist, den Raum zwischen zwei Gedanken zu finden, gibt es im Tanz Punkte, Schritte und Momente zwischen den Bewegungen.
Der Tänzer hängt an einem virtuellen Faden im Raum, statt sich zu bewegen, wird er bewegt von Schwingungen zwischen Geozentrum und Universum.Constanze Klementz: Der bewegte Tänzer. In: Berliner Morgenpost. 13. April 2005.
Sujets und künstlerischer Ansatz Viele ihrer Stücke stehen auch thematisch in der Tradition des Butoh und sind untrennbar mit dessen performativen Körperkonzept verbunden. Der Körper als permeable Membran, in dem es keine eindeutige Trennung zwischen Innen- und Außenwelt gibt. Inhaltlich befassen sich die Arbeiten mit existenziellen Grundfragen um Tod und Schmerz, Liebe und Zerstörung, aber auch mit dem Werden, der Ekstase und Metamorphose. Transformation, Prozessualität und Entwicklung sind Leitmotive in ihrer Arbeit. Das Spiel mit der Ungewissheit vermeintlich distinkter Grenzen von Realität und Illusion, Bewusstsein und Unterbewusstem im physischen und immateriellen Sinne zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeit. Der japanische Tänzer und Schriftsteller Tatsumi Hijikata beschreibt diese Verschränkung physischer, emotionaler und performativer Prozesse im Butoh:
Choreographien (Auswahl) eigene Produktionen ab 1996 1999 imagine I für theatre imaginaire, Bremen 1999 SCHICHT, Solo, Gustav Gisiger (Visuals) und Zam Johnson (Musik) 2000 noisY garden, Solo, Musik von Zam Johnson 2001 EX ORIENTE LUX, Berlin mit Inga Schrader, Gustav Gisiger (Visuals) und Zam Johnson (Musik) 2002 Dancing Between, Urfassung als Trio mit Anita Barros Moreira, Yuko Kaseki, Zam Johnson (Musik) 2002 Glass Anatomies in Zusammenarbeit mit adapt, Berlin 2003 Tanzfondue, Tanzfabrik Berlin 2003 The Way to the Hidden Garden in Zusammenarbeit mit adapt, Sapporo/Japan 2003–2007 Dancing Between, Solo 2004 Zoom In, Improvisationsreihe, Berlin 2005 Borderless Split Brain, Berlin Werkstatt der Kulturen, 2006 Memories To Undressed Persons, Stück für fünf Tänzer, Musik: Zam Johnson, Neue Nationalgalerie, Berlin 2007 Modulations, Trio 2008 Tenkai – Der Himmelsweg, Duo mit Willem Schulz 2008 The Undercover Elephant, Trio, physical theatre mit Elias Cohen, Nils Willers, Zam Johnson (Musik) 2009 Into Embodiment, Solo 2009 Second Sleep, Duo (mit Willem Schulz, Arbeiten des Videokünstlers Chan-Sook Choi und Joon-Sik Shin) 2010 DORODORO Quarks, Duo, Musik: Zam Johnson. In Kollaboration mit Yuko Kaseki and Co-Regisseur Marc Ates. 2011 Caos Sensible, Duo, Musik: Zam Johnson. Centro Cultura del Matadero, Huesca, Spain 2011 Far from Thought, Solo, Musik: Zam Johnson. Übersee-Museum Bremen 2011 Human Form 1, Solo, Musik: Zam Johnson. Museo de Caixa Forum/Barcelona 2011 Physical Meeting, Trio, Musik: Zam Johnson. in Zusammenarbeit mit Ming Poon and Gonzalo Catalinas. Mica Moca, Berlin 2012 Forming, Duo mit Ming Poon, Internationales Tanzfestival Ingolstadt sowie 2013: 100° Festival Berlin und XII. International Contemporary Dance Festival/Cadíz en Danza 2013 Insect, Solo, Diagonale 5/Gütersloh 2019 INNER LANDSCAPE – Solo – Site specific performance // Museum Villa di Cedri, Domus Poetica, Bellinzona, Switerland 2019 OWL – Dance solo – MEME Estaçao Cultural, Porto Alegre, Brasil // 2019 Light Stone Festival mit Nils Willers, Marjorie Chau u. a., Ko-Panqui, Chile 2019 EXISTENCE – Duo performance, with Cello performer Willem Schulz. Lange Nacht des Tanzes Gmünd in Kärten, Austria. 2019 APPLE – Duo performance, with Cello performer Willem Schulz. Achtmal Alte Brüderkirche Kassel, Germany. 2020 TWO – Duet with Yumiko Yoshioka, production by Commedia Futura. Dock11, Berlin, Germany. 2021 ZERO – Duet with Yumiko Yoshioka, directed by Wolfgang Piontek. Production by Commedia Futura – Eisfabrik, Hannover 2022 BAMBOO FOREST – Dance solo. With Josefina Rozenwasser Marin. In Rebish Festival in Toulouse, France
Als (Gast-)Choreographin und künstlerische Leiterin 2025 So langsam, so leise - Choreographie - Regie: Luise Voigt - Schauspiel Frankfurt, Kammerspiele 2024 Das kunstseidene Mädchen - Choreographie - Regie: Luise Voigt - Staatstheater Hannover 2024 WOYZECK – Choreographie - Regie: Luise Voigt - Düsseldorfer Schauspielhaus 2023 MYCELIA Choreographie with Anastasia Musiienko, Beatrice leni , Edegar Starke, Luana Rossetti, Valeria Hareha. Production by Commedia Futura – Eisfabrik, Hannover 2023 Der Meister und Margarita – Choreographie - Regie: Luise Voigt, Choreographer: Tony De Maeyer und Minako Seki - Nationaltheater Weimar
1996 Oper Die Endlösung von Peter Michael Hamel 1996 Homosapiens, teatret cantabile2/Dänemark 1997 Alzheimer, teatret cantabile2/Dänemark 1997 Dogman, teatret cantabile2/Dänemark 1997 Equinox Terminal, Antagon Theater Aktion/Frankfurt am Main 1997 Pentotal, teatret cantabile2/Dänemark 1998 Human Form, Antagon Theater/Frankfurt am Main 1998 Osmotic Cosmos 2009 vaYven, Teatro Oráculo/Chile 2010 1534, Hebbel am Ufer (HAU2)/Berlin, Choreographie - Showcase Beat le Mot 2010 Die Bremer Stadtmusikanten, Choreograhie, Showcase Beat le Mot, Theater an der Parkaue/Berlin 2010 Le Cadavre Exquis, Commedia Futura Eisfabrik/HannoverAuszeichnungen (Auswahl) ===
Preise und Auszeichnungen 2001 Kurt-Jooss-Preis Nominierung (Choreografie) Solostück „Schicht“ 2001 „Bestes Solo“ in der Kategorie Tanz – euro-scene Leipzig Festival zeitgenössischen europäischen Theaters 1994 Max Ophüls Preis, Prädikat besonders wertvoll – Filmfestival Saarbrücken für Ju-ni hitoe oder das Entdecken der Seele 1993 Stipendiatin des Berliner Senats – Kulturförderung Berliner Künstlerinnen
Bühnenbild und Kostüme In ihren Inszenierungen kommt der Kleidung eine wichtige Rolle zu, sie ist wesentlicher Bestandteil der narrativen Aspekte des Bühnengeschehens. Seki greift dabei sowohl auf eigene Entwürfe zurück als auch auf Kostüme, die in enger Zusammenarbeit mit der deutsch-japanischen Kostümbildnerin und Künstlerin Mido Kawamura entstanden sind. Beide verbindet ein ähnlicher Raumbegriff und die Idee des Raums in den darstellenden Künsten.
Musik Seki arbeitet eng mit zeitgenössischen Musikern und Komponisten zusammen, viele ihrer Stücke wurden von Arbeiten des US-amerikanischen Musikers und Komponisten Zam Johnson begleitet. Außerdem arbeitet sie eng mit dem Komponisten und Cellisten Willem Schulz zusammen.
Ensemble und Kollaborationen Minako Seki wirkte in diversen Tanzensembles mit, u. a. in DAIRAKUDAKAN, DanceLoveMachine, Tatoeba – Théâtre Danse Grotesque (1987–1996) mit Yumiko Yoshioka und Sayoko Onishi, seit 1997 ist Leiterin und Ensemblemitglied der Minako Seki Company.
Sekis Arbeit ist kunstübergreifend und stark interdisziplinär angelegt, sie arbeitete in der Vergangenheit mit renommierten Künstlern aus den Bereichen Tanz und Bildende Künste, mit Musikern und Kunstschaffenden aus anderen Disziplinen zusammen, u. a. mit Peter Michael Hamel, Sven Väth, Elliott Sharp, N.U. Unruh (Einstürzende Neubauten), Zam Johnson, Dudu Tucci, Nils Willers, Johannes Hitzblech, Gustav Gisiger, Nullo Facchini, Uwe Renken, Feridun Zaimoglu, Martin-Karl Wagner, Jens Winter, Yumiko Yoshioka, Schiller, Bremer Kammerorchester, Dani Karavan, Yuko Kaseki,cokaseki - Yuko Kaseki & Marc Ates Willem Schulz, Elias Cohen, Chansook Choi, Mi-Kuni, Miranda Markgraf,Miranda Markgraf Ming Poon,http://www.mingapur.de/ Helmut Diez, Showcase – Beat le Mot uvm.
Seki Method Während der letzten 20 Jahre hat Minako Seki die Erfahrungen aus ihrer künstlerischen Arbeit und der intellektuellen Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln, Erkenntnissen moderner Hirnforschung und klassischer asiatischer Denktraditionen in eine Trainingsmethode und eigene Bewegungssprache zusammengefasst.Minako Seki, Lucas Fester (Hrsg.): Dancing Between. Monographie. Berlin 2007.
Sie lehrt die Seki Method als eine Art ganzheitliche Achtsamkeitspraxis, über die Beobachtung und konkrete Erfahrung physikalischer Grundprinzipien am eigenen Körper greifbar gemacht werden sollen.
Die in der Praxis erlebbaren Gesetzmäßigkeiten des Körpers im Raum, wie z. B. die Einwirkung der Schwerkraft – Fallen, Hängen, Fließen – zielen auf eine offene, sensibilisierte Wahrnehmung des eigenen Körpers ab. Durch die Wahrnehmungsschulung soll nicht zuletzt die künstliche Trennung von Körper und Geist, linker und rechter Hirnhälfte im künstlerischen Schaffensprozess aufgehoben werden.