Kreta ( ) ist die größte griechische Insel und mit rund 8261 km² Fläche sowie 1066 Kilometern Küstenlänge nach Sizilien, Sardinien, Zypern und Korsika die fünftgrößte Insel im Mittelmeer. Kreta zählt zur gleichnamigen griechischen Region Kreta.
Die Insel hat etwa 624.000 Einwohner (2021).Zensus Elstat 2021. Veröffentlicht am 17. März 2023 Größte Stadt, Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum ist Iraklio mit etwa 179.000 Einwohnern.
Name Der altgriechische Name ist noch erhalten geblieben, nur der Vokal lautet im Neugriechischen . Kreta ist die eingedeutschte Schreibweise der lateinischen Namensform . Während der Zeit als Kolonie der Republik Venedig wurde die Insel Candia genannt (zurückgehend auf Arabisch ); auch die Hauptstadt Iraklio hieß damals Candia.Zur Bezeichnung zu venezianischer Zeit und zur Benennung nach dem Hauptort, jedoch nicht zur arabischen Wortherkunft, cf. Marcantonio Sabellico: Dell’Historia Venitiana Libri XXXIII, volkssprachlich Venedig 1668, IX. Buch, S. 117.
Die Etymologie ist unklar. In der Linearschrift B der mykenischen Kultur findet sich die Bezeichnung ke-re-si-jo, sie wird als ‚Kreter‘ gedeutet und ist möglicherweise vorgriechischen Ursprungs.Fritz Gschnitzer: Elis-Eleia und Verwandtes. Zur Bildung griechischer Länder- und Völkernamen. In: Kleine Schriften zum griechischen und römischen Altertum. Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07805-3, S. 90. In Homers Ilias (so im Schiffskatalog, Buch 2, Vers 645) sind die Kreter als die griechischsprachigen Bewohner der Insel in der Form mit t belegt; die vorgriechische Bevölkerung nennt Homer Eteokreter ().Odyssee, Buch 19 Vers 176 (online)
Zur Herkunft des griechischen Namens gab es schon in der Antike unterschiedliche Auffassungen. Vier Versionen gehen auf weibliche Figuren namens Krete zurück: Genannt werden eine Tochter Europas namens Krete; eine Geliebte des ägyptischen Königs Ammon, die mit ihm auf die Insel Idaia geflohen sei und die daraufhin in Krete umbenannt wurde; eine Krete der Hesperiden und eine Tochter Deukalions desselben Namens. Weitere Deutungen führen den Namen auf einen mythischen ersten König namens Kres zurückWilhelm Vollmer: Dr. Vollmers Wörterbuch der Mythologie aller Völker. Dritte Edition, Stuttgart 1874, Reprint Leipzig 1990, ISBN 3-921695-13-9. oder auf die Kureten als mythische erste Einwohner der Insel.Harry Thurston Peck: Harpers Dictionary of Classical Antiquities. Harper and Brothers, New York 1898 (online).
Geografie Geografische Lage mini|hochkant=1.5|Physische Karte von Kreta mini|Kretische Berglandschaft Kreta liegt knapp 100 Kilometer südlich des griechischen Festlands. Sie ist die größte griechische Insel und nach Zypern die zweitgrößte des östlichen Mittelmeeres. Die Insel hat eine gestreckte Form, sie misst in Ost-West-Richtung 254 Kilometer bei einer größten Breite von 60,6 Kilometern. An ihrer schmalsten Stelle (bei Ierapetra) ist Kreta 12,1 Kilometer breit. Kreta liegt zwischen 34°55′31″ und 35°41′32″ nördlicher Breite und zwischen 23°31′21″ und 26°18′50″ östlicher Länge. Die Entfernung bis Afrika beträgt 294 Kilometer (Libyen), bis Asien 180 Kilometer (Türkei) und zum europäischen Festland Kap Maleas 96,6 Kilometer.
Die Insel hat eine Fläche von 8261,183 km², ihre Küstenlinie ist 1066 Kilometer lang. Das Meer im Norden wird Kretisches Meer genannt (griechisch ), das im Süden Libysches Meer (griechisch ), Kretas Ostende erstreckt sich in das sogenannte Karpathische Meer.
Größere Halbinseln finden sich vornehmlich an der Nordwestküste, die größte davon bildet Akrotiri. Im äußersten Nordwesten ragen die Halbinsel Rodopos und Gramvousa wie zwei ausgestreckte Finger ins Kretische Meer.
Kreta ist sehr gebirgig und wird durch eine von West nach Ost reichende Gebirgskette bestimmt, die zumeist zur Südküste steiler und zum Norden flacher abfällt. Diese Kette ist ein überseeischer Teil eines vom Peloponnes über Kreta, Karpathos und Rhodos bis zum anatolischen Festland reichenden Gebirgsmassivs, das die Südägäische Inselbrücke bildet. Die vier höchsten Erhebungen auf Kreta sind:
Das Ida-Gebirge mit dem Psiloritis als höchstem Berg der Insel () befindet sich in Zentralkreta südwestlich der Hauptstadt Iraklio, die Weißen Berge oder Lefka Ori () im Westen liegen nur wenige Meter niedriger als das Psiloritis und sind Teil des flächenmäßig größten Gebirgsmassivs auf Kreta, das Dikti-Gebirge () befindet sich im Südosten der Insel, die bis zu 1476 Meter hohen Thripti-Berge liegen weiter östlich auf der Insel.
Diesen Gebirgen verdankt Kreta die fruchtbaren Hochebenen Lasithi, Omalos und Nida, Höhlen wie die Diktäische Höhle und tiefe Schluchten wie die bekannte Samaria-Schlucht. Die Messara-Ebene im Süden ist mit etwa 140 km² die größte Ebene der Insel. Sie wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Kreta bildet mit einigen kleineren bewohnten sowie unbewohnten Inseln eine Inselgruppe.
Geologie mini|Bergwelt und Bergdorf (Kato Saktouria nahe Spili) in Südkreta mini|Messara-Ebene mini|Luftaufnahme der südöstlichen Küste zwischen Athenerilakkos und Xerokampos
Der steil aufsteigende Archipel von Kreta liegt auf der Ägäischen Platte,, Verlag Ed. Hölzel 1998 unweit der tiefsten Stellen des gesamten Mittelmeers und stellt einen angehobenen Bereich des Forearcs der Subduktionszone dar (Forearc-Rücken). Die gesamte Region ist tektonisch stark aktiv. So verläuft hier der sogenannte Griechische Bogen oder die Hellenische Subduktionszone, ein knapp 1000 Kilometer langer tektonischer Graben, der sich zwischen der europäischen Platte in Südbewegung und der afrikanischen Platte in Nordbewegung befindet. Dadurch schiebt sich die afrikanische Platte unter die europäische Platte. Diese Subduktionszone wird als dominierender Bereich für Erdbeben in der gesamten Kontinentalregion gesehen. Erdbeben können ständig auftreten, richten aber in der Regel kaum nennenswerte Schäden an. 70 bis 150 km nördlich hiervon schließt sich mit dem Kykladenbogen der magmatische aktive Bogen an.
Zwischen 4200 ± 90 BP und 3930 ± 90 BP lag der Meeresspiegel am bisher tiefsten bekannten Punkt (−6,55 ± 0,55 m).Dies und das Folgende nach Nikos Mourtzas, Eleni Kolaiti, Marco Anzidei: Vertical land movements and sea level changes along the coast of Crete (Greece) since Late Holocene, in: Quaternary International, online seit 29. Oktober 2015. Für die Proto- oder Altpalastzeit (1900–1700 oder 1600 v. Chr.) und die Neupalastzeit der minoischen Kultur (1600–1450 v. Chr.) ließen sich zwei Stände feststellen, nämlich bei −3,95 ± 0,35 m und bei −2,70 ± 0,15 m. Ein weiterer Anstieg auf −1,25 ± 0,05 m fand zwischen 1450 und 400 v. Chr. statt. 1604 stieg der Meeresspiegel in kürzester Zeit um 0,70 m an. Seither stieg er um weitere 0,55 m an. Im 4. Jahrhundert wurde der westliche Teil der Insel um 9,15 ± 0,20 m gehoben, der östliche, der sich zudem nach Südosten neigte, um 2 m. Wahrscheinlich entstand mit dem schweren Beben des Jahres 365 der Graben von Spili, entlang dessen die Insel auseinanderbrach. Um 1600 senkte sich der westliche Teil um 1,25 ± 0,05 m gleichzeitig mit der Absenkung des östlichen Teiles der Insel.
Historische, nachweisbare Erdbeben: Zerstörung des Palasts von Phaistos ca. um 1900 v. Chr. Zerstörung der ersten großen Palastanlage von Knossos um ca. 1700 v. Chr. allem Anschein nach Erdbeben im Vorfeld des Vulkanausbruchs von Santorin (ca. 1500 v. Chr.; eher um ca. 1630 v. Chr.) Zerstörung des neuen Palasts der Minoer ca. 1450 v. Chr. großes Erdbeben südlich von Kreta am 21. Juli 365 n. Chr., dabei unter anderem Zerstörung des Leuchtturms von Alexandria (Bericht von Ammianus Marcellinus) Zerstörung der Festung von Kastro (Koules) um 1500 n. Chr. mehrfache, sukzessive Zerstörung der Kirche Agios Titos aus dem 15. Jahrhundert (Beben ohne Datierung) Zerstörung der mittlerweile zur Moschee umgebauten Kirche Agios Titos im Jahr 1856
Aktuelle Beispiele: Magnitude 5,1 im Meer vor dem östlichen Inselteil Magnitude 6,1 im Meer, 40 Kilometer nordwestlich vor der Küste Magnitude 5,0 im Meer in 97 Kilometer Tiefe und 105 Kilometer nördlich Magnitude 4,5 im Meer südlich Ierapetra Magnitude 5,4 im Meer 175 Kilometer nordöstlich von Iraklio in 33 Kilometer Tiefe (am 7. Februar 2004) Magnitude 5,3 zwischen Kreta und Peloponnes in 73 Kilometer Tiefe (am 4. November 2004) Magnitude 6,7 im Meer in 66 Kilometer Tiefe rund 92 Kilometer nordwestlich der Insel Magnitude 6,9 im Meer in rund 70 Kilometer Tiefe nordwestlich (am 8. Januar 2006) Magnitude 4,5 im Meer ca. 90 Kilometer östlich von Kreta (lt. www.gfz-potsdam.de, am 31. März 2006) Magnitude 6,5 im Meer westlich der Stadt Chania in 23 Kilometern Tiefe (am 12. Oktober 2013) Magnitude 6,1 im Meer ca. 50 Kilometer östlich von Kreta in 20 Kilometern Tiefe (am 16. April 2015) Magnitude 4,9; 11 Kilometer nordwestlich der Stadt Gazi auf Kreta in 75 Kilometern Tiefe (am 31. Juli 2019) Magnitude 5,8 in 10,4 Kilometer Tiefe in Arkalochori (am 27. September 2021) mit mehreren Nachbeben, u. a. mit Magnitude 5,3 in 10,7 Kilometer Tiefe etwa vier Kilometer westlich von Arkalochori (am 28. September 2021) Magnitude 6,3 in 9,0 Kilometer Tiefe, 32 Kilometer südöstlich von Zakros im Meer (am 12. Oktober 2021)
Siehe auch: Erdbeben erschütterte Griechenland (8. Januar 2006)
Klima Auf Kreta herrscht ein gleichmäßiges Mittelmeerklima. Kreta ist mit seinen zirka 300 Tagen Sonnenschein pro Jahr zusammen mit Zypern die sonnigste Insel im Mittelmeerraum. Der Sommer ist heiß und trocken, wobei insbesondere an der Südküste sehr hohe Temperaturen gemessen werden. Der Winter ist regenreich und mild, die Hochlagen der Gebirgszüge sind schneereich. Kreta ist durch mehrere Klimazonen geprägt. Die Spanne reicht von trocken-heißen bis zu feucht-alpinen Zonen.
In den Gebirgsregionen können die Werte von den in der Tabelle angegebenen Durchschnittswerten erheblich abweichen. An der südöstlichen Küste ist es in den Sommermonaten um einige Grade wärmer.
Flora Vegetation mini|Kretischer Aronstab (Arum creticum) im Frühling Bis ins 17. Jahrhundert war Kreta von teils dichten Wäldern bedeckt.Angelos Chaniotis (2004): Das antike Kreta. C.H. Beck, München, [3. Auflage, 2020], ISBN 978-3-406-74326-9, S. 12–14. Noch heute ist die kretische Flora trotz jahrtausendelanger Besiedelung und sommerlicher Trockenheit sehr artenreich, so gedeihen hier alleine etwa 170 endemische Pflanzenarten. Besonders im Frühling fällt die hohe Anzahl unterschiedlichster Blütenpflanzen ins Auge. Typisch für die Insel ist das Vorkommen zahlreicher Gewürz-Kräuter wie Kopfiger Thymian, Griechischer Salbei, Thymbra-Bergminze, Oregano oder Diptam-Dost, deren Verbreitung bis in die Hochlagen der Gebirgszüge reicht.
Zum typischen Bewuchs der von Ziegen und Schafen beweideten Flächen siehe Phrygana und Macchie.
Die Gebirgszüge der Weißen Berge (Lefka Ori) und des Ida-Gebirges sind teilweise noch mit Kalabrischen Kiefern (Pinus brutia), Restbeständen von Zypressen (Cypressus sempervirens) und Kermeseichen bewaldet. Der Osten Kretas hingegen zählt zu den kargsten und trockensten Regionen Europas. Dort wachsen neben wenigen kultivierten Ölbäumen nur noch die widerstandsfähigen und austrocknungsresistenten kugelbuschartigen Pflanzen der Phrygana.
Weitere häufig zu sehende Bäume sind der Johannisbrotbaum und laubwerfende Platanen entlang von Bachläufen. Eine Besonderheit ist die Kretische Dattelpalme (Phoenix theophrasti), die an einigen Standorten der Südküste und im äußersten Osten am Palmenstrand von Vai vorkommt.
Neophyten mini|Nickender Sauerklee Auf Kreta gibt es eine große Zahl Neophyten – Pflanzenarten, die erst durch beabsichtigten oder unbeabsichtigten menschlichen Eingriff auf der Insel heimisch wurden. Einige dieser Arten sind landschaftsbildprägend geworden: