Kriftel ist eine hessische Gemeinde im Main-Taunus-Kreis. Die Kleingemeinde hat Einwohner () und liegt zentral im südhessischen Rhein-Main-Gebiet, zwischen Frankfurt am Main und Wiesbaden. Die Gemeinde verwendet den Slogan „Obstgarten des Vordertaunus“, da auf den umliegenden Feldern neben Getreide auch Obst angebaut wird, vor allem Erdbeeren und Äpfel.
Geografie Geografische Lage Kriftel liegt im Main-Taunusvorland zwischen den Großstädten Frankfurt am Main und der Landeshauptstadt Wiesbaden mitten im Main-Taunus-Kreis. Durch Kriftel fließt der Schwarzbach, der zu früheren Zeiten noch Goldbach genannt wurde. Durch zunehmende Verschmutzung der anliegenden Lederfabriken wurde er diesem Namen nicht mehr gerecht, inzwischen hat sich die Situation nach der Schließung der Lederfabriken aber wieder gebessert.
Kriftel grenzt im Nordosten an den Stadtteil Zeilsheim der kreisfreien Stadt Frankfurt am Main, im Südosten an die Stadt Hattersheim am Main, im Süden an die Stadt Flörsheim am Main sowie im Westen an die Stadt Hofheim am Taunus, mit der Kriftel fast eine bauliche Einheit bildet.
Kriftel umfasst nur eine Gemarkung (Gmk.-Nr. 60540).
Bevölkerungsentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung Kriftels in den letzten 100 Jahren
Jahr Einwohner Ereignisse 9.–17. Jhd. etwa 100–180 1648 etwa 40–60 Dreißigjähriger Krieg 1772 341 1880 633 1910 1.556 Aufschwung der chemischen Industrie 1914 1.956 Erster Weltkrieg 1918 1.946 1939 2.321 Zweiter Weltkrieg 1944 2.221 1950 3.481 Aufnahme von Evakuierten und Flüchtlingen 1960 5.029 Wirtschaftswunder 1977 9.000 01.05.2003 10.577 31.12.2004 10.625 31.12.2005 10.643 31.12.2006 10.527 31.01.2011 11.114 mit Hauptwohnsitz gemeldet
Die Bevölkerung Kriftels verteilt sich wie folgt auf die drei Altersgruppen: 0–14 Jahre: 13,8 %, 15–65 Jahre: 67,4 %, über 65 Jahre: 18,8 %. Damit hat Kriftel gemeinsam mit Hattersheim den höchsten Anteil Personen im erwerbsfähigen Alter im Main-Taunus-Kreis. Die Bevölkerungsdichte beträgt innerhalb der Gemarkung 1.646 Einwohner pro Quadratkilometer. Beachtet man jedoch nur die bebauten Gebiete, so ergibt sich eine Dichte von 3.606 Einwohnern pro Quadratkilometer. Da die Neubaugebiete dichter bebaut sind und stetig Baulücken aufgefüllt werden, ist in Zukunft mit einem Steigen der Bevölkerungsdichte zu rechnen.
Geschichte Frühgeschichte Um 72/73 n. Chr. errichteten die Römer auf einer Anhöhe über Kriftel (heute Hofheimer Gebiet, dort steht nun das Landratsamt des Main-Taunus-Kreises) ein Steinkastell zur Sicherung ihrer Siedlungen. Das Kastell Hofheim stand auch mit einem auf dem Hofheimer Kapellenberg errichteten Wachturm in Sichtkontakt. An der heutigen Gemarkungsgrenze entstand ein Lagerdorf, welches seit der Entdeckung im Jahr 1841 wiederholt Ziel archäologischer Ausgrabungen war.
Mittelalter Im Juli 754 übernachtete der Leichenzug des Bonifatius nach Fulda vermutlich einmal am Übergang des Schwarzbachs auf dem Gelände der Ortschaft. Zu Ehren des Missionars wurden mehrere Bonifatiuskapellen errichtet (erstmals 1277 nachweisbar).
Kriftel wurde im Jahr 790 n. Chr. erstmals anlässlich einer Schenkung an das Kloster Fulda urkundlich erwähnt, damals noch unter dem Namen Cruoftera (Schluchtenbach). In den ältesten erhaltenen Urkunden wurde Kriftel auch häufig als Cruftera oder Cruftero bezeichnet (mittelhochdeutsch Cruft – eingegraben). Bis ins 13. Jahrhundert wandelte sich diese Bezeichnung zu Cruftela beziehungsweise Cruftila, später zu Crüfftel. Ähnlich alt war der Ort Heddingheim auf der Gemarkung des heutigen Kriftel. Heddingheim wurde im 16. Jahrhundert zur Wüstung.
Kriftel stand im 13. Jahrhundert wie die Nachbarstadt Hofheim am Taunus unter dem Einfluss der Herren von Falkenstein. Im 14. Jahrhundert fiel das Dorf an Kurmainz. Von der Zugehörigkeit zu Mainz zeugt heute noch das Mainzer Rad im Wappen der Gemeinde Kriftel. Später wurde das Amt Hofheim, zu dem Kriftel gehörte, an die Grafen von Eppstein verpfändet. Nach deren Aussterben wurden diese von den Grafen zu Stolberg beerbt, die ab 1540 in Kriftel die Reformation einführten. 1559 wurde die Pfandschaft durch das Kurfürstentum Mainz wieder eingelöst. Kriftel fiel an Kurmainz zurück und wurde damit wieder zum katholischen Glauben geführt.
Neuzeit Kriftel war von 1588 bis 1630 von Hexenverfolgungen betroffen; mindestens zwei Frauen wurden verbrannt. Die Gemeindevertretung Kriftel hat in der Sitzung am 3. Februar 2016 einen Beschluss zur Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse gefasst.Grüne Minderheit wird zur Mehrheit.
Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) hinterließ in Kriftel starke Folgen. Dreizehn Höfe der um 1609 noch hier lebenden 44 Familien sowie eine Mühle fielen dem Krieg zum Opfer. Die erste Bonifatiuskapelle wurde während des Krieges ebenfalls zerstört, 1755 jedoch wieder neu aufgebaut. Besonders schwere Spuren hinterließen die Schweden im Jahre 1635, die u. a. den 73-jährigen Krifteler Pfarrer Johann Wagner hängten.
Das Dorf erholte sich trotz hoher Abgaben relativ schnell vom Krieg, wurde am 6. März 1671 allerdings von einem weiteren Unglück getroffen. Von 34 Häusern, die aus Fachwerk bestanden, überstanden nur vier sowie Teile der Kirche einen – durch einen Sturm noch beschleunigten – Brand, der morgens gegen 10 Uhr in der Scheune des Schultheißen (Bürgermeisters) Johann Ohaus ausgebrochen war.
Im Jahre 1792 fielen französische Revolutionssoldaten in die Gegend ein und besetzten die Region zwischen Mainz und Frankfurt.
Anfang des 19. Jahrhunderts zählte Kriftel 628 Einwohner. 1803 wurden die geistlichen Besitzungen aufgelöst. Auch das Erzbistum Mainz verlor große Teile seines Gebietes und Kriftel wurde wie andere rechtsrheinische Gebiete dem neugebildeten Herzogtum Nassau zugeschlagen. Nach Ende des Deutschen Krieges 1866 wurde das Herzogtum Nassau von Preußen annektiert. Kriftel profitierte jedoch von der preußischen Herrschaft dahingehend, dass die Strecke der Main-Lahn-Bahn auch an Kriftel vorbeiführte. Am 15. Oktober 1877 hielt erstmals ein regulärer Zug am Bahnhof des Dorfes. Vor allem diese infrastrukturelle Anbindung sowie der Aufschwung der chemischen Industrie am Main, speziell der Farbwerke Hoechst AG, vorm. Meister Lucius & Brüning, führte zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem stetigen Bevölkerungszuwachs.
Jüngere Geschichte In der Nachkriegszeit ab 1945 bis zur Ölkrise 1973 wuchs Kriftel rasant mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 4,5 % von 2.221 Einwohnern auf 8.335 an. Anfangs siedelten sich durch günstiges Bauland und verschiedene Bauprojekte vor allem Angehörige der ehemaligen Hoechst AG in Kriftel an. 1955 wurde die Krifteler Kläranlage eingeweiht, 1960 die ersten Hochhäuser am Berliner Platz gebaut. 1967 wurde die Kreissporthalle und 1968 schließlich der Sportplatz in Kriftel fertiggestellt. Ein Großprojekt der Gemeinde war der 1972 eingeweihte Freizeitpark mit Schwimmbad, der etwa 2 bis 3 % der Fläche Kriftels einnimmt. Die Schwarzbachhallen wurden 1973 eröffnet.
Der Kampf um die Selbstständigkeit Im November 1970 legte der hessische Innenminister Johannes Strelitz (SPD) eine Modellrechnung zur Gebietsreform in Hessen im Main-Taunus-Kreis vor. Danach sollte Kriftel Stadtteil von Hofheim werden. Der Krifteler Bürgermeister, Hans-Werner Börs (CDU), lehnte diese Planung in seinem Antwortschreiben klar ab. Am 26. Februar 1971 beschloss der Kreistag mit seiner Mehrheit aus SPD und FDP eine Vorlage, die die Eingemeindung vorsah. Der einstimmige Beschluss der Gemeindevertretung zur Eigenständigkeit im Februar 1971 und eine erneute Resolution der Gemeindevertretung Mitte 1973 führte jedoch weder im Landkreis noch im Land zu einem Umdenken. Mit Schreiben vom 17. Dezember 1973 teilte Innenminister Hanns-Heinz Bielefeld (FDP) der Gemeinde mit, die Eingemeindung durchführen zu wollen. Am 4. Januar 1974 lehnte die Gemeindevertretung die Planung erneut ab. Auch der Magistrat von Hofheim lehnte am 27. Februar 1974 eine zwangsweise Eingemeindung von Kriftel ab. Eine Plakatkampagne mit einem Igel als Symbol des Widerstandes wurde gestartet. Anfang März befragte das Institut für Demoskopie Allensbach 10 % der Bürger und ermittelte, dass 95,2 % der Befragten sich für die Selbstständigkeit aussprachen. Am 17. März 1974 sprachen sich 98,3 % der Wähler in einem Bürgerentscheid für die Selbstständigkeit aus. Am 9. Mai 1974 sprach sich der Landtag in erster Lesung für die Eingemeindung aus, am 12. Juni 1974 der Landtagsausschuss für Verwaltungsreform. Die entscheidende Abstimmung im Landtag fand am 19. Juni 1974 statt. Bereits nachdem das Gesetz zur Neugliederung des Main-Taunus-Kreises aufgerufen war, wurde die Sitzung unterbrochen und in letzter Minute die Eigenständigkeit Kriftels (und Sulzbachs) in das Gesetz übernommen.Wilfried Krementz: Der „Igel“ wehrt sich. In: Zwischen Main und Taunus – Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises. 1997, , S. 120–126.
1989 überschreitet die Einwohnerzahl erstmals die Marke von 10.000. Kurz darauf, im Jahr 1990, feierte die Gemeinde ihr 1200-jähriges Bestehen.
B 519 neu Seit über 40 Jahren gibt es Bestrebungen zum Bau einer Umgehungsstraße im Zuge der Bundesstraße 519, die trennend die zusammengewachsenen Ortslagen von Hofheim und Kriftel durchschneiden würde. Wegen der zu erwartenden Zerschneidung des Randes der Krifteler Ortslage, der Lärmbelastung für die an der Strecke liegenden dicht bebauten Wohngebiete und wegen des enormen Landschaftsverbrauchs haben Anwohner aus Kriftel und Hofheim gegen ein Planfeststellungsverfahren des Regierungspräsidiums Darmstadt mehr als 6.000 Einwendungen erhoben. Der für 2011 vorgesehene Erörterungstermin musste aufgrund dessen bis auf Weiteres ausgesetzt werden.
2018 erklärt der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, dass sich die Trasse zwar weiterhin im Bundesverkehrswegeplan befindet, in dieser Form jedoch niemals gebaut werden wird.
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Kriftel erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 53,9 17 53,4 17 56,4 17 55,3 17 53,6 16 58,4 22 19,8 6 21,7 7 14,8 5 21,1 6 8,7 3 9,0 3 15,5 5 13,9 4 17,4 5 18,3 6 27,8 9 26,0 10 10,7 3 11,1 3 11,5 4 5,2 2 9,9 3 6,6 2 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 57,9 58,9 57,0 53,9 57,6 55,8
Bürgermeister mini|Rat- und Bürgerhaus Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Kriftel neben dem Bürgermeister hauptamtlich ein Erster BeigeordneterErster Beigeordneter: Franz Jirasek und ehrenamtlich neun weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. September 2006 Christian Seitz (CDU). Er wurde als Nachfolger von Paul Dünte (CDU), der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 26. März 2006 bei 57,7 Prozent Wahlbeteiligung mit 60,4 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgten drei Wiederwahlen, zuletzt ohne Gegenkandidaten im März 2024.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Kriftel 2024
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2006–2030 Christian Seitz (CDU)Porträt des Bürgermeisters: Christian Seitz 1994–2006 Paul Dünte (CDU)Dünte legte die grundsätzlichen Planungen für die Neubaugebiete Am Erdbeeracker und Ziegeleipark fest.