mini|Logo des Kantons Appenzell Innerrhoden Appenzell Innerrhoden (Kürzel AI; im lokalen , ) ist ein Kanton in der Deutschschweiz. Er zählt zur Region Nordostschweiz und zur Grossregion Ostschweiz. Der Hauptort ist Appenzell.
Geographie Überblick Appenzell Innerrhoden ist mit 173 Quadratkilometern nach Basel-Stadt der Kanton mit der zweitkleinsten Fläche.
Im Kanton werden 56,0 Prozent der Gesamtfläche als landwirtschaftliche Flächen genutzt.Quelle: Statistik für die EUREGIO-Bodensee. In: Aufgelistet! Die zehn Landkreise der Bodenseeregion, … In: Südkurier vom 25. Februar 2011 und in: Ders. vom 2. Juli 2011. Im Jahr 2020 wurden 6,3 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche durch 27 Betriebe biologisch bewirtschaftet.
Lage des Kantons Der Kanton Appenzell Innerrhoden grenzt an die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen.
Höchster Berg ist der Säntis () im Alpstein, auf dem sich die Grenzen der drei Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen treffen. Aufgrund der Zersplitterung des Kantons in drei Gebiete existieren sechs solcher Grenztreffpunkte. Der Säntis ist der südlichste und westlichste von diesen.
Bevölkerung Überblick Die Einwohner des Kantons werden Innerrhoder bzw. mundartnah Innerrhöd(e)ler genannt. Sie gelten als konservativ und sind römisch-katholisch geprägt. Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Appenzell Innerrhoden 16'214. Die Bevölkerungsdichte liegt mit Einwohnern pro Quadratkilometer weit unter dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer).
Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf Prozent, während landesweit Prozent Ausländer registriert waren.
Per betrug die Arbeitslosenquote Prozent gegenüber Prozent auf eidgenössischer Ebene.
Sprachen Faktische Amtssprache ist Deutsch. Die gesprochenen schweizerdeutschen Mundarten gehören dem Hochalemannischen und innerhalb dessen dem Ostschweizer Dialekt an.Rudolf Hotzenköcherle: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz. Sauerländer, Aarau, Frankfurt am Main, Salzburg 1984 (Reihe Sprachlandschaften der Schweiz 1), ISBN 3-7941-2623-8; hier: Der Nordosten. S. 91–124. Sie heben sich einerseits durch zahlreiche ältere Lautungen und Wörter, anderseits durch eigene Neuerungen vom übrigen ostschweizerischen Dialektkontinuum ab.Jakob Vetsch: Die Laute der Appenzeller Mundart. Frauenfeld 1910 (Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik I).Stefan Sonderegger, Thomas Gadmer: Appenzeller Sprachbuch. Der Appenzeller Dialekt in seiner Vielfalt. Appenzell/Herisau 1999.Joe Manser: Innerrhoder Dialekt. Mundartwörter und Redewendungen aus Appenzell Innerrhoden. Appenzell 2001, ISBN 3-9520024-9-6 (4., erweiterte Auflage, Appenzell 2008).
Religionen – Konfessionen Der Kanton Appenzell Innerrhoden ist ein römisch-katholisch geprägter Kanton. Sein Gebiet trennte sich 1597 im Rahmen der Landteilung vom evangelisch-reformiert gewordenen Landesteil des nachmaligen Kantons Appenzell Ausserrhoden ab.
Laut einer ErhebungSeit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 liegen keine genauen Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung (jeden Alters) im Kanton Appenzell Innerrhoden mehr vor. Jedoch führt das Bundesamt für Statistik seit 2010 Stichprobenerhebungen zu den Religionsgemeinschaften im Kanton Appenzell Innerrhoden durch, bei welchen Personen ab einem Alter von 15 Jahren befragt werden. Es gilt zu beachten, dass die Resultate der Erhebungen ein Vertrauensintervall aufweisen. Siehe auch Volkszählung in der Schweiz#Strukturerhebung. des Bundesamtes für Statistik von 2018 bekennen sich 87,3 Prozent der Kantonsbevölkerung ab 15 Jahren zum Christentum: 74,5 Prozent sind römisch-katholischer Konfession (Bistum St. Gallen), 9,8 Prozent evangelisch-reformierter Konfession (Evangelisch-reformierte Landeskirche beider Appenzell); und 3,0 Prozent gehören anderen christlichen Konfessionen an. Der Anteil anderer Religionsgemeinschaften in der Bevölkerung ab 15 Jahren beträgt 3,3 Prozent, während 9,4 Prozent sich als konfessionslos bezeichnen.
Geschichte
Der Kanton Appenzell Innerrhoden, seit 1513 wie Ausserrhoden ein Glied der Eidgenossenschaft, bildete vor der Gegenreformation zusammen mit dem Kanton Appenzell Ausserrhoden den Kanton Appenzell. Im Jahr 1597 teilte Appenzell sich friedlich in zwei Halbkantone (Landteilung), in das reformierte Appenzell Ausserrhoden und das katholisch gebliebene Appenzell Innerrhoden. Diese sind heute im Schweizer Ständerat mit jeweils nur einem statt mit zwei Sitzen vertreten. Sonst sind die «Halbkantone» heute eigenständige Kantone, wie die anderen Kantone der Schweiz auch.
Nachdem der Landsgemeinde-Kanton Appenzell im Mittelalter halbwegs demokratisch aufgebaut gewesen war, bildete sich seit dem 16. Jahrhundert wie in den anderen Kantonen in Innerrhoden zusehends eine elitäre Oberschicht aus, welche den Kanton selbstherrlich regierte, einzelne Familien beherrschten die Politik. Erst mit der Helvetik (vorübergehend und unter der Fremdherrschaft Frankreichs) und dann im 19. Jahrhundert bildeten sich wieder demokratischere Verhältnisse aus.F. Schaffer: Abriss der Schweizer Geschichte, 1972
Appenzell Innerrhoden war nach einem Bundesgerichtsentscheid vom 27. November 1990 der letzte Schweizer Kanton, der das 1971 auf eidgenössischer Ebene beschlossene Frauenstimmrecht gegen den Willen der (männlichen) Stimmbürger auch auf kantonaler Ebene einführen musste. Im April 1990 hatte sich die Landsgemeinde noch gegen die Einführung des Frauenstimmrechts ausgesprochen.
Verfassung und Politik Die gegenwärtige Verfassung für den Eidgenössischen Stand Appenzell Innerrhoden datiert vom 24. Wintermonat [November] 1872.Verfassung für den Eidgenössischen Stand Appenzell I. Rh. In: ai.clex.ch. Abgerufen am 17. Juni 2025. Sie wurde seither mehrmals geändert, so Ende des 20. Jahrhunderts, als der Gewaltenteilung grössere Nachachtung verschafft und die Gerichtsorganisation revidiert wurde. Die Landsgemeinde 2024 erliess eine neue Verfassung, doch ist diese noch nicht in Kraft.Landsgemeindemandat 2024 > Geschäft 7.
Legislative Landsgemeinde
mini|Vereidigung bei der Innerrhoder Landsgemeinde in Appenzell Die jährlich – in der Regel am letzten Aprilsonntag – in Appenzell abgehaltene Landsgemeinde ist die Versammlung der stimm- und wahlberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons und damit dessen oberstes Organ. Als Stimmrechtsausweis können Männer neben der papierenen Stimmkarte auch das sogenannte «Seitengewehr» vorzeigen,Landsgemeinde, Website des Kantons Appenzell Innerrhoden (abgerufen am 22. Dezember 2019). früher tatsächlich ein Gewehr, heute ein zumeist ererbter Degen, wahlweise auch ein Bajonett oder Säbel.Symbolträchtige Landsgemeinde. In: St. Galler Tagblatt, 30. April 2011 Die Abstimmung erfolgt per Handerheben.
Jedes Gesetz unterliegt der Abstimmung an der Landsgemeinde (obligatorisches Referendum).
Finanzbeschlüsse des Grossen Rates unterliegen der Abstimmung durch die Landsgemeinde zwingend, wenn sie einmalig wenigstens 1'000'000 Franken oder während mindestens fünf Jahren wiederkehrend wenigstens 200'000 Franken betragen. Fakultativ unterliegen Finanzbeschlüsse der Abstimmung durch die Landsgemeinde, wenn sie einmalig wenigstens 250'000 Franken oder während mindestens fünf Jahren wiederkehrend wenigstens 50'000 Franken betragen (Finanzreferendum). Die Löhne für das Staatspersonal sind dem Referendum entzogen.
Jeder einzelne stimm- und wahlberechtigte Einwohner hat das Recht, eine Initiative einzureichen, welche die Abänderung der Verfassung oder den Erlass, die Änderung oder die Aufhebung eines Gesetzes bezweckt. Solche Initiativen sind der Landsgemeinde zwingend zur Abstimmung zu unterbreiten.
An der Landsgemeinde werden die Mitglieder der Kantonsregierung und des Kantonsgerichts sowie der Vertreter des Kantons im Ständerat gewählt.
Grosser Rat mini|Grossratssaal in Appenzell Kantonsparlament ist der Grosse Rat. Seine wichtigste Aufgabe ist die Vorberatung der Verfassungs- und Gesetzesvorlagen zuhanden der Landsgemeinde. Im Weiteren erlässt er Verordnungen und Reglemente zum Vollzug der Gesetzgebung des Kantons und überwacht den Geschäftsgang aller Behörden. Ausserdem prüft und genehmigt er die Jahresrechnung, legt das Budget und den Steuersatz fest und fällt die Entscheide über die Erteilung des Landrechtes (Bürgerrechts). Schliesslich verfügt er über das Begnadigungsrecht.
Die Einsitznahme der Standeskommission (Kantonsregierung) und die Leitung des Grossen Rates durch den Landammann wurde 1995 beseitigt.
Mit den Neuwahlen im Jahre 2015 trat eine Neuregelung in Kraft, nach der die Zahl der Grossratsmitglieder auf 50 festgelegt wurde. Jedem der sechs Bezirke stehen dabei mindestens vier Vertreter zu. Die restlichen 26 Mandate werden der Einwohnerzahl nach verteilt. Nach der zuvor geltenden Regelung wählte jeder Bezirk aus den in seinem Gebiet wohnhaften Stimmberechtigten auf 300 Einwohner je ein Mitglied, wobei eine Bruchzahl von mehr als 150 Bezirkseinwohnern einen Bezirk ebenfalls zu einem Vertreter berechtigte. Aus diesem Grund war die Zahl der Grossratsmitglieder bis 2015 variabel.
Die Amtsdauer des Grossen Rates beträgt vier Jahre. Die Wahlen finden in den meisten Bezirken an offenen Bezirksgemeinden statt, in Oberegg jedoch an der Urne.
Sitzverteilung pro Bezirk (2024): Appenzell: 18; Schwende-Rüte: 18; Schlatt-Haslen: 4; Gonten: 4; Oberegg: 6; Total: 50. Insgesamt sind 11 Frauen und 39 Männer im Grossen Rat.
Exekutive – Standeskommission Kantonsregierung ist die Standeskommission, die alljährlich von der Landsgemeinde gewählt wird. Sie zählt sieben Mitglieder, die in ihrem Amt jeweils traditionelle Amtsbezeichnungen tragen und ihren Departementen vorstehen. Die Standeskommission kennt nur eine bedingte Selbstkonstituierung: Vier ihrer Mitglieder werden vom Stimmvolk direkt in das jeweilige Amt gewählt, die drei übrigen erhalten ihre Ämter von der Standeskommission zugewiesen. Regierender und stillstehender Landammann wechseln sich in einem Turnus von zwei Jahren ab.
Seit 2026 ist Angela Koller (Mitte) als erste Frau regierende Landammann. Pius Federer (parteilos) wurde zum stillstehenden Landammann und Nachfolger von Roland Dähler (parteilos) gewählt. Die übrigen Mitglieder der Standeskommission wurden in ihren Ämtern bestätigt.
+Wahl der Standeskommission bei der Landsgemeinde vom 26. April 2026 Regierungsrat Titel Partei Departement Angela Koller Regierende Landammann Mitte Erziehungsdepartement Pius Federer Stillstehender Landammann parteilos VolkswirtschaftsdepartementMonika Rüegg Bless Statthalter parteilos Gesundheits- und Sozialdepartement Ruedi Eberle Säckelmeister SVP Finanzdepartement Stefan Müller Landeshauptmann Mitte Land- und Forstwirtschaftsdepartement Hans Dörig Bauherr parteilos Bau- und Umweltdepartement Jakob Signer Landesfähnrich parteilos Justiz-, Polizei- und Militärdepartement
Bis zur Verkleinerung der Standeskommission von neun auf sieben Mitglieder 1996 gab es überdies den für das Militärwesen zuständigen Landeszeugherrn und den für das Sozialwesen zuständigen Armleutsäckelmeister.
Judikative Das die Verfassungsbestimmungen über die Gerichte konkretisierende gegenwärtige Gerichtsorganisationsgesetz datiert vom 25. April 2010.
In jedem Bezirk besteht ein der ersten Gerichtsinstanz vorgeschaltetes Vermittleramt. Erste Gerichtsinstanz sind die beiden von den Bezirken gewählten Bezirksgerichte für den Inneren und den Äusseren Landesteil. Zweite Gerichtsinstanz ist die Abteilung Zivil- und Strafgericht des von der Landsgemeinde gewählten Kantonsgerichts in Appenzell.
Für den gesamten Kanton bestehen überdies eine Schlichtungsstelle für miet- und nichtlandwirtschaftliche Pachtverhältnisse, eine Schlichtungsstelle für Gleichstellungsfragen und ein Jugendgericht. Erstere beide werden von der Standeskommission, das letztgenannte vom Grossen Rat gewählt.