mini|Logo der Verwaltung des Kantons Appenzell Ausserrhoden

Appenzell Ausserrhoden (Kürzel AR; im örtlichen Schweizerdeutsch Appezell Osserode, ) ist ein Kanton im Nordosten der Deutschschweiz. Der Kanton zählt zur Region Nordostschweiz und zur Grossregion Ostschweiz. Der Regierungs-, Parlaments- und seit Ende November 2012 der Polizeisitz befinden sich in Herisau, Gerichtssitz ist weiterhin Trogen.

Geographie Lage Appenzell Ausserrhoden grenzt an die Kantone Appenzell Innerrhoden und St. Gallen. Die beiden Appenzell sind gänzlich vom Kanton St. Gallen umgeben.

Höchster Berg ist der Säntis () im Alpstein, auf dem sich die Grenzen der drei Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen treffen.

Im Kanton werden 11'945 Hektaren der Gesamtfläche als landwirtschaftliche Flächen genutzt. Im Jahr 2020 wurden 24,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche durch 134 Betriebe biologisch bewirtschaftet.

Der geographische Mittelpunkt des Kantons Appenzell Ausserrhoden liegt ausserhalb des Kantons, nämlich im benachbarten Kanton Appenzell Innerrhoden.

Bevölkerung Statistik Die Einwohner des Kantons werden Ausserrhoder genannt. Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Appenzell Ausserrhoden . Die Bevölkerungsdichte liegt mit  Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf  Prozent, während landesweit  Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote  Prozent gegenüber  Prozent auf eidgenössischer Ebene.

Sprachen Amtssprache ist Deutsch.

Das gesprochene Appenzellerdeutsch gehört zum Ostschweizer Dialekt. Es unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Orten und Landschaften, wobei der Kurzenberger Dialekt am stärksten abweicht.Jakob Vetsch: Die Laute der Appenzeller Mundart. Frauenfeld 1910 (Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik I).Stefan Sonderegger, Thomas Gadmer: Appenzeller Sprachbuch. Der Appenzeller Dialekt in seiner Vielfalt. Appenzell/Herisau 1999.Sprachatlas der deutschen Schweiz. 8 Bände. Francke, Bern bzw. Basel 1962–1997.Otto Frehner: D Appezëller Landsgmënd. In: Idiotikon, Hörproben aus der deutschen Schweiz und den angrenzenden alemannischen Mundartgebieten, abgerufen am 4. Januar 2021. Der traditionelle Appenzeller Dialekt wird heute allerdings von der nordostschweizerischen Koiné bedrängt, umso mehr, als Teile des Kantons heute zur St. Galler Agglomeration gehören.

Religionen – Konfessionen Am 31. Dezember 2024 waren 32,2 % der Gesamtbevölkerung des Kantons evangelisch-reformiert und 25,7 % römisch-katholisch, während 11,3 % einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten und 30,7 % konfessionslos waren.Religionszugehörigkeit nach Grossregion und Kanton, 2024 Ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden ist ein evangelisch-reformiert geprägter Kanton. Sein Gebiet trennte sich 1597 im Rahmen der Landteilung vom römisch-katholisch gebliebenen bisherigen Hauptort bzw. dem nachmaligen Appenzell Innerrhoden.

Seit der Volkszählung 2000 liegen für die Gesamtbevölkerung des Kantons Appenzell Ausserrhoden keine Mitgliederzahlen zu den verschiedenen Religionsgemeinschaften mehr vor. Das Bundesamt für Statistik führt jedoch Stichprobenerhebungen durchSeit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 liegen keine genauen Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung (jeden Alters) für den Kanton Appenzell Ausserrhoden mehr vor. Jedoch führt das Bundesamt für Statistik seit 2010 Stichprobenerhebungen zu den Religionsgemeinschaften im Kanton durch, bei welchen Personen ab einem Alter von 15 Jahren befragt werden. Es gilt zu beachten, dass die Resultate der Erhebungen ein Vertrauensintervall aufweisen. Siehe auch Volkszählung in der Schweiz#Strukturerhebung., bei welchen Personen ab 15 Jahren befragt werden. Bei der Stichprobenerhebung von 2017 gab ein Drittel der Befragten ab 15 Jahren im Kanton Appenzell Ausserrhoden an, keiner der beiden Landeskirchen anzugehören. Je nach Staatsangehörigkeit beziehungsweise Herkunft unterscheidet sich das Religionsbekenntnis der Bevölkerung zudem teilweise deutlich:

+ Bevölkerung ab 15 Jahren in Appenzell Ausserrhoden nach Religion und Staatsangehörigkeit/Herkunft, 2017 (Angaben in Prozent, gerundet) Religion TotalallerBefragten Schweizer Staats-angehörigkeit Schweizer ohne Migrations-hintergrund Schweizer mit Migrations-hintergrund Ausländische Staats-angehörigkeit Christentum 73 76 79 63 52 – evangelisch-reformierte Kirche 38 44 49 17 5 – römisch-katholische Kirche 28 27 27 28 31 – andere christliche Kirchen 7 5 3 18 16 andere Religionen 4 2 0 11 16 – Islam 3 1 0 8 12 – übrige Religionen 1 1 0 3 4 konfessionslos 22 21 20 23 28 übrige/keine Angabe 1 1 1 3 4

Die reformierte Bevölkerung gehört grossteils der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell an, die katholischen Kirchgemeinden unterstehen dem Bistum St. Gallen.

Verfassung und Politik Die aktuelle Ausserrhoder Kantonsverfassung wurde am 30. April 1995 von der Landsgemeinde erlassen und im Anschluss an die Abschaffung der Landsgemeinde 1997 in zentralen Punkten geändert. Die am 30. November 2025 gutgeheissene neue Kantonsverfassung wird am 1. Januar 2027 in Kraft treten.Totalrevision Kantonsverfassung und Totalrevision der Kantonsverfassung auf ar.ch. Abgerufen am 30. November 2025.

Legislative Kantonsrat

Gesetzgebende Behörde ist der Kantonsrat. Er zählt 65 Mitglieder, die in ihren Wohngemeinden auf vier Jahre gewählt worden sind. Jede Ausserrhoder Gemeinde hat Anrecht auf mindestens einen Kantonsratssitz. Die verbleibenden Sitze werden gemäss der Einwohnerzahl auf die Gemeinden verteilt. In den meisten Gemeinden gilt für die Wahl das Majorzwahlsystem, doch haben die Gemeinden die Kompetenz, das Proporzwahlsystem einzuführen. Von dieser Kompetenz hat bislang einzig Herisau Gebrauch gemacht.

+ Sitzverteilung nach den Wahlen zwischen 2003 und 2023 Partei 2003 2007 2011 2015 2019 2023 Sitzverteilung 2023 Wähleranteil in Prozent FDP.Die Liberalen (FDP) 31 26 24 24 24 21 Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 5 4 5 6 9 10 Schweizerische Volkspartei (SVP) 11 8 10 12 7 7 Die Mitte (CVP bis 2021) 2 3 3 5 3 3 Evangelische Volkspartei (EVP) 0 2 1 1 2 2Grünliberale Partei (GLP) 0 0 0 0 0 2 Gruppierung der Parteiunabhängigen (PU) 16 22 22 18 20 20

Sitzzahl der Gemeinden (Stand 16. April 2023):

1: Schönengrund, Hundwil, Wald, Grub, Reute je 2: Wolfhalden, Bühler, Schwellbrunn, Stein, Rehetobel, Walzenhausen, Trogen, Waldstatt, Lutzenberg 3: Urnäsch 4: Gais je 5: Speicher, Heiden 7: Teufen 18: Herisau

Fraktionen

Zu Beginn der Legislaturperiode 2023 bis 2027 haben sich im Kantonsrat fünf Fraktionen (SP, Mitte/EVP/GLP, PU, FDP und SVP) gebildet. Dabei bildet auch die Gruppierung der Parteiunabhängigen (PU) eine eigenständige Fraktion. Die Fraktion der PU umfasst jedoch nicht alle parteiunabhängig gewählten Kantonsrätinnen und -räte. Fünf davon haben sich einer anderen Fraktion angeschlossen: drei Personen der SP-Fraktion und je eine Person der FDP-Fraktion bzw. der Fraktion der Mitte/EVP/GLP.

Direktdemokratische Rechte 300 stimm- und wahlberechtigte Einwohner können mittels einer Volksinitiative eine Total- oder Teilrevision der Verfassung sowie den Erlass, die Änderung oder die Aufhebung eines Gesetzes beantragen.

Zwingend einer Volksabstimmung (obligatorisches Referendum) unterliegen Änderungen der Verfassung; Volksinitiativen, denen der Kantonsrat nicht unverändert zustimmt; Änderungen eines Gesetzes, wenn dies ein Drittel der anwesenden Kantonsräte verlangt; sowie Finanzbeschlüsse, welche die abschliessende Kompetenz des Kantonsrates übersteigen. Der Volksabstimmung sind ferner Gesetze sowie Staatsverträge mit gesetzgebendem Charakter dann zu unterbreiten, wenn dies von 300 Stimmberechtigten verlangt wird (fakultatives Referendum).

Eine appenzellische Besonderheit stellt die Volksdiskussion dar: Jeder Kantonseinwohner kann zu Sachvorlagen, die dem obligatorischen oder fakultativen Referendum unterliegen, dem Kantonsrat schriftliche Anträge einreichen und diese nach Massgabe der Geschäftsordnung vor dem Rat persönlich begründen.

Ehemalige Landsgemeinde Bis zu ihrer Abschaffung 1997 (mit einer an der Landsgemeinde beschlossenen Urnenabstimmung) wurden sämtliche kantonalen Abstimmungen und Wahlen an der jährlich am letzten Sonntag im April stattfindenden Landsgemeinde entschieden. Sie fand abwechselnd in geraden Jahren in Trogen und in ungeraden Jahren in Hundwil statt. Ausserordentliche Landsgemeinden fanden jeweilen am Ort der letzten regulären Landsgemeinde statt und im 18. Jahrhundert auch im «neutralen» Teufen. Bis 1876 wurde bei Nichtbesuch der Landsgemeinde eine Busse verhängt.Walter Schläpfer 1991: Die Landsgemeinde von Appenzell Ausserrhoden, Internetauftritt des Kantons Appenzell Ausserrhoden

Die Stimmbürger versammelten sich auf dem jeweiligen Landsgemeindeplatz im «Ring», während die Kantonsregierung auf dem «Stuhl» (eine Art Holzbühne) stand. Der Ring war durch eine Abspannung markiert, bestehend aus einem dicken Seil, das von Soldaten der sogenannten «Landsgemeindewache» aus einer Appenzeller Einheit gehalten wurde. Als Stimmrechtsausweis, der zum Einlass in den Ring berechtigte, galt das «Seitengewehr», der in der Familie weitergegebene oder zur Volljährigkeit geschenkte Landsgemeindedegen. Wer keinen Degen besass, konnte auch das militärische Bajonett als Stimmrechtsausweis mitnehmen. Erst nach Annahme des kantonalen Frauenstimmrechts 1989 galt für Frauen der gedruckte Stimmrechtsausweis.

Zu Beginn der Landsgemeinde wurde von Stimmvolk und Regierung das Appenzeller Landsgemeindelied gesungen («Ode an Gott» von Caroline Rudolphi, Musik: Johann Heinrich Tobler). Es folgte die Vereidigung der Regierung und des Stimmvolks, bevor die Wahl- und Sachgeschäfte zur Abstimmung kamen.Arnold Eugster: Die Landgemeinde von Appenzell Ausserhoden. In: Heimatschutz = Patrimoine, Bd. 24, 1929, S. 17–28, abgerufen am 27. Juli 2020.

Abgestimmt wurde durch Erheben einer Hand und anschliessendes Mehren (optisches Vergleichen der Anzahl erhobener Hände vom Stuhl aus) durch die Regierung. Bei unklarem Ergebnis wurde das Mehren wiederholt, und bei weiterhin nahezu Stimmgleichheit wurden drei Gemeindehauptleute auf den Stuhl gerufen, um beim Ausmehren zu helfen. Der Entscheid der nun zahlenmässig verstärkten Kantonsregierung erhielt definitive Gültigkeit.

Bei den Wahlen mussten die Namen zur Wahl vorgeschlagener Personen jeweils lautstark gerufen werden. Die verstandenen Namen wurden vom Landsweibel auf dem Stuhl quittiert und noch nach weiteren Vorschlägen gefragt. So wurden wiederholt eher unbekannte Kommunalpolitiker anstelle der offiziell vorgeschlagenen Kandidaten gewählt.

An der Ausserrhoder Landsgemeinde gab es keine freie Debatte, so dass die ausgesprochen feierliche Landsgemeinde meist nach 60 bis 90 Minuten zu Ende ging.

Über die letzte «Männer-Landsgemeinde» 1989 in Hundwil, bei der das kantonale Frauenstimmrecht angenommen wurde, drehte Erich Langjahr den Dokumentarfilm Männer im Ring.

Exekutive – Regierungsrat

Oberste leitende, planende und vollziehende Behörde ist der Regierungsrat. Er besteht seit Mitte 2015 aus fünf vollamtlichen Regierungsräten, die vom Volk in einer Majorzwahl auf vier Jahre gewählt sind. Vorsitzender des Regierungsrates ist der Landammann, der durchs Volk auf zwei Jahre bestimmt wird.Vor der 2014 beschlossenen und 2015 umgesetzten Reform der Staatsleitung bestand der Regierungsrat aus sieben hauptamtlichen Regierungsräten. Der Landammann wurde auch damals direkt vom Volk gewählt, ursprünglich alljährlich an der Landsgemeinde, ab 1998 in einer Urnenwahl für die gesamte vierjährige Legislaturperiode.