Der Bodenseekreis ist ein Landkreis in Baden-Württemberg. Er bildet zusammen mit den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen den Regionalverband Bodensee-Oberschwaben im Regierungsbezirk Tübingen.
Geographie Lage Der Bodenseekreis erstreckt sich entlang des Nordufers des Bodensees mit dem anschließenden Oberschwäbischen Hügelland, das im Osten in das Westallgäuer Hügelland übergeht.
Die höchste Erhebung ist mit auf dem Höchsten an der Kreisgrenze zum Landkreis Sigmaringen zu findenLandesamt für Geoinformation und Landentwicklung, 70174 Stuttgart: Gemeindehöhen Baden-Württemberg. Stand: 3. Mai 2021..
Nachbarkreise Er grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise Konstanz, Sigmaringen und Ravensburg (alle in Baden-Württemberg) sowie an den bayerischen Landkreis Lindau. Im Süden bildet der Bodensee die natürliche Grenze zu Österreich (Vorarlberg) und zur Schweiz (Kantone St. Gallen und Thurgau).
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2015.Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung 2015
Topographie Schutzgebiete Im Bodenseekreis sind (Stand: 19. Dezember 2024) folgende 33 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 1202,24 Hektar (ha) ausgewiesen; das entspricht einem Anteil von 1,81 Prozent an der Fläche des Kreises: Aachtobel, 97,4 ha, Gemeinden Frickingen und Owingen, Stadt Überlingen Altweiherwiese, 78,3 ha, Gemeinde Oberteuringen Argen, 302,6 ha, Gemeinden Kressbronn, Langenargen, Neukirch, Stadt Tettnang Auweiher, 7,3 ha, Gemeinden Neukirch, Bodnegg Berger Weiher, 19,0 ha, Gemeinde Kressbronn am Bodensee Birkenweiher, 13 ha, Stadt Tettnang Buchbach, 7,1 ha, Gemeinden Neukirch, Stadt Tettnang Ebersberger Weiher, 25,8 ha, Gemeinde Neukirch Eriskircher Ried, 556,5 ha, Gemeinden Eriskirch, Langenargen, Stadt Friedrichshafen Gemsenweiher, 11,6 ha, Gemeinde Neukirch Hepbacher-Leimbacher Ried, 46,5 ha, Städte Friedrichshafen, Markdorf, Gemeinde Oberteuringen Hirrensee, 16,3 ha, Stadt Tettnang Hödinger Tobel, 27,7 ha, Stadt Überlingen, Gemeinde Sipplingen Hüttensee, 17,4 ha, Gemeinde Neukirch Hüttenwiesen, 7,8 ha, Gemeinde Neukirch Igelsee, 16,9 ha, Gemeinde Neukirch Jägerweiher, 6,2 ha, Gemeinde Neukirch Katharinenfelsen, 3,9 ha, Stadt Überlingen Knellesberger Moos, 39,0 ha, Gemeinde Meckenbeuren, Stadt Tettnang Köstenerberg. 15,5 ha, Gemeinde Sipplingen Kreuzweiher-Langensee, 74,9 ha, Gemeinde Neukirch Lipbachmündung, 15,8 ha, Stadt Friedrichshafen, Gemeinde Immenstaad Lipbachsenke, 29,0 ha, Stadt Friedrichshafen, Gemeinde Immenstaad Loderhof-Weiher, 9,2 ha, Stadt Tettnang Markdorfer Eisweiher, 12,3 ha, Stadt Markdorf Matzenhauser Mahlweiher, 9,2 ha, Stadt Tettnang Schachried, 11,0 ha, Gemeinde Kressbronn Schönmoos, 10,0 ha, Gemeinde Kressbronn Schwarzer Graben, 27,9 ha, Gemeinde Salem Seefelder Aachmündung, 54,7 ha, Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen Sipplinger Dreieck, 15,0 ha, Gemeinde Sipplingen Spetzgarter Tobel, 12,4 ha, Stadt Überlingen Wasenmoos, 26,7 ha, Stadt Tettnang
Hinzu kommen 27 ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete (9114,64 ha; 13,71 %), elf FFH-Gebiete (3900,78 ha; 5,87 %), drei Vogelschutzgebiete (882,98 ha), ein Bannwald (35,50 ha), zwei Schonwälder (137,80 ha) sowie insgesamt 175 Naturdenkmale (41,51 ha) und 4508 Biotope.
Wald Im Bodenseekreis sind 29 % der Fläche bewaldet. Der Wald besteht zu 60 % aus Nadelbäumen und zu 40 % aus Laubbäumen. 58 % des Waldes sind in Privateigentum.Andreas Schuler: Hier bestimmt der See das tägliche Leben. In: Südkurier vom 30. Mai 2014.
Geschichte Der Bodenseekreis wurde durch die Kreisreform zum 1. Januar 1973 durch Vereinigung des Landkreises Tettnang mit dem Großteil des Landkreises Überlingen gebildet.
Der Landkreis Tettnang war 1934 aus dem alten württembergischen Oberamt Tettnang hervorgegangen, das 1810 errichtet worden war. 1938 wurde der Landkreis Tettnang in Landkreis Friedrichshafen umbenannt, jedoch später wieder rückbenannt. Der Landkreis Überlingen wurde 1936 durch Vereinigung der badischen Bezirksämter Überlingen und Pfullendorf gebildet, die 1857 durch Vereinigung mehrerer Ämter errichtet worden waren. Mit der Kreisreform 1973 wurden ehemals badische und württembergische Teile zu einem Landkreis vereinigt.
Der neue Landkreis bestand zu Beginn aus 32 Gemeinden. Die folgenden Gemeinden wurden in den Jahren darauf eingemeindet: 1. April 1974: Deisendorf nach Überlingen 1. Juli 1974: Hödingen und Nesselwangen nach Überlingen 1. Januar 1975: Hattenweiler, Heiligenberg und Wintersulgen vereinigt zur neuen Gemeinde Heiligenberg 1. Januar 1975: Billafingen nach Owingen 1. Januar 1975: Beuren nach Salem 1. Januar 1975: Bonndorf und Nußdorf nach Überlingen
1975 wurde Kau von Meckenbeuren nach Tettnang umgemeindet 1977 wurde Ellenfurt von Heiligenberg nach Deggenhausertal umgemeindet
Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Bodenseekreis noch 23 Gemeinden, darunter fünf Städte und hiervon wiederum zwei Große Kreisstädte (Friedrichshafen und Überlingen). Größte Stadt des Kreises ist Friedrichshafen, kleinste Gemeinde ist Stetten.
Einwohnerstatistik rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Bodenseekreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Bodenseekreis, Alter + Geschlecht)
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Datum Einwohner 31. Dezember 1973 161.906 31. Dezember 1975 162.236 31. Dezember 1980 170.353 31. Dezember 1985 172.981 25. Mai 1987¹ 172.776 31. Dezember 1990 183.774 Datum Einwohner 31. Dezember 1995 192.947 31. Dezember 2000 199.181 31. Dezember 2005 205.446 31. Dezember 2010 208.367 31. Dezember 2015 212.201 31. Dezember 2020 217.901
Konfessionsstatistik Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder im Kreis sinkt jährlich um einen Prozentpunkt. Gemäß dem Zensus 2022 waren 40,8 % der Einwohner katholisch, 15,6 % evangelisch, und 43,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 15. August 2024
Politik Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet. Kreistag
Ergebnisse vorangegangener Kreistagswahlen Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014Ergebnis der Kreistagswahlen 2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 Sitze1999 %1994 Sitze1994 %1989 Sitze1989 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands29,318 27,4 15 36,0 20 35,0 24 39,0 26 42,1 25 36,1 23 40,0 23 FW Freie Wähler Bodenseekreis21,314 22,0 12 22,2 12 23,0 15 22,1 14 — — — — — — GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen14,39 22,3 13 17,1 10 13,8 9 12,3 8 10,0 6 10,9 7 9,6 6 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands10,36 10,4 6 13,4 8 16,9 9 17,9 10 18,6 9 20,5 11 21,3 10 AfD Alternative für Deutschland11,97 5,8 3 — — — — — — — — — — — — FDP Freie Demokratische Partei5,23 6,1 3 4,6 3 5,5 3 4,7 3 2,7 1 3,7 2 5,5 3NfFNetzwerk für Friedrichshafen3,11—————————————— DIE LINKE DIE LINKE2,21 3,0 2 3,2 2 2,4 1 — — — — — — — — OL Oberteuringer Liste1,31 1,3 1 1,2 1 — — — — — — — — — — EL Eriskircher Liste0,71 1,1 1 1,4 1 1,4 1 1,2 1 — — — — — —FLBFreie Liste Bodensee0,61—————————————— BÜB+ Bürger für Überlingen—— 0,6 — — — — — — — — — — — — — BVÜOS Bürgerliche Verwaltungsgemeinschaft Überlingen-Owingen-Sipplingen—— — — 0,8 1 — — — — — — — — — — Bürger Bürger aktiv-Friedrichshafen—— — — — — 2,0 0 — — — — — — — — ÖDP-Unabhängige Ökologisch-Demokratische Partei und Unabhängige—— — — — — — — 2,8 1 — — — — — — WG Wählervereinigungen—— — — — — — — — — 23,4 14 23,2 16 22,0 13 Gesamt 100,0 62 100,0 56 100,0 58 100,0 62 100,0 63 100,0 56 100,0 61 100,0 55 Wahlbeteiligung62,9 % 62,3 % 51,9 % 52,2 % 53,6 % 53,1 % 67,0 %60,4 % WG: Wählervereinigungen, da sich die Ergebnisse von 1989 bis 1999 nicht auf einzelne Wählergruppen aufschlüsseln lassen.
Landräte Der Landrat ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. In den Gremien hat er kein Stimmrecht. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.
Die Landräte des Landkreises Tettnang 1945–1972: 1945: Walter Bärlin (kommissarisch) 1945–1947: Konrad Stöhr (kommissarisch) 1947–1957: Emil Münch 1957–1972: Kurt Diez
Die Landräte des Landkreises Überlingen 1945–1972: 1945–1948: Franz Illner 1948–1949: Herbert Hassencamp-Fischer (als Amtsverweser) 1949–1955: Georg Beck 1956–1972: Karl Schiess
Die Landräte des Bodenseekreises seit 1973: 1973–1979: Martin Herzog 1979–1985: Bernd Wiedmann 1985–2007: Siegfried Tann 2007–2023: Lothar Wölfle seit 2023: Luca Wilhelm Prayon
Kreispartnerschaft Eine Partnerschaft besteht zum Powiat Częstochowski in Polen.
Wappen Blasonierung: „In Blau über drei silbernen Wellenfäden im Schildfuß ein felgenloses, achtfach keilspeichiges goldenes Rad.“Wappen auf bodenseekreis.de, abgerufen am 5. September 2023.
Der Entwurf des aus Markdorf stammenden Malermeisters und Heradikers Herbert Vogel hatte sich im Vorfeld gegenüber fast 600 Entwürfen in einem durch den Kreistag ausgerufenen Ideenwettbewerb ausgezeichnet. Vogel beschreibt das Wappen folgendermaßen:
Das Kreiswappen wurde dem Bodenseekreis nach Beschluss des Kreistags vom 16. Dezember 1975 und Zustimmung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart durch das Regierungspräsidium Tübingen am 27. Februar 1976 verliehen.
Siehe auch: Liste der Wappen im Bodenseekreis
Wirtschaft und Infrastruktur Der Bodenseekreis gilt als eine der wirtschaftlich innovativsten Regionen Baden-Württembergs. Das Statistische Landesamt setzte den Kreis sogar auf Platz eins des Innovationskraft-Index aller Kreise im Bundesland.Hans Gebhard (2008): Geographie Baden-Württembergs. S. 144 ff. Diese Stellung verdankt es vor allem den ansässigen Hoch- und Spitzentechnologieunternehmen, unter anderem den Automobilzulieferern und Maschinenbauern ZF Friedrichshafen AG und MTU sowie zahlreichen Unternehmen der Luft- und Raumfahrttechnik, die sich im westlichen Raum Friedrichshafens konzentrieren.
Im Bodenseekreis werden 56,9 Prozent der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt.Quelle: Statistik für die EUREGIO-Bodensee. In: Aufgelistet! Die zehn Landkreise der Bodenseeregion, … In: Südkurier vom 25. Februar 2011 und in: Ders. vom 2. Juli 2011.
Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Bodenseekreis Platz 19 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „sehr hohen Zukunftschancen“. In der Ausgabe von 2019 lag er auf Platz 52 von 401.
Verkehr Bahnverkehr Die Württembergische Staatsbahn erreichte mit der berühmten „Schwäbischen Eisenbahn“ schon 1847 von Ulm bei Friedrichshafen den Bodensee. Dagegen wurde die Bahnstrecke Stahringen–Friedrichshafen durch die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen erst 1894 bis Überlingen und 1901 – ab der Landesgrenze durch die Württembergische Staatsbahn – bis Bahnhof Friedrichshafen Stadt gebaut. Deren östliche Fortsetzung nach Lindau wurde 1899 fertiggestellt.
Die Badische Staatsbahn fügte folgende Nebenbahnen hinzu: 1901: Oberuhldingen-Mühlhofen–Unteruhldingen 1905: Mimmenhausen-Neufrach–Frickingen
Die erste elektrisch betriebene normalspurige Bahn für Personen- und Güterverkehr in Deutschland war die 1895 eröffnete Lokalbahn Meckenbeuren–Tettnang der Lokalbahn Aktien-Gesellschaft München. 1922 kam noch die Strecke Friedrichshafen Stadt–Oberteuringen der Teuringertal-Bahn GmbH hinzu.