mini|Blick vom Bodensee auf die Stadt mit Schiffen der Bodenseeflotte und dem Nikolausmünster (April 2020) mini|Blick von Westen auf Überlingen mit Überlinger See und Bodanrück (rechts) sowie Insel Mainau im Hintergrund Überlingen (im bodenseealemannischen Dialekt Iberlinge) ist eine Mittelstadt am nördlichen Bodenseeufer. Sie ist nach der Kreisstadt Friedrichshafen die zweitgrößte Stadt im Bodenseekreis und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Die frühere Reichsstadt war von 1939 bis 1972 Kreisstadt des damaligen Landkreises Überlingen. Seit dem 1. Januar 1993 ist Überlingen Große Kreisstadt.
Geographie mini|Überlingen um 1900 mini|Blick auf die Uferpromenade vor der Altstadt (April 2020)
Lage Überlingen liegt am Überlinger See, dem nordwestlichen Teil des Bodensees. Das Hinterland ist eine hügelige Moränenlandschaft, die durch die letzte Eiszeit geformt wurde.
Klima
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Überlingen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Westen genannt und gehören mit Ausnahme von Bodman-Ludwigshafen und Stockach, die zum Landkreis Konstanz gehören, zum Bodenseekreis:
Sipplingen, Bodman-Ludwigshafen, Stockach, Owingen, Frickingen, Salem und Uhldingen-Mühlhofen.
Mit den Nachbargemeinden Owingen und Sipplingen hat die Stadt eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.
Stadtgliederung Das Gemeindegebiet Überlingens besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er-Jahre eingegliederten, ehemals selbstständigen Gemeinden Bambergen, Bonndorf, Deisendorf, Hödingen, Lippertsreute, Nesselwangen und Nußdorf. Die eingegliederten Orte sind heute zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden, der in jeder Ortschaft auch die Verwaltung leitet.
Zu fast allen Stadtteilen und zur Kernstadt gehören noch weitere, räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenen Namen, die oft wenige Einwohner haben, oder Wohngebiete mit eigenen Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben hat und deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind. Teilweise handelt es sich um ehemals selbstständige Gemeinden oder Gemeindeteile, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingemeindet oder mit anderen Gemeinden zusammengeschlossen wurden. Im Einzelnen sind zu nennen: in bzw. bei der Kernstadt: Altbirnau, Andelshofen, Aufkirch, Brachenreute, Brünnensbach, Goldbach, Höllwangen, Hohenlinden, Kogenbach, Rengoldshausen, Restlehof, Reutehöfe, Weiherhöfe links|50px|Wappen von Bambergen zu Bambergen: Forsthaus Hohrain, Heffhäusle, Neuhof, Ottomühle, Reuthemühle, Schönbuch Blasonierung: Gespalten von Schwarz und Silber, vorne drei gestürzte goldene Wolfangeln, hinten ein gestürztes grünes Lindenblatt mit gespaltenem Stiel. links|50px|Wappen von Bonndorf zu Bonndorf: Buohof, Eggenweiler, Fuchsloch, Haldenhof, Helchenhof, Kaienhof, Negelhof, Talmühle, Walpertsweiler Blasonierung: Geviert mit rotem Herzschild, darin drei silberne Ringe (2:1); 1 geteilt von Grün und Silber, 2 und 3 Blau, 4 in Gold ein rotes Doppellilienkreuz. links|50px|Wappen von Deisendorf zu Deisendorf: Hasenweide, Katharinenhof, Klammerhölzle, Königshof, Nonnenhölzle, Scheinbuch, Wilmershof Blasonierung: In Silber ein blauer Wellenschrägbalken, belegt mit einem silbernen Fisch. links|50px|Wappen von Hödingen zu Hödingen: Länglehof, Spetzgart Blasonierung: In Silber mit blauem Wolkenbord umgeben ein schwarzes H in Fraktur. links|50px|Wappen von Lippertsreute zu Lippertsreute: Bruckfelder Mühle, Ernatsreute, Hagenweiler, Hebsack, Hippmannsfelderhof, In der hohen Eich, Neues Haus, Oberhof, Schellenberg, Steinhöfe, Wackenhausen Blasonierung: In Silber ein schwebendes rotes Johanniterkreuz, belegt mit einem goldenen Herzschild mit schwarzer Lilie. links|50px|Wappen von Nesselwangen zu Nesselwangen: Alte Wette, Fischerhaus, Hinterberghof, Katzenhäusle, Ludwigshof, Mühlberghof, Reutehof, Sattlerhäusle, Vorderberghof, Weilerhof Blasonierung: In Rot eine goldene Pflugschar. links|50px|Wappen von Nußdorf zu Nußdorf: Untermaurach Blasonierung: In Silber auf grünem Schildfuß ein grüner Nussbaum.
Raumplanung Überlingen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Bodensee-Oberschwaben, deren Oberzentren die Städte Ravensburg, Weingarten und Friedrichshafen (in Funktionsergänzung) sind. Zum Mittelbereich Überlingen gehört der westliche Bereich des Bodenseekreises, im Einzelnen neben Überlingen noch die Städte und Gemeinden Daisendorf, Frickingen, Hagnau, Heiligenberg, Meersburg, Owingen, Salem, Sipplingen, Stetten und Uhldingen-Mühlhofen.
Schutzgebiete mini|hochkant|Burkhardslinde am Haldenhof Im Gebiet der Stadt Überlingen sind zurzeit die vier Naturschutzgebiete Aachtobel (72 Hektar (ha), Teilgebiet), Hödinger Tobel (28 ha, Teilgebiet) zwischen Hödingen und Sipplingen, Katharinenfelsen (4 ha) und Spetzgarter Tobel (12 ha) zwischen Goldbach und Spetzgart ausgewiesen.
Hinzu kommen die drei Landschaftsschutzgebiete Württembergisches Bodenseeufer (Teilgebiet), Lippersreuter Umland (Teilgebiet) und Drumlin Biblis sowie die zwei flächenhaften Naturdenkmäler Eggenweiler Hof und Steinbalmen.
Daneben gibt es etwa 30 Einzelgebilde-Naturdenkmäler. (Stand: 30. April 2009) Darunter ist besonders bemerkenswert die Burkhardslinde am Haldenhof in Überlingen-Bonndorf, die ein Alter von etwa 450 Jahren und einen Umfang von 8,16 Meter hat. Die nach dem Minnesänger Burkart von Hohenfels benannte Linde wurde am 27. Juni 2024 als Nr. 36 zum deutschen Nationalerbe-Baum ernannt.
Geschichte Antike und Mittelalter Drei bei Überlingen entdeckte römische Fundmünzen von 364 bis 378 n. Chr. datieren in die Zeit nach dem Rückzug der Römer auf die RheingrenzeListe 3: Enddatierung der nachlimeszeitlichen Münzen in Südwestdeutschland. S. 423–430, hier S. 428. In: Claudia Theune: Germanen und Romanen in der Alamannia: Strukturveränderungen aufgrund der archäologischen Quellen vom 3. bis zum 7. Jahrhundert. Verlag Walter de Gruyter, 2004, ISBN 3-11-017866-4. und zwei villa rusticae in Aufkirch und bei Bambergen deuten auf eine römische Besiedlung in der Nähe der Stadt hin.Navid Moshgbar: Siedlung direkt am See: Bei Bauarbeiten in Aufkirch wurde ein alter römischer Gutshof entdeckt in: Südkurier vom 7. Oktober 2019 Der Name der Stadt lässt auf eine Landnahme durch Alamannen schließen. Dabei waren ingen-Dörfer Sippensiedlungen, die nach dem Familienältesten bzw. Dorfgründer benannt wurden, in diesem Fall ein Mann namens Iburo/Eburo, d. h. Eber. mini|Die sogenannte Gunzoburg in Überlingen Überlingen wurde erstmals 770 oder 773 als Iburinga villa publica (d. h. StaatsgutFranz Xaver Allersberger: Beiträge zur Geschichte der Pfarrei und des Münsters in Ueberlingen (Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensee's und seiner Umgebung, neuntes Heft), Lindau 1879, S. 21) in einer Schenkungsurkunde des Grafen Robert an das Kloster St. Gallen erwähnt.StiASG, Urk. I 42. Online auf e-chartae, abgerufen am 12. Juni 2020. In den in der ersten Hälfte entstandenen Viten des Hl. Gallus ist jedoch schon für das frühe 7. Jahrhundert ein alemannischer Herzog namens Gunzo mit Sitz in Überlingen belegt. Der Legende nach soll er in einem Haus in der Oberstadt (Dorf) residiert haben, das deshalb den Namen Gunzoburg trägt. Tatsächlich ist es eher unwahrscheinlich, dass hier eine alemannische Befestigung oder Burg stand, da in der Überlieferung kein fester Aufenthaltsort von Gallus genannt wird. Der nicht bewiesene Herrschaftssitz Gunzos könnte sich aber auch zum späteren Fronhof (der villa publica) des Ortes Iburinga entwickelt haben. Die wahrscheinlichsten Standorte des Fronhofs könnten der nach dem Hl. Gallus benannte Gallerberg im heutigen Stadtteil Dorf; im Altdorf; oder sogar inmitten der Seesiedlung (im Jahr 1644 wird an der Luziengasse ein Fronhof erwähnt) gewesen sein.
Der ursprüngliche Kern des alemannischen Ortes Iburinga lag wohl nördlich des heutigen Stadtteils Dorf im Bereich der Aufkircher Straße, im Gewann Altdorf und dem benachbarten Breitle. Die Pfarrkirche St. Michael, befand sich in Aufkirch, einige hundert Meter landeinwärts vom Altdorf entfernt. Etwas weiter östlich, an der heutigen Zahnstraße, lag der Bestattungsplatz des Ortes.suedkurier.de Mit der Entstehung der Seesiedlung (der heutigen Altstadt) bis zum Jahr 1000, begann der Niedergang des Altdorfes. Erst im 20. Jahrhundert wurden dort wieder Wohngebäude errichtet.
Um 1180 verlieh Kaiser Friederich Barbarossa dem Ort das Marktrecht, 1211 wurde Überlingen das Stadtrecht verliehen. Durch den Tod des Herzogs von Schwaben Konradin IV., dem letzten Staufer, fiel Überlingen 1268 an das Heilige Römische Reich. Die Namesverschiebung von Ibur- zu Über- lässt sich durch neue Schreibweisen, oder auch in der Volksetymologie durch die Überfahrt und Anlandung der Schiffe erklären.
Reichsstadt mini|Überlingen 1643, Topographia Germaniae Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt Reichsstadt. Das Heiliggeistspital zu Überlingen gelangte an große Besitzungen im Oberen und Unteren Linzgau sowie im Hegau. Ab 1500 lag Überlingen auch im Schwäbischen Reichskreis.
Während des Deutschen Bauernkriegs 1524/25 gehörte Überlingen unter den freien Reichsstädten zu den „hardlinern“ bei der Bekämpfung der Bauern. Dem Seehaufen gelang es nicht, die gut gerüstete Stadt einzunehmen. Nach Abschluss des Weingartener Vertrags ließ Überlingen mehrere Bauernführer hinrichten, die sich unter der Losung „Unsere Spieße und Degen stechen und hauen keinen Bauern“ am 27. Mai 1525 weigerten, im Auftrag der Stadt Überlingen gegen ihre Hegauer Standesgenossen zu kämpfen. Das blutige Ereignis ging als die Sernatinger Meuterei in die Geschichte ein. Für ihren Einsatz gegen die Bauern und Reformation wurde Überlingen mit einer Wappenmehrung belohnt. Noch heute tagt der Rat der Stadt hinter einer Türe, auf der der Ausspruch steht: „Treibt die Bauern bald zu solcher Reu, dass sie’s mit Köpfen büßen“.
Dreißigjähriger Krieg Im Juli 1632 scheiterte eine Belagerung unter dem Kommando des schwedischen Generals Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar.Eberhard Fritz: Der Dreißigjährige Krieg in Südwestdeutschland. Quellen aus Oberschwaben, dem westlichen Allgäu, der Bodenseeregion mit dem Hegau und der nördlichen Schweiz, den fürstenbergischen Herrschaften und dem Herzogtum Württemberg, 1618 bis 1632. Koblenz 2022. [Zahlreiche Quellen zum Kriegsverlauf in Überlingen]. Zwei Jahre später rückte ein schwedisches Heer unter General Gustaf Horn anEberhard Fritz: Der Dreißigjährige Krieg in Südwestdeutschland. Quellen aus Oberschwaben, dem westlichen Allgäu, der Bodenseeregion mit dem Hegau und der nördlichen Schweiz, den fürstenbergischen Herrschaften und dem Herzogtum Württemberg, 1634. Koblenz 2023. [Zahlreiche Quellen zum Kriegsverlauf in Überlingen aus mehreren Archiven].
mini|Kanonenkugel im Münster zur Erinnerung an die gescheiterte Belagerung (1634) durch den schwedischen General Horn während des Dreißigjährigen Kriegs
„Innerhalb der Stadtmauern befand sich auch P. Stanislaus Saurbeck, Novizenmeister, Klostervorsteher und Sonntagsprediger im Überlinger Münster.“ Die Vertreter der Stadt schlugen die Aufforderung zur Übergabe ab. Der schwedische Generalfeldmarschall Gustav Horn musste die Belagerung abbrechen, weil sein Plan, die Stadt durch einen kurzen Sturmangriff zu erobern, scheiterte.
Neben der Abwehr auf der Landseite besaß Überlingen den Vorteil des direkten Seezugangs und eine kaiserliche Flotte brachte auf dem Wasserweg Truppennachschub und Material in die belagerte Stadt (siehe Seekrieg auf dem Bodensee 1632–1648).