mini|250px|Die Hallertau bei Schweitenkirchen

Der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, amtlich Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm, liegt im Norden des bayerischen Regierungsbezirks Oberbayern, die Kreisstadt ist Pfaffenhofen a.d.Ilm. Seit der Neuordnung der Gebietsreform von 1971 bzw. 1972 hat der Landkreis noch 19 statt zuvor 78 Gemeinden.Andreas Sauer: Mammutprojekt Gebietsreform. In: Pfaffenhofener Kurier. Wochenendausgabe vom 25./26. Juni 2022, im Sonderteil 50 Jahre Gebietsreform.

Geografie Geografische Lage Der Landkreis Pfaffenhofen liegt in der Mitte Bayerns, im Norden des Bezirks Oberbayern. Geografisch gehört das Kreisgebiet zum Großteil zur Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt.

Den Landkreis durchfließen die Donau, die das nördliche Kreisgebiet von West nach Ost durchquert, sowie deren rechter Nebenfluss, die Paar, die unterhalb der Staustufe Vohburg in die Donau mündet, sowie die Ilm, die im niederbayerischen Nachbarlandkreis Kelheim in die Abens fließt.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die kreisfreie Stadt Ingolstadt und an die Landkreise Eichstätt, Kelheim, Freising, Dachau, Aichach-Friedberg und Neuburg-Schrobenhausen.

Schutzgebiete Im Landkreis gibt es vier Naturschutzgebiete, drei Landschaftsschutzgebiete, sechs FFH-Gebiete, 51 Naturdenkmäler (Stand: April 2021) und mindestens drei vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesene Geotope (Stand: März 2020).

Siehe auch Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Liste der FFH-Gebiete im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Liste der Naturdenkmäler im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Liste der Geotope im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm

Geschichte Landgerichte Das Gebiet des Landkreises Pfaffenhofen ist seit Jahrhunderten eng mit der bayerischen Geschichte verbunden. Hauptgrund dafür ist, dass der Ort Scheyern Stammsitz des ehemaligen Herrscherhauses der Wittelsbacher ist. Die Landgerichte Pfaffenhofen und Vohburg sowie das Pfleggericht Wolnzach bestanden bereits seit dem Mittelalter. 1803 wurde das sogenannte Landgericht älterer Ordnung in Pfaffenhofen errichtet. Es gehörte zum Isarkreis, der 1838 in Oberbayern umbenannt wurde.

1862 wurde das Landgericht Geisenfeld gebildet.

Bezirksamt Im Jahr 1862 wurden aus 26 Gemeinden des Landgerichts Pfaffenhofen und zwölf Gemeinden des benachbarten Landgerichts Ingolstadt das neue Landgericht Geisenfeld errichtet. Dieses bildete mit dem Landgericht Pfaffenhofen das Bezirksamt Pfaffenhofen an der Ilm.

Am 1. August 1927 trat das Bezirksamt Schrobenhausen die Gemeinde Volkersdorf an das Bezirksamt Pfaffenhofen ab.

Landkreis mini|Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm Am 1. Januar 1939 wurde im Deutschen Reich die einheitliche Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurde aus dem Bezirksamt der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm. Am 1. Mai 1971 wurde die Gemeinde Gotteshofen des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm in den Landkreis Ingolstadt um- und gleichzeitig in die Gemeinde Reichertshofen eingegliedert.

Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm am 1. Juli 1972 im Westen und Norden erweitert. Neu zum Landkreis kamen die Gemeinden Baar, Dünzing, Ebenhausen, Manching, Menning, Niederstimm, Oberhartheim, Oberstimm, Pichl und Reichertshofen aus dem aufgelösten Landkreis Ingolstadt die Gemeinde Larsbach und Teile der Gemeinde Rudertshausen aus dem aufgelösten Landkreis Mainburg sowie die Gemeinden Alberzell, Freinhausen, Gerolsbach, Hirschenhausen, Hohenwart, Klenau, Klosterberg, Koppenbach, Seibersdorf, Singenbach, Strobenried und Weichenried aus dem aufgelösten Landkreis Schrobenhausen. Der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm gab seinerseits die Gemeinde Gaden bei Pförring an den Landkreis Eichstätt ab.Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971

Einwohnerentwicklung mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Pfaffenhofen an der Ilm (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Pfaffenhofen an der Ilm, Alter und Geschlecht.)

Der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm gewann von 1988 bis 2008 über 26.000 Einwohner hinzu bzw. wuchs um ca. 29 %. Er verzeichnete im Großraum München-Ingolstadt auch seither weiteren Zuwachs. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 90.460 auf 127.151 um 36.691 Einwohner bzw. um 40,6 %.

Die Einwohnerzahlen ab 1840 beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987. Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Einwohner 34.248 40.202 45.904 51.359 54.609 72.373 67.537 76.564 88.449 98.010 105.453 111.669 115.809 117.371 124.128 129.128 131.079

Partnergemeinden Der Landkreis hatte bis 2020 die polnische Gemeinde Tarnów als Partnergemeinde. Da sich Tarnów 2019 zur „LGBT-freien Zone“ erklärte, wurde die Partnerschaft 2020 unterbrochen.

Politik Kreistag Das Ergebnis der Kommunalwahl am 15. März 2020 führt zu folgender Sitzverteilung im Kreistag des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm (mit Vergleichszahlen voriger Wahlen):

Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 29,3 18 32,1 19 39,6 24 41,1 25 49,9 31 47,4 30 FW Freie Wähler Bayern 19,0 11 19,1 12 17,3 10 20,7 13 – – – – AfD AfD Bayern 13,8 8 7,0 4 – – – – – – – – SPD SPD Bayern 12,1 7 12,5 8 18,8 11 15,2 9 18,4 11 20,3 12 Grüne Grüne Bayern 9,3 6 12,1 7 6,7 4 5,8 4 4,7 3 5,8 3 BL Bürgerliste Landkreis Pfaffenhofen 6,0 4 8,2 5 – – – – – – – – ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei 3,6 2 5,5 3 4,1 3 4,1 2 4,3 2 3,9 2 JFL/JU Junge Familienliste/Junge Union 2,7 2 – – – – – – – – – – Linke Die Linke 2,4 1 – – – – – – – – – – FDP FDP Bayern 1,8 1 3,4 2 4,4 3 5,9 3 4,8 2 – – AUL Aktive Unabhängige Liste – – – – 9,1 5 7,2 4 – – – – FWG Freie Wählergemeinschaft – – – – – – – – 18,0 11 18,9 11 FDP/BS/FUW FDP Bayern/Bayerische Staatspartei/Freie Unabhängige Wähler – – – – – – – – – – 3,7 2 gesamt 100,0 60 99,9 60 100,0 60 100,0 60 100,1 60 100,0 60 Wahlbeteiligung 62,6 % 60,0 % 65,0 % 68,0 % 71,8 %

Bezirksamtmänner/-oberamtmänner (bis 1938), Landräte ab 1939 1918–1926: Max Mayer 1927–1933: Karl August Fischer 1933–1945: Wilhelm Werberger 1945–1946: Ernst Vetter (kommissarisch) 1946–1958: Franz Edler von Koch (CSU) 1958–1969: Hans Eisenmann (CSU) 1969–1996: Traugott Scherg (CSU) 1996–2008: Rudi Engelhard (CSU) 2008–2009: Josef Schäch (FW) 2009–2011: Anton Westner (CSU) (vertretungsweise) 2011–2020: Martin Wolf (CSU) seit 2020: Albert Gürtner (Freie Wähler)Stichwahl für Landrat in Pfaffenhofen 2020, abgerufen am 30. März 2020

Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 kam es zu einer Stichwahl zwischen Martin Rohrmann (CSU) und Albert Gürtner (Freie Wähler),Pfaffenhofener Kurier. 16. März 2020 (Titelseite). die letzterer mit 51,5 % für sich entschied.

Wappen

Wirtschaft und Infrastruktur Im Norden des Landkreises ist in Vohburg und Münchsmünster die Mineralöl- und Petroindustrie angesiedelt: Agip, BP/Ruhroel und OMV betreiben hier gemeinschaftlich die Bayernoil-Raffinerien. Im Industriepark Münchsmünster sind unter anderem die Firmen LyondellBasell und Xervon ansässig. In Manching befindet sich ein Werk von Airbus, in dem der Prototyp des Eurofighters hergestellt wurde und nun die Serienproduktion aller deutschen Maschinen läuft. Airbus nutzt den Flugplatz der Wehrtechnischen Dienststelle 61 mit. Zahlreiche Zulieferer der Automobilindustrie haben ihren Standort wegen der Nähe zum Audi-Werk Ingolstadt im nördlichen Teil des Landkreises. In Geisenfeld ist die Firma Wolf Anlagentechnik, ein führender Hersteller von Oberflächen-, Luft- und Landtechnik ansässig. In der Kreisstadt Pfaffenhofen hat die Firma Hipp ihren Ursprung. Hipp produziert Bio-Babynahrung und ist der weltweit größte Verarbeiter von Rohstoffen aus organisch-biologischer Landwirtschaft. Der Arzneimittel-Hersteller Daiichi Sankyo Europe GmbH stellt in Pfaffenhofen Tabletten und Salben her. Des Weiteren fertigt Panasonic in einem Produktionsbetrieb in Pfaffenhofen Relais. Von Pfaffenhofen aus liefert Hecht Technologie Maschinen und komplette Anlagen für die schüttgutverarbeitende Industrie in die ganze Welt. Im südlichen Landkreis produziert und vertreibt LOWA Sportschuhe in Jetzendorf Ski-, Berg- und Sportschuhe.

Der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm ist 2019 nach einer Studie des Wirtschaftsmagazins Focus-Money die wirtschaftsstärkste Region Deutschlands.Severin Straßer: Landkreis Pfaffenhofen zum zweiten Mal die Nummer eins. In: Donaukurier. 2. Januar 2020, abgerufen am 13. Januar 2025.

Bildungseinrichtungen Der Landkreis und die Kommunen betreiben folgende Einrichtungen: 26 Grund- und Mittelschulen, 3 Realschulen (Geisenfeld, Manching und Pfaffenhofen), 2 Gymnasien (Pfaffenhofen und Wolnzach), Berufsschule, Berufsoberschule, Förderschule. Über 50 Kindergärten und Horte decken den Bedarf flächendeckend ab.

Gesundheitswesen Die Ilmtalklinik ist ein modernes Gesundheitszentrum in der Kreisstadt. 126 Fach- und Allgemeinärzte, 56 Zahnärzte und 27 Apotheken, 8 Alten- und Pflegeheime stellen die Gesundheitsversorgung im Landkreis sicher.

Forschung Im Wolnzacher Gemeindeteil Hüll betreiben die Gesellschaft für Hopfenforschung und der Freistaat Bayern das Hopfenforschungszentrum Hüll.

Verkehr Straßenverkehr Der Landkreis ist durch die Autobahn A 9 München–Nürnberg–Berlin mit den Anschlussstellen Pfaffenhofen (66) und Langenbruck (64) sowie an der Rastanlage In der Holledau seit 1938 direkt an das deutsche Autobahnnetz angebunden. Seit 2016 können die Standstreifen der sechsstreifigen A 9 südlich des Dreiecks Holledau (65) in Spitzenzeiten als zusätzliche Fahrstreifen freigegeben werden. Es zweigt seit 1954 die vierstreifige A 93 über Regensburg nach Hof ab, die in Wolnzach (55) eine weitere direkte Ausfahrt in den Landkreis besitzt. Eine umstrittene Autobahnausfahrt Mittleres Ilmtal am Autobahndreieck wurde immer wieder diskutiert, aber bisher nicht realisiert.

In Nord-Süd-Richtung quert außerdem mit überregionaler Funktion die Bundesstraße B 13 im Abschnitt (Würzburg–) Ingolstadt–Pörnbach–Pfaffenhofen–Reichertshausen–Hohenkammer (–München–Lenggries). Sie kreuzt im nördlichen Landkreis bei Oberstimm höhenfrei mit der in Ost-West-Richtung verlaufenden B 16 (Roding–Regensburg–) Münchsmünster–Manching–Zuchering (–Füssen) und begegnet in Form eines parallel verlaufenden Abschnitts bei Pörnbach der B 300 Richtung Augsburg, die im Bereich Münchsmünster–Geisenfeld–Hohenwart durch den Landkreis verläuft. Ein Nadelöhr bildet hierbei die Straßenführung über den Stadtplatz in Geisenfeld. Durch den nördlichen Landkreis Pfaffenhofen verläuft die B 16a von Ingolstadt aus über Großmehring und Vohburg nach Münchsmünster und mündet dort in die B 16.

Als weitere wichtige regionale Verkehrsadern dienen folgende Staatsstraßen: St 2045 (Au i.d.Hallertau–) Schweitenkirchen–Pfaffenhofen–Euernbach (–Schrobenhausen–Meitingen) St 2048 Pörnbach–Freinhausen (–Weichering) St 2049 Langenbruck–Wolnzach–Oberempfenbach (–Mainburg–Arth) St 2084 (Freising–Allershausen–Paunzhausen–) Ilmmünster–Scheyern–Gerolsbach (–Kühbach) St 2232 Pfaffenhofen–Rohrbach–Geisenfeld–Vohburg (–Hexenagger) St 2233 Münchsmünster–Neustadt a.d.Donau (–Kelheim) St 2235 (Ingolstadt–) Manching–Geisenfeld–Oberempfenbach St 2337 Reichertshausen–Jetzendorf (–Hilgertshausen) St 2549 Rohrbach–Wolnzach

Zur überörtlichen Erschließung tragen zahlreiche Kreisstraßen bei.

Schienenverkehr