mini|Die Bezirkshauptmannschaft in der Stadtgemeinde Mödling
Der Bezirk Mödling ist ein Verwaltungsbezirk des Landes Niederösterreich, in dessen Industrieviertel und Wiener Becken.
Geschichte Vorgeschichte
mini|Karte der von den Babenbergern bis 1192 erworbenen Territorien. 1156 wurden die Besitzungen zum Herzogtum Österreich. 1192 ging dann das 1180 gegründete Herzogtum Steiermark an die Babenberger.
Der Raum Mödling war, wie das östliche Niederösterreich allgemein, immer wieder Grenzgebiet zwischen verschiedenen Herrschaftsräumen. Erst mit der Zurückdrängung der Magyaren festigte sich ab 991 das Territorium langfristig. 1002 ging es als Herrschaft zwischen der Triesting und Dürren Liesing an die fränkisch-bairischen Babenbergern, bzw. Markgrafen der seit 976 bestehenden Marcha Orientalis, welche spätestens 996 als Ostarrichi bezeichnet wurde.
Während z. B. der Ort Mödling zeitweise unmittelbar Landesherrschaftlich war, stützten sich die Landesherren in der Region auf Grundherren. So wurde hier 1140 Hugo von Petronell (1080?–1142) Grundherr vom Ort Mödling und dessen Umland und begründete in Folge die Ahnenburg des Hauses Liechtenstein.
Die Region war kirchlich bis 1722 Teil der Kirchenprovinz Salzburg, und anschließend, bis heute, Teil der Kirchenprovinz Wien. Die regionalere Verwaltung ging vom 739 gegründeten Bistum Passau aus, wobei das Stift Melk (1113/1114) und das 1133 gegründete Stift Heiligenkreuz weite Teile übernahmen, mit teilweise einem Zentrum, insbesondere während der frühen Besiedlung des Raums, in der Urpfarre (1120) und bedeutenden Mautstelle Traiskirchen. 1469 wurde das Bistum Wien (1722 Erzbistum) gegründet und löste Passau bis 1785 (Josephinischen Diözesanregulierung) zunehmend ab. Ebenfalls 1785 wurden die Dekanate eingeführt, wobei 1913 das Dekanat Mödling aus umliegenden Dekanaten geschaffen wurde. 1969 folgte das Vikariat Unter dem Wienerwald.
mini|Die Spinnerin am Kreuz mit Aussicht vom Wienerberg gegen das Mödlinger Gebirge, 1831 (für eine ähnliche Perspektive mit Beschriftung von 1855 siehe dieses Bild).
Den Grundherren wurde 1748 unter Maria Theresia eine Kreisverwaltung übergeordnet und 1753 das seit 1250 bekannte Viertel unter dem Wienerwald als Kreis gegründet. Nach 1848 wurde die Grundherrschaft aufgelöst und mittels Drittelung entschädigt. Daraufhin wurden die Gemeinden gestärkt und 1850 wurde aufbauend auf den Werbbezirken Justiz und Verwaltung in sogenannte (1854) gemischte Bezirksämter zusammengefasst. Schlussendlich wurden 1867/1868 die Kreise abgeschaffen und die Bezirke zur Gewaltentrennung in politische und gerichtliche Bezirke aufgeteilt neu gegründet. Die Region wurde unter den Bezirk Baden gestellt.
Bezirk Mödling Der Bezirk Mödling wurde 1896 um die Gerichtsbezirke Mödling (zuvor Bezirk Baden) und Ebreichsdorf (zuvor Bezirk Wiener Neustadt) gebildet.Reichsgesetzblatt für das Kaisertum Österreich, Jahrgang 1896, Nr. 202, S. 593, abgerufen am 10. November 2025 1904 wurden die Gemeinden Kaltenleutgeben, Perchtoldsdorf, Siebenhirten, Rodaun und Vösendorf dem Bezirk Hietzing-Umgebung angegliedert.Gebiets- und Namensänderungen der Stadtgemeinden Österreichs seit der Mitte des 19. Jahrhunderts (= Forschungen der Städte und Märkte Österreichs, Band 2). Hrsg. Wilhelm Rausch, Bearbeiter Hermann Rafetseder. Landesverlag, Linz 1989. ISBN 3-900387-22-2, S. 312ff.; siehe auch RGBl. Nr. 187/1901.Landesgesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Jahrgang 1903, Nr. 92, S. 152, abgerufen am 7. Juli 2026 Eine Gebietsveränderung gab es 1932, als die Gemeinden Achau und Hennersdorf vom Bezirk Bruck an der Leitha an Mödling fielen.Aus der Geschichte des Ortes Hennersdorf bei Wien im Heimatbuch des Bezirkes Mödling, 1958, S. 62, sowie LGBl Nr. 178/1931
mini|Kaiser Wilhelm II zu Besuch bei Kaiser Karl I, in gegengesetzten Uniformen in Laxenburg 1917 am Kaiserbahnhof der Laxenburger Bahn, der ersten Lokalbahn Österreichs. Das Schloss Laxenburg war unter Kaiser Karl I zeitweise Residenz.
1938 wurde der Bezirk aufgelöst; der Gerichtsbezirk Mödling wurde nach Groß-Wien als 24. Wiener Gemeindebezirk eingemeindet, der Gerichtsbezirk Ebreichsdorf wurde zum Großteil dem Bezirk Baden zugeordnet, mit Ausnahme der Gemeinden Münchendorf (ebenfalls zum Wiener Gemeindebezirk Mödling), Gramatneusiedl, Moosbrunn, Velm (alle zum 23. Wiener Gemeindebezirk Schwechat) sowie Au am Leithaberge und Hof am Leithaberge (beide zum Bezirk Bruck an der Leitha).Verordnungsblatt für den Amtsbereich des Landeshauptmannes von Niederdonau, Jahrgang 1938, Nr. 37, S. 34, abgerufen am 19. November 2025
mini|Überreste des KZ Mauthausen Außenlagers im Industriezentrum Niederösterreich Süd.
Der Bezirk Mödling blieb bis 1954 mit allen anderen 1938 in Wien integrierten Teilen auf Wunsch der Alliierten Kommission Teil von Groß-Wien, obwohl bereits 1946 der Nationalrat das Gebietsänderungsgesetz zur weitgehenden Rückstellung beschloss. Diese Rechtslage von 1946–1954 verunmöglichte in allen Teilen Groß-Wiens Bezirksvertretungswahlen, bzw. jegliche Kommunalwahlen. In dieser Zeit fungierte ein provisorischer Mödlinger Gemeindeausschuss und später Gemeinderat, mit Stimmverhältnissen lokaler Landtagswahlergebnisse, als 24. Bezirksvertretung. Der designierte Mödlinger Bürgermeister wurde 1946–1954 vom Wiener Bürgermeister zu einem Ortsvorsteher ernannt und mit kommunaler Funktion eines Bezirksvorsteher betraut.
Als niederösterreichischer Bezirk wurde der Bezirk Mödling 1954 wiedererrichtet. Neben dem gleichnamigen Wiener Gemeindebezirk wurden ihm auch jene Gemeinden zugeordnet, die zuvor Teil des Bezirks Liesing waren.Landesgesetzblatt für das Land Niederösterreich, Jahrgang 1954, Nr. 72 S. 82, abgerufen am 20. November 2025
Liste der Bezirkshauptleute und Leiter des Magistratischen Bezirksamtes des 24. Bezirkes von Groß-Wien mini|Burg Liechtenstein, sowie Anninger im Hintergrund, mit Weinbau im Vordergrund. Das Haus Liechtenstein prägte mit seinem Landschaftspark und dem dazugehörigen Föhrenforst zentral den Teil des Wienerwalds im Bezirk.
Bezirkshauptleute 1897–1899: Alfred Freiherr Glanz von EichaVerstorben am 14. Juli 1918 in Gries bei Bozen und begraben im Friedhof der Alten Grieser Pfarrkirche. 1899–1909: Otto Breyer 1909–1918: Joseph Fuchs 1918–1923: Max Hillinger 1923–1924: Adolf Pilz 1924–1938: Adalbert Pamperl
Leiter des Magistratischen Bezirksamtes des 24. Bezirkes von Groß-Wien 1938: Ferdinand Christallon 1938–1945: Adalbert Pamperl 1945: Otto Petznek 1945–1952: Erich Liemert 1952–1954: Hugo Goldberger
Bezirksvorsteher des 24. Bezirkes von Groß-Wien 1945–1946: Josef Harth (SPÖ) 1946–1951: Ferdinand Buchberger (SPÖ) 1951–1954: Josef Deutsch (SPÖ)
Bezirkshauptleute 1954–1961: Josef Holzapfel 1961–1980: Robert Böhm 1981–2000: Heinz Eischer 2000–2010: Hannes Nistl seit 2010: Philipp Enzinger
Geografie mini|Hinterbrühl, von der Burg Mödling aus gesehen, mit Gießhübl im Hintergrund auf einem Ausleger des Höllenstein. Dieses Tal, wo die A21 durchzieht, bildet die Verbindung zwischen dem hügeligen größeren Wienerwald Teil des Bezirks und dessen flachen Teil im Wiener Becken.
Der Bezirk liegt auf km² südlich angrenzend an Wien. Der Bezirk wird durch die Thermenlinie geteilt, wobei der östliche und kleinere Teil im Wiener Becken, und der westliche und größere Teil im Wienerwald liegt.
Er liegt im Industrieviertel und ist auch in der Raumplanung der Hauptregion Industrieviertel zugeordnet.
Natur mini|Anninger mit Husarentempel, von der Perchtoldsdorfer Heide aus gegen Süden betrachtet. Weinbau und der Wienerwald mit dem Naturpark Föhrenberge bestimmt die Landschaft. Ein besonderes Kleinod ist das Naturschutzgebiet Eichkogel, ein Hügel mit Trockenrasen, das viele seltene Tier- und Pflanzenarten beheimatet.
Wirtschaft mini|Informationsschild zum Industriezentrum Niederösterreich Süd
Der Bezirk Mödling ist zwar flächenmäßig einer der kleinsten, aber wirtschaftlich einer der stärksten Österreichs. Er hat auch das höchste Steueraufkommen. Während die meisten Betriebe im flachen Osten liegen, sind die Waldgemeinden hauptsächlich Wohngemeinden, wo auch viele Zweitwohnsitze der Wiener Bevölkerung sind. Der bekannteste Betrieb ist die Shopping City Süd (SCS), eines der größten Einkaufszentren Europas.
mini|Shopping City Süd (SCS) an der B17, welche parallel zur Süd Autobahn (A2 bzw. E59) den Bezirk durchquert.
Verkehr Der Bezirk Mödling ist, mit dem Bezirk Korneuburg, einer von zwei Bezirken in Österreich, in dem vier verschiedene Autobahnen bzw. Schnellstraßen verlaufen, nämlich die Süd Autobahn A 2, die Wiener Außenring Autobahn A 21, sowie die Wiener Außenring Schnellstraße S 1 und die Südost Autobahn A 3. Weitere wichtige Straßenzüge sind die ehemaligen Bundesstraßen Wiener Neustädter Straße B 17 (tw. auch Triester Straße), sowie die Ödenburger Straße B 16.
mini|Der Busserltunnel bei Gumpoldskirchen, der älteste Bahntunnel Österreichs, ist an der südlichen Grenze des Bezirks und Teil der Südbahn, welche durch den Bezirk verläuft.
Die Südbahn der ÖBB ist die wichtigste Nord-Süd-Verbindung. Außerdem gibt es noch die Pottendorfer Linie, die Aspangbahn sowie die Badner Bahn.
Nachbarbezirke
Angehörige Gemeinden Der Bezirk Mödling umfasst zwanzig Gemeinden, darunter eine Stadt und zwölf Marktgemeinden. mini|zentriert|700px|Gemeinden des Bezirks Mödling
Regionen in der Tabelle sind Kleinregionen in Niederösterreich
Gebietsänderungen 1. Jänner 1972 Fusion der Gemeinden Dornbach, Grub, Sittendorf und Sulz im Wienerwald zur Gemeinde Wienerwald Eingemeindung der Gemeinden Sparbach und Weißenbach bei Mödling in die Gemeinde Hinterbrühl
Bevölkerungsentwicklung
Einwohner pro Quadratkilometer1783/86184618691991 60 82 104 363Häuser / Gebäude pro Quadratkilometer15901783/8618691991 5,6 8,1 12,6 98,2
Vor der Vertreibung, Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung unter dem NS-Regime war der Israelitische-Kultusgemeinde-Bezirk Mödling, der größte Niederösterreichs mit 1.287 Mitgliedern im Jahr 1910.
Bezirksorganisationen mini|In der Stadt Mödling, beim größten Faschingsumzugs in Niederösterreich, nehmen seit 1969 jährlich zahlreiche Karnevalsvereine aus verschiedenen Gemeinden der Region teil.
Gerichtsbezirk Mödling Niederösterreichische Berg- und Naturwacht Bezirksleitung Mödling, Ortseinsatzleitung Föhrenberge Mödling und Wienerwald Südost (stationiert in Perchtoldsdorf)
Siehe auch Liste der Gemeinden in Niederösterreich Geschichte Niederösterreichs Geschichte des Wienerwalds Denkmalgeschützte Objekte im Bezirk Mödling Liste der Naturdenkmäler im Bezirk Mödling
Weblinks
Ausstellung Der Bezirk Mödling: Alte Ansichten und Bücher (2007) (PDF; 5,70 MB) www.bezirkmoedling.at Regionalinformationen
Einzelnachweise
Modling
Modling