mini|Gruppenvoltigieren (Kür) mini|Fahne (ab LK L)

Beim Voltigieren (, ‚Bogenschlag‘, ‚Bogensprung‘) werden turnerische und akrobatische Übungen auf einem sich an einer Longe im Kreis bewegenden Pferd ausgeführt.

Neben dem turnerischen Können sind, wie in allen Pferdesportarten, auch Wissen und Können im Umgang mit dem Pferd von besonderer Wichtigkeit. Oft ist das Voltigieren ein Einstieg in den Pferdesport. Auch im Schulsport sowie dem heilpädagogischen Bereich ist es vertreten. Daneben gibt es das als Leistungssport betriebene Voltigieren, es erfordert tägliches Training, insbesondere Kraft- und Gleichgewichtseinheiten.

Ablauf und Ausrüstung mini|Holzpferdkür Das Pferd wird von einem Longenführer auf einer kreisförmigen Bahn (genannt Zirkel) von mindestens 15FN Regelwerke, LPO 2018, Teil B - Besondere Bestimmungen, §203 2 m Durchmesser (Turniermaß), dem Voltigierzirkel, longiert und läuft in den Gangarten Schritt, Trab oder Galopp. Es turnen ein bis drei Voltigierer gleichzeitig auf und an dem Pferd. Als Grundvoraussetzung des Voltigierens gilt das abgestimmte Zusammenspiel zwischen Longenführer, Pferd und Voltigierer, denn sie bilden in diesem Sport eine Einheit und beeinflussen sich gegenseitig unmittelbar.Deutsche Reiterliche Vereinigung e. V., Abteilung Jugend; Der Voltigierzirkel e. V.: Beim Voltigieren geht es rund. Informationsbroschüre. 2004, S. 3.

Das Pferd trägt einen kurz hinter dem Widerrist aufliegenden Voltigiergurt, der mit zwei Handgriffen und zwei Fußschlaufen (und eventuell einer Mittelschlaufe) versehen ist. Zum Schutz seines Rückens trägt das Pferd zudem eine Voltigierdecke (Pad) und eine Schaumstoffunterlage unter dem Gurt. Erlaubte Zäumungen sind der Trensenzaum und der Kappzaum. Zur Ausrüstung gehören ferner Hilfszügel wie Lauffer-, Dreiecks- oder Ausbindezügel, Gamaschen, Bandagen oder Streichkappen, eventuell Springglocken, eine Longierpeitsche und eine Longe.Deutsche Reiterliche Vereinigung e. V.: Leistungs-Prüfungs-Ordnung (Ausgabe 2000). Warendorf, FN-Verlag 1999, S. 231.

Die Ausrüstung der Voltigierer besteht aus elastischen, eng anliegenden Trikots bzw. Voltigieranzügen sowie weichen Voltigier- oder Gymnastikschläppchen. So wird ausgeschlossen, dass die Kleidung den Sportler bei der Übungsausführung behindert oder Haltungsfehler verdeckt. Zum anderen sind Sicherheitsaspekte bedeutsam: Unfälle durch ein Hängenbleiben an Gurt, Pad oder Trainingspartner werden durch eng anliegende Kleidung und zusammengebundene Haare vermieden. Somit voltigiert man auch ohne Reithelm, da dieser die Sicht und Beweglichkeit enorm einschränken würde und man leicht an etwas hängen bleiben könnte beim Turnen.

Ein weiteres wichtiges Trainingsgerät im Voltigiersport ist das Holzpferd mit Griffen. Darauf können die Techniken und Bewegungsabläufe der Voltigierübungen intensiv trainiert werden, um sie auf dem Voltigierpferd bzw. Pony perfekt zu beherrschen. Es werden auch extra Holzpferdturniere durchgeführt. In den letzten Jahren erfreuen sich Varianten wie das "Air-Horse" oder elektrisch betriebene, "galoppierende" Holzpferde immer größerer Beliebtheit.

Voltigieren als Breitensport mini|Breitensportliches Voltigieren

Voltigieren ist eine vergleichsweise kostengünstige Pferdesportart, die allen Bevölkerungsschichten offensteht. Hier wird das Interesse junger Menschen am Pferd mit einer vielseitigen Bewegungserziehung und der Förderung sozialer Kompetenzen verbunden. Die Kinder erlernen zum einen den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Partner Pferd. Zum anderen werden körperliche und motorische Fertigkeiten, vor allem Haltung, Rhythmus, Gleichgewicht und Konzentration geschult. Als Gruppensport werden beim Voltigieren darüber hinaus soziale Fertigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Vertrauen, Gemeinschaftssinn und Selbstständigkeit gefördert. In der Regel bestehen Anfängergruppen aus acht bis zwölf Jungen und Mädchen, die sich in etwa auf demselben Leistungsstand befinden.

Das breitensportliche Voltigieren kann als Einstieg in den Reitsport genutzt werden, bietet jedoch auch eine gute Vorbereitung auf den Turniersport.Deutsche Reiterliche Vereinigung e. V., Abteilung Jugend; Der Voltigierzirkel e. V.: Beim Voltigieren geht es rund. Informationsbroschüre. 2004, S. 6. Für Einsteiger- und Anfängergruppen (auch Nachwuchsgruppen genannt) sowie teilweise auch für Einzelvoltigierer gibt es auf Landes- und Kreisebene Wettbewerbe, die ganz oder teilweise im Schritt durchgeführt werden.

Voltigieren als Turniersport mini|hochkant|Russisches Junioren Team bei der EM, 2011 Turniermäßig betrieben, ist Voltigieren ein anspruchsvoller Leistungssport, der den Sportler in Hinsicht auf Gleichgewicht, Kraft, Körperspannung, Beweglichkeit, Kondition, Rhythmusgefühl, Vertrauen, Mut und Kreativität fordert.

Bewertet werden die Leistungen der einzelnen Starter von mehreren Turnierrichtern, die um den Wettkampfzirkel verteilt sitzen.

Es gibt drei Wettkampfdisziplinen: Einzel-, Doppel- und Gruppenvoltigieren. Die Gruppen bestehen aus sechs bis acht (national) bzw. sechs Mitgliedern (international, Junior). Das Doppel wird teilweise auch strikt als gemischt-geschlechtliches Pas de deux ausgeschrieben. Auf Championaten wird bei den Einzelwettbewerben nach Geschlechtern getrennt gerichtet.

Europa gilt als Leistungszentrum im Voltigiersport, besonders erfolgreich sind die Voltigierer aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Österreich, Frankreich, Dänemark, Italien und Großbritannien. Doch auch außerhalb Europas gibt es sehr leistungsstarke Gruppen und Einzelvoltigierer, z. B. in den USA, Australien, Argentinien, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Neuseeland, Russland und Südafrika., Abruf: 19. Oktober 2010

Organisation Das Voltigieren wird trotz der sportlichen Nähe zum Kunstturnen oder Ballett nicht als Turnsportart, sondern als Pferdesportart vertreten. Internationaler Dachverband ist die International Federation of Equestrian Sports (FEI). In Deutschland nimmt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) die Vertretung wahr bzw. die jeweilige Landeskommission des Pferdesportverbandes. Innerhalb der FN wird Voltigieren von dem Fachbereich Jugend betreut, der u. a. für die Ausstellung von Voltigier- und Longenführerausweisen sowie für die Turnierergebnisse zuständig ist. In Österreich wird das Voltigieren durch den Österreichischen Pferdesportverband (OEPS) vertreten, in der Schweiz durch den Schweizerischen Verband für Pferdesport (FNCH) bzw. den Schweizerischen Voltige-Verband.

Turniere, Meisterschaften mini|hochkant|Team Austria bei den Europameisterschaften 2008 in Brünn

In Deutschland findet jährlich eine große Anzahl von Voltigierwettkämpfen statt: Innerhalb der Landesverbände gibt es die von den Vereinen ausgerichteten Turniere auf Bezirks- oder Kreisebene sowie die jeweiligen Landesmeisterschaften.

Überregionale Meisterschaften sind: die Süddeutschen Meisterschaften der Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saar, Sachsen und Thüringen die Nordostdeutschen Meisterschaften der Landesverbände Berlin-Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hannover, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein u. Weser-Ems und der 5-Länder-Vergleichskampf zwischen den Landesverbänden Hessen, Saar, Rheinland, Westfalen und Rheinland-Pfalz

Die wichtigsten Wettbewerbe auf nationaler Ebene sind die Deutschen Meisterschaften (DM), die Deutschen Jugendmeisterschaften (DJM), welche erstmals nach Änderung der LPO 2008 stattfanden, sowie der Preis der Besten. Den einzigen bundesweiten Wettbewerb für L-Gruppen stellt der 2001 erstmals ausgetragene C-Team-Cup dar. Analog zu diesem wurden 2009 der M-Team-Cup und der Doppelcup eingeführt, um Achtergruppen und Doppelvoltigierern eine Möglichkeit zum bundesweiten Vergleich zu bieten. Seit 2010 werden im Rahmen der Deutschen Meisterschaften auch die Bundessieger im Doppelvoltigieren ermittelt.

Wichtige Turniere in Österreich sind die Bundesländermannschaftsmeisterschaften (BLMM), die Österreichischen Meisterschaften (ÖM) für Juniorvoltigierer und die 1981 erstmals ausgetragenen Österreichischen Staatsmeisterschaften (ÖSTM). In der Schweiz stellen die seit 1977 veranstalteten Schweizermeisterschaften den wichtigsten nationalen Wettbewerb dar.

Auf internationaler Ebene werden Concours de Voltige International (CVI) und, jeweils im abwechselnden Zweijahresrhythmus, Europa- und Weltmeisterschaften ausgetragen. Die Europameisterschaften der Junior-Voltigierer gibt es seit 2005, die der Doppelvoltigierer seit 2009. 2015 wurden im niederländischen Ermelo erstmals die Weltmeisterschaften der Junior-Voltigierer ausgetragen. Davor fanden die Europameisterschaften jedes Jahr statt, seitdem, wie bei den Senioren, im Zweijahreswechsel mit den Weltmeisterschaften.

Im Rahmen des „FEI Vaulting Development Programme“ wurde 2006 der Inter-Africa Vaulting Cup als erster afrikanischer Vergleichwettkampf ins Leben gerufen. Er findet alljährlich statt. 2009 traten Voltigierer aus fünf Staaten zu den Voltigierprüfungen an: Malawi, Mauritius, Südafrika, Eswatini und Sambia. Die Kosten für Reise und Unterbringung der Teilnehmer werden durch den „FEI Development Fund“ mitfinanziert.

Leistungsklassen Einzelvoltigierer und Gruppen werden im Turniersport ihrem Niveau entsprechend in Leistungsklassen eingeteilt. Diese unterscheiden sich vor allem in den an Pflicht und Kür gestellten Anforderungen. 2008 erfolgte in Deutschland eine Neueinteilung der zuvor alphabetisch kategorisierten Leistungsklassen: Die niedrigste Leistungsklasse D wurde zu A, LK C zu L, LK B zu M*, LK A wurde zu M**. Neu sind die Leistungsklassen S (dem Spitzensport vorbehalten) und Junior, die nach internationalem Reglement ausgeschrieben werden. Beim Einzel-Voltigieren unterscheidet man die Leistungsklassen L, M und S sowie Junioren. Beim Doppelvoltigieren gibt es nur die Leistungsklassen Junior und Senior.

Ein Aufstieg in die nächsthöhere Leistungsklasse richtet sich nach bestimmten Qualifikationsnoten, die mindestens zweimal, maximal dreimal während der laufenden oder der vergangenen Saison erreicht werden müssen:

Leistungsklasse A nach L: Wertnote 5,5, Erhaltungsnote in Leistungsklasse L: 5,0 Leistungsklasse L nach M*: Wertnote 5,8, Erhaltungsnote in Leistungsklasse M: 5,3 Leistungsklasse M* nach M**: Wertnote 6,3 Leistungsklassen M**/Junior nach S*: Wertnote 6,5, Erhaltungsnote in Leistungsklasse S: 6,0 Leistungsklasse S* nach S**: Wertnote:6,7

Breitensportliche Wettbewerbe werden oft in den folgenden Anforderungsklassen angeboten (Gangarten: Pflicht – Kür): Galopp – Galopp, Galopp – Schritt, Schritt – Schritt. Zudem gibt es noch die Leistungsklasse E, welche offen ist, und die Leistungsklasse Junior, in der alle Teams aus Mitgliedern, die alle unter 18 sind teilnehmen.

In Österreich orientiert sich die Kategorisierung der Leistungsklassen, ähnlich wie in Deutschland, an den Bezeichnungen anderer Reitsportdisziplinen: Im Gruppenvoltigieren existieren die Klassen A, L, S 1* und S 2*, im Einzelvoltigieren die Klassen A, L, M, S 1* und S 2*. Schweizer Voltigierer werden in vier Leistungsklassen unterteilt (S-Schwer, M-Mittel, L-Leicht, B-Basis).

Zulassungsbeschränkungen mini|Einzelvoltigiererin Simone Wiegele bei den Deutschen Meisterschaften 2009

Die generelle Altersbeschränkung auf 18 Jahre im Gruppensport wurde 2005 für die oberen Leistungsklassen aufgehoben und 2008 vollständig außer Kraft gesetzt, so dass in jeder Leistungsklasse Erwachsene am Gruppensport partizipieren dürfen. In den Leistungsklassen A und L gibt es seitdem in Deutschland jeweils eine Zusatzklasse, A16 und L18, mit dem jeweiligen Höchstalter von 16 und 18 Jahren. Die neu eingeführte Leistungsklasse Junior ist Voltigierern im Alter von 18 Jahren und jünger vorbehalten. Für die übrigen Klassen bestehen keine Altersbeschränkungen.