mini|Zubereitung von Ayahuasca in der Napo-Region von Ecuador mini|hochkant|Fertiges Gebräu Ayahuasca, Yagé [], Yajé [], Natem, Cipó, Daime, Hoasca (und andere) sind Namen für einen psychedelisch wirkenden Pflanzensud aus der Liane Banisteriopsis caapi und N,N-Dimethyltryptamin-haltigen Blättern des Kaffeestrauchgewächses Psychotria viridis. In manchen Fällen ist mit der Bezeichnung Ayahuasca auch nur die Liane Banisteriopsis caapi gemeint. Der Sud enthält Harman-Alkaloide, die als Monoaminooxidase-Hemmer wirken und so den Abbau des Halluzinogens N,N-Dimethyltryptamin (DMT) verlangsamen. Die Angehörigen diverser Amazonas-Ethnien gebrauchen Ayahuasca in religiösen Zeremonien, um sich in einen Trance-Zustand zu versetzen. Der Gebrauch ist im amazonischen Brasilien, Bolivien, Peru, im Orinocodelta von Venezuela bis an die Pazifikküste von Kolumbien und Ecuador verbreitet.Dagmar Eigner, Dieter Scholz: Ayahuasca – Liane der Geister. In: Pharmazie in Unserer Zeit. 14, 1985, S. 65–76, doi:10.1002/pauz.19850140302. Zudem sind im 20. Jahrhundert in Brasilien diverse Ayahuasca-Religionen entstanden, darunter União do Vegetal, Barquinha und Santo Daime, die in den Städten von der Mittelschicht frequentiert werden und inzwischen auch international präsent sind.Göttlich einen im Tee. In: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 26 vom 2. Juli 1999, S. 14–21.Beatriz Caiuby Labate: The Internationalization of Ayahuasca. LIT Verlag Münster, 2011, ISBN 978-3-643-90148-4 (). Der religiöse Gebrauch ist in Brasilien rechtlich garantiert und wurde auch in den USA durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten 2006 legalisiert.
Eigenschaften Ayahuasca ist, je nach Zubereitung, ein faulig-bitter oder süßlich schmeckendes Getränk. Die Farbe ist üblicherweise bräunlich, was sich aber durch beigemischte Zutaten verändern kann. Der Trank ist ein wässriger Auszug aus der Liane Banisteriopsis caapi unter Zugabe von DMT-haltigen Pflanzen. Typische pflanzliche Beimischungen sind Psychotria viridis (Chacruna), Psychotria carthagenensis und Diplopterys cabrerana (Chaliponga).Dennis J. McKenna, G.H.N. Towers et al.: Monoamine oxidase inhibitors in South American hallucinogenic plants: Tryptamine and β-carboline constituents of Ayahuasca. In: Journal of Ethnopharmacology. 10, 1984, S. 195–223, doi:10.1016/0378-8741(84)90003-5.
Chemische Inhaltsstoffe Folgende chemische Inhaltsstoffe lassen sich in Ayahuasca, je nach Beimischung, in unterschiedlichen Mengenanteilen finden: Dimethyltryptamin, 5-MeO-DMT, Harmin, Harmalin, Tetrahydroharmin, Bufotenin, N-Methyltryptamin, Harmalol, Harmol, 2-Methyl-1,2,3,4-tetrahydro-β-carbolin (2-MTHBC), DMT-NO, d4-5-MeO-DMT, Harmin-N-oxid, Harminamid, Harminsäure, Harminsäuremethylester, Harmalinsäure, 6-Methoxytryptamin, Banistenosid A, Banistenosid B, Acetylnorharmin, Ketotetrahydronorharmin, Tetrahydronorharmin, Shihunin und Dihydroshihunin.E. H. McIlhenny, K. E. Pipkin, L. J. Standish, H. A. Wechkin, R. Strassman, S. A. Barker: Direct analysis of psychoactive tryptamine and harmala alkaloids in the Amazonian botanical medicine ayahuasca by liquid chromatography-electrospray ionization-tandem mass spectrometry. In: Journal of chromatography. A. Band 1216, Nummer 51, Dezember 2009, S. 8960–8968, . doi:10.1016/j.chroma.2009.10.088. PMID 19926090.Y. H. Wang, V. Samoylenko, B. L. Tekwani, I. A. Khan, L. S. Miller, N. D. Chaurasiya, M. M. Rahman, L. M. Tripathi, S. I. Khan, V. C. Joshi, F. T. Wigger, I. Muhammad: Composition, standardization and chemical profiling of Banisteriopsis caapi, a plant for the treatment of neurodegenerative disorders relevant to Parkinson’s disease. In: Journal of ethnopharmacology. Band 128, Nummer 3, April 2010, S. 662–671, . doi:10.1016/j.jep.2010.02.013. PMID 20219660. .R. Hänsel, K. Keller, H. Rimpler, G. Schneider (Hrsg.): Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis: Band 4: "Drogen A-D", S. 458, Springer 1992, ISBN 3-540-52688-9
Verwendung Gebrauch im kulturellen Kontext Die indigenen Völker des Amazonasbeckens und Mestizos gebrauchen Ayahuasca in rituellen und religiösen Zeremonien, um in einen qualitativ veränderten Wachbewusstseinszustand zu geraten. Sie glauben unter anderem, dadurch Geister und Ahnen zu treffen, in die Zukunft zu blicken oder Lösungen und Heilwege für Krankheiten und psychosoziale Konfliktlagen zu finden. Ayahuasca wird dafür häufig von Curanderos, Ayahuasceros oder Vegetalistas (Heilkundige in traditioneller Amazonas- oder Andenmedizin) für die Heilung von Krankheiten benutzt. Der Gebrauch ist von den Anden und der Pazifikküste bis weit hinein nach Brasilien verbreitet und von Kolumbien über Ecuador und Peru bis nach Argentinien. Für die Schamanen ist die Wirkung des Tranks nicht auf einen Wirkstoff zurückzuführen, sondern auf die Pflanzenseelen, die sich den Menschen unter Ayahuasca-Einfluss als Lehrmeister offenbaren.
In verschiedenen aus Brasilien stammenden Religionen wird das Entheogen Ayahuasca als Sakrament in Ritualen eingenommen. Hierzu gehören als größte Gemeinden die União do Vegetal und Santo Daime sowie die kleinere Barquinha. Durch das Trinken des Tees, gesungene Gebete und gemeinschaftliche rituelle Tänze wird ein qualitativ veränderter Wachbewusstseinszustand erzeugt, der die Wahrnehmung der spirituellen Realität ermöglichen soll.
Moderner Gebrauch 1923 veröffentlichte der kolumbianische Chemiker Guillermo Fischer Cárdenas eine Untersuchung über Ayahuasca, in der er den Wirkstoff darin Telepathin nannte. Davon angeregt unternahm der amerikanische Schriftsteller William S. Burroughs, der heroinabhängig war, 1953 eine Reise nach Kolumbien und Peru, wo er mehrere brujos (Schamanen) fand, die ihm Ayahuasca gaben. In Lima verfasste er einen Bericht über seine Erfahrungen für Allen Ginsberg, der 1963 unter dem Titel The Yage Letters (deutsch: Auf der Suche nach Yage) veröffentlichte.Carl Weissner: Burroughs. Eine Bild-Biographie. Hrsg. v. Michael Köhler. Nishen, Berlin 1994, ISBN 3-88940-092-2, S. 44 f.
Das Phänomen Ayahuasca unterliegt seit dem Ende der 1990er Jahre einer globalisierenden Entwicklung. Einige berühmte Persönlichkeiten, wie beispielsweise der Popsänger Sting in seiner Biografie und in Fernsehinterviews, berichten öffentlich über ihre persönlichen und spirituellen Ayahuascaerfahrungen. Es entwickelte sich ein westlicher Ayahuascatourismus, wodurch im oberen Amazonasgebiet, vorwiegend in Peru, florierende „Heilungszentren“ entstehen, die meist US-Amerikanern gehören und lokale mestizische Schamanen in Honorartätigkeit bezahlen oder anstellen. Die Angebote richten sich nicht selten an die Erwartungen des westlichen Publikums: eine vermeintliche Authentizität indianisch-schamanischer Spiritualität und Weisheit. Dabei kommt es für das ausländische Publikum oft zu einer nicht erkennbaren folkloristischen Retraditionalisierung, die nicht die heutige Realität mestizischer Volksmedizin widerspiegelt. Westliche neoschamanistische und synkretische Elemente werden mit mestizischem Animismus und Schamanismus und ostasiatischen Versatzstücken aus Buddhismus und Yoga vermischt, um den Erwartungen des westlichen Ethnotherapie-Publikums gerecht zu werden. Ebenso ist jedoch auch die Globalisierung von Ayahuasca in die andere Richtung zu verzeichnen, so dass sich in Nordamerika und Europa heutzutage mehr und mehr Ayahuascaangebote finden lassen, teilweise durch südamerikanische Schamanen, die dort Seminare und Retreats anbieten, teilweise durch westliche Neoschamanen, westliche alternative Psychotherapeuten und Ayahuasca-Kirchen bzw. deren globalisierte Ableger.Tom John Wolff: Ayahuasca-Tourismus in Südamerika. In: R. Feustel, H. Schmidt-Semisch, U. Bröckling: Handbuch Drogen in sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive. Springer Verlag, Berlin 2018, S. 555–575. Der westliche Hype um die Droge trägt derzeit zu einem Aufschwung des Tourismus in der nordperuanischen Stadt Iquitos bei: Nach konservativen Schätzungen kamen 2022 mehr als 30.000 westliche Reisende auf der Suche nach der Droge und nach Schamanen in die Stadt.Carlos Minuano: Visionen in der Hölle. In: Die Zeit vom 4. April 2024, S. 24 f.
Ayahuasca-Tourismus und Ayahuasca-Business werden von Ethnologen teilweise heftig als Kulturkolonialismus kritisiert, da, vom ethnologisch meist ungeschulten Ayahuasca-Touristen unbemerkt oder ignoriert, egalitäre soziale Strukturen durch die kommerzielle Vermarktung weiter zerstört werden. Konkurrenzdruck und Gewalt zwischen Touristen-Schamanen und gegenüber diesen nehmen hinter der Kulisse von Heilungszentren zu. Komplexe Heilsysteme des Amazonas-Vegetalismus werden auf den Aspekt des psychedelisch-spirituellen Ethnodrogenkonsums reduziert. Ayahuasca wird dabei als vermeintlich jahrtausendealte Heilungsmethode für nahezu alles übergeneralisiert.Bernd Brabec de Mori: Kultur als Mörderin, Gewaltexzesse, alternativer Tourismus und Kulturkolonialismus in Amazonien. In: Lateinamerika anders, Österreichs Zeitschrift für Lateinamerika und die Karibik. 2/2018, S. 28–32.
Die systematische wissenschaftliche Erforschung der psychotherapeutischen und medizinischen Potentiale, Risiken und pharmakologischen Eigenschaften von Ayahuasca begann Mitte der 1990er-Jahre. Die Zielsetzung besteht häufig darin, den Gebrauch aus dem traditionellen schamanischen Kontext zu lösen und für ganz bestimmte Störungsbilder wie chronische posttraumatische Belastungsstörung, Abhängigkeitserkrankungen und therapieresistente Depressionen innerhalb der evidenzbasierten Psychotherapie nutzbar zu machen. Führende Forschungen auf diesem Gebiet kommen meist aus Brasilien, USA, Kanada und Spanien. Wichtige Forschungsorganisationen sind MAPS und die Beckley Foundation. In Südamerika gibt es niedergelassene Ärzte, Psychotherapeuten und Therapieeinrichtungen, die mit Schamanen kooperieren und Ayahuascaerfahrungen als integrativen Bestandteil ihrer Psychotherapien anbieten oder vermitteln, beispielsweise das vom französischen Arzt Jacques Mabit gegründete Therapiezentrum TakiwasiPfitzner: 2008takiwasi.com aus Tarapoto in Peru, das seit 1992 westliche Langzeitentwöhnungstherapie bei Abhängigkeitserkrankungen in Kombination mit traditioneller Amazonasmedizin und Ayahuasca anbietet.
Zubereitung mini|Ayahuasca-Zubereitung mini|Aufkochen des Ayahuasca in der Napo-Region von Ecuador Zur Herstellung von Ayahuasca werden hauptsächlich folgende Pflanzen verwendet:
Ayahuasca-Liane (Banisteriopsis caapi), die Harman-Alkaloide enthält, sowie Chacruna (Psychotria viridis) oder Chaliponga (Diplopterys cabrerana), in denen DMT enthalten ist.
Die verwendeten Pflanzen und Wurzeln werden bis zu drei Tage zu einem Sud ausgekocht.
Bei den Siona im kolumbianischen Amazonasgebiet wurden achtzehn verschiedene Yagé-Arten untersucht, von denen elf nach verschiedenen Tieren benannt sind. Banisteriopsis caapi wird von den Sikuani als Juipa bezeichnet. Eine Art davon heißt Sisipi-Juipa (Yagé-Kolibri), da Kolibris den Nektar aus seinen Blüten trinken. Das Tigri-Husaca heißt so, weil Jaguare angeblich oft seine Blätter fressen. Auch die Anaconda soll sich vom Yagé ernähren, bei dessen Konsum man ihr wiederum begegne.
Aus den Samen der Pflanze Anadenanthera peregrina, auch Dopa oder Yopo genannt, wird ein Schnupfpulver hergestellt, das man inhaliert, wenn man zuvor die geröstete Wurzel von Banisteriopsis caapi gekaut hat. Die durch westlichen Drogentourismus bekannte Rezeptur aus den oben genannten zwei Bestandteilen scheint in Bezug auf das Yagé zu kurz gegriffen, da das komplexe schamanische Stammeswissen der verschiedenen Amazonasvölker für unterschiedliche Zwecke ganz verschiedene Rezepte und Zubereitungsriten kennt. Es können zahlreiche andere Pflanzen wie Brugmansia suaveolens oder Brugmansia candida hinzugefügt werden, um bestimmte Wirkungen zu verstärken oder zu vermindern.
Bedeutung des Namens