mini|hochkant=0.9|Logo Digital Audio Broadcasting
Digital Audio Broadcasting (DAB) ist ein digitaler Übertragungsstandard für terrestrischen Empfang von Digitalradio. Es ist für den Frequenzbereich von 30 MHz bis 3 GHz geeignet und schließt daher auch die Verbreitung von Hörfunkprogrammen über Kabel und Satellit ein. Entwickelt wurde DAB im EUREKA-147-Projekt der EU in den Jahren 1987–2000. Der DAB-Standard ist unter dem Code EN 300 401 online von der europäischen Standardisierungsorganisation ETSI erhältlich.ETSI EN 300 401 V2.1.1 (2017-01) – Radio Broadcasting Systems; Digital Audio Broadcasting (DAB) to mobile, portable and fixed receivers (PDF; 841 kB).
Verfügbarkeit
Die Listen der DAB-Sender sind – soweit verfügbar – in den jeweiligen DAB-Landesartikeln verlinkt.
mini|hochkant=2| Weltweit sind in 35 Ländern DAB-Sender im Betrieb, womit über 400 Millionen Menschen erreicht werden können. Es wurden über 50 Millionen Empfangsgeräte verkauft, davon zwölf Millionen Autoradios (Stand Oktober 2016).
In den meisten europäischen Ländern wie Deutschland, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden, Dänemark und dem Vereinigten Königreich ist DAB fast flächendeckend verfügbar. In Frankreich ist es in größeren Ballungszentren verfügbar. In Italien treiben vor allem die Privatsender den DAB-Ausbau in den norditalienischen Großräumen voran. In Österreich wurde der seit 2000 laufende Versuchsbetrieb 2008 eingestellt. Im Raum Wien fand seit dem 28. Mai 2015 ein neuerlicher Pilotbetrieb von DAB+ statt. Seit 28. Mai 2019Mehr Radio für Österreich – Digitalradio DAB+ startet national dabplus.at, 22. Januar 2019. wird der erste österreichweite Mux gesendet.
In Kanada wurden bis 2011 einige Ballungsräume in Ontario, Québec und British Columbia versorgt.
Idee und Systementwicklung Aufgrund der physikalischen Gegebenheiten kann bei analogen terrestrischen UKW-Sendernetzen für eine flächendeckende Versorgung mit einem Radioprogramm dieselbe Frequenz nur in einem größeren – von der Topografie abhängigen – geografischen Abstand wieder verwendet werden. So konnten zur Zeit der Entwicklung von DAB in dem für den UKW-Hörfunk genutzten Frequenzbereich 87,5–108 MHz nur sechs oder sieben flächendeckende Senderketten (neben weiteren einzelnen Sendern für eine lokale bzw. regionale Versorgung) betrieben werden.Siehe Literatur, Lauterbach, S. 17 ff.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 29.
Die Entwicklung des dualen Rundfunksystems ab 1983 in Deutschland hatte zu einer Anzahl weiterer, von privaten Programmveranstaltern produzierten Radioprogrammen geführt, für die meist keine UKW-Frequenzen mehr zur Verfügung standen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands sahen sich daher veranlasst – auch mit Blick auf die Störanfälligkeit beim mobilen UKW-Empfang – ein neues, digitales Übertragungssystem zu entwickeln. So entstanden beim Institut für Rundfunktechnik (IRT) erste Vorschläge, aus denen sich dann später Digital Audio Broadcasting (DAB) entwickelte.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 30.
Die zwei herausragenden innovativen Entwicklungsansätze des digitalen terrestrischen Übertragungssystems DAB sind einerseits die Informationskompression des Tonsignals (Quellkodierung) und andererseits die technische Beherrschung der physikalisch bedingten Mehrwegeausbreitungsproblematik bei der Funkwellenübertragung. Beide Problematiken konnten erst mit dem rasanten Fortschritt der Entwicklung der Mikroelektronik technisch und wirtschaftlich gelöst werden.Siehe Literatur, Lauterbach, S. 23 ff.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 31.
Erste Versuche Auf Einladung des Technischen Direktors des Bayerischen Rundfunks, Frank Müller-Römer, fand am 16. Dezember 1981 eine von Wolfgang Klimek, Mitglied des IDR-Arbeitskreises (Initiative Digitaler Rundfunk) angeregte Diskussionsveranstaltung zum Thema „Digitaler UKW-Rundfunk“ statt, an der auch die Professoren Hans-Georg Musmann und Georg Plenge, Institut für Rundfunktechnik (IRT), München, über ihre Überlegungen zu diesem Thema berichteten. Als Ergebnis wurde die Auffassung vertreten, dass es im Prinzip möglich sein müsse, im UKW-Bereich anstelle eines Analogsignals auch ein digital kodiertes Hörfunksignal in Stereo zu übertragen. Das IRT griff den Vorschlag auf und entwickelte in den Folgejahren ein Konzept für ein digitales Übertragungssystem, bei dem die Mehrwegeempfangsprobleme bei schmalbandiger Ausstrahlung durch ein breitbandig ausgestrahltes Programmbündel vermieden werden könnten.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 31.
Im Jahr 1985 fanden dann am Sender Gelbelsee des Bayerischen Rundfunks erste Abstrahlversuche statt. Gemeinsam mit dem IRT wurden Gleichkanal- und Nachbarkanalbeeinflussungen sowie Reichweiten digital gesendeter Signale mit UKW-Signalen messtechnisch verglichen.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 32.
Systementwicklung mini|Prototypischer DAB-Receiver (1993) Im Jahr 1986 wurde auf der Europäischen Ministerkonferenz in Stockholm entschieden, im EUREKA-Projekt 147 ein digitales Hörfunksystem zu entwickeln. Deutschland übernahm dabei die Federführung (Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt, DLR, in Porz-Wahn). Aufgabenstellung und Anforderungen an das System DAB wurden maßgeblich vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland geprägt.Siehe Literatur, Lauterbach, S. 26 ff.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 34 ff.
Technische Feldversuche Ein wesentlicher Schritt zur Erprobung von DAB-Sendernetzen wurde mit dem Testbetrieb eines DAB-Gleichwellennetzes im Fernsehkanal 12, welches der Bayerische Rundfunk aufbaute und betrieb, gegangen.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 36 ff. Damit wurde auch zugleich die Basis für die Entwicklung messtechnischer Einrichtungen zur Beurteilung der DAB-Versorgung in Gleichwellennetzen geschaffen. Mit dem Gleichwellennetz, bestehend aus fünf Sendern, wurde erstmals in Deutschland die Versorgung einer großen Fläche in einem topographisch inhomogenen Gebiet realisiert.
Die Einführung von DAB in Deutschland Um die unterschiedlichen Interessen der einzelnen an DAB beteiligten und interessierten Partner zu koordinieren und um eine Einführungsstrategie zu entwickeln, mit allen Beteiligten abzustimmen und umzusetzen, wurde Ende 1990 auf Initiative des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) eine Nationale Plattform DAB ins Leben gerufen, deren Vorsitz dem damaligen Technischen Direktor des Bayerischen Rundfunks, Frank Müller-Römer, übertragen wurde. Aufgabe dieser Plattform war es, die Begleitung und Koordinierung aller für die Weiterführung und Umsetzung des Projekts notwendigen Arbeitsschritte zu übernehmen. Ende 1991 wurde die Nationale Plattform dann in den Verein DAB Plattform e. V. überführt.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 42 ff. Als Aufgabe dieses Vereins wurden die wissenschaftliche Förderung von DAB, die Information der Vereinsmitglieder und der Öffentlichkeit sowie die Vorbereitung der Einführung des Systems ab 1995 festgelegt. Der Vorsitz lag wiederum bei Frank Müller-Römer.
Im Juni 1995 stimmten dann die 26 Mitglieder der DAB Plattform e. V. aus den Bereichen Industrie, Wissenschaft und Forschung, Rundfunk und Verwaltung einem Memorandum of Understanding (MoU) zur Einführung von DAB in Deutschland zu. Die Chefs der Staats- und Senatskanzleien der Bundesländer bestätigten die darin gemachten Aussagen.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 44 ff. Bis zur ursprünglich geplanten Einführung von DAB im Jahr 1997 fanden in mehreren Bundesländern DAB-Pilotprojekte statt.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 44 ff. Die DAB Plattform beendete 1998 ihre Tätigkeit.
Die weitere Entwicklung der Einführung von DAB in Deutschland ist im Wikipedia-Artikel Digital Audio Broadcasting in Deutschland ausführlich dargestellt.
Frequenzen
mini|hochkant=1.8|DAB-Frequenzbereich VHF-Band III mini|Frequenzbereich Als Frequenzbereiche sind das VHF-Band I (47–68 MHz, aber keine Nutzung für Radio und Fernsehen mehr vorgesehen), das VHF-Band III (174–230 MHz), in einigen Ländern auch der „Kanal 13“ (230–240 MHz) sowie Teile des L-Bandes (um 1,47 GHz) für DAB eingeteilt. Das VHF-Band III wird in Deutschland für digitales Radio freigehalten; noch in diesem Frequenzband liegende Fernsehsender sollen in den UHF-Bereich verlagert werden. Die Frequenzen im L-Band eignen sich auf Grund der geringen technischen Reichweite nur zur lokalen DAB-Versorgung.
Für Digital Audio Broadcasting in Deutschland werden derzeit die folgenden Frequenzbereiche zur Übertragung verwendet: im VHF-Band III (174–230 MHz) die ehemaligen Fernsehkanäle 5 bis 12 im 1,5-GHz-Band (1452–1492 MHz) „L-Band“, das sogenannte Lokalband. Der Begriff leitet sich vom Radar-Frequenzbereich „L“ ab (1 bis 2 GHz) und ist keine offizielle Bezeichnung. Es ist eine direkte Sichtverbindung zum Sender nötig, was die Reichweite gering hält. Das L-Band wurde kaum für T-DAB genutzt und deswegen im Frühjahr 2015 im Rahmen der Digitalen Dividende II als E-UTRA Band 32 an die LTE-Mobilfunkanbieter Telekom Deutschland und Vodafone vergeben.Mobiles Breitband-Projekt 2016. Bundesnetzagentur – Frequenzauktion. In: bundesnetzagentur.de, 1. September 2015, abgerufen am 13. Dezember 2018.
Die T-DAB-Frequenzen sind in Blöcke unterteilt. Das VHF-Band III enthält beispielsweise die Blöcke 5A bis 12D.
Das Band III findet überwiegend Verwendung für die überregional ausgestrahlten Ensembles, während das L-Band, aufgrund höherer Kosten, bei DAB zur Ausstrahlung lokaler Ensembles genutzt wurde. Inzwischen wurden aber laufend L-Band-Netze in Band-III-Netze „umgewandelt“. Eine sehr langfristige Nutzung des L-Bandes für DAB war nie gesetzlich garantiert.
Da die Frequenzen im L-Band aufgrund der hohen Frequenz eine höhere Sendeleistung für eine gleichwertige Ausstrahlung im VHF-Band erforderten, wurde DAB im L-Band mit Sendeleistungen von bis zu 4 kW ausgestrahlt.
Ab dem 30. Mai 2006 wurde im Band III und im L-Band in einigen Ballungsräumen versuchsweise DMB ausgestrahlt, die Tests wurden aber spätestens Mitte 2011 eingestellt.
Marktsituation und konkurrierende Systeme mini|hochkant=1.1|DAB-III-Empfangsgerät Noxon Nova Von 2004 an stand für interessierte Verbraucher eine größere Auswahl an DAB-Empfangsgeräten zur Verfügung, womit ein Hemmnis aus den Anfangsjahren aus dem Weg geräumt wurde. Im Vergleich zu UKW-Empfängern war die Auswahl jedoch immer noch bescheiden. Für 2007 nannte die Universität Bonn eine Zahl von 546.000 DAB-Empfängern in deutschen Haushalten.Michael Fuhr: Studie: Mehr Interesse an DAB/Digital Radio als angenommen. Uni Bonn geht von 546.000 Geräten in deutschen Haushalten aus. In: teltarif.de, 8. April 2007, abgerufen am 13. Dezember 2018.
Inzwischen sind fast nur noch Empfänger für DAB+ im Handel erhältlich. Viele Hersteller haben ihre Modelle mit neuen mehrnorm-fähigen Chips ausgerüstet. Die Schweiz geht davon aus, dass mit der Migration der Sender von DAB auf DAB+ auch die Autogeräteindustrie nachziehen wird und ein ausreichendes Angebot von Autoradioempfängern auch für DAB+ ab 2012 anbieten wird.Webseite dabplus.ch: Häufig gestellte Fragen Auch hier ist es aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus kaum möglich, mit DAB allein den UKW-Hörfunk vollständig abzulösen.