Der Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri) ist die größte Art aus der Familie der Pinguine (Spheniscidae) und zählt zusammen mit dem Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) zur Gattung der Großpinguine (Aptenodytes). Es werden keine Unterarten für den Kaiserpinguin anerkannt. Auf Grund zahlreicher Infotainment- und Dokumentarfilme zählt der Kaiserpinguin zu den bekanntesten Pinguinarten. Der Film Die Reise der Pinguine, der die Brutpflege dieser Art thematisiert, wurde im Jahr 2006 mit einem Oscar ausgezeichnet. Der Bestand des Kaiserpinguins gilt seit einer Neubewertung durch die IUCN im Jahr 2026 als „stark gefährdet“.
Aussehen Der Kaiserpinguin erreicht eine Körpergröße zwischen 100 und 130 Zentimeter und wiegt zwischen 22 und 37 Kilogramm.Williams, S. 153. Es besteht weder ein Sexualdimorphismus noch ein jahreszeitlicher Unterschied in der Gefiederfärbung.
Ausgewachsene Kaiserpinguine haben einen schwarzen Kopf, ein schwarzes Kinn und eine schwarze Kehle. Der Übergang zwischen der Kehlfärbung und der gelblich-weißen Brust ist sehr scharf. Kaiserpinguine haben auffällige Ohrflecken, die etwa vier Zentimeter breit sind. Sie sind am oberen Ende leuchtend gelb und gehen dann in ein blasseres Gelb über. Die Körperoberseite ist dunkel graublau und wirkt kurz vor der Mauser, wenn das Gefieder sehr abgetragen ist, bräunlich. Die Körperunterseite ist weiß und auf der oberen Brust gelblich überwaschen. Die Flossen sind auf der Unterseite weißlich mit einem dunklen Flecken an der Spitze. Der Schnabel ist etwa acht Zentimeter lang und sehr schmal. Der Oberschnabel ist schwarz, der Unterschnabel variiert je nach Individuum zwischen rosa, orange oder violett. Die Iris ist braun. Die Füße und die Beine sind schwarz, die äußere Seite der Beine ist befiedert.
Jungvögel ähneln den Adulten, allerdings sind sie noch etwas kleiner und ihre Ohrflecken sind anfangs weißlich. Das Kinn und die Kehle sind weißlich grau, der Schnabel ist schwarz. Die Küken haben ein silbergraues Daunenkleid mit einer auffällig weißen Gesichtsmaske. Der Kopf ist schwarz.
Verwechslungsmöglichkeiten bestehen ausschließlich mit dem Königspinguin. Dieser ist allerdings etwas kleiner. Die gelborangen Gefiederpartien sind etwas leuchtender und schärfer abgegrenzt als beim Kaiserpinguin. Die Beine des Königspinguins sind außerdem nicht befiedert.
Stimme mini|Links ein rufender adulter Kaiserpinguin Kaiserpinguine haben laute trompetenartige Rufe. Ihre Lautäußerungen sind überwiegend in den Brutkolonien zu hören, gelegentlich geben sie allerdings auch auf offenem Wasser Kontaktlaute von sich. Kaiserpinguine, die an Land Kontaktrufe von sich geben, weisen in der Regel mit ihrem Schnabel nach oben. Der Kontaktruf währt etwa eine Sekunde. Rufe, die in Zusammenhang mit der Paarbildung stehen, sind komplexer in ihrem Rhythmus und bestehen aus einer Reihe wiederholter Silben, die von kurzen Pausen unterbrochen werden. Sie werden von beiden Geschlechtern gerufen. Der Ruf des Weibchens weist mehr Silben auf. Die Rufe sind individuell auf Grund der Reihung der Silben und den Pausen dazwischen unterscheidbar. Diese Rufe sind vor allem in der Zeit der Paarbildung zu vernehmen. Verpaarte Vögel sind nicht sehr ruffreudig, erst nach der Eiablage sind wieder Rufe zu hören. Paare rufen dann auch häufig gemeinsam.Williams, S. 155.
Drohrufe sind in der Regel sehr kurz und sehr variabel. Sie erinnern zum Teil an die Kontaktrufe, ähneln gelegentlich auch einem Grunzen. Die Kontaktrufe der Küken sind kurz und dauern etwa eine halbe Sekunde. Das individuelle Rufmuster eines Kükens entwickelt sich kurz nach dem Schlupf und verändert sich während der Nestlingszeit kaum. Der Ruf spielt eine erhebliche Rolle beim Finden von Elternvogel und Küken innerhalb der Brutkolonie.
Verbreitung und Bestand mini|Verbreitung des Kaiserpinguins: mini|Ein Kaiserpinguin springt an der Eiskante aus dem Wasser Der Kaiserpinguin ist zirkumpolar verbreitet und ist der am südlichsten lebende Pinguin. Er ist gleichzeitig das einzige Wirbeltier, das im antarktischen Inlandeis über längere Zeit verweilen kann. Der Lebensraum des Kaiserpinguins sind die kalten Gewässer der antarktischen Zone. Er hält sich innerhalb der Packeisgrenzen auf. Seine Brutgebiete liegen auf Meereis zwischen dem 66° und 78° S. Brutkolonien finden sich am Rand von Antarktika, der Antarktischen Halbinsel und angrenzenden Inseln. Irrgäste werden gelegentlich auch nördlich des 65° S beobachtet und sind gelegentlich auch vor Südgeorgien, der Heardinsel sowie vor Neuseeland gesehen.
Die Zahl der geschlechtsreifen und damit fortpflanzungsfähigen Kaiserpinguine wurde nach Auswertung von Satellitenaufnahmen (Stand 2012) auf 595.000 Tiere in 46 Kolonien geschätzt.Peter T. Fretwell, Michelle A. LaRue u. a.: An Emperor Penguin Population Estimate: The First Global, Synoptic Survey of a Species from Space. In: PLoS ONE. 7, 2012, S. e33751, doi:10.1371/journal.pone.0033751. – Zitiert nach Die wundersame Vermehrung der Kaiserpinguine – Spiegel Online. Abgerufen am 13. April 2012. Neuere Satelliten- und Drohnenaufnahmen (Stand 2024) ergaben 66 Kolonien rund um den antarktischen Kontinent mit 260.000 Brutpaaren. Zusammen mit den Jungtieren sind es etwa 600.000 Kaiserpinguine.
Brutkolonien liegen gewöhnlich auf flachem Meereis und befinden sich entweder in der Nähe der Eiskante oder bis zu 18 Kilometer weiter im Inland. Häufig liegen sie im Windschatten von Eisklippen, -hügeln oder -bergen.
Ernährung Der Kaiserpinguin ist ein Seevogel und jagt ausschließlich im Meer. Er ernährt sich von Fischen, Tintenfischen und Krill. Kaiserpinguine jagen in Gruppen. Sie schwimmen direkt in einen Fischschwarm hinein, bewegen sich dort schnell hin und her und schnappen nach allem, was vor ihre Schnäbel kommt. Kleinere Beutetiere fressen sie direkt im Wasser, mit größeren Beutetieren müssen sie an die Wasseroberfläche kommen, um sie dort zu zerteilen. Bei der Jagd legen die Kaiserpinguine große Entfernungen zurück und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 36 km/h und Tiefen von bis zu 535 Metern. Notfalls können sie bis zu zwanzig Minuten unter Wasser bleiben. Je heller es ist, desto tiefer tauchen sie. Als Sichtjäger spüren sie die Beute nicht durch ihr Gehör oder Echolot auf, sondern müssen sie sehen, um sie zu fangen.
Schutz vor Auskühlung Pinguine haben ein Gefieder, welches sich im Lauf der Evolution speziell angepasst hat. Sie haben 15 verschiedene Arten von Federn, vor allem sehr warme Daunen, zusammen bilden sie ein dichtes Gefieder. Mit Hilfe des Schnabels und der Füße reiben die Pinguine ihr Gefieder mit einem ölig-tranigen Drüsensekret ein, welches von der Bürzeldrüse (Hautdrüse) gebildet wird. Das Gefieder wird dadurch vollständig wasserdicht. Das Sekret hält die Federn weich und geschmeidig und hemmt außerdem das Wachstum von Pilzen und Bakterien. An der Bürzeldrüse scheidet ein Pinguin täglich bis zu einhundert Gramm Sekret aus. Pinguine wenden täglich viel Zeit für die Gefiederpflege auf. Während der einmal im Jahr auftretenden Mauser ist eine weitere Besonderheit zu beobachten. Während bei vielen anderen Vögeln sich bei der Mauser das Gefieder ausdünnt oder kahle Stellen sichtbar werden, ist dies bei Pinguinen nicht der Fall. Bei ihnen wachsen die neuen Federn unterhalb der Federschäfte des alten Gefieders. Wenn die neuen Federn größer werden, drücken sie die alten Schäfte schrittweise nach außen, bis die alten Federn abfallen. Dann kommt darunter bereits eine neue Feder zum Vorschein, die die Lücke sofort schließt und damit den Wärmeschutz aufrechterhält.
Unter dem Pinguingefieder haben Pinguine außerdem noch eine dicke Fettschicht, die jedoch außer beim Kaiserpinguin nicht signifikant zum Kälteschutz beiträgt. Das Gefieder macht rund 90 % der Isolierung bei einem Pinguin aus. Im Gegensatz zu Walen oder Robben dient die Fettschicht des Pinguins hauptsächlich als Nährstoffvorrat und kaum zum Kälteschutz. Wie effizient das Gefieder verhindert, dass Körperwärme nach außen dringt, zeigt sich bei Kaiserpinguinen, die nach Schneestürmen zum großen Teil mit Schnee bedeckt sind. Der Schnee beginnt praktisch nicht zu schmelzen, weil die Temperatur an der Körperoberfläche nur unwesentlich über 0 °C liegt.
mini|Huddle von Kaiserpinguinen Die Füße der Kaiserpinguine sind an der Unterseite nur sehr gering durchblutet und geben wenig Wärme an den eisigen Untergrund ab. Die Füße der Männchen sind an der Oberseite, auf der das Ei liegt, stark durchblutet.
Während sich tagsüber bei Sonneneinstrahlung eine Pinguinkolonie eher unregelmäßig auf der Eisfläche verteilt, rücken die Pinguine ab Sonnenuntergang zu sogenannten Huddles („Kuschelhaufen“) zusammen, um sich gegen Kälte und Wind zu schützen, insbesondere bei Stürmen ein überlebensnotwendiges Verhalten. Als soziale Tiere rücken sie eng zusammen, etwa 1000 Tiere bilden so eine Kuscheleinheit, die ständig in Bewegung ist. In der Mitte der Gruppe kann es bis zu 20, 25 Grad plus haben, am Außenrand herrscht bis zu minus 60 Grad. Deshalb wechseln die Tiere ständig ihren Platz. Die von ganz außen begeben sich ins Zentrum, und die dortigen Tiere, für die 20 Grad auf Dauer viel zu warm sind, suchen sich kühlere Stellen.
Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen mini|300px|Kaiserpinguine mit Jungtieren mini|Ei des Kaiserpinguins Kaiserpinguine pflanzen sich im Alter von drei bis sechs Jahren erstmals fort. Der Brut-Kreislauf der Kaiserpinguine beginnt etwa im März, im antarktischen Herbst, indem sie ihre Brutplätze auf dem stabilen Meereis nahe der Küste suchen. Sie wandern bis zu 200 Kilometer landeinwärts über das gefrorene Meer zu ihren Brutplätzen. Diese müssen in Gegenden liegen, in denen im antarktischen Sommer das Eis nicht schmilzt. Im April beginnt die Paarungszeit mit der Balz und im Mai/Juni (antarktischer Winter) fangen sie mit der Brut an. Sie bauen kein Nest wie andere Pinguinarten, sondern bilden gemeinsam in Talsenken oder im Windschatten von Anhöhen gelegene Kolonien, in denen die Tiere oft den Ort wechseln. An warmen Tagen ziehen sich die Kolonien weitläufig auseinander. Die Paarungspartner erkennen sich an stimmlichen Merkmalen, wobei die oft überzähligen Weibchen um die Gunst der Männchen buhlen.
Zwischen Mai und Juni legt das Weibchen ein einziges Ei, welches rund 450 Gramm wiegt, und übergibt es sofort dem Männchen. Das Weibchen verlässt nach der Ablage die Brutkolonie und kehrt ins Meer zurück, wo es auf Nahrungssuche geht. Das Männchen legt sich das Ei auf die Füße, bedeckt es mit seiner Bauchfalte und trägt es so umher. Dabei kann es vorkommen, dass das Ei von den Füßen auf das Eis rollt. In diesem Fall stirbt der Embryo nach ein bis zwei Minuten unweigerlich ab. Um sich vor dem eisigen Wind zu schützen, rücken die Tiere eng zusammen, wechseln jedoch ständig ihre Plätze, so dass jedes Tier einmal am Rand und einmal im wärmeren Inneren der kreisförmig zusammengezogenen Kolonie steht.
Die Küken schlüpfen nach etwa 64 Tagen Brutzeit ab Mitte Juli und haben bis zum Januar (Sommer auf der Südhalbkugel) Zeit flügge zu werden. Sie tragen einen feinen grauen Flaum. Ihr Köpfchen ist schwarz und rund, um die Augen haben sie einen weißen Ring. Zunächst verbleiben sie in der Bauchfalte der Männchen. Die Männchen füttern ihre Jungen mit einer milchigen Substanz (Trophallaxis), wobei sie während der Brutphase ein Drittel ihres Körpergewichtes verlieren.