mini|hochkant=1.2|Stadtansicht von Westen Querfurt ist eine Stadt im Saalekreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie liegt westlich von Halle (Saale).
Geografie Die Stadt Querfurt liegt im südöstlichen Harzvorland auf der sogenannten Querfurter Platte im Tal der namensgebenden Querne. Sie durchfließt die Altstadt von West nach Ost.
Stadtgliederung Folgende Stadtteile sind ausgewiesen: Ortschaft Eingemeindung Gatterstädt 11. Mai 1995 Grockstädt (mit Kleineichstädt und Spielberg) 1. Januar 2004 Leimbach 1. Januar 2004 Lodersleben 11. Mai 1995 Querfurt (mit Ortsteilen) – Schmon (mit Hermannseck, Oberschmon und Niederschmon) 1. Januar 2004 Vitzenburg (mit Liederstädt, Pretitz und Zingst) 1. Januar 2004 Weißenschirmbach (mit Birkenschäferei und Gölbitz) 1. Januar 2004 Ziegelroda (mit Landgrafroda) 1. Januar 2004
Zuerst wurden am 11. Mai 1995 Gatterstädt und Lodersleben aus der Verwaltungsgemeinschaft Querfurt eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995 Dann wurden am 1. Januar 2004 die ehemals selbstständigen sechs Gemeinden aus der Verwaltungsgemeinschaft Forst Hermannseck, nämlich Grockstädt, Leimbach, Schmon, Vitzenburg, Weißenschirmbach und Ziegelroda, eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004 mini|Leimbach, Luftaufnahme (2018) mini|Kleineichstädt, Luftaufnahme (2018)
Östlich erstreckt sich der Windpark Esperstedt-Obhausen.
Die Ortschaften von Querfurt (anklickbare Karte)
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Allstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) und Farnstädt im Norden, Obhausen, Nemsdorf-Göhrendorf und Barnstädt im Osten, Nebra und Kaiserpfalz (beide Burgenlandkreis) im Süden und Roßleben-Wiehe (Kyffhäuserkreis) im Westen.
Geschichte Ur - Und Frühgeschichte Auf bronzezeitliche Spuren weist das Depot von Querfurt.
Die fruchtbaren Schwarzerdeböden der Querfurter Platte lockten bereits in der Ur- und Frühgeschichte Menschen in die Region. Erste Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis in das 8. Jahrtausend v. Chr. zurück. Zwischen 3.500 und 2.800 v. Chr. siedelten sich hier Bauern der Salzmünder bzw. Bernburger Kultur an. Das Großsteingrab Langeneichstädt unweit von Querfurt ist hierfür charakteristisch. Aus der Zeit der Schnurkeramik und der Glockenbecherkultur stammen zahlreiche Grabhügel die noch heute rudimentär, perlenschnurartig aufgereiht, im Ziegelrodaer Forst erhalten sind.
Die Aunjetitzer Kultur ist bestimmend für die Frühbronzezeit (2.200–1.600 v. Chr.) in Mitteldeutschland. Mit ihr verbunden ist der Fund der weltbekannten Himmelsscheibe von Nebra auf dem Mittelberg im Ziegelrodaer Forst. Nachweise für eine Besiedlung dieser Kultur fanden sich beispielsweise im Bereich des Vorburggeländes der Burg Querfurt oder auch nahe der Ortschaft Schmon in Form eines Hortfundes bestehend aus u. a. zwei bronzenen Schwertern. Auch aus der Eisenzeit (um 800 v. Chr.) lassen sich Siedlungsspuren, insbesondere im Bereich des heutigen Friedhofs und entlang der Querne, in Querfurt nachweisen. Gräber aus der Völkerwanderungszeit (4.–6. Jahrhundert n. Chr.) wurden bei der Erschließung des Neubaugebietes Süd entdeckt.
Mittelalter Bis zum Sieg der Franken bei der Schlacht an der Unstrut im Jahr 531 gehörte der Raum Querfurt dem Thüringer Reich an. In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Querfurt als zehntpflichtiger Ort Curnfurt im Friesenfeld erstmals urkundlich erwähnt. Dort wird auch der heute nicht mehr existente Nachbarort Kunisch genannt.Reg. Thur. Nr. 287. Querfurt war die Stammburg der Edlen Herren von Querfurt. 974 wird als Geburtsjahr des heiligen Brun von Querfurt als der erste beurkundete Vertreter dieses Adelsgeschlechts angegeben.
In einer Urkunde des Halberstädter Bischofs Gardolf von 1198, wird die innere Stadtmauer erwähnt, was bedeutet, dass Querfurt zu dieser Zeit bereits über Stadtrecht verfügte. 1229 begründeten die Edlen Herren die jüngere Linie der Grafen von Mansfeld. In die Zeit um 1250 fällt die erste Erwähnung einer Lateinschule. 1357 folgt der Bau einer zweiten, der äußeren Stadtmauer. Im Jahr 1455 wird vom Bau einer Dingebank, dem Sitz des Gerichtes berichtet. Die Querfurter Hauptlinie des ansässigen Adelsgeschlechtes erlosch mit dem Tode Brunos XI. im Jahr 1496. Ihr Territorium bildete nach dem Tod das magdeburgische Amt Querfurt.
Renaissance Nach dem Tod des letzten der Edlen Herren fiel die Herrschaft Querfurt als „erledigtes Lehen“ 1496 an das Erzbistum Magdeburg. Auf Geheiß von Kardinal Albrecht von Brandenburg fanden umfangreiche Bauarbeiten auf der Burg statt. 1542 fand der erste überlieferte evangelische Gottesdienst statt. 1631 hielt sich der Schwedenkönig Gustav II. Adolf eine Nacht in Querfurt auf. Zu dieser Zeit wurde die Burg erstmals erobert. Im Prager Separatfrieden des Jahres 1635 fiel die Herrschaft Querfurt an Kursachsen, verblieb allerdings bis 1650 wegen ausstehender Reparationszahlungen noch in schwedischer Hand.
Schwere Stadtbrände der Jahre 1621, 1655 und 1678 prägten die Geschichte Querfurts in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nach Überlieferungen wurden 101 Gebäude zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte im Stil des Barock, der noch heute in der Altstadt dominierend ist.
1663 wurde Querfurt Sitz des reichsunmittelbaren Fürstentums Sachsen-Querfurt, dem Kurfürst Johann Georg II. landeshoheitliche Rechte zubilligte und Kaiser Leopold I. Sitz und Stimme im Kreistag im Obersächsischen Reichskreis gewährte, daher auch die oft anzutreffende Bezeichnung Sachsen-Weißenfels-Querfurt, obwohl beide Gebietsteile einen staatsrechtlich unterschiedlichen Status hatten.
Mit den Herzögen des Fürstentums Sachsen-Weißenfels ist eine rege Bautätigkeit, insbesondere auf der Burg, verbunden. Auch das Rathaus wurde dem Stil der Zeit angepasst und erhielt zwischen 1699 und 1701 den noch heute den Marktplatz bestimmenden 30 Meter hohen Archivturm.
Neuere Neuzeit Die Stadt war bis 1815 Sitz des sächsischen Amtes Querfurt.
Im Zuge des Wiener Kongresses 1815 sprach man das Amt Querfurt dem Königreich Preußen zu. Im Jahr 1819 wurde die Ämterstruktur aufgelöst und der Kreis Querfurt gegründet, der u. a. die Städte Freyburg (Unstrut), Nebra (Unstrut) und Mücheln (Geiseltal) umfasste. Anlässlich eines Manövers hielt sich der preußische König Friedrich Wilhelm IV. 1844 in Querfurt auf und wohnte im noch heute existierenden Gasthof „Goldener Stern“. Nach der Reichsgründung von 1871 wurden Zuckerfabrik, Kalkwerk, Eisenbahn, Postgebäude, Amtsgericht, Stadtschule, E-Werk usw. gebaut und zeugen noch heute von der Entwicklung in der „Gründerzeit“. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt Querfurt eine öffentliche Wasserversorgung. Ebenso erfolgte der Anschluss an das Telefonnetz. Um diese Zeit gab es auch einen Pferdemarkt in Querfurt.Querfurt, Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 649.
mini|25 Pfennig Notgeld aus dem Jahre 1921 Luftangriff Kurz vor Einmarsch US-amerikanischer Bodentruppen war Querfurt unvorbereitet am 11. April 1945 mittags das Ausweichziel einer Staffel von sechs Bombern vom Typ Douglas A-26 der 9th Air Force, die in Naumburg nicht zum Zuge gekommen waren. Sie warfen ihre Bomben in ein Wohnviertel (An der Geistpromenade, Lindenstraße, Daheimstraße), wobei eine Reihe von Häusern zerstört oder beschädigt und 26 Menschen getötet wurden.Jürgen Möller: Kriegsende an Saale und Unstrut. April 1945. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2013. ISBN 978-3-86777-456-7. S. 35–38. Auf der Gedenkstele „An der Geistpromenade“ sind 24 Namen verzeichnet, davon 17 weiblich.
Schachproduktion, VEB Holzwaren Nach dem Kriegsende wurden die größeren Betriebe verstaatlicht und damit in sog. Volkseigene Betriebe umgewandelt. Ein solcher Betrieb in Querfurt war die VEB Holzwaren. Ab 1953 wurden von dieser mit 40 Angestellten Schachfiguren und -Zubehör hergestellt. Die Figuren wurden aus Holz an Drehmaschinen hergestellt, bis auf den Springer, der geschnitzt wurde. Bis zu 14 Arbeitsgänge waren notwendig, um die Schachspiele versandfertig zu gestalten.
Nach der Ausstellung auf der Frühjahrsmesse in Leipzig 1954 wurde zunächst nach Dänemark sowie in die Sowjetunion exportiert. Später wurden Ziele in der ganzen Welt beliefert (Ghana, Kanada, Singapur, Ägypten, Kuba, Pakistan, Australien u. a.). Nachdem anfangs nur die Figuren inklusive Holz-Schächtelchen hergestellt wurden, erfolgte später die Herstellung transportabler Schachtische inklusive des damals dem Zeitgeist entsprechendem, eingelassenen Aschenbechers.
Im Jahre 1960 wurde die internationale 14. Schacholympiade in Leipzig vom VEB Holzwaren aus Querfurt ausgestattet. Drei Jahre später wurde 1963 die gesamte Produktionskraft den Schachartikeln zugeteilt. Zum 1. Juli 1965 wurde der Betrieb mit den VEB Holzwaren Naumburg zusammengeschlossen. Nach Jahren der erfolgreichen Produktion wurde bekannt gegeben, dass die Nachfrage im Wesentlichen gedeckt sei. So wurde der VEB Holzwaren 1976 an die VEB Elmett Hettstedt angeschlossen und produzierte ab dann Zubehör für Fernsehgeräte.
Neben dem VEB Holzwaren gab es in Querfurt eine unabhängige, ca. 100 Jahre bestehende, kleine Tischlerei, die ebenfalls Schachfiguren herstellte. Diese stellte nach der Verstaatlichung im Jahre 1972 die Produktion dieser Artikel ein, um sich anderen Produkten zu widmen.
Kreiszugehörigkeit Querfurt war von 1816 bis 1952 Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Querfurt und von 1952 bis 1994 des Kreises Querfurt im Bezirk Halle (ab 1990 im Land Sachsen-Anhalt), der durch die Kreisgebietsreform 1994 mit dem Kreis Merseburg zum Landkreis Merseburg-Querfurt (mit dem Kreissitz in Merseburg) zusammengelegt wurde. Im Jahr 2007 entstand durch eine weitere Kreisreform der Saalekreis, zu dem Querfurt seitdem gehört.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 9.529 2005 12.824 2010 11.833 2015 10.984 2020 10.454 Jahr Einwohner 2021 10.321 2022 10.045 2023 10.037 2024 10.007 2025 9.868
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 1990 und 2005 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Querfurt besteht aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Liste Querfurt 25,7 % 7 36,8 % 10 AfD 19,0 % 5 28,8 % 8 CDU 13,3 % 4 13,1 % 4 Die Linke 11,5 % 3 7,0 % 2 FDP 13,8 % 4 6,5 % 2 SPD 13,5 % 4 6,4 % 2 Bündnis 90/Die Grünen 3,3 % 1 1,5 % – Insgesamt 100 % 28 100 % 28
Bürgermeister 1990–2015: Peter Kunert (FDP) 2015–2017: Nicole Rotzsch (CDU) seit 2017: Andreas Nette (SPD)
Rotzsch wurde am 1. März 2015 mit 53,2 % der gültigen Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 1. März 2015 Im Juni 2017 erklärte sie, dass sie am 6. August 2017 von diesem Posten zurücktreten werde, um Geschäftsführerin der Heilpädagogischen Hilfe Querfurt zu werden.
Am 24. September 2017 wurde Nette mit 70,6 % der gültigen Stimmen zu ihrem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 24. September 2017 Am 9. Juni 2024 wurde er ohne Gegenkandidat mit 87,2 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Flagge Die Flagge ist rot-weiß (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Stadtwappen belegt.
Dienstsiegel Die Stadt führt ein Dienstsiegel mit der Umschrift „STADT QUERFURT“ das Siegelbild ist das Wappen der Stadt.
Partnerstädte