Der Kreis Unna liegt im Zentrum des Landes Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Arnsberg. Er existiert dem Namen nach seit dem 17. Oktober 1930 (durch Umbenennung des Landkreises Hamm) und im jetzigen Zuschnitt seit dem 1. Januar 1975. Er ist Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe und im Regionalverband Ruhr. Die Kreisstadt ist Unna; die einwohnerreichste Stadt ist Lünen.
Geographie Lage Der Kreis Unna lässt sich drei Landschaftszonen und Regionen zuordnen. Er bildet zusammen mit Hamm das östliche Ruhrgebiet. Der Süden des Kreises bildet die Grenze zum Sauerland, und die nördlichen Gemeinden des Kreises sind naturräumlich dem Münsterland zugehörig. Im Kreis Unna erheben sich das Ardeygebirge und der Haarstrang.
Sowohl die Ruhr als auch die Lippe und die Seseke fließen durch den Kreis. Im Kreisgebiet entspringt die Emscher.
Der Kreis ist, selbst für NRW-Verhältnisse, ein ausgesprochen dicht besiedelter Landkreis. Gleichwohl (und nicht zuletzt aufgrund des geringen Waldflächenanteils) dominieren in der Flächennutzung des Kreises die landwirtschaftlichen Flächen, so dass er, trotz der hohen Bevölkerungsdichte, in weiten Bereichen seinen ländlichen Charakter bewahren konnte.
Gemeinden
Der Kreis Unna gliedert sich mit seinen Einwohnern () in zehn kreisangehörige Gemeinden, darunter zwei Große kreisangehörige Städte (in der Tabelle grün), fünf Mittlere kreisangehörige Städte (gelb) und eine weitere kreisangehörige Stadt (orange). Für ihre örtlichen Angelegenheiten sind die Gemeinden grundsätzlich selbst zuständig, während der Kreis für kleinere Kommunen (rot) örtliche und ansonsten überörtliche Aufgaben übernimmt.
Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Bergkamen km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 978 004 Bönen km² kreisangehörige Gemeinde 05 978 008 Fröndenberg/Ruhr km² kreisangehörige Stadt 05 978 012 Holzwickede km² kreisangehörige Gemeinde 05 978 016 Kamen km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 978 020 Lünen km² große kreisangehörige Stadt 05 978 024 Schwerte km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 978 028 Selm km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 978 032 Unna km² große kreisangehörige Stadt 05 978 036 Werne km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 978 040 km² Kreis Unna 05 978 (Einwohnerzahlen vom )
Die Einwohnerzahl des Kreises Unna ist seit 2000 von rund 430.000 bis 2022 auf rund 398.000, also um circa 7 %, gesunken.
Nachbarkreise und -städte Der Kreis Unna grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an den Kreis Coesfeld, an die kreisfreie Stadt Hamm, an den Kreis Soest, an den Märkischen Kreis, an die kreisfreien Städte Hagen und Dortmund sowie an den Kreis Recklinghausen.
Geschichte mini|Kreishaus Unna
Das Gebiet des Kreises Unna gehörte mit Ausnahme der späteren Lüner Stadtteile Altlünen und Brambauer, des Schwerter Stadtteils Ergste und der Städte Selm und Werne zur Grafschaft Mark und nach deren Ende 1609 zu Brandenburg/Preußen. 1753 wurde dessen Aufteilung reformiert. Der erste Kreis Hamm wurde gegründet. Während der Franzosenzeit unter Napoleon war er Teil des Ruhrdistrikts, später wurde der Kreis mit einigen Veränderungen neu gegründet. Am 1. April 1901 verließ die Stadt Hamm den Kreis und wurde kreisfrei. Trotzdem blieb die Verwaltung des Kreises vorerst in Hamm. Die Gemeinden Holzwickede (einschließlich eines Teils der Gemeinde Sölde), Hengsen und Opherdicke wurden am 1. Oktober 1929 aus dem aufgelösten Landkreis Hörde in den Landkreis Hamm eingegliedert. Dessen Kreisverwaltung wurde nach Unna verlegt und der Kreis mit Wirkung vom 17. Oktober 1930 in Kreis Unna umbenannt. Spätere Neuordnungen veränderten die Grenzen des Kreises weiter. So verlor er unter anderem am 1. Januar 1968 die Gemeinde Niederaden an die damals noch kreisfreie Stadt Lünen und am 1. Juli 1969 die Gemeinde Sönnern an die Stadt Werl, Landkreis Soest. Bei der Kreisgebietsreform, die am 1. Januar 1975 wirksam wurde, verlor der Kreis Unna die Gemeinden Pelkum, Rhynern (ohne Hilbeck, das in den Kreis Soest und dort zur Stadt Werl kam) und Uentrop an die Stadt Hamm. Die Städte Lünen, Schwerte und Werne sowie die Gemeinde Selm – die am 27. September 1977 die Stadtrechte erhielt – wurden in den Kreis Unna eingegliedert.
Bevölkerung Einwohnerstatistik
mini|400px|Einwohnerentwicklung des Kreises Unna von 1975 bis 2017 (blau) und seiner Vorgängerkreise mini|400px|right|Bevölkerungspyramide für den Kreis Unna (Datenquelle: Zensus 2011)
Jahr Einwohner 1975 375.309 1980 386.966 1985 390.970 1990 406.434 1995 422.662 2000 431.740 2005 423.830 Jahr Einwohner 2010 411.806 2015 396.035 2016 393.869 2017 393.934 2020 393.618 2022 398.866
Laut einer Prognose des Statistischen Landesamtes IT.NRW von 2015 geht die Einwohnerzahl des Kreises von 2014 bis 2040 um ca. 36.000 Einwohner oder knapp 10 % zurück.
Bei den Erwerbspersonen hingegen prognostiziert IT.NRW für den gleichen Zeitraum sogar einen Rückgang um ca. 40.000, was über 20,7 % entspricht und damit prozentual mehr als das Doppelte ausmachen würde (Männer: von 106.292 auf 85.800; Frauen von 88.513 auf 68.700). Das kann für den Kreis Unna neben dem allgemeinen Bevölkerungsrückgang nur mit einem beschleunigten demographischen Wandel (Altenquote) erklärt werden, da z. B. für die benachbarten Städte Dortmund und Hamm prozentual die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung mit der voraussichtlichen Entwicklung der Erwerbspersonen für den gleichen Zeitraum (2014–2040), entgegengesetzt zu der prognostizierten Entwicklung des Kreises Unna, sich etwa die Waage hält (Dortmund +3 %, Hamm −3,2 %). Die Gründe dafür wurden nicht genannt.
Die Bevölkerungspyramide aus dem Zensus 2011 zeigt mit rd. 23.000 über 80-jährigen Einwohnern des Kreises einen prozentualen Anteil von 27 % der insgesamt rund 85.000 über 65-jährigen Einwohner. Noch deutlicher wird der steigende Altersdurchschnitt der Einwohner, vergleicht man die Zahl der über 80-Jährigen mit der aller über 65-Jährigen über einen Zeitraum von 30 Jahren, von 1990 bis 2020. 1990 betrug der Anteil der über 80-Jährigen unter den über 65-Jährigen nur rd. 23 % (13.000 Ü80 gegenüber 56.000 Ü65); bis 2020 ist dieser Anteil auf rund 32 % (29.000 Ü80 gegenüber 91.000 Ü65) gestiegen. Damit hat der Kreis Unna das Land NRW von 1990 bis 2020 beim Altersdurchschnitt überholt; d. h. die Menschen im Kreis werden nicht nur immer älter, sondern in den zehn Gemeinden des Kreises altert die Gesellschaft auch stärker als in anderen Regionen von NRW. Der Anteil der über 80-Jährigen an der gesamten Einwohnerzahl des Kreises Unna stieg von 3,2 % im Jahr 1990 auf 7,4 % im Jahr 2020.Marcus Land: Kreis Unna überholt NRW von 1990 bis 2020 beim Altersdurchschnitt. Ruhr Nachrichten, 15. Oktober 2021, abgerufen am 16. Oktober 2021.
Lt. IT.NRW lebten am 30. Juni 2021 im Kreis 393.123 Einwohner, davon 201.543 Frauen (51,3 Prozent) und 191.580 Männer (48,7 Prozent).Kevin Kohues: Einwohnerzahlen: Drei Städte im Kreis Unna verlieren deutlich. Ruhr Nachrichten, 16. Oktober 2021, abgerufen am 20. Oktober 2021.
Eine neue Bevölkerungsvorausberechnung von IT.NRW von 2021 bis 2050 sagt einen Rückgang um 5 % auf 371.530 Einwohner voraus.
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 30,9 % der Einwohner evangelisch, 28,6 % katholisch und 40,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 27. Juli 2024
Politik Kreistag Die Sitzverteilung im Kreistag nach Fraktionen und Gruppen ist seit der Kommunalwahl 2025 wie folgt:
Die Wahlbeteiligung lag bei 56,6 %.
Landrat Im Zuge der Kommunalwahl 2025 wurde Mario Löhr (SPD) im ersten Wahlgang mit 58,8 % der Stimmen wiedergewählt. Er hat das Amt seit der Kommunalwahl 2020 inne.
Landräte Friedrich Böckmann (SPD): 1970–1988 Rolf Tewes (SPD): 1988–1999 Gerd Achenbach (SPD): 1999–2004 Michael Makiolla (SPD): 2004–2020 Mario Löhr (SPD): seit 2020
Oberkreisdirektoren Lothar Voit (SPD): 1956–1976 Karl-Heinrich Landwehr (SPD): 1976–1999
Wappen und Flagge
Das Wappen des Kreises Unna ist eine Kombination der beiden Wappenzeichen der Grafen von der Mark.
Den unteren Teil bildet der rot-silberne (rot-weiße) märkische Schachbalken auf goldenem Grund aus dem Wappen der Grafschaft Mark, welcher vom Grafen Adolf I. von der Mark um 1220 eingeführt wurde und heute noch von der Stadt Hamm im Wappen geführt wird. Nachgewiesen ist der Schachbalken in einem Reitersiegel Adolfs in einer Urkunde desselben Jahres.
Darüber im ranghöheren Feld ist auf goldenem (gelbem) Grund ein roter, unbekrönter, einschwänziger rechtsaufsteigender Löwe dargestellt, welcher vermutlich eine Anspielung auf das ältere altenaische Wappen der Grafen Friedrich von Berg-Altena(-Mark), Adolf I. von der Mark und Otto von Altena ist. Diese hatten umfangreichen Allodial- und Lehnsbesitz im Gebiet des heutigen Kreises Unna, das zusammen mit Hamm (Burg Mark) einen ihrer Besitzschwerpunkte bildete. Allerdings führten diese Grafen von Altena einen schwarzen Löwen mit roten Waffen und goldener Krone. Adolf und Otto führten ihn schon in der auch in diesem Wappen gezeigten Kombination mit dem Schachbalken. Der rote steigende, aber doppelschwänzige Löwe findet sich im Wappen der Grafen von Berg aus dem Hause Limburg und zeigt blaue Waffen und Krone. Beide Häuser, Altena und Berg, waren über Irmgard von Berg verwandt; jedoch heiratete diese erst 1218 Heinrich IV. von Limburg. Zu diesem Zeitpunkt führten die Häuser Altena-Isenberg und Altena-Mark bereits die Rose auf silbernem Grund bzw. den schwarzen Löwen auf goldenem Grund.
Die größte Stadt des Kreises, Lünen, trägt in ihrem Wappen ebenfalls einen rechtsaufsteigenden, jedoch zweischwänzigen Löwen.
Die Flagge des Kreises Unna ist rot-weiß geteilt mit dem aufgelegten Wappen in der Mitte.
Kreispartnerschaften Der Kreis Unna unterhält seit 1967 eine Kreispartnerschaft mit dem Kirklees Metropolitan Council in England.
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde eine Partnerschaft zum brandenburgischen Kreis Templin aufgebaut, die – nach kommunaler Neuordnung – von dessen Nachfolgekreis Uckermark fortgeführt wird.
Des Weiteren besteht seit 1997 eine Partnerschaft mit dem polnischen Powiat Nowosądecki.Kreis Unna – Partner- und Patenschaften
Wirtschaft und Verkehr Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Kreis Unna Platz 252 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft. In der Ausgabe von 2019 lag er auf Platz 234 von 401.
Die durchschnittlichen Primäreinkommen der Einwohner in den Gemeinden unterscheiden sich geographisch innerhalb des Kreises Unna erheblich. Sie liegen in den nördlichen Gemeinden Bergkamen (19.651 Euro), Lünen (19.823 Euro) und Bönen (20.290 Euro) weit unter dem Landesdurchschnitt, hingegen in der Kreisstadt Unna (27.723 Euro) sowie in den südlichen Gemeinden Schwerte (27.601 Euro), Fröndenberg (27.974 Euro) und insbesondere Holzwickede (30.002 Euro) weit darüber (Stand: 2016).
Per 2018 hat sich das Ranking deutlich geändert. Nun liegt Werne mit € 43.131,-- p.P klar vorn an erster Stelle, gefolgt von Schwerte mit € 42.983,-- pro Person, während Bergkamen mit € 34.650,-- auf dem 9. Platz liegt. Am wenigsten verdienen die Lüner Bürger auf dem 10. und letzten Platz im Kreis mit € 34.085,-- pro Einwohner, mithin ca. € 9.000,-- p. a. pro Einwohner weniger als die Bürger und Bürgerinnen von Werne und Schwerte, mithin etwa je € 750,-- weniger im Monat. Sie haben somit ca. € 25,00 pro Tag/pro Person weniger zur Verfügung.
Luftverkehr