Der Kreis Wesel ist ein Kreis in Nordrhein-Westfalen. Er liegt am unteren Niederrhein und am Nordwestrand des Ruhrgebiets. Er gehört zum Regierungsbezirk Düsseldorf und ist Mitglied im Landschaftsverband Rheinland, im Regionalverband Ruhr und in der Euregio Rhein-Waal. Sitz des Kreises ist die Stadt Wesel.
Geographie Lage Der Kreis Wesel mit seiner Gesamtfläche von 1042,4 km² bei einem Durchmesser zwischen 45 und 48 km ist ein Landkreis des Niederrheins und gleichzeitig Bindeglied zwischen der Metropolregion Rhein-Ruhr (dessen Teil er ist) und den Niederlanden. 45 Prozent des Kreisgebiets (die Städte Dinslaken, Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg, Voerde und Wesel) gehören zur Ballungsrandzone, in welcher rund 80 Prozent der Einwohner des Kreises leben. In besonderem Maße wird die Entwicklung des Kreises jedoch durch seine Lage beiderseits des Rheins bestimmt. Die koordinierte Nutzung der Rheinschiene war das wesentliche Argument für die Bildung rheinüberschreitender Kreise 1975. Der Kreis Wesel hat mit 44 km links- und 30 km rechtsrheinischem Ufer den größten Anteil am Rhein in Nordrhein-Westfalen. Die Lippe und der Wesel-Datteln-Kanal (Länge im Kreisgebiet je 23 km) münden in Wesel in den Rhein. Die Kreisaußengrenze ist 250,6 km lang. Die Berghalde Lohberg-Nord ist mit 120, 6 m ü. NN die höchste künstliche Erhebung im Kreis. Im Balberger Wald in der Sonsbecker Schweiz besteht die höchste natürliche Erhebung mit 88,9 m. Der Mittelpunkt (Schwerpunkt) des Kreises liegt im Industriegebiet Voerde-Emmelsum. Die Rheinauen Reeser Schanz, nördlich von Vynen bezeichnen die niedrigste Stelle im Kreis Wesel mit 12,5 m ü. NN.
Gemeinden Der Kreis Wesel gliedert sich in 13 kreisangehörige Gemeinden, von denen sechs Mittlere kreisangehörige Städte und drei Große kreisangehörige Städte sind.
Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Alpen km² kreisangehörige Gemeinde 05 170 004 Dinslaken km² große kreisangehörige Stadt 05 170 008 Hamminkeln km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 170 012 Hünxe km² kreisangehörige Gemeinde 05 170 016 Kamp-Lintfort km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 170 020 Moers km² große kreisangehörige Stadt 05 170 024 Neukirchen-Vluyn km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 170 028 Rheinberg km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 170 032 Schermbeck km² kreisangehörige Gemeinde 05 170 036 Sonsbeck km² kreisangehörige Gemeinde 05 170 040 Voerde (Niederrhein) km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 170 044 Wesel km² große kreisangehörige Stadt 05 170 048 Xanten km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 170 052 km² Kreis Wesel 05 170 (Einwohnerzahlen vom )
Landschaft und Natur Während des Tertiärs wurde das Kreisgebiet bis in die Kölner Bucht hinein vom Meer überspült, so dass sich bis zu 300 m mächtige Ton- und Sand-Sedimente ablagerten, die im östlichen Kreisgebiet zum Teil noch heute abgebaut werden. Einige der nicht wiederbefüllten Tongruben haben sich zu wertvollen Lebensräumen entwickelt, wie beispielsweise das heutige Naturschutzgebiet Lichtenhagen bei Schermbeck.
Im Verlauf des Quartärs bildeten sich im weit verzweigten Flusssystem des Rheins Kies- und Sandablagerungen, die heute noch als Terrassen erkennbar sind. Während der ersten Kaltzeit entstand eine erste Hauptterrasse, die bis an die östliche Kreisgrenze heranreichte und sich im Westen bis zur Maas erstreckte. Die folgenden Kaltzeiten formten die überwiegend aus Kies und Sand entstandene Niederterrasse, die heute weite Teile des niederrheinischen Tieflands einnimmt und insbesondere zur Kiesförderung genutzt wird. Weiterhin entstanden Endmoränen wie die „Sonsbecker Schweiz“ bei Sonsbeck, die „Hees“ bei Xanten und die Binnendünen im „Diersfordter Wald“ bei Wesel.
Die als Kendel und Leyen bezeichneten einstigen Rheinverläufe und Bäche sind ebenso wie die als Donken bezeichneten Erhebungen typische Landschaftsbilder im Kreisgebiet. Während des 18. Jahrhunderts wurde der Rhein nach und nach begradigt und im gesamten Kreisgebiet Deiche angelegt, wodurch weite Teile der zuvor zwischen 4 und 6 km breiten Rheinaue vom Rhein und dessen Überflutungen abgeschnitten wurden und vertrockneten. Auch einige der damaligen Rheinschlingen wurden hierdurch vom Flusslauf getrennt und sind teils bis heute erhalten geblieben, ebenso wie wenige als „Meere“ bezeichnete Altwässer des Rheins, die wie das „Bislicher Meer“ überwiegend als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Eine der nur zwei noch weitgehend intakten Auenlandschaften im Kreisgebiet bildet das Naturschutzgebiet Bislicher Insel mit dem Xantener Altrhein, die zweite Auenlandschaft findet sich im Naturschutzgebiet „Lippeaue“ bei Schermbeck. Der Großteil der einstigen Rheinauen wird heute durch Deichvorland eingenommen, die überwiegend als Grünflächen landwirtschaftlich genutzt werden.
Im Kreisgebiet existieren 73 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 131 km². Die verbliebenen Auen und die Deichvorlande dienen heute als bedeutendes Überwinterungsgebiet für über 60.000 arktische Wildgänse und -enten. Rund 40 in der Roten Liste geführte Vogelarten nisten in diesen Gebieten. Aufgrund dieser großen Bedeutung als Lebensraum sind weite Teile der einstigen Rheinaue in den Kreisen Wesel und Kleve sowie der Stadt Duisburg als Feuchtgebiet „Unterer Niederrhein“ und als gleichnamiges Vogelschutzgebiet geschützt, um insbesondere die landwirtschaftliche Nutzung und die Förderung von Kies, Sand, und Salzen in diesen Gebieten zu reduzieren. Auch in anderen Teilen des Kreisgebietes waren früher ausgedehnte Feucht- und Wiesengebiete vorhanden, von denen aufgrund intensiver landwirtschaftlicher Nutzung nur noch wenige, wie beispielsweise das Naturschutzgebiet „Dingdener Heide“, erhalten blieben.
Weitere Naturschutzgebiete wurden in den im Kreisgebiet äußerst selten gewordenen Heidelandschaften eingerichtet, wie die „Loosenberge“ bei Schermbeck und die Kaninchenberge bei Hünxe. Weiterhin steht eine Vielzahl an Heidemooren unter Naturschutz, so zum Beispiel die Gebiete Schwarzes Wasser, „Schnepfenberg“, Großes Veen und die „Aaper Vennekes“. Um den Schutz von Natur und Landschaft weiterhin sicherzustellen, wurden zunächst Landschaftspläne für die Bereiche Hünxe/Schermbeck, Hamminkeln und Sonsbeck/Xanten, bald darauf auch für die Bereiche Alpen/Rheinberg, Dinslaken/Voerde und Wesel festgesetzt.
Nachbarkreise bzw. -städte Der Kreis Wesel grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Kreise Borken und Recklinghausen, an die kreisfreien Städte Bottrop, Oberhausen, Duisburg und Krefeld sowie an die Kreise Viersen und Kleve.
Geschichte Der Kreis Wesel ist wie fast alle Kreise in Nordrhein-Westfalen zum 1. Januar 1975 im Zuge des 2. Neugliederungsprogramms entstanden. Mit dem Niederrhein-Gesetz vom 9. Juli 1974 wurden wesentliche Teile der ehemaligen Kreise Dinslaken, Moers und Rees mit Teilgebieten der Kreise Borken und Recklinghausen zum neuen Kreis Wesel zusammengefügt. Vorher war bereits zum 1. Juli 1969 in der 1. Phase der Neugliederung die Gebietsreform auf der Gemeindeebene teilweise vorweggenommen worden. Für die Gebietsreform der Kreise wurde eine Reihe von Grundsätzen entwickelt, auf dessen Grundsätzen am 1. Januar 1975 der neue Kreis Wesel durch den Zusammenschluss von Gemeinden der Kreise Dinslaken, Moers und Rees mit einer Gesamtfläche von 1.042 km² und einer Einwohnerzahl von damals 387.000 gebildet worden ist. Nach der Einwohnerzahl war er damit der fünftgrößte der 31 Kreise Nordrhein-Westfalens. Der Fläche nach liegt der Kreis Wesel oberhalb der damaligen nordrhein-westfälischen Durchschnittsgröße von 973 km². Die Stadt Wesel wurde Sitz des neuen Kreises, obgleich Moers die Stadt mit der größten Einwohnerzahl im Kreis war; denn Wesel weist eine zentralere Lage auf und ist für die Einwohner der mit weniger Kompetenzen ausgestatteten Unterzentren leichter zu erreichen.
Zum Beginn des Jahres 2005 stellte die CDU-Fraktion im Kreistag den Antrag auf Umbenennung des Kreises Wesel in „Niederrhein-Kreis Wesel“ zwecks Identifikations- und Tourismus-Maßnahme entsprechend dem Vorbild des Rhein-Kreises Neuss. In einer informellen Internet-Umfrage bis zum Ende des Jahres sprachen sich aber 1579 von 2884 Abstimmenden gegen die Umbenennung aus. Der Antrag wurde daraufhin zurückgezogen.
Nachdem sich der Kreis Wesel durch den Verkauf seiner Aktienanteile an der RWE AG entschuldet hatte, forderten im April 2007 die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP und UWW im Rat der Stadt Wesel die Auflösung des Kreises Wesel und die Verteilung der Aufgaben auf die einzelnen Kommunen, wodurch die Kreisumlage eingespart und somit nach Auffassung der Fraktionen Kosten gesenkt werden könnten. Zur Auflösung des Kreises wäre allerdings die Änderung der Landesverfassung nötig, die den Kreisen Bestandsgarantien einräumt.
Zum Herbst 2007 bekräftigten die Fraktionen der CDU, der FDP und der Grünen im Kreistag sowie die Bürgermeister einiger kreisangehörigen Gemeinden ihr Vorhaben, zum nächstmöglichen Termin, dem 20. Oktober 2009, aus dem Regionalverband Ruhr (RVR) auszutreten. Begründet wurde dies mit Zweifeln an der Wirtschaftlichkeit der Mitgliedschaft im RVR sowie der Befürchtung, als Teil des Ruhrverbandes eine untergeordnete, fremdbestimmte Rolle zu spielen. Die für den Austritt nötige Zweidrittelmehrheit von 45 Stimmen des Kreistags wurde jedoch durch Gegenstimmen der SPD um drei Stimmen verfehlt.
Im März 2022 gab es einen erneuten Vorstoß der Fraktionen von CDU, Grünen und FDP, den Austritt aus dem RVR zu verwirklichen. In der Kreistagssitzung am 31. März 2022 wurde die für den Austritt notwendige Zweidrittelmehrheit von 45 Stimmen um vier Stimmen verfehlt.Pressemitteilung des Kreises Wesel vom 1. April 2022
Bevölkerungsentwicklung Im gesamten Kreisgebiet ist seit Ende der 1990er Jahre ein leichter Bevölkerungsrückgang festzustellen. Binnen sechs Monaten von Dezember 2005 bis Juni 2006 fiel so die Einwohnerzahl des Kreises von 476.428 auf 475.993. Einzige Ausnahmen im Kreisgebiet waren dabei Hamminkeln, das nach einem kleinen Bevölkerungsrückgang von 2004 nach 2005 einen erneuten Anstieg verzeichnete, und Xanten, das als einzige Stadt im Kreisgebiet seit über einem Jahrzehnt kontinuierlichen Zuwachs verzeichnet.
Amtliche Einwohnerzahlen am 31. Dezember:Landesdatenbank Nordrhein-Westfalen Jahr Einwohner 1975 408.149 1985 413.842 1995 465.454 1996 467.948 1997 469.980 1998 471.838 1999 473.367 2000 474.390 2001 476.240 Jahr Einwohner 2001 476.240 2002 477.906 2003 477.481 2004 477.164 2005 476.428 2006 475.433 2010 468.619 2013 457.033 2014 457.244 Jahr Einwohner 2015 462.664 2016 461.715 2017 460.666 2018 459.809 2019 459.976 2020 460.113 2021 460.433 2022 465.838
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 38,0 % der Einwohner römisch-katholisch, 32,9 % evangelisch, und 29,1 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an., Zensus 2011 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 32,7 % der Einwohner katholisch, 27,4 % evangelisch und 39,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 31. Juli 2024
Politik Ergebnisse der Kommunalwahlen 2025 im Kreis Wesel Die Sitzverteilung im Kreistag nach Fraktionen und Gruppen ist seit der Kommunalwahl vom 14. September 2025 wie folgt:
Die Wahlbeteiligung lag bei 58,1 %.
Landräte Im Zuge der Kommunalwahl vom 14. September 2025 wurde Ingo Brohl (CDU) mit Unterstützung von Bündnis 90/Die Grünen zum Landrat wiedergewählt. Er setzte sich in der Stichwahl mit 57,4 % gegen Dr. Peter Paic (SPD) durch.
Die Chronologie der Landräte des Kreises Wesel verzeichnet sieben Amtsinhaber: 1975 : Wilhelm Breuer, CDU (als Beauftragter für die Wahrnehmung der Aufgaben des Kreistages, des Kreisausschusses und des Landrats) 1975–1994: Werner Röhrich, SPD