mini|Kanal im Spreewald bei Lübbenau mini|Die Lage des Spreewaldes (blau markiert) in Brandenburg
Der Spreewald (, „die Sümpfe“) ist ein ausgedehntes Niederungsgebiet und eine historische Kulturlandschaft im Südosten Brandenburgs. Hauptmerkmal ist die natürliche Flusslaufverzweigung der Spree, die durch angelegte Kanäle deutlich erweitert wurde. Als Auen- und Moorlandschaft besitzt sie für den Naturschutz überregionale Bedeutung und ist als Biosphärenreservat geschützt (siehe Biosphärenreservat Spreewald). Der Spreewald als Kulturlandschaft wurde entscheidend durch die Sorben geprägt. Das Gebiet ist eines der bekanntesten und beliebtesten Reiseziele im Land Brandenburg. Insgesamt 222,8 Kilometer im Oberspreewald und 45,4 Kilometer im Unterspreewald sind als Landeswasserstraße klassifiziert.
Geografie Gliederung mini|links|Karte des Spreewalds Der Spreewald befindet sich in den Landkreisen Spree-Neiße, Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz. Er wird in den südlichen und größeren Oberspreewald und den nördlichen, kleineren Unterspreewald geteilt. Zwischen den beiden Teillandschaften vereinigt sich die Spree auf kurzer Strecke in der Stadt Lübben.
Die südliche Begrenzung des Spreewaldes ist der Lausitzer Grenzwall, der jedoch vom Spreewald nur ganz allmählich zu seinen weiter südlich gelegenen Haupthöhen ansteigt. Im Norden bildet der Übergang auf die trockene Lieberoser Heide eine markante Landschaftsgrenze. Die östliche und westliche Grenze des Oberspreewaldes ist etwas unscharf, da sich dort das Baruther Urstromtal jeweils fortsetzt. Der Tagebau Cottbus-Nord bildet heute die künstlich geschaffene Ostgrenze. Im Unterspreewald bilden die Krausnicker Berge im Westen und der Marienberg im Osten weithin sichtbare Landmarken für die Begrenzung. Anders als im Oberspreewald füllt der kleinere Unterspreewald die Niederung hier aber nicht komplett aus und ist auf den westlichen Teil beschränkt. Allgemein wird der Neuendorfer See als Nordgrenze des Spreewaldes angenommen. Die Flusslaufverzweigung endet jedoch erst einige Kilometer östlich mit der Einmündung der Pretschener Spree in die Hauptspree.
Geologie und Geomorphologie mini|Falschfarbenbild des Spreewaldes aus DGM1-Daten Die Landschaft wurde, wie ganz Brandenburg, im aktuellen Eiszeitalter geformt. Während die sich südlich anschließenden Höhen des Lausitzer Grenzwalles durch die Eisvorstöße während der vorletzten, der Saaleeiszeit, geformt wurden, entstanden der Spreewald und die sich nördlich anschließenden Gebiete in der darauf folgenden Weichseleiszeit. Der Spreewald gehört damit zum südlichsten Jungmoränenland. Während der Unterspreewald noch vollständig vom jüngsten Inlandeis bedeckt wurde, erreichte das Eis im Oberspreewald seine maximale Ausdehnung nach Süden. Dieser Vorstoß war aber von geringer Wirkung, so dass dort keine an der Oberfläche sichtbaren Spuren erkennbar sind. Erst nördlich, auf der Lieberoser Heide und auf den Krausnicker Bergen finden sich mit Endmoränen und Sandern die typischen Elemente der Glazialen Serie.
Der Oberspreewald selbst liegt vollständig im Baruther Urstromtal, welches die Schmelzwässer des Inlandeises nach Westen abführte. Der Unterspreewald hingegen liegt in einer Urstromtalung, die entstand, als die Schmelzwässer dort das Baruther Urstromtal nach Norden verließen. Als Ursache dafür wird eine Lücke im Endmoränenzug und die tiefe Lage des Rücklandes angesehen. Sowohl das Urstromtal als auch die nördlich sich anschließende Talung werden von mächtigen Sanden aufgebaut. Lediglich bei Leipe findet sich inselartig Geschiebemergel aus der Saaleeiszeit. Aufgrund der Lage in den Urstromtälern ist die Landschaft des Spreewaldes extrem flach und nahezu tischeben. Lediglich einige Dünen, die nach dem Versiegen der Schmelzwässer aus den Sanden aufgeweht wurden, ragen vor allem um Lübben und im Unterspreewald aus der Ebene auf. Etwas erhöhte und daher nicht vermoorte Gebiete werden als Kaupen bezeichnet.
Die vergleichsweise kleine Spree durchfließt heute die ausgedehnten Niederungen, die nicht von ihr, sondern von den vielfach größeren Schmelzwässern des Urstromes geschaffen wurden. Ihr Gefälle ist daher extrem gering. Zwischen Cottbus und dem Neuendorfer See (ca. 70 km Laufstrecke) beträgt es lediglich 15 m.
In der Nacheiszeit floss die Spree zunächst als mäandrierender und nicht als verzweigter Fluss durch das heutige Spreewaldgebiet.Zur Flussgeschichte der Spree Erst die Entstehung der charakteristischen Flusslaufverzweigung, in der Fachsprache als anastomosierender Fluss bezeichnet, führte zum heutigen Landschaftsbild. Begleitend kam es zu ausgedehnten Vermoorungen und der Bildung des Klocks, wie im Spreewald der Auelehm genannt wird. Die genaue Ursache und das Alter der Flusslaufverzweigung im Spreewald sind allerdings immer noch nicht hinreichend geklärt.
Böden mini|hochkant|Heuschober im Spreewald, auch „stog“ genannt Im Spreewald herrschen vom Grundwasser beeinflusste Böden (hydromorphe Böden) und Moorböden vor.Information zu den Bodengesellschaften gibt es auf den Internetseiten des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg online Auf etwas höher gelegenen, hochwasserfreien Standorten findet man vor allem Gleye. Übergangsformen zur Braunerde sind dabei häufig. Auf den hochwasserbeeinflussten Flächen des östlichen Oberspreewaldes sind Vegen verbreitet, die allerdings meistens Übergänge zu den Gleyböden zeigen. Auf tiefer gelegenen, aber noch nicht vermoorten Flächen kommen Anmoorgleye und Moorgleye vor. Vor allem im westlichen Oberspreewald und im Unterspreewald sind Moore, hier als Niedermoore, weit verbreitet. Sie verzahnen sich über weite Strecken mit den oben erwähnten Gley- und Vegaböden. Fast alle Moorflächen im Spreewald zeigen auf Grund der Grundwasserabsenkung Vererdungserscheinungen.
Klima Der Spreewald liegt, wie ganz Brandenburg auch, im Übergangsbereich vom ozeanischen Klima Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas. Auf Grund seiner gegenüber dem nördlichen und südlichen Umland tiefen Lage hat der Spreewald die für Niederungen typischen klimatischen Besonderheiten, die sich vor allem bei Strahlungswetterlagen äußern.
Kältester Monat an der Station Lübben ist der Januar mit einer Durchschnittstemperatur von −0,7 °C, wärmster der Juli mit ca. 18,2 °C (Zeitraum 1901–1950Daten aus M. Hendl: Das Klima. In: H. Bramer, M. Hendl, J. Marcinek, B. Nitz, K. Ruchholz, S. Sloboda: Physische Geographie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen. Gotha 1991, ISBN 3-7301-0885-9.). Das Jahresmittel liegt bei 8,5 °C. Auf Grund seiner Niederungsposition ist das Spreewaldgebiet frostanfällig, da sich bei Strahlungswetterlagen ein Kaltluftsee bilden kann. Nebeltage treten daher im Spreewald deutlich häufiger auf als in seinem Umland.
Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt im Spreewald meist unter 550 mm (Station Groß Lubolz 521 mm; 1891–1930) mit einem ausgeprägten Sommermaximum und Winter-/Frühjahrsminimum. Dennoch sind die umliegenden höheren Gebiete mit Niederschlagssummen von 550 mm nur unwesentlich feuchter. Die Ursachen liegen zum einen in den doch bescheidenen Höhenunterschieden zu den höher gelegenen Platten. Höhen über 100 m bilden im Umkreis des Spreewaldes die Ausnahme. Die Krausnicker Berge, die westlich vorgelagert bis 144 m hoch liegen, sind zu klein, um einen wirksamen Regenschatten zu erzeugen. Außerdem ist das Baruther Urstromtal, in welchem der Oberspreewald liegt, von Westnordwest nach Ostsüdost ausgerichtet. Das entspricht etwa der Zugbahn zahlreicher Niederschlagsgebiete, so dass kaum Regenschatteneffekte wirken können.
Hydrologie alternativtext=Paddler im Hochwald des Spreewalds in Burg|mini|Kanal im „Hochwald“ des Spreewalds in Burg Die vielen natürlichen Fließe und künstlich angelegten Kanäle haben eine Gesamtlänge von über 970 Kilometern.
Das über Flüsse in den Spreewald eingebrachte Wasser stammt zu einem beträchtlichen Teil aus Wasser, das andernorts zuvor abgepumpt wurde, um dort Braunkohletagebau zu betreiben. Mit dessen vollständiger Stilllegung bis 2038 müssen diese Zuflüsse in den Folgejahrzehnten reduziert werden, um die lokalen Wasserfehlmengen wieder auszugleichen, was in dieser Zeit zu einem entsprechenden Wasserdefizit im Spreewald führt und eine starke Auswirkung auf die Pegelstände haben kann.Stefan Jacobs: Tagebau in der Lausitz: Warum der Kohleausstieg Berlins Wassermangel verschärft. Tagesspiegel.de vom 14. September 2020.Axel Rowohlt: Was rettet den Spreewald? DW.com vom 3. August 2023.
Siedlungen mini|Spreewaldhaus in Lehde mini|hochkant|Wendische Spreewaldtracht, um 1948 Im Biosphärenreservat Spreewald leben (Stand 2023) etwa 50.000 bis 55.000 Einwohner auf einer Fläche von 475 km². Anteile am Biosphärenreservat haben folgende Städte und Gemeinden: Lübben (Spreewald) (Kernstadt sowie Ortsteile Hartmannsdorf, Lubolz, Radensdorf und Steinkirchen) Lübbenau/Spreewald (Kernstadt sowie Ortsteile Boblitz, Krimnitz, Lehde, Leipe, Ragow und Zerkwitz) Vetschau/Spreewald (Ortsteile Naundorf, Raddusch, Stradow und Suschow) Alt Zauche-Wußwerk Briesen Burg (Spreewald) Byhleguhre-Byhlen Dissen-Striesow (Ortsteil Striesow) Kolkwitz (Ortsteile Babow, Kunersdorf, Milkersdorf und Papitz) Krausnick-Groß Wasserburg Märkisch Buchholz (Ortsteil Köthen) Märkische Heide (Ortsteile Alt-Schadow, Hohenbrück-Neu Schadow und Kuschkow) Neu Zauche (nur Kernort) Schlepzig Schmogrow-Fehrow Spreewaldheide (Ortsteil Butzen) Straupitz (Spreewald) Unterspreewald Werben
Geschichte Archäologische Funde weisen darauf hin, dass zumindest die Randgebiete des Spreewaldes bereits in der Mittelsteinzeit besiedelt waren. Aus der jüngeren Bronzezeit wurden auf dem Barzlin bei Lübbenau und dem Schlossberg bei Burg auch Reste von Burgen gefunden, die mitten in den Sumpfgebieten des Spreewaldes liegen. Nach der weitgehenden Abwanderung der sogenannten „Lausitzer“ sowie der nachfolgenden Germanen bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. war der Spreewald vollkommen unbewohnt. Vermutlich ab dem 8. Jahrhundert erfolgte eine Neubesiedelung des Spreewaldes durch die Lusitzi,Slawen, Sorben, Wenden. In: Peter Becker: Spreewald. Geschichte – Landschaft – Kultur. Bebra Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-89809-239-5, S. 34. deren ältester Siedlungsnachweis am slawischen Burgwall bei Lübbenau durch Dendrochronologie auf das Jahr 700 n. Chr. bestimmt werden konnte.
Im 10. und frühen 11. Jahrhundert stand die Niederlausitz und damit auch der Spreewald unter polnischer Herrschaft. Nach Kampfhandlungen ging der Spreewald im Jahr 1032 schließlich in deutschen Besitz. Im 12. oder 13. Jahrhundert bildete sich in Lübben eine Burggrafschaft, der auch einige umliegende Dörfer angehörten. Die vermutlich Mitte des 12. Jahrhunderts gegründete Stadt Lübben lag an einer bereits damals verkehrsgünstigen Stelle zwischen dem Unter- und dem Oberspreewald. Im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert spalteten sich aus dieser Burggrafschaft die Standesherrschaft Straupitz und die Herrschaft Neu Zauche ab. Das weiter südlich am Rand des Oberspreewaldes gelegene Lübbenau wurde im Jahr 1301 als Burg und im Jahr 1315 als Flecken erstmals erwähnt. Weiterhin beanspruchten auch die Standesherrschaft Lübbenau sowie die Herrschaft Cottbus Anteile am Spreewald. Zwischen diesen Herrschaften gab es mitunter Unstimmigkeiten zwischen den genauen Gebietsgrenzen innerhalb des Spreewaldes.