A.E.I.O.U. ist ein habsburgischer Wahlspruch, den Kaiser Friedrich III. (1415–1493) als Signatur bzw. Devise auf seinem Besitz anbringen ließ. Seine Bedeutung wird bis heute kontrovers diskutiert.
Verbreitung mini|Miniatur Kaiser Friedrichs III., links die Initialen AEIOU auf einem Panier, angedeuteter Fahnenschaft Man findet die Devise auf Friedrichs Tafelgeschirr, seinem Wappen sowie auf Bauwerken, wie der Burg in Wiener Neustadt, dem Linzer Schloss sowie an Dom und Burg in Graz, wobei letztere bereits während seiner Regentschaft als Herzog der Steiermark angebracht wurde. Auch in Triest und Meran und anderen ehemals habsburgisch beherrschten Gebieten Europas ist sie zu finden. Selbst in Rom existiert ein Wappenstein an einem zum Komplex von Santa Maria dell’Anima gehörenden Gebäude, der neben dem kaiserlichen Wappen das A.E.I.O.U. Friedrichs zeigt und den Kaiser so in der Ewigen Stadt verewigt. Allein in Wiener Neustadt ist die Devise nicht weniger als 57 Mal auf Gebäuden und Gegenständen nachgewiesen.Renate Kohn: Die Inschriften der Stadt Wiener Neustadt (= Die Deutschen Inschriften 48, Wiener Reihe 3/2), Wien 1998, LVIII–LIX. Auch im Aachener Dom ist die Inschrift abgebildet. Zahlenmäßig am Häufigsten erscheint die Buchstabenfolge auf Siegeln Friedrichs III. Die Devise hat seit dem 16. Jahrhundert immer wieder das Interesse der Gelehrtenwelt gefunden und ist auch in jüngerer Zeit Gegenstand einer teils sehr regen Forschungsdiskussion.
Unter Erzherzogin Maria Theresia wurde dieser Wahl- und Eignungsspruch auch im Wappen und auf dem Gebäude der weltältesten Militärakademie (1752) in Wiener Neustadt angebracht. Er ziert noch heute das Wappen der Akademie und die Siegelringe ihrer Absolventen, der Jungoffiziere.
Des Weiteren ziert er als Intarsie, gemeinsam mit den Wappen Österreichs, das Kreisky-Zimmer im Bundeskanzleramt am Ballhausplatz. Aufgrund ihrer häufigen Verwendung kann die Buchstabenfolge als nationales Symbol Österreichs angesehen werden. Sie gilt zudem als die vielleicht bekannteste Devise des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.
Bedeutung En-Amor-Distichon Die Interpretation als so genanntes Prachtstück bzw. als ein den heraldischen Regeln folgendes königlich-richterliches Wappenmotto wurde von Konstantin Langmaier vertreten. Er ist der Ansicht, dass eine Auslegungsvariante mit biblischem Bezug (amor electis iniustis ordinor ultor) von der Umgebung Friedrichs III. gegenüber anderen Deutungsmöglichkeiten präferiert wurde. Da das A.E.I.O.U. das Hofgerichtssiegel und damit ein Reichssymbol zierte, schloss er im Zusammenhang mit Rechtsdokumenten, die Bezug auf nichterbländische Materien nehmen, populärere Deutungsmöglichkeiten inoffizieller Art aus, die einen ausschließlichen Bezug zur Herrschaft in Österreich herstellen. Er folgte dabei Forschungen des Rechtshistorikers Friedrich Battenberg und wies darauf hin, dass Urkunden des königlichen Hofgerichts überwiegend mittel- und norddeutsche, jedoch kaum süddeutsche oder österreichische Empfänger hatten, was ein Österreichbezug auf diesen Siegel wenig plausibel erscheinen lässt.Konstantin Langmaier: Kaiser Friedrich III. (1415–1493): des Reiches Erzschlafmütze?, Der „schlafende Kaiser“ als Klischee. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Band 111, 2020, S. 129–188, hier: S. 175 f.
2023 präsentierte Langmaier weitere Forschungen zum Distichon. Er verzichtete dabei bewusst auf die Vorstellung einer weiteren These oder Deutung, indem er das A.E.I.O.U. nicht als zu entschlüsselndes Rätsel auffasste, sondern als stemmatologisches Überlieferungsproblem.
Aufbauend auf dem Grundgedanken, dass es sich beim A.E.I.O.U. um keine herkömmliche Traditionsquelle handelt, ging er von der Annahme aus, dass jeder Auslegungsvariante des Akronyms eine eigene Überlieferungsgeschichte theoretisch zugrunde liegt. Da sich ein Beweis im eigentlichen Sinn aufgrund einer unzureichenden Quellenbasis nicht erbringen lässt, ging er indizienorientiert vor, indem er ausführlich auf die Rezeption einging, welche die Authentizität des Distichons bei den Zeitgenossen des 15. Jahrhunderts belegt. So sind neun Handschriften und ein Druck nachweisbar, in denen das Distichon überliefert ist (Entstehungszeitraum: 1437 bis 1494). Fünf dieser Quellen wurden in der Forschung nicht berücksichtigt, missverständlich wiedergegeben oder in sachfremden Zusammenhängen erwähnt. Alle Erwähnungen stehen in einem überlieferungsgeschichtlichen Gesamtzusammenhang.
Das Kürzel besteht demnach aus den Initialen von fünf Worten, welche in einen längeren lateinischen Satz zur Legitimation eingebettet sind:Zur medialen Rezeption:
mini|Stifterinschrift Kaiser Friedrichs III. (Neukloster in Wiener Neustadt), hier als heraldische Devise unter dem Reichswappen Diese Deutung war schon länger bekannt, sie wurde aber von dem Philologen Johann Huemer sowie dem einflussreichen österreichischen Mittelalterforscher Alfons Lhotsky als eine selbständige Erfindung des Znaimer Notars Nikolaus Petschacher, eines vermeintlichen Rates von Kaiser Friedrich III., eingestuft, der das Distichon 1445 im Auftrag mährischer Städte in einem Gedicht verwendet hatte. Langmaier hingegen konnte auf Basis quellenkritischer Argumente belegen, dass die En-amor-Wortfolge (ein Distichon) bereits ab 1437 in Handschriften Herzog Friedrichs erscheint. Die Behauptung Huemers stellte sich somit als unbegründet und folgenschwer für die weitere Diskussion heraus, da der terminus post quem des Distichons von der Forschung implizit auf 1445 angesetzt wurde und somit als nachträgliche Schöpfung angesehen wurde. Das sei deshalb wichtig, weil der Kaiser sich in einer früher entstandenen, aber falsch interpretierten Quelle ganz ausdrücklich gegen die Austria-Variante aussprach. Die en-amor-Variante sei früher entstanden.
Langmaier revidierte Lhotskys bis dahin forschungsbestimmende Meinung, der das Distichon als wenig geglückt ansah und davon ausging, dass es „überhaupt nicht gut überliefert“ sei.Alphons Lhotsky, Die sogenannte Devise Kaiser Friedrichs III. und sein Notizbuch cod. Vind. Palat. n. 2674. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien 13 (1944), 88: „In Wahrheit findet sich nämlich das Distichon jedenfalls in der Gedichtesammlung eines aus Krain stammenden und dann in Znaim tätigen Notars namens Nicolaus Petschacher, der in den 1440er Jahren dem Hofe Kaiser Friedrichs III. zeitweilig nahestand. Der von Johann Huemer mitgeteilte Text lautet En, amor electis, iniustis ordinat ultor. Sic Fridericus ego rex mea iura rego. Es ist kaum anders denkbar, als daß der poetische Notar des Kaisers bekanntes Vokalsymbol aul seine Art zu deuten suchte und sich mit diesen gequälten Versen bemerkbar machte. Diese scheinen dem Kaiser so gut gefallen zu haben, daß er sie in seinem Notizbuche abschrieb, und zwar mit immerhin bemerkenswerten Varianten: ordinor und rengna. Das Distichon ist aber überhaupt nicht gut überliefert.“
Diese Beobachtung veranlasste Fuchs zu der Feststellung, dass das Distichon „seit seiner Entdeckung im frühen 19. Jh. geradezu im Zentrum der Diskussion“ stehe. Franz Fuchs: Rezension in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, Jg. 79 (2023), Heft 2.
Er zeigte, dass das en-amor nicht zeitlich beschränkt, sondern über die gesamte Regierungszeit Friedrichs Verwendung fand. Es war Gegenstand eines bewusst vollzogenen, kontinuierlichen Rezeptions- bzw. Überlieferungvorgangs, der sich nicht zufällig abspielte, sondern teilweise gelenkt vonstattenging und sich damit nicht grundlos in zahlreichen Quellen niederschlug, ein Umstand, der aus seiner Sicht den Autentizitätscharakter des A.E.I.O.U. bei den Zeitgenossen Friedrichs sehr wahrscheinlich macht, so dass die bisherige Frage, ob das Distichon die ursprüngliche Bedeutung des A.E.I.O.U. war, in den Hintergrund gerückt wird.
So trug der Kaiser das Distichon nach 1437 auf der zweiten Seite seines privaten Notizbuches ein (also bald nach dessen Anlage). Ferner wies Langmaier auf Zeitzeugenberichte des 15. Jahrhunderts hin, die das Vokalzeichen entsprechend deuteten. Ein unbekannter, dem Hof Friedrichs nahestehender Chronist habe um das Jahr 1440 das entsprechende Distichon auf einem Prachtschrank des Kaisers gesehen und dies als die richtige Deutung bezeugt. Aus historischen Quellen lasse sich belegen, dass Friedrich stets alternative Lesarten zugelassen habe, die offizielle Variante jedoch ins Gedächtnis rufen ließ, wenn seinem Ruf nicht zuträgliche Auslegungen kursierten. Langmaier verwies zudem auf eine Textstelle in einem vorher in diesem Zusammenhang nicht beachteten Druck, dem Marienpsalter des Klosters Zinna in der Mark Brandenburg. Dieser entstand im Rahmen der Ausbreitung der mehrere tausend Mitglieder umfassenden Kölner Rosenkranzbruderschaft, deren prominentestes Mitglied der Kaiser war.
Er war vom Kaiser persönlich begutachtet und von der kaiserlichen Kanzlei in dessen direktem Auftrag 1493/94 autorisiert bzw. zensiert worden, die das A.E.I.O.U. selbst auf ihren Siegeln führte und somit ein elementares Interesse an dessen richtiger Auslegung haben musste.
Da Friedrich III. die kostspielige und sehr aufwändige Drucklegung zwar noch bewilligte bzw. mitbegleitete, bald darauf jedoch hochbetagt verstarb, stellt die Vorrede des Werkes einen Nachruf, eine Zusammenfassung seines Lebens und damit ein Resümee der Herrschaftsauffassungen des Kaisers dar.
Im Vorwort des an eine breitere Öffentlichkeit gerichteten, mehrmals redigierten Druckes werden die Tugenden und Vorzüge des Kaisers gepriesen, welche dieser zu Lebzeiten an den Tag legte. In diesem Zusammenhang wird die Devise als Wappenspruch propagiert. Der Fund beweist, dass die Devise von den Zeitgenossen dezidiert als heraldisches Symbol angesehen wurde. Entscheidend dabei ist, dass es sich dabei um die einzig bekannte historische Quelle handelt, die das A.E.I.O.U. offiziell erklärt, was kein Beweis ist, aber ein wichtiges Indiz dafür liefert, dass das Distichon im Zweifelsfall anderen Auslegungen vorgezogen wurde. Die auch in der jüngsten Literatur noch geäußerte Auffassung, dass der ursprünglich eine Auflage von 400 bis 500 Stück umfassende Druck in Zinna entstanden sei, wird in der Forschung nicht mehr vertreten. Der Druckort war vermutlich Lüneburg, die Herstellung kein alleiniges Werk des Zinnaer Klosters.Helmut Herbig: Der Zinnaer Marienpsalter. Eine neue Druckzeitbestimmung. in: Jahrbuch Stiftung Stadtmuseum Berlin.Band 1, Hrsg. Reiner Güntzner, Henschel-Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-7861-1966-X, S. 289–93.
Nicht zuletzt daraus folgert auch Gernot Peter Obersteiner, „dass es sich bei Lhotskys Erkenntnis um einen für den weiteren Forschungsdiskurs folgenschweren Forschungsirrtum gehandelt hatte“.Ein gerechter Friedensfürst. AEIOU – die Devise Kaiser Friedrichs III. enträtselt. In: Steirische Berichte (3/2023), 35. Von einem mystischen Rätselspruch sei nicht auszugehen, sondern von der Adaption französisch-burgundischer Vorbilder. Der Fund belege, dass das A.E.I.O.U. unabhängig vom ursprünglichen Sinngehalt nicht als österreichische „Staatsdevise“ oder als „mystisches Monogramm“ (Alphons Lhotsky) zu deuten sei, sondern als ein direkt auf Friedrich III. bezogenes Zeichen, das unmittelbar westeuropäischen Vorbildern folge.
Langmaier stellte zudem die Vermutung auf, dass die um 1440 entstandene, im Notizbuch Friedrichs III. belegte Auslegung Austriae est imperare omni universo von Friedrichs eigenem Protonotar Heinrich Leubing stammte, der anlässlich seiner Wahlrede für Friedrich davon gesprochen hatte, dass die „Herrschaft über den gesamten Erdkreis“ dem Haus Österreich zufalle (mit Verwendung der exakt gleichen lateinischen Wörter, allerdings in anderer Reihenfolge). Der als offizielles Hoheitszeichen fungierende Wappenzusatz sei u. a. deshalb notwendig geworden, weil sich die Habsburgerdynastie stark verzweigt hatte und der habsburgische Bindenschild als Unterscheidungsmerkmal nicht mehr ausreichte.