Gartz (Oder) ist eine Landstadt im brandenburgischen Landkreis Uckermark und Verwaltungssitz des Amtes Gartz (Oder). Sie zählt zur Agglomeration Stettin.

Geographie Die Stadt Gartz (Oder) liegt inmitten einer Endmoränenlandschaft im Nationalpark Unteres Odertal 30 Kilometer südlich von Stettin. Sechs Kilometer südlich von Gartz trennt sich die Oder in zwei Arme, die Westoder und die Ostoder. Die Westoder fließt direkt an der östlichen Stadtgrenze vorbei und bildet die Staatsgrenze zur Republik Polen. In Gartz mündet der Salveybach in die Westoder. Der Ortsteil Friedrichsthal ist der nördliche Endpunkt der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die parallel zur Oder verläuft.

Stadtgliederung Ortsteile: Friedrichsthal, Gartz, Geesow, Hohenreinkendorf Bewohnte Gemeindeteile: Bahnhof Geesow, Heinrichshofer Ausbau Wohnplätze: Beatenhof, Freudenfeld, Salveymühle

Geschichte Gartz lag im Herzogtum Pommern. 1124 erstmals urkundlich erwähnt, erhielt Gartz 1249 von Herzog Barnim I. von Pommern das Stadtrecht verliehen. 1325 wurde Gartz als Mitglied der Hanse genannt.

Der aus dem Slawischen stammende Ortsname leitet sich vom Wort Gard für „Burg“ oder „Stadt“ ab (vgl. kaschubisch gard, niedersorbisch grod)Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung. Bebra Wissenschaft, 2005, S. 61. und bezieht sich auf den Umstand, dass bereits die hier ansässigen slawischen Wilzen einen befestigten Ort an dieser Stelle unterhielten.

In Gartz wurde 1280 ein Nonnenkloster genannt, das in der Reformation an den Herzog von Pommern fiel. Lange wurde über dessen Umwandlung in ein adliges Damenstift verhandelt, bis es 1624 durch Brand zerstört wurde. Welchem Orden das Gartzer Nonnenkloster angehörte, ist unbekannt.Hermann Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern, Band 1, Stettin: Saunier, 1924, S. 580–582. Die Stephanskirche wurde zuerst um 1280 genannt.

Um 1290 wurde, wahrscheinlich durch Verlegung des in Stettin gegründete Männerklosters Wilhelmsthal der Wilhelmiten nach Gartz, ein Kloster der Augustiner-Eremiten angelegt. Es bestand bis etwa 1530. An der gleichen Stelle wurde für den Herzog ein Haus errichtet, das aber schon 1578 abbrannte.Hermann Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern, Band 1, Stettin: Saunier, 1924, S. 576–580; Hermann Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern, Band 2, Stettin: Saunier, 1925, S. 457.

Außerdem wird für Gartz zuerst 1298 eine Nikolaikirche erwähnt, die aber nach dem Brand von 1624 nicht wieder aufgebaut wurde. Eine Oderbrücke bestand 1305–1630.Erich Keyser (Hrsg.): Nordostdeutschland, Stuttgart, Kohlhammer, 1939 (Deutsches Städtebuch 1), S. 167.

mini|links|Gartz an der Oder 1618 mini|links|Gartz an der Oder 1761 Aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage an der Oder war die Stadt immer wieder kriegerischen Auseinandersetzungen ausgesetzt. So wurde sie u. a. 1630 im Dreißigjährigen Krieg, 1659 im Schwedisch-Polnischen Krieg und 1713 im Großen Nordischen Krieg zerstört.

Nach dem Aussterben des pommerschen Herzogshauses der Greifen im Dreißigjährigen Krieg wurde Gartz Teil von Schwedisch-Pommern. Mit Ende des Großen Nordischen Krieges musste Schweden im Frieden von Stockholm 1720 das südliche Vorpommern an Preußen abtreten. So kam Gartz an Preußen, wo es bis 1945 zur Provinz Pommern gehörte. Von 1818 bis 1939 gehörte die Stadt zum Landkreis Randow und nach dessen Auflösung 1939 bis 1945 zum Landkreis Greifenhagen. 1944 verlagerte die Schiffsschraubenfabrik Ostermann aus Köln einen Teil ihrer Produktion nach Gartz, wo Minensuchbootpropeller hergestellt wurden. 1945 wurden die Anlagen durch die sowjetische Besatzungsmacht demontiert, lediglich Reste der Stahlbetonhallen sind erhalten.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Gartz 1945 schwer zerstört. Nach Einstellung der Kampfhandlungen wurde das rechts der Oder östlich der Oder-Neiße-Linie gelegene Stadtgebiet dem sowjetischen Machtbereich einverleibt und seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Marwitz, früher eines der vier Eigentumsdörfer von Gartz,Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern. Band 2, Anklam 1865, S. 1325 (Google Books) schräg gegenüber der Stadt südöstlich auf der rechten Seite der Oder gelegen, wurde nun in „Marwice“ umbenannt, die einheimischen Bewohner von der polnischen Administration vertrieben.

Nach 1945 kam Gartz mit dem deutsch gebliebenen Teil der ehemaligen Provinz Pommern zunächst zum Land Mecklenburg und gehörte zu dem mit Kreissitz in Löcknitz wieder errichteten Landkreis Randow. Die Stadt wurde 1950 in das Land Brandenburg umgegliedert und kam dort zum Kreis Angermünde, der nach der Auflösung der Länder in der DDR im Jahre 1952 zum neu geschaffenen Bezirk Frankfurt (Oder) gehörte. Der Wiederaufbau ist bis heute nicht abgeschlossen.

Seit 1990 gehört Gartz zum neukonstituierten Bundesland Brandenburg. Am 1. Oktober 1992 hat sich Gartz mit 20 weiteren Gemeinden zur gemeinsamen Erledigung der Verwaltungsgeschäfte zum Amt Gartz (Oder) zusammengeschlossen. Mit der brandenburgischen Verwaltungsreform 1993 kamen Stadt und Amt Gartz zum neugebildeten Landkreis Uckermark.

Eingemeindungen Am 31. Dezember 2002 wurden die Orte Friedrichsthal, Geesow und Hohenreinkendorf eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1730 1 650 1782 1 856 1802 2 201 1816 2 732 1831 3 373 1855 4 278 Jahr Einwohner 1875 4 984 1890 4 471 1910 4 050 1925 3 535 1933 3 624 1939 3 950 Jahr Einwohner 1946 3 672 1950 3 675 1964 2 950 1971 2 667 1981 2 284 1985 2 252 Jahr Einwohner 1990 2 158 1995 2 055 2000 2 054 2005 2 588 2010 2 477 2015 2 478 Jahr Einwohner 2020 2 524 2021 2 442 2022 2 359 2023 2 336 2024 2 328 2025 2 295

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl Stand 31. Dezember (ab 1991),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Uckermark (PDF) S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

1730, 1790, 1837

Politik Stadtverordnetenversammlung mini|Rathaus und Stettiner Tor

Die Stadtverordnetenversammlung von Gartz besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus zwölf Mitgliedern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,6 % zu folgendem Ergebnis: Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 Sitze2024 AfD – – 24,3 % 2 Einzelbewerber Luca Piwodda – – 16,4 % 1 Einzelbewerber Lutz Kohlheim – – 8,4 % 1 Alle für Gartz – Liste Hohenreinkendorf 10,1 % 2 8,2 % 1 Einzelbewerber Steffen Gundermann – – 6,2 % 1 Einzelbewerberin Eva Kolbe – – 6,1 % 1 SPD 15,9 % 2 5,6 % 1 CDU 13,2 % 2 5,2 % 1 Die Linke 9,2 % 1 5,1 % 1 Freie Bürger 24,7 % 4 4,8 % – Wählergemeinschaft Geesow 5,9 % 1 4,6 % – Einzelbewerber Uwe Wegner – – 2,0 % – Einzelbewerber Johannes Meiselbach – – 1,9 % – Einzelbewerberin Petra Grade – – 1,2 % – Wählergruppe Gewerbebund Gartz (Oder) 11,0 % 2 – – Freiparlamentarische Allianz 10,1 % 2 – –Insgesamt100 %16100 %10Wahlbeteiligung52,4 %62,6 %

Bürgermeister 1998–2003: Ulrike Siebeke (CDU) 2003–2008: Lutz-Uwe Mademann (CDU)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 34 2008–2019: Burkhard Fleischmann (SPD)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 12 2019–2024: Inge Reppenhagen (FPA) seit 2024: Luca Piwodda (PdF, gewählt als Unabhängiger)Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Gartz (Oder) am 9.6.2024

Inge Ballenthin (seit ihrer Heirat Reppenhagen) wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 zur Bürgermeisterin gewählt.

Am 9. Juni 2024 wurde Luca Piwodda mit 74,4 % der gültigen Stimmen zu ihrem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Gartz (Oder) am 9.6.2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)

Verwaltung und Gerichte Die Verwaltungsgeschäfte der Stadt werden überwiegend über das Amt Gartz (Oder) mit Sitz in Gartz abgewickelt.

Das für Gartz zuständige Amtsgericht ist das Amtsgericht Schwedt/Oder und das zuständige Landgericht das Landgericht Neuruppin im Bezirk des Brandenburgischen Oberlandesgerichts in Brandenburg an der Havel.

Wappen mini|hochkant=0.6|Vor 1992 verwendetes Stadtwappen

Städtepartnerschaften Partnerschaftliche Beziehungen bestehen mit den Städten Wentorf in Schleswig-Holstein Gryfino in Westpommern (Polen)

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Stadtkirche St. Stephan mini|hochkant=0.7|Heilig-Geist-Hospital mini|hochkant=0.7|Stettiner Tor Bauwerke Stadtkirche St. Stephan, im 13./14. Jahrhundert unter Beteiligung des Baumeisters Hinrich Brunsberg, dem der Chorbau zugerechnet wird, im Stil der Backsteingotik errichtet. Nach Kriegszerstörungen 1945 wurde zunächst nur der erhaltene Chor gesichert. Von 1982 bis 1987 wurde das Querhaus unter Einrichtung eines Gemeindezentrums wiederaufgebaut. Das Langhaus wurde als nicht überdachte Ruine gesichert und dient heute als Atrium. Der Turm erhielt anstelle der 1945 zerstörten barocken Haube eine zeltartige flache Abdeckung.Stadtkirche St. Stephan Ehemalige Kirche des Heilig-Geist-Hospitals (Spittel), erbaut um 1400 im gotischen Stil, heute nach umfangreicher Restaurierung für Ausstellungen und Konzerte genutzt Mittelalterliche Stadtmauer mit Storchenturm, Pulverturm und Blauem Hut. Das im 13. Jahrhundert erbaute Stettiner Tor ist das letzte erhaltene von ehemals vier Stadttoren. Rathaus der Stadt, neugotischer Backsteinbau, wurde von 1900 bis 1904 als Amtsgericht errichtet. Seit 1953 dient das Gebäude als Rathaus. Ackerbürgerhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert in der Altstadt Jüdischer Friedhof an der Heinrichshofer Straße

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Gartz (Oder) mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmalen

Museum Ackerbürgermuseum am Stettiner Tor mit Ausstellung zur Geschichte der Stadt Gartz vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart

Verkehr Gartz liegt an der Bundesstraße 2 zwischen Schwedt und Stettin sowie an der Landesstraße L 27 nach Casekow. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Penkun an der Bundesautobahn 11 (Berlin–Stettin). 1912 entstand mit der 7,3 Kilometer langen Bahnstrecke Tantow–Gartz (Personenverkehr seit dem 15. März 1913) mit dem Bahnhof Gartz (Oder) und dem Haltepunkt Geesow eine Verbindung zur Berlin-Stettiner Eisenbahn, die nach Kriegsende 1945 demontiert wurde.Nächstgelegene Bahnhöfe sind heute Tantow und Casekow an der Eisenbahnstrecke Berlin–Stettin. Sie werden von der Regionalexpresslinie RE 66 Berlin-Lichtenberg–Szczecin Główny und der Regionalbahnlinie RB 66 Angermünde–Szczecin Główny bedient.

In Gartz befindet sich eine Anlegestelle für die Fahrgastschifffahrt auf der Oder.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Johann Sleker († 1629), Hochschullehrer und Geistlicher, Rektor der Universität Rostock Adam Riccius (1605–1662), Rechtswissenschaftler Michael Gabriel Fredersdorf (1708–1758), Geheimer Kämmerer und Vertrauter König Friedrichs II. Johann Christian Ludwig Hellwig (1743–1831), Mathematiker und Naturwissenschaftler Karl Ludwig von Wuthenau (1767–1821), preußischer Generalmajor Hermann von Holleben (1804–1878), preußischer General der Infanterie Albert von Trossel (1817–1875), preußischer Generalleutnant Jonathan Paul (1853–1931), evangelischer Pfarrer, Zeltmissionar und Publizist Ernst Faulstich (1863–1925), klassischer Philologe und Pädagoge Hugo Kaeker (1864–1940), Schullehrer und Schriftsteller