Bleiburg () ist eine zweisprachige Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) und Bezirksgerichtssitz im Bezirk Völkermarkt in Kärnten. Die Stadtgemeinde liegt im Jauntal, am Fuße der Petzen. Ihren Namen verdankt sie dem früheren Bergbau. Nahe Bleiburg kam es 1945 zum Massaker von Bleiburg, die den Ort bzw. das nahe gelegene Loibacher Feld zu einem wichtigen kroatischen Erinnerungsort machen.
Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet liegt am Jaunfeld südlich der Drau (im Südosten Kärntens) und grenzt an Slowenien. Der Hauptort Bleiburg ist ungefähr vier Kilometer von der Grenze zwischen Österreich und Slowenien entfernt.
Gemeindegliederung Bleiburg ist in 12 Katastralgemeinden gegliedert:
Aich, Bleiburg, Grablach, Kömel, Moos, Oberloibach, Rinkenberg, St. Margarethen, Schattenberg, Unterloibach, Weißenstein und Woroujach.
Das Gemeindegebiet umfasst 23 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Nachbargemeinden
Geschichte Mittelalter und Neuzeit Seit der Besiedlung des Gebietes durch die Karantaner-Slawen im 6. Jahrhundert und der Errichtung des karantanischen Staatswesens im 7. Jahrhundert ist das Gebiet um Bleiburg eng mit der slowenischen Kulturgeschichte verbunden. Die in der Gegend gesprochene slowenische Mundart ist eine Variante des Jauntaler Dialektes (slow. podjunščina).
mini|Schloss Bleiburg
Die erste urkundliche Erwähnung findet sich vor dem Jahr 1000: Bischof Albuin von Brixen (der Sohn der von Kärntnern beider Sprachen als Volksheilige verehrten Hildegard von Stein) schenkte seinem Bruder, dem Grafen Aribo, das Gut Liupicdorf, das spätere Bleiburg. Im Jahr 1228 wurde Bleiburg erstmals als castrum et forum pliburch erwähnt.
Im 13. Jahrhundert kam das Gebiet in den Besitz der Grafen von Heunburg, danach der Pfannberger und ab 1338 der Auffensteiner. Durch deren Aufstand und Verschwörung gegen die Habsburger kam es 1368 zur Belagerung und Verwüstung des Marktes, der danach in landesfürstlichen Besitz geriet. Wieder aufgebaut, erhielt er 1370 das Stadt- und 1393 das Marktrecht. Dieses bildet noch heute die rechtliche Grundlage für den Bleiburger Wiesenmarkt, der jährlich stattfindet. 1473, 1476, 1478 wurde die Stadt von den Türken stark zerstört, im Jahr darauf wurde die Stadtbefestigung erneuert.
1739 verwüstete ein großer Brand die Stadt.
1864 wurde Bleiburg an die Bahnlinie Franzensfeste–Klagenfurt–Marburg angeschlossen.
Im Jahr 1880 hatte die Stadtgemeinde Bleiburg 1.121 Einwohner. Davon waren 934 deutsch- (83 %) und 171 slowenischsprachig (15 %).K. K. Statistische Central-Commission: Special-Orts-Repertorien der im Oesterreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Band V: Kärnten. Wien 1883, S. 75.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges marschierten am 23. November 1918 südslawische Truppen in Bleiburg ein. Laut Bleiburger Schulchronik wurden in dieser Zeit alle deutschen Schilder und Straßentafeln entfernt und letztere durch slowenische ersetzt. Es kam auch zu Plünderungen und Verhaftungen. Im Zuge des Kärntner Abwehrkampfs wurde Bleiburg am 5. Mai 1919 durch Kärntner Truppen befreit, wurde aber schließlich am 29. Mai 1919 erneut durch südslawische Einheiten besetzt.VOLKSSCHULE BLEIBURG, Schuljahr 1917–1920, S. 1–3 Bei der im Vertrag von Saint-Germain beschlossenen Volksabstimmung im Südosten Kärntens am 10. Oktober 1920 stimmte die überwiegend deutschsprachige Stadt Bleiburg ganz überwiegend für Österreich und das mehrheitlich slowenischsprachige Umland für Jugoslawien. Infolge musste Bleiburg durch Jugoslawien geräumt und an Österreich übergeben werden. In Erinnerung an dieses für Kärnten günstige Ergebnis der Volksabstimmung wurde der Hauptplatz der Stadt in 10. Oktober Platz umbenannt. Da das Kärntner Mießtal ohne Volksabstimmung an Jugoslawien abgetreten werden musste, wurde Bleiburg 1920 jedoch gleichzeitig auch zur unmittelbaren Grenzstadt mit seinen volkswirtschaftlichen Nachteilen.
Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg Die Zwischenkriegszeit bedeutete eine zunehmende institutionelle und systematische Diskriminierung der Slowenen, die mit dem Anschluss, vor allem aber nach dem Überfall auf Jugoslawien allumfassend wurde. Sämtliche slowenischen Vereine sowie die Sprache selbst wurden verboten und deren Gebrauch unter Strafe gestellt.B. Entner, H. Wilscher: „Sämtlich Slovenen!“ Kärntner SlowenInnen zwischen Entrechtung und Diskriminierung. In: Verena Pawlowsky, Harald Wendelin (Hrsg.): Ausgeschlossen und entrechtet. Raub und Rückgabe. Österreich von 1938 bis heute. Wien 2006, S. 54–76. Im Zuge des Balkanfeldzuges der deutschen Wehrmacht waren 1941 bereits 60.000 Slowenen aus der besetzten slowenischen/jugoslawischen Untersteiermark deportiert.Ivica Žnidaršič: O Izgonu Slovencev, organiziranosti slovenskih izgnancev, prisilnih delavcev in beguncev ter prizadevanjih za uveljavitev pravic do vojne odškodnine. Društvo izgnancev Slovenije 1941–1945, Ljubljana 2009. Im April 1942 wurden dann auch planmäßig Slowenen aus Kärnten u. a. aus dem Bleiburger Raum deportiert.B. Entner, A. Malle (Hrsg.): Pregon koroških Slovencev 1942, Die Vertreibung der Kärntner Slowenen. Klagenfurt/Celovec 2012.J. W. Schaschl (Hrsg.): Als Kärnten seine eigenen Kinder deportierte, Die Vertreibung der Kärntner Slowenen 1942–1945, Historischer Überblick – Zeitzeugenerzählungen – Briefe und Dokumente. Klagenfurt/Celovec 2012. Das führte in der Folge zum organisierten bewaffneten Widerstand in Südkärnten und in den Karawanken, der schließlich zur militärischen Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sowie maßgeblich zur Wiedererrichtung Österreichs beitrug.V. Sima: Gewalt und Widerstand 1941–1945. In: A. Moritsch (Hrsg.): Die Kärntner Slovenen 1900–2000. Bilanz des 20. Jahrhunderts. Klagenfurt/Celovec u. a. 2000, S. 263–280.A. Malle: Widerstand unter den schwersten Bedingungen. Kärntner Slowenen im Widerstand. In: S. Karner, K. Duffek (Hrsg.): Widerstand in Österreich 1938–1945, Die Beiträge der Parlaments-Enquete 2005. Verein zur Förderung d. Forschung von Folgen nach Konflikten u. Kriegen, Graz/Wien 2007, ISBN 978-3-901661-22-8, S. 111–123.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verübten jugoslawische Partisanen rund um das Gemeindegebiet das Massaker von Bleiburg, nachdem Mitte Mai 1945 in der Grenzstadt Bleiburg Tausende kroatische Domobranen, Ustascha-Soldaten und slowenische Domobrancen von den Briten an das titokommunistische Jugoslawien ausgeliefert wurden. Ebenso wurden etliche österreichische Staatsbürger Deutschkärntner und deutschgesinnt slowenischsprachige Menschen aus Bleiburg und Südkärnten getötet.Florian T. Rulitz: Die Tragödie von Bleiburg und Viktring. Partisanengewalt in Kärnten am Beispiel der antikommunistischen Flüchtlinge im Mai 1945. Hermagoras Verlag, Klagenfurt / Ljubljana / Wien 2011, ISBN 978-3-7086-0616-3.
Zwar wird bereits seit 1945 international zu den Ereignissen in Bleiburg geforscht, es gibt jedoch bis heute keine offiziellen Opferzahlen. Auch gesicherte Daten aufgrund von tatsächlichen Exhumierungen liegen bislang nicht vor. Die in der Forschung genannten Zahlen beziehen sich in der Hauptsache auf Quellen der Sicherheitsdirektion von Kärnten, der kriminalpolizeilichen Ermittlungen der slowenischen Polizei und wissenschaftlichen Forschungsergebnissen der slowenischen Regierungskommission für Massengräber.Alfred Elste, Michael Koschat, Paul Strohmaier: Opfer, Täter, Denunzianten. „Partisanenjustiz“ am Beispiel der Verschleppungen in Kärnten und der Steiermark im Mai/Juni 1945: Recht oder Rache? 2., unveränderte Auflage. Mohorjeva, Klagenfurt / Ljubljana / Wien 2007.Tamara Griesser-Pečar: Das zerrissene Volk. Slowenien 1941–1946. Okkupation, Kollaboration, Bürgerkrieg, Revolution. (= Studien zu Politik und Verwaltung. Bd. 86). Böhlau, Wien u. a. 2003.Othmar Mory: Liescha/Leše 1945. Bleiburg 2002.Florian Thomas Rulitz: Tragedy of Bleiburg and Viktring, 1945. Northern Illinois University Press, Dekalb (USA), III. 2016, ISBN 978-0-87580-722-5.Florian T. Rulitz: Die Tragödie von Bleiburg und Viktring. Partisanengewalt in Kärnten am Beispiel der antikommunistischen Flüchtlinge im Mai 1945. Hermagoras Verlag, Klagenfurt / Ljubljana / Wien, 2012.Amtliche Darstellung der Verschleppungen von Zivilpersonen aus Kärnten im Jahre 1945 durch Angehörige der jugoslawischen Partisanenverbände sowie des Schicksals der in Oberkrain vermissten Zivilbeamten aus Österreich. Verfasst von der Sicherheitsdirektion für das Bundesland Kärnten. Zl. 500/g/SD/52/A.Massengrab in Slowenien entdeckt. In: Kleine Zeitung. Abgerufen am 19. April 2020. Die Opfer von Liescha wurden entweder tot (von Mießtal, Bleiburg) dort hingebracht oder erschossen; aber einige auch erschlagen. Anfangs wurden sie nur mit Reisig zugedeckt. Nach ein paar Monaten, als der Leichengeruch zu extrem wurde, hat man sie notdürftig in einer ehemaligen 21 Meter langen, 3 Meter breiten und 2,5 Meter tiefen Kohlengrube verscharrt. In: Kleine Zeitung. Abgerufen am 20. Sep. 2010.Massengrab nahe der Kärntner Grenze entdeckt. In: Der Standard. Abgerufen am 20. Sep. 2010.
Im Rahmen der vom österreichisch-kroatischen Verein Bleiburger Ehrenzug und von der Katholischen Kirche Kroatiens ausgerichteten Gedenkveranstaltungen für die „Opfer von Bleiburg“ kommen Mitte Mai jedes Jahr bis zu 30.000 Besucher vor allem aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina und aus ganz Europa nach Bleiburg; darunter kroatische Nationalisten und Rechtsextremisten, Politiker, Kleriker und Fernsehstars, ehemalige Ustaša-Kämpfer und SS-Soldaten sowie Neonazis aus Deutschland und Österreich, um der Soldaten der faschistischen Ustaša, der Waffen-SS und der gefallenen Soldaten der Wehrmacht zu gedenken. Laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) ist es das „größte Neonazitreffen in Europa“, das aber keineswegs nur von Neonazis und Rechtsextremisten besucht werde.
Zweite Republik 1964 wurde Bleiburg an die neu errichtete Jauntalbahn angeschlossen, welche die Stadt mit der Lavanttalbahn verbindet.
Kulturni dom Pliberk/Bleiburg und Kulturverein Edinost mini|Kulturni Dom Pliberk/Bleiburg
Das organisierte Kulturleben der Slowenen reicht ins Jahr 1888 zurück. Damals wurde für Bleiburg der Kyrill-und-Method-Verein mit Sitz in St. Michael ob Bleiburg / Šmihel pri Pliberku gegründet, der bis 1910 aktiv war.Andrej Vovko: Podružnice »Družbe sv. Cirila in Metoda« na Koroškem 1885–1918. In: Koroški koledar. 1978, S. 151–161.Andrej Vovko: Odborniki podružnic »Družbe sv. Cirila in Metoda« na Koroškem v letih 1885–1918. In: Koroški koledar. 1979, S. 110–121.
Von größter Bedeutung wurde in der Folge der am 20. Mai 1909 gegründete slowenische Kulturverein „Edinost“ (Einheit), der zunächst noch dem Namen „Katoliško slovensko izobraževalno društvo v Pliberku“ (Katholischer slowenischer Bildungsverein in Bleiburg) trug. Wesentliche Vereinsziele waren die Festigung der slowenischen Identität sowie Bildung und Kultur in den breiten Bevölkerungsschichten zu verbreiten. Angeboten wurden zahlreiche Bildungskurse, eine Bücherei u. v. m. Eine Laienspielgruppe wirkte erfolgreich, eine Frauensektion wurde eingerichtet. Die berühmte slowenische Volkspoetin Milka Hartman leitete Haushaltskurse.SPD Edinost (izd.): Iz roda v rod duh išče pot. 100-letna kronika Slovenskega prosvetnega društva »Edinost« v Pliberku. Pliberk 2009. Sitz des Vereines war der sog. Narodni dom (Volksheim) am Bleiburger Hauptplatz.Kulturni dom: www.kulturnidom.at Auch die slowenische Posojilnica (Spar- und Darlehenskasse) hatte dort ihren Sitz.