mini|Ehemaliges Stuttgarter Rathaus am Marktplatz (um 1907) mini|Blick auf das Stadtzentrum Stuttgarts mit dem Hauptbahnhof und den Kollegiengebäuden K1 und K2 (linker Rand) der Universität Stuttgart Stuttgart-Mitte ist der innerste Stadtbezirk der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart und liegt zwischen den Bezirken Stuttgart-Nord, -West, -Ost und -Süd.
Geografie Lage Der Stadtbezirk Stuttgart-Mitte liegt auf dem Grund des Stuttgarter Talkessels, dessen Rand durch die vier angrenzenden Bezirke in Hanglage gebildet wird.
Zentraler Bereich Mittelpunkt des Bezirks und der gesamten Landeshauptstadt ist die Königstraße, eine der längsten Fußgängerzonen Europas, entlang der die meisten namhaften Kaufhäuser und Geschäfte vertreten sind. Repräsentatives Zentrum ist in der Mitte der Königstraße der Schloßplatz mit dem städtischen Kunstmuseum, dem Königsbau und dem Neuen Schloss. In direkter Nachbarschaft liegt der Schillerplatz mit dem Alten Schloss (Württembergisches Landesmuseum) und der Stiftskirche. Ein weiteres Zentrum, das frühere Zentrum der alten Stadt, ist der Marktplatz mit dem Rathaus.
Südlicher Bereich Weiter in Richtung Süden folgt der Tagblatt-Turm und, durch die Hauptstätter Straße räumlich getrennt, die Leonhardskirche, sowie das Bohnen- und das Heusteigviertel.
Östlicher Bereich Östlich des Schloßplatzes, im Bereich der Konrad-Adenauer-Straße und des Oberen Schlossgartens, befinden sich der Landtag und das Staatstheater, sowie auf der anderen Seite der Straße die Staatsgalerie, die Württembergische Landesbibliothek und das Wilhelmspalais, früher Stadtbücherei, nun Stadtmuseum. Die Konrad-Adenauer-Straße (B 14) ist einerseits Kulturmeile, andererseits eine viel befahrene Stadtautobahn.
Westlicher Bereich Am westlichen Rand der Innenstadt liegen das Hospitalviertel mit der nur teilweise wiederaufgebauten Hospitalkirche (in der „Neuen Vorstadt“) und eine Reihe kultureller Einrichtungen. Zu nennen sind die Liederhalle und das Linden-Museum, dazwischen der historische Hoppenlaufriedhof, dann das Katharinenhospital und das Bankenviertel mit dem Friedrichsbau und der Börse. Südlich des Katharinenhospitals an der Kriegsbergstraße gibt es einen Grünbereich, den „Stadtgarten“. Dort, an der Schellingstraße und an der Keplerstraße, liegen Teile der Universität, der vormaligen Technischen Hochschule, besonders drei Hochhäuser und die Universitätsbibliothek. Zwei der Hochhäuser sind die Kollegiengebäude K1 und K2 nahe dem Hauptbahnhof, das dritte ist das Max-Kade-Wohnheim an der Liederhalle.
Nördlicher Bereich Die nördliche Grenze des Bezirks bildet das Europaviertel. Hier befand sich bis in die 1980er Jahre ein Güterbahnhof, über den früher die Stadt mit Waren versorgt wurde. Im Frühjahr 2002 wurde damit begonnen, das Gelände neu zu bebauen.
Ebenfalls zu diesem Bereich gehört das Kernerviertel um den Kernerplatz, welches nördlich der Staatsgalerie liegt.
Stadtteile Der Stadtbezirk entstand 1956 in seiner heutigen Form. Damals waren der Stadtbezirk und der Stadtteil Stuttgart-Mitte identisch. Im Jahre 2001 wurde der Stadtbezirk Stuttgart-Mitte in zehn Stadtteile neu aufgeteilt: Oberer Schlossgarten, Rathaus, Hospitalviertel, Universität, Hauptbahnhof, Klettplatz, Kernerviertel, Diemershalde, Dobel und Heusteigviertel.
Die historische Altstadt, die im Zweiten Weltkrieg erheblich getroffen wurde und sich in ihrem Gebäudebestand – nicht im Verlauf der Gassen – stark verändert hat, findet man im Wesentlichen im Stadtteil Rathaus, dem auch das Bohnenviertel und das Gerberviertel zugeschlagen wurde. Beschreibungen zu den Stadtteilen Oberer Schlossgarten, Hospitalviertel, Universität und Klettplatz (Hauptbahnhof) finden sich im Abschnitt Geografie. Kernerviertel, Diemershalde und Dobel sind Stadtteile mit viel Wohngebäuden, das Justizviertel (Urbanstraße) erstreckt sich bis in die Diemershalde hinein.
Mit Wirkung vom 1. Juli 2007 wurde die Stadtgliederung im Stadtbezirk Stuttgart-Mitte verändert. Zuvor war die Hauptsatzung durch Beschluss des Gemeinderats vom 22. März 2007 entsprechend geändert worden. Im Stadtbezirk Stuttgart-Mitte wurde eine Grenzänderung und damit verbunden entsprechende Umbenennungen zweier Stadtteile vorgenommen. Änderungen im Stadtbezirk: Stadtteil Hauptbahnhof – war bis 30. Juni 2007 Stadtteil Klettplatz Europaviertel – war bis 30. Juni 2007 Stadtteil Hauptbahnhof.
Geschichte mini|Zerstörtes Leonhardsviertel am 22. August 1944 Im Bereich der heutigen Stuttgarter Innenstadt legte Herzog Liudolf von Schwaben während der Ungarneinfälle um 950 ein Pferdegestüt („Stuotengarten“) an. Der von ihm gewählte Standort war auf Grund der natürlichen Gegebenheiten des nach drei Seiten abgeschlossenen Talkessels für die Pferdezucht ideal.
Neue archäologische Grabungen im Bereich der Stiftskirche sowie des Alten Schlosses zeigen jedoch, dass es sich nicht um eine Gründung auf der grünen Wiese handelte: Mindestens seit der späten Merowingerzeit bestand hier eine bäuerliche Siedlung. Eine Bestattung unter der Stiftskirche ergänzt die spärlichen Informationen über frühere Funde merowingerzeitlicher Gräber im Stadtgebiet. Aus der Karolingerzeit sind Reste mehrerer Grubenhäuser nachgewiesen.
Siehe auch: Geschichte Stuttgarts
Politik Am Marktplatz 1 in Stuttgart-Mitte hat die Stadtverwaltung ihren Hauptsitz.
Die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen in den Stadtbezirken sind maßgebend für die Anzahl der Sitze der Parteien in den Bezirksbeiräten. Die Kommunalwahl 2024 ergab die in der nebenstehenden Grafik abgebildeten Stimmenanteile und die nebenstehende Verteilung der 13 Sitze des Bezirksbeirates.
Ehrenamtliche Bezirksvorsteherin des Stadtbezirkes Stuttgart-Mitte ist Veronika Kienzle (Grüne).
Infrastruktur Verkehr In Stuttgart-Mitte treffen viele Verkehrswege zusammen. Die B14 und die B27 kreuzen sich hier, die S-Bahn hat hier ihre "Stammstrecke" und die meisten Stadtbahnlinien, viele Buslinien und auch Hauptradrouten führen durch Stuttgart-Mitte.
Verkehrsberuhigung Rund um die Fußgängerzone mit der Königstraße befindet sich der "City-Ring", auf dem der Kfz-Verkehr gebündelt wird. Im Innern des Rings soll (mit Ausnahme des Planietunnels) nur noch Anliegerverkehr fahren. Da es neben den zahlreichen Parkhäusern auch einige oberirdische Stellplätze gibt, findet dort dennoch zum Teil mehr Kfz-Verkehr statt als es für Anliegerstraßen üblich ist. Daher fasste der Gemeinderat den Beschluss "lebenswerte Innenstadt", der unter anderem vorsieht, auf gewöhnliche Straßenparkplätze an den Straßen innerhalb des Rings zu verzichten und die entsprechenden Flächen anderweitig zu nutzen, etwa als Aufenthaltsflächen. Die Parkhäuser bleiben für Kfz erreichbar, auf den Zufahrten soll Tempo 20 gelten.Das Zielkonzept für eine lebenswerte Innenstadt auf www.stuttgart.de, abgerufen am 7. Mai 2025
Auch außerhalb des City-Rings werden Maßnahmen für mehr Aufenthaltsqualität getroffen. So wurde 2023 der Schützenplatz im Kernerviertel umgebaut, der zuvor wie ein großer Parkplatz wirkte.Jan Sellner: Schöner wohnen und leben am Schützenplatz, Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 4. Juli 2023, abgerufen am 7. Mai 2025
Radverkehr Alltagsrouten aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de verbinden das Stuttgarter Zentrum über Stuttgart-Nord mit dem Pragsattel und weiter über den Stadtbezirk Zuffenhausen mit Kornwestheim und Ludwigsburg, am Pragsattel abzweigend über die Stadtbezirke Feuerbach und Weilimdorf und über Ditzingen mit Leonberg, über den Stadtbezirk Bad Cannstatt mit Fellbach und Waiblingen, in Bad Cannstatt abzweigend über Untertürkheim und Obertürkheim mit Esslingen, über die Stadtbezirke Stuttgart-Süd (Marienplatz, Heslach, Kaltental) und Vaihingen mit Böblingen und bei Vaihingen abzweigend über den Stadtbezirk Möhringen mit Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt.
Diese ausgeschilderten Routen sind weitgehend auch städtische Hauptradrouten (HRR): Die HRR 1 führt von Böblingen kommend über Stuttgart-Mitte Richtung Fellbach. Sie wird in Stuttgart-Mitte derzeit aber in weiten Teilen gemeinsam mit dem Fußverkehr geführt, insbesondere im Schlossgarten und in der Tübinger Straße von der Paulinenbrücke stadteinwärts, in der versucht wurde, einen "Shared Space" einzurichten.
Die HRR 5 führt zweigt zwischen dem Mittleren und dem Unteren Schlossgarten von der HRR 1 ab und führt über den Pragsattel Richtung Kornwestheim. Auch auf dieser Strecke werden Wege gemeinsam mit dem Fußverkehr genutzt.
Weitere Hauptradrouten sollen Stuttgart-Mitte über Stuttgart-Ost, Wangen und Hedelfingen Richtung Esslingen (HRR 2), vom Berliner Platz kommend über Stuttgart-Süd (Lehen), Degerloch (Waldau), Birkach und Plieningen Richtung Flughafen (HRR 3) und vom Hauptbahnhof aus über Stuttgart-West mit Botnang (HRR 4) verbinden. Davon ist bislang nur die HRR 3 ausgeschildert. Die HRR 2 ist in der vorgesehenen Form noch nicht befahrbar, da sie in Stuttgart-Ost durch einen Straßenzug führt, in den nur die Stadtbahn einfahren darf.
Rund um den Cityring bestehen noch verschiedene Hauptradrouten zweiter Ordnung.
Für die Zukunft ist vorgesehen, dass der City-Ring auch eine Radschnellverbindung enthält und davon verschiedene Radschnellverbindungen abzweigen, unter anderem auf derzeitigen Gleisanlagen geführt, die durch das Projekt "Stuttgart 21" freiwerden sollen.
Kultur, Religion und Sehenswürdigkeiten
Theater mini|hochkant|Linden-Museum mini|hochkant|Grabfeld auf dem Hoppenlau-Friedhof mini|hochkant|Carl-Zeiss-Planetarium mini|hochkant|Wilhelmspalais von Giovanni Salucci mini|hochkant|Kunstgebäude am Schloßplatz mini|hochkant|Markthalle Stuttgart mini|hochkant|Stiftskirche und Fruchtkasten um 1900 Großes Haus, Opernhaus, erbaut 1907–1912 von Architekt Max Littmann Kleines Haus, Schauspielhaus, erbaut 1959–1962 Altes Schauspielhaus Renitenztheater (Kabarettbühne) Friedrichsbau Varieté (1994–2014, verlegt an den Pragsattel)
Museen Staatsgalerie Stuttgart städtisches Kunstmuseum Stuttgart Linden-Museum, Staatliches Museum für Völkerkunde. Der Name des Linden-Museums geht auf Karl von Linden zurück. Er war Vorsitzender des Württembergischen Vereins für Handelsgeographie. 1889 wurde das ursprünglich Handelsgeographische Museum in das heutige Völkerkundemuseum umgewandelt. Württembergisches Landesmuseum (im Alten Schloss) "Hotel Silber" – ehemalige Zentrale der Gestapo. Das Museum als Ort der Erinnerung für die Opfer des Nationalsozialismus befindet sich noch im Bau. mini|hochkant|Der Kriegsberg, ein Weinberg im Stadtteil Hauptbahnhof Parkanlagen/Friedhöfe Der Hoppenlaufriedhof ist einer der ältesten Friedhöfe Stuttgarts. Er wurde 1626 angelegt und bis 1824 mit einer jüdischen Begräbnisstätte auf ca. 7000 Grabstätten erweitert. Bereits seit 1880 finden dort keine Beerdigungen mehr statt. 1961 wurde der Friedhof anlässlich der Bundesgartenschau 1961 als Parkanlage hergerichtet. Die gesamte Parkanlage ist auch heute noch interessant und stellt eine „Insel der Ruhe“ in der Großstadt dar. Hier befinden sich u. a. die Gräber von Johann Friedrich Cotta, Wilhelm Hauff, Johann Heinrich Dannecker, Johann Gottfried Pahl, Christian Friedrich Daniel Schubart, Gustav Schwab und Emilie Zumsteeg.
Bauwerke
Das Alte Schloss war im 13. Jahrhundert eine Wasserburg. Seit dem 14. Jahrhundert war es Hauptsitz der württembergischen Grafen und Herzöge.