Lauenau ist ein Flecken im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen. Er zählt etwa 4400 EinwohnerLauenau, rodenberg.de, abgerufen am 22. Dezember 2020. und gehört zur Samtgemeinde Rodenberg.
Geografie Der Flecken liegt im Deister-Süntel-Tal am westlichen Rand des Höhenzugs Deister, knapp 30 km südwestlich von Hannover. Die Weser und der Mittellandkanal verlaufen jeweils in etwa 15 km Entfernung. Die Rodenberger Aue und der Mühlenbach durchfließen den Ort.
Naturräumlich liegt Lauenau im Calenberger Bergland an der Schwelle der deutschen Mittelgebirge zum Norddeutschen Tiefland. Im weiteren Sinne wird Lauenau auch als Teil des Weserberglands gezählt, obwohl der gebietsprägende Deister bereits zum Einzugsgebiet der Leine zählt. Ebenso entwässert der Deister über zahlreiche Zuflüsse zur Rodenberger Aue über die Westaue schließlich in die Leine.
Der Flecken Lauenau gliedert sich in den Kernort Lauenau und Feggendorf.
* Entfernungen sind gerundete Kilometer Luftlinie bis zum Ortskern.
Geschichte mini|Lauenau als Merian-Stich um 1650 mini|Ortsbild Lauenau In manchen Urkunden kommen die Namen Schwedesdorf und Lauenau nebeneinander vor. Der Name Lauenau stammt aus späterer Zeit und bezieht sich auf die vom Welfenherzog Heinrich dem Löwen um 1190 errichtete Burg, die später als Gerichtsstätte diente als Law (Gericht) an der Aue. Mit Schwedesdorf war das ursprüngliche Dorf gemeint, das 1059 erstmals urkundlich erwähnt wird. Es leitet sich vom plattdeutschen Wort Schwad oder Schwed ab, was der Bedeutung einer langen Linie entspricht. Schwedesdorf war ein Grenzdorf.
Der Flecken gehörte ursprünglich zur Grafschaft Schaumburg. Nachdem dessen Herrscher bei einer Versammlung im Laufe des Dreißigjährigen Krieges vergiftet wurde, war die Linie ausgelöscht und die Grafschaft wurde 1640 geteilt. Lauenau wurde dem Fürstentum Calenberg-Göttingen zugeschlagen, aus dem 1692 das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (sog. „Kurhannover“) und später das Königreich Hannover entstand. Durch die Niederlage des Königreichs im Deutschen Krieg 1866 wurde Lauenau Teil der preußischen Provinz Hannover.
Durch einen Großbrand wurde Lauenau im Dezember 1682 fast völlig zerstört. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) war der Ort von den Franzosen besetzt.
Im Jahre 1884 wurde Lauenau Teil des neu gebildeten Landkreises Springe. Zwei Jahre nach der Bildung der Samtgemeinde Lauenau wurde durch die Gebiets- und Verwaltungsreform am 1. März 1974 die bis dahin selbstständige Nachbargemeinde Feggendorf eingemeindet. Im gleichen Jahr erfolgte die Eingliederung Lauenaus in die neu geschaffene Samtgemeinde Rodenberg.Matthias Blazek: Von der Landdrostey zur Bezirksregierung – Die Geschichte der Bezirksregierung Hannover im Spiegel der Verwaltungsreformen. ibidem-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-89821-357-9. Im Jahr 1976 wurde durch die Kreisreform der alte Landkreis Springe aufgelöst. Damit endete auch die seit 1640 bestehende Zugehörigkeit zum Calenberger Land. Lauenau gehört seitdem zum neu gebildeten Landkreis Schaumburg.
17 Lauenauer Bürger gründeten am 27. Dezember 1897 die Freiwillige Feuerwehr.Matthias Blazek: Feuerwehrwesen im Landkreis Schaumburg im 19. Jahrhundert. 2., aktualisierte und ergänzte Auflage, Adelheidsdorf 2002, S. 37 f.
In jüngerer Vergangenheit war Lauenau ein Schwerpunkt der Stuhl- und Möbelindustrie Niedersachsens. Hier ist besonders die Schulmöbelfabrik Casala zu nennen. Durch die günstige Lage an der A2 gehört Lauenau heute zu den expandierenden Gemeinden der Region.
Schloss Lauenau mini|Schloss Lauenau, eine frühere Wasserburg
Um 1190 ließ Herzog Heinrich der Löwe Schloss Lauenau als Wasserburg zum Zwecke einer Grenzfeste gegen die Schaumburger Grafen errichten. Während der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 wurde die Burg vom schaumburgischen Feldobersten Ludolf von Münchhausen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1565–1572 in Form eines Wasserschlosses im Stile der Weserrenaissance. Jahrhundertelang diente es als kurfürstliches Amtshaus und königliche Domäne. Heute befindet es sich in Privatbesitz.
Schloss Meysenbug
Schon 1499 wird das Schloss Meysenbug als Castrum erwähnt. Graf Anthonius von Holstein-Schaumburg belehnte Wulfferd von Zerßen mit dem Schloss. Es folgten mehrere Neu- und Umbauten. Am 26. August 1828 wurde Carl Rivalier von Meysenbug (1779–1847) vom hessischen Kurfürsten Wilhelm II. mit dem Gut belehnt, nachdem dieser ihn bereits 1825 in den Adelsstand mit der Namenserweiterung von Meysenbug, dem Namen der 1810 mit Heinrich von Meysenbug ausgestorbenen Familie, erhoben hatte. 1831 wurde er Staatsminister und Minister für auswärtige Angelegenheiten des Kurfürstlichen Hessischen Hauses und bald Minister in außerordentlichen Diensten von Wilhelm II. von Hessen. Eine Tochter von Rivalier von Meysenbug war die bekannte Schriftstellerin Malwida von Meysenbug (1816–1903).
Schloss Schwedesdorf mini|Schloss Schwedesdorf in Lauenau
Bereits 1377 wurde die weiße Linie des Adelsgeschlechts Münchhausen von den Schaumburger Grafen mit dem halben Zehnten zu Schwedesdorf belehnt, zeitgleich mit drei Höfen in Apelern. Dieses freie Burglehn in der Vorburg zu Lauenau diente, wie bei anderen Burgmannen auf dem Amtsschloss Lauenau auch, zu ihrer Versorgung. 1594 teilten sich drei Brüder das Erbe auf: Claus erhielt Apelern und Nienfeld, Otto Lauenau und Ludolf das von der Mutter Heilwig Büschen herrührende Erbe in Hessisch Oldendorf und Remeringhausen.
Otto von Münchhausen, seit 1583 Drost auf dem Amtsschloss Lauenau, begann 1596 mit der Errichtung eines eigenen Schlosses Schwedesdorf in unmittelbarer Nachbarschaft. Als Baumeister gilt der Hamelner Johann HundertossenAlbert Neukirch: Renaissanceschlösser Niedersachsens. Textband 2. Hälfte, Hannover 1939., der ab 1603 auch das Schloss Bevern für einen Vetter aus der schwarzen Linie, Statius von Münchhausen, errichten sollte. Im Jahr 1600 wurde der Bau fertiggestellt, seitdem ziert die Inschrift Otto von Munnichhusen, Anno domini 1600 einen Wappenstein. Einige Jahre später entstand ein sechseckiger Treppenturm. 1892 wurden Erker und Giebel angepasst und mit einer steinernen Inschrift versehen, die auch im Familienwappen der Münchhausens zu finden ist: Mine Borg is God. Otto konnte sich seines neuen Hauses jedoch nicht lange erfreuen, denn bereits 1601 starb er an einer Wunde, die er sich bei einem Duell zugezogen hatte.
In neuerer Zeit diente das Schloss Schwedesdorf als Alterssitz für Adelbert Hubertus Freiherr von Münchhausen und seine Ehefrau Annemarie Freifrau von Münchhausen geb. Freiin von Münchhausen aus dem Hause Vitzenburg, die von ihrem Gut Groß Vahlberg bei Wolfenbüttel nach Lauenau übersiedelten.
Die Fleckenrechte 1536 wurde Lauenau durch den Grafen von Schaumburg zum Marktflecken erhoben. Der Ort hatte nun das Recht, dreimal im Jahr einen Markt abzuhalten, eigenes Bier zu brauen und eine niedere Gerichtsbarkeit einzusetzen. Das einst verwendete Schaumburger Siegel war „LNA“ mit dem Nesselblatt und der Jahreszahl „1572“ (älteste Abbildung eines Siegels). Damit war der Flecken Lauenau Städten faktisch gleichgestellt.
Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Feggendorf eingemeindet.
Politik
Gemeinderat Der Rat des Fleckens Lauenau besteht aus 15 Ratsmitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 3001 und 5000 Einwohnern., abgerufen am 30. März 2017. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Die letzte Kommunalwahl am 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis:
Vorherige Wahlergebnisse Wahljahr SPD CDU WGL Grüne REP WG BHE DP Unabh. Gesamt 1946 8 – – – – – – – 5 13 Sitze 1948 8 – – – – – – – 5 13 Sitze 1952 4 – – – – – 5 4 – 13 Sitze 1956 5 – – – – – 4 4 – 13 Sitze 1961 6 – 4 – – – 3 – – 13 Sitze 1964 7 – 4 – – – 2 – – 13 Sitze 1968 8 – 4 – – – 1 – – 13 Sitze 1972 7 6 – – – – – – – 13 Sitze 1974 8 7 – – – – – – – 15 Sitze 1976 8 7 – – – – – – – 15 Sitze 1981 8 7 – – – – – – – 15 Sitze 1986 8 6 – – – 1 – – – 15 Sitze 1991 8 6 – – 1 – – – – 15 Sitze 1996 9 6 – – – – – – – 15 Sitze 2001 10 5 – – – – – – – 15 Sitze 2006 10 5 – – – – – – – 15 Sitze 2011 8 4 – 3 – – – – – 15 Sitze 2016Gemeinde Lauenau – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2016, abgerufen am 30. März 2017. 8 4 2 1 – – - - – 15 Sitze Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 26. Februar 2015 Wilfried Mundt (SPD). Er folgte dem im Februar 2015 verstorbenen langjährigen Bürgermeister Heinz Laufmöller nach.Wilfried Mundt ist Bürgermeister. In: Schaumburger Nachrichten. 27. Februar 2015 (www.sn-online.de, abgerufen am 4. März 2015).
Gemeindedirektor Thomas Wolf wurde vom Rat für die laufende Wahlperiode zum Gemeindedirektor ernannt.
Frühere Bürgermeister Die Liste zeigt die Lauenauer Bürgermeister seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Ernst Möbius (SPD) (1946–1948)Karl Reinecke (DP) (1949)Friedrich Garbe (SPD) (1950)Karl Reinecke (DP) (1951)Friedrich Garbe (SPD) (1952)Karl Reinecke (DP) (1953)Friedrich Garbe (SPD) (1954–1966)Helmut Garbe (SPD) (1966–1974)Friedrich Dierßen (SPD) (1974–1976)Gerhard Richter (SPD) (1976–1996)Uwe Heilmann (SPD) (1996–2001)Heinz Laufmöller (SPD) (2001–2015)
Wappen Am 9. Oktober 1649 wurde durch Georg Wilhelm Herzog zu Braunschweig-Lüneburg dem Flecken Lauenau das Recht verliehen, „dass sie zu ihrem Wappen einen gelben Leoparden über einem Fluss stehend, ferner führen und gebrauchen mögen“.
Blasonierung: Das heutige Lauenauer Wappen zeigt auf rotem Grund einen nach rechts blickenden, goldenen steigenden Löwen über zwei silbernen Flüssen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Ratskeller von 1825
Josef-Hauke-Stiftung Ende Januar 2010 hat der Flecken Lauenau die „Josef-Hauke-Stiftung“ gegründet, um kulturelle Projekte zu fördern. Das Stiftungsvermögen betrug 10.000 Euro. Die kommunale Stiftung ist nicht rechtsfähig und wird vom Flecken Lauenau verwaltet. Zweck ist laut Satzung die Unterstützung von Einrichtungen und Initiativen im Kulturbereich im Gemeindegebiet von Lauenau. Dafür sind projektbezogene Zuschüsse, Zuschussverträge und Investitionszuschüsse vorgesehen. Genaue Förderrichtlinien müssen noch vom Stiftungsbeirat erlassen werden.
Der Namensgeber Josef Hauke lebte bis zu seinem Tod viele Jahrzehnte in Lauenau und schuf zahlreiche Skulpturen in Lauenau und der Region. Die Stiftung soll neben der Kulturförderung auch Haukes Nachlass an Kunstwerken verwalten und Ausstellungen organisieren. Hierzu sollen ihr entsprechende Räumlichkeiten im Gewerbepark zur Verfügung gestellt werden. Dort finden bereits seit Jahren regelmäßig Ausstellungen der Schaumburger Künstler statt.
Bauwerke mini|St.-Lukas-Kirche Schloss Lauenau (auch Amtsschloss wegen Sitz des Amtes Lauenau), wurde um 1190 von den Welfen als Schutz gegen die Schaumburger Grafen erbaut Schloss Schwedesdorf wurde zwischen 1596 und 1600 von den Rittern von Münchhausen erbaut Schloss Meysenbug: Das heutige Gebäude entstand etwa 1868–1870 im Tudorstil St.-Lukas-Kirche, 1877/78 nach Plänen des Kirchen-Baumeisters Conrad Wilhelm Hase erbaut, gilt in Fachkreisen als sein Meisterwerk katholische St.-Markus-Kirche (1962) mit zahlreichen Kunstwerken von Josef Hauke Mineralbad Lauenau (alle Becken werden aus einer Mineralwasserquelle gespeist) Heisterburg und Wirkesburg als Reste zweier Ringwallanlagen am Deister im Ortsteil Feggendorf Feggendorfer Stolln, ehemaliges Kohlebergwerk am Deister im Ortsteil Feggendorf, heute Besucherbergwerk
Grünflächen und Naherholung mini|Süntel-Buche im Volkspark Lauenau liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln. Das östliche Gemeindegebiet ist Teil des Landschaftsschutzgebiets Süd-Deister . Lauenau besitzt einen kleinen Volkspark mit altem Baumbestand. Dort steht auch die größte und älteste Süntel-Buche der Region. Der Baum ist ebenso wie die Alte Taufe im Deister als Naturdenkmal geschützt.