Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im November 2004.

Tagesgeschehen

Montag, 1. November 2004 Bagdad/Irak: Am Morgen wird der Vizegouverneur von Bagdad Hatem Kamil erschossen. Berlin/Deutschland: Der Ministerpräsident von Brandenburg Matthias Platzeck (SPD) tritt sein Amt als Präsident des Bundesrates an. Platzeck ist der erste Bundesratspräsident, den das Land Brandenburg stellt. Henan/China: Am Wochenende kamen in Langchenggang bei Auseinandersetzungen zwischen Han-Chinesen und islamischen Hui-Chinesen nach heutiger Bestandsaufnahme sieben Menschen ums Leben. Für die Stadt wird das Kriegsrecht ausgerufen. Jerusalem/Israel: jüdische Siedler und Anhänger protestieren gegen die Pläne des israelischen Premiers Ariel Scharon, die den Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen und die Auflösung der dortigen Siedlungen vorsehen. Tel Aviv/Israel: Bei einem Selbstmordattentat auf einem Markt werden mindestens vier Menschen getötet und 30 weitere verletzt. Zu dem Anschlag bekennt sich die palästinensische Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Die „Internationale Projektgruppe Auschwitz-Sammelklage“ verklagt US-Präsident George W. Bush auf Schadensersatz, weil dessen Großvater Prescott Bush an einem Unternehmen beteiligt war, das Gewinn aus der Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen zog.

Dienstag, 2. November 2004 mini|175px|US-Präsidentschaftswahl: Stimmenanteile der Parteien nach County, rot=Republikaner Amsterdam/Niederlande: Ein Islamist erschießt den Filmemacher Theo van Gogh. Berlin/Deutschland: Beginn des dreitägigen Staatsbesuchs von Königin Elisabeth II. in Deutschland. Stationen sind Schloss Charlottenburg, das Kanzleramt und die Neue Wache. Köln/Deutschland: Harald Schmidts Rückkehr ins Fernsehen wird offiziell bestätigt. Seine neue 30-minütige Sendung soll ab 23. Dezember jeweils mittwochs und donnerstags im Ersten gesendet werden. Manuel Andrack und Helmut Zerlett sollen auch wieder Teil der Show sein. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: In den USA finden zeitgleich Präsident­schafts- und Kongresswahlen statt und die Stimmberechtigten entscheiden in elf US-Bundesstaaten über neue Gouverneure. Die Wahl bestätigt US-Präsident George W. Bush (Republikaner) in seinem Amt, sein Herausforderer von der Demokratischen Partei John Kerry erklärt umgehend seine Wahlniederlage. Bei der Wahl zum Senat und bei der Wahl zum Repräsentantenhaus verbleibt die Mehrheit der Sitze jeweils bei den Republikanern.

Mittwoch, 3. November 2004 Abu Dhabi/Vereinigte Arabische Emirate: Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan wird in das Amt des Präsidenten eingeführt. Er ist der Sohn des am Vortag verstorbenen Präsidenten Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan, der seit 1971 Staatsoberhaupt des Landes war. Berlin/Deutschland: Das Kabinett billigt eine Novelle der Verpackungsverordnung, mit der die Handhabung des Pfands auf Einweggetränkebehälter vereinfacht werden soll. Berlin/Deutschland: Der Deutsche Gewerkschaftsbund spricht sich in einer Entscheidung für die Bürgerversicherung als zukünftiges Modell für die Gesundheitsversorgung aus. Budapest/Ungarn: Ungarn gibt bekannt, dass es sein Militär zum 31. März 2005 aus dem Irak abziehen wird. Kabul/Afghanistan: Die Wahlkommission der ersten Präsidentschaftswahl nach Entmachtung der Taliban erklärt Amtsinhaber Hamid Karzai zum Gewinner der im Oktober durchgeführten Wahl. Kolding/Dänemark: Die Explosion der Feuerwerkskörper-Fabrik N. P. Johnsens führt zu Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Circa Häuser werden beschädigt. Montevideo/Uruguay: Bei den Präsidentschaftswahlen siegt Tabaré Vázquez. Zhengzhou/China: In der Provinz Henan gilt nach einer Auseinandersetzung zwischen Han- und Hui-Chinesen bis auf Weiteres der Ausnahmezustand.

Donnerstag, 4. November 2004 Braunschweig/Deutschland: Ein Zwölfjähriger erschießt am Abend seine Eltern und verletzt sich selbst lebensgefährlich. Vorangegangen waren Streitereien über seine Schulnoten. Brüssel/Belgien: Der designierte Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso stellt seinen abgewandelten Vorschlag für die künftige Kommission vor; unter anderem wird darin Franco Frattini den Kandidaten Rocco Buttiglione ersetzen. Düsseldorf/Deutschland: Queen Elisabeth II. des Vereinigten Königreichs besucht im Rahmen ihres Staatsbesuchs Düsseldorf. Newcastle upon Tyne/Vereinigtes Königreich: In einem Referendum in Nordostengland 2004 lehnen die Abstimmenden die Einrichtung einer gewählten Regionalversammlung ab. Irak: Drei britische Soldaten werden bei einem Selbstmordattentat getötet. Paris/Frankreich: Nach Angaben verschiedener Medien fiel der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde Jassir Arafat ins Koma. Die behandelnden Ärzte stufen seinen Zustand als kritisch ein. Suðurland/Island: Der Vulkan Grímsvötn spuckt seit Tagen Asche und Lava aus. Die hochgeschleuderten Staubmassen bedingen den Ausfall von Transatlantikflügen.

Freitag, 5. November 2004 Berlin/Deutschland: Die Bundesministerin der Justiz Brigitte Zypries stellt einen neuen Gesetzentwurf vor, der die Rechte schwerkranker Patienten in Patientenverfügungen stärken soll. Brüssel/Belgien: Auf dem Gipfeltreffen des Rats der Europäischen Union (EU) einigen sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten auf ein Hilfspaket für den Irak, formulieren Ideen für ein einheitliches Asylrecht und stellen im Abschlussdokument fest, dass die Beziehungen der EU zu den Vereinigten Staaten wichtig sind. Moskau/Russland: Präsident Wladimir Putin unterzeichnet nach der Zustimmung des Parlaments das Kyoto-Protokoll. Damit wird es zu Beginn des Jahres 2005 in Kraft treten, was durch den Ausstieg der Vereinigten Staaten zunächst verhindert wurde, doch mit der russischen Ratifizierung erreicht das Klimaschutz-Protokoll, das keine Sanktionen bei Zuwiderhandlungen vorsieht, erneut das vereinbarte Quorum. Stari Kevljani/Bosnien und Herzegowina: Im Westen der Republika Srpska endet die im August begonnene Exhumierung von Leichen aus einem Massengrab. Die Kommission für Vermisste Personen der Föderation Bosnien und Herzegowina teilt mit, dass nach aktuellem Kenntnisstand 456 Körper in dem Grab lagen.

Samstag, 6. November 2004 Berlin/Deutschland: Die CSU und der BDI sprechen sich für die Streichung von Feiertagen und der flächendeckenden Einführung der 40-Stunden-Woche aus. Berlin/Deutschland: Nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit wird jeder vierte Arbeitslosenhilfebezieher ab dem Beginn des Jahres 2005 keine Arbeitslosenunterstützung nach dem neu eingeführten Arbeitslosengeld II mehr erhalten. Den Haag/Niederlande: Nach dreimonatigem Streit einigen sich Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften auf einen Kompromiss in der Sozialpolitik. Damit sind auch die Warnstreiks beendet. Samarra/Irak: Mindestens 34 Menschen kommen bei mehreren Anschlägen ums Leben. Ufton Nervet/Vereinigtes Königreich: Bei einem Zugunglück westlich von Reading werden am Abend sieben Menschen getötet und 150 verletzt. Ursache war ein Pkw auf den Gleisen.

Sonntag, 7. November 2004 Ägypten: Bei einem Busunglück kommen mindestens 33 Menschen ums Leben, weitere 14 werden verletzt. Avricourt/Frankreich: Ein Atommülltransport mit zwölf Castor-Behältern befindet sich auf dem Weg von der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins so genannte „Zwischenlager“ nahe der deutschen Stadt Gorleben, als der Protest gegen Atommülltransporte Richtung Deutschland erstmals zu einem Todesopfer in der Anti-Atomkraft-Bewegung führt. Bei einer Blockadeaktion trennt der Zug dem jungen Aktivisten Sébastien Briat, der sich an die Gleise kettete, beide Beine ab. In der Folge stirbt der Atomkraftgegner. Bagdad/Irak: Die irakische Übergangsregierung ruft mit 60-tägiger Wirkung den Notstand aus. Diese Maßnahme soll den Weg für die Wahl im Januar 2005 bereiten. Berlin/Deutschland: Der noch unveröffentlichte Waldzustandsbericht 2004 attestiert den Wäldern im Bundesgebiet einen schlechten Zustand. Insbesondere Buchen seien durch Stressfaktoren wie Hitze und Ozon bedroht. Ein Grund könnten die Klimaänderungen der letzten Jahre sein. Elfenbeinküste: In der Elfenbeinküste kommt es zu Ausschreitungen gegen oppositionelle Einrichtungen und Plünderungen von Häusern im Besitz französischer Staatsbürger. Frankreich verstärkt seine dortigen Truppen. 9 französische Soldaten wurden am Vortag getötet. Irak: Bei koordinierten Angriffen auf Polizeistationen im Westirak kommen 22 Menschen ums Leben. New York/Vereinigte Staaten: Auf dem geräumten Gelände von World Trade Center 1 und 2 begeht ein 25-jähriger Mann Suizid. Laut Presseberichten ist die Wiederwahl George W. Bushs ein mögliches Motiv. Paris/Frankreich: Bei Verhandlungen in Paris einigen sich Unterhändler Frankreichs, Deutschlands und des Vereinigten Königreichs mit der iranischen Regierung auf einen Kompromiss im Atomstreit. Der Kompromiss muss noch von den jeweiligen Regierungen unterzeichnet werden. Skopje/Mazedonien: Das Referendum gegen die neuen Gemeindegrenzen in Mazedonien ist gescheitert, da nur etwa 26 % der Stimmberechtigten abstimmen, womit das Quorum von 50 % verfehlt ist. Es bleibt dabei, dass alle großen Gemeinden im Westen Mazedoniens eine albanische Bevölkerungsmehrheit aufweisen.

Montag, 8. November 2004 mini|175px|Demonstranten gegen Hartz IV warnen u. a. davor, dass mehr Kinder in Armut aufwachsen werden Berlin/Deutschland: Nach dem heute vorgelegten „Kinderreport Deutschland“ leben immer mehr Kinder in Deutschland unter der Armutsgrenze. Bereits 2002 waren es über eine Million Kinder. Thomas Krüger, Präsident des Kinderhilfswerks, verweist darauf, dass diese Zahl sich nächstes Jahr durch Hartz IV noch vergrößern werde. Ab 2005 werden voraussichtlich 1,5 Millionen Kinder mehr von Sozialhilfe leben müssen. Falludscha/Irak: Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten beginnen, die zentralirakische Stadt Falludscha anzugreifen. Frankfurt am Main/Deutschland: Der Sportwagenhersteller Porsche AG zieht vor Gericht, um gegen die Frankfurter Wertpapierbörse zu klagen. Grund der Auseinandersetzung sind die geforderten vierteljährlichen Quartalsberichte, die das Unternehmen aufgrund der bürokratischen Kosten verweigert. Folglich nahm es die Börse 2001 aus dem Aktienindex MDAX. Die Porsche AG argumentiert, dass die wichtigste Börse in Europa, die London Stock Exchange, solche Berichte nicht zur Pflicht erhebt. Hannover/Deutschland: Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen stellt in einer Studie einen drastischen Rückgang der Kriminalität seit 1993 fest. Insbesondere im Bereich der Schwer- und Schwerstkriminalität gab es in den vergangenen zehn Jahren einen starken Rückgang. Gleichzeitig steige jedoch die Wahrnehmung von Verbrechen in der Öffentlichkeit, vermutlich wegen einer breiteren Rezeption in den Medien. Japan: Ein Erdbeben der Stärke 5,9 Mw erschüttert den Norden Japans. Acht Menschen werden verletzt. Tschetschenien/Russland: In einer Offensive von Sicherheitskräften werden 22 Rebellen getötet. Darunter soll auch Suleiman Chairulla sein, der Mörder des früheren tschetschenischen Präsidenten Achmad Kadyrow. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Mehr als 300 Klimaforscher des Arktischen Rats, eines Forums von acht Arktis-Staaten, veröffentlichen ihren Bericht „Arctic Climate Impact Assessment“ zur Auswirkung des Klimawandels auf den Nordpol. Laut dem Bericht nimmt die Geschwindigkeit, mit der das arktische Eis schmilzt, zu. Da das verbleibende Eis eine immer kleinere Teilmenge der Sonnenstrahlung reflektiert und somit der Planet einen immer größeren Teil absorbiert, befürchten die Forscher eine beschleunigte Erderwärmung. Das Folgeszenario ist ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu sieben Meter und das Abreißen des Nordatlantikstroms.