Die Bananen (Musa), veraltet Paradiesfeigen, sind eine Pflanzengattung in der Familie der Bananengewächse (Musaceae) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotyledonen). Die etwa 80 Arten stammen alle aus dem tropischen bis subtropischen Asien und westlichen Pazifikraum.
Einige Arten und Hybriden bilden essbare Früchte, von denen die der Dessertbanane (Musa × paradisiaca) für die Nahrungsmittelproduktion angebaut werden.
Beschreibung mini|links|Detail einer Blattspreite mit Mittelrippe und Seitennerven von unten mini|Illustration von Musa troglodytarum mini|links|Blütenstand von Musa × balbisiana mini|Die Beeren wilder Bananenarten enthalten teils große, harte Samen mini|links|Bananensamen von Zierbananen (Obstbananen dagegen sind steril) mini|Reife Bananenfrüchte in einem Supermarktregal mini|Quer- und Längsschnitte durch Bananen mini|links|Fruchtstand an der „Staude“
Erscheinungsbild und Blätter Musa-Arten und -Sorten sind immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanzen. Unterirdisch besitzen sie ein Rhizom, aus dem Ausläufer treiben. Die eigentliche Sprossachse bleibt bis zur Blütezeit sehr kurz. Der „Stamm“ ist ein aus den massiven Blattstielen bzw. Blattscheiden bestehender, nicht verholzender Scheinstamm mit in der Mitte einem echten Stamm. Er wird mindestens einen halben Meter, meist aber drei bis zehn Meter hoch. An der Basis kann er etwas verdickt sein. Die großen, einfachen, ganzrandigen Laubblätter sind in der Knospenlage gerollt: Wie auch bei der Schwestergruppe der Strelitziaceae zeigen die Laubblätter convolute Vernation (gerollte Knospenlage). Sie sind deutlich in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist länglich oder länglich-elliptisch geformt, sie erreicht eine Länge von zwei bis drei Metern bei einer Breite von 30 bis 60 Zentimetern. Ältere Blätter sind oft mehrfach bis zur Mittelrippe eingerissen. Die Blätter werden besonders in der südostasiatischen Küche gern zum Einwickeln von Speisen verwendet, die dann darin gegrillt oder gekocht werden.
Blütenstände und Blüten Der endständige Blütenstand hängt meist über, manchmal steht er jedoch auch aufrecht. Er ist meistens mit zahlreichen grünen, braunen oder rot-violetten spathaförmigen Hochblättern besetzt, die nach und nach abfallen. An der Unterseite eines jeden Hochblatts befinden sich mehrere Blüten in einer oder zwei Reihen. An der Basis des Blütenstandes sind die von einem Hochblatt umgebenen Blüten weiblich (mit verkümmerten Staubblättern), zum Ende des Blütenstandes hin befinden sich schnell verblühende, röhrenförmige männliche Blüten mit fünf Staubblättern im sogenannten „Bananenherz“ (Glocke), einer großen herabhängenden farbigen Knospe. Die männlichen Blüten sind, in den von mehreren Hochblättern gebildeten Schichten (Knospe), in Reihen angeordnet, in der Knospenmitte befindet sich ein weißlicher Kern (das Herz). Fünf der sechs farbigen, gezahnten, gelappten Blütenhüllblätter der Blüten sind zu einer Röhre verwachsen, die an einer Seite bis zum Grund aufreißt. Der dreikammerige Fruchtknoten ist unterständig. Zwittrige Blüten können zwischen den weiblichen und männlichen Blüten stehen. Die strukturell dreizähligen Blüten werden oft durch Fledertiere bestäubt (Chiropterophilie).Morphology of the banana plant auf promusa.org, abgerufen am 16. Mai 2018.Bananas. FAO, 1977, 1984, 1992, ISBN 92-5-100149-9, online. bei The University of Queensland, Australia, abgerufen am 16. Mai 2018.
Fruchtstände, Früchte und Samen Der Fruchtstand von Bananen wird als „Büschel“ bezeichnet. Ein „Büschel“ kann aus 6 bis 19 sogenannten „Händen“ bestehen, welche die einzelnen Reihen eines Büschels umfassen. Die einzelnen Früchte, die botanisch zu den Beeren gehören, werden meist 20 bis 35 Zentimeter lang und auch als „Finger“ bezeichnet. Sie sind länglich geformt, meist gekrümmt, im Querschnitt leicht kantig. Die Krümmung entsteht aufgrund des negativen Gravitropismus. Jede „Hand“ eines „Büschels“ enthält etwa 10 bis 20 „Finger“.
Bei Wildformen werden nach der Befruchtung in der Beere viele Samen gebildet. Bei parthenokarpen Kulturformen entwickeln sich keine Samen. Die Samen sind unregelmäßig kugelig bis linsenförmig.
Die meisten Arten sind monokarp, sterben also ab, nachdem sie gefruchtet haben. In der Regel haben sich aber am Wurzelknollen Kindel gebildet, so dass die Pflanze ausdauernd ist.
Chromosomensätze Je nach Sektion beträgt die Chromosomengrundzahl x = 10 oder 11. Wildformen sind meist diploid, Kulturformen weisen andere Ploidiegrade auf, beispielsweise Triploidie.
Schädlinge Auf den Staudenblättern der Dessertbanane breitet sich der Pilz Black sigatoka aus, in: daserste.de, 30. Juni 2013 weshalb industriell betriebene Bananenplantagen einmal pro Woche mit Fungiziden besprüht werden. in: daserste.de, 30. Juni 2013
mini|Rote Bananen (ein triploider Kultivar von Musa acuminata), die wie die übrigen Dessertbananen für den Frischverzehr verwendet werden
Nutzung Nahrungsmittel mini|Aufgeschnittene Banane
Das Fruchtfleisch vieler Sorten der Musa × paradisiaca und anderer Hybriden ist essbar. Die Zuchtbananen bringen es heute zusammen auf über 1000 Kreuzungen und Varianten.Atlant Bieri: In: NZZ am Sonntag, 6. Januar 2008, S. 60
Im Vergleich mit anderen Obstsorten enthalten die herkömmlichen Zuchtbananen viel Fruchtzucker, also viele Kohlenhydrate und deshalb viel Nahrungsenergie. Unter anderem darum sind Bananen neben den Äpfeln das beliebteste Obst der Deutschen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2015 besagt, dass der Durchschnittsbürger in Deutschland pro Jahr ca. 12 Kilogramm Bananen verzehrt. Trotz des hohen Anteils des Einfachzuckers Fruktose (Monosaccharid) ist in der Ernährungswissenschaft aber nach wie vor unumstritten, dass die Hybriden der Musa x paradisiaca gesund sind. Der hohe Anteil an Kalium, Antioxidantien und Vitamin C begünstigt die Muskelfunktionen, hemmt Entzündungsherde und reguliert die Stoffwechselprozesse. Weltweit stellen Bananen gerade in Schwellenländern einen großen Teil des Grundumsatzes und des Vitaminbedarfs sicher.
Neben den mehlig-süßen Dessertbananen sind auch Kochbananen eine bedeutende Nahrungsquelle. Ihr weißlich-gelbes Fruchtfleisch, das im Geschmack mild bis leicht säuerlich ist, ist nicht zum Rohverzehr geeignet. Es wird sowohl gekocht als auch gebacken oder gegrillt. Ferner werden auch Bananenblüten (auch als „Bananenherzen“ bezeichnet) in der südostasiatischen Küche als Frucht verwendet, während Bananenblätter oft als eine Art Serviertablett oder geschmackstragende Back- und Grillhülle dienen.
Essbar ist auch das „Bananenherz“, sowohl der fleischige, weißliche Kern (das Herz) als auch die Hochblätter und die Blüten.
Textilien Von den in Indonesien verbreiteten Faserbananen (Musa textilis), Abacá genannt, werden die sogenannten Manilafasern der Blattscheiden zu Netzen, Tauwerk und Garnen verarbeitet.
mini|Aufrechter Blütenstand von Musa velutina
Zierpflanzen Einige Bananenarten werden, vor allem in tropischen und subtropischen Ländern, als Zierpflanzen verwendet.Esendugue Fonsah, Richard Wallace, Gerard Krewer (2008): Why Are There Seeds In My Banana? A Look at Ornamental Bananas. Journal of Food Distribution Research 39 (1) PDF download Darunter sind sowohl Sorten, die über Samen, als auch solche, die vegetativ mittels Ablegern vermehrt werden. Die am weitesten verbreitete Zierpflanze ist Musa ornataMusa ornata – Flowering Banana. Hawaiian Plants and Tropical Flowers, by T. Beth Kinsey., diese wurde schon in europäischen Ziergärten gepflanzt, bevor sie wissenschaftlich beschrieben war.Alfred Joe, Mamiyil Sabu (2016): Wild ornamental Bananas in India: an overview. South Indian Journal Of Biological Sciences 2(1): 213‐221. Während Zierbananen in tropischen Klimaten rund ums Jahr wachsen und blühen, legen sie in subtropischen und warmtemperaten (mediterranen) Klimaten im Winter eine Dormanzphase ein. Es existieren moderat frostharte Sorten, die auch im Freiland ohne besonderen Schutz im Boden überwintern und im Folgejahr neu austreiben. Eine bekannte „winterharte“ Bananenart ist die Japanische Faserbanane (Musa basjoo); von ihr sind mehrere Sorten mit verbesserter Frostresistenz gezüchtet worden.Musa basjoo – Pflege, Vermehren und Überwintern. In: gartendialog.de, aufgerufen am 28. Juni 2014
Krankheiten und Sorten Anfang des 20. Jahrhunderts waren Anbauregionen von der Panamakrankheit betroffen. Der Pilz Fusarium oxysporum f. sp. cubense, Stamm TR1 (= tropical race 1), der jahrelang im Boden ausdauert, drang in die Wurzeln ein. Um 1960 wurde von der Sorte Gros Michel breit auf die widerstandsfähigere Cavendish umgestellt. Eine neue Variante des Pilzes – TR4 – wurde in mehreren Untervarianten in den 1990ern in Südostasien entdeckt und breitete sich auch auf Afrika und den Nahen Osten aus. Inzwischen tritt der Pilz fast weltweit, in allen größeren Anbaugebieten, darunter Malaysia, Indonesien, Thailand, Indien, China und den Philippinen, und damit in den größten Anbaugebieten weltweit, auf. Varianten kommen auch in subtropischen Anbaugebieten vor. Nun wird angestrebt, die Cavendish-Monokulturen durch neue Sorten zu ersetzen, um die massive Verbreitung einer Krankheit in Zukunft zu erschweren. Keine der bisher registrierten Sorten dürfte dafür in Frage kommen.Ein Pilz bedroht die Supermarkt-Banane kleinezeitung.at, 3. Jänner 2016, abgerufen am 3. Jänner 2016.
An der KU Leuven existiert eine Gendatenbank mit derzeit über 1530 Bananensorten.Leuven – the banana metropolis diplomatie.belgium.be, 20. Januar 2017.Genbank für Bananen: Plantage im Reagenzglas spiegel.de, 30. August 2017. Hierdurch wird sichergestellt, dass diese verschiedenen Sorten für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
Elektrochemie Die sogenannte Bananatrode ist ein elektrochemischer Biosensor für Dopamin auf der Basis von Bananengewebe.
Etymologie
Das Wort Banane gelangte über das portugiesische banana ins Deutsche. Es stammt ursprünglich aus einer westafrikanischen Sprache, vermutlich aus dem Wolof. Die Banane bekam ihren wissenschaftlichen Namen, als der Botaniker Carl von Linné 1753 die Flora der Welt klassifizierte. Er nannte die Banane unter Verwendung der arabisch-persischen Bezeichnung für die Frucht Musa paradisiaca (für die Kochbanane) bzw. Musa sapientium (für die Dessertbanane)→ Musa Cliffortiana.
Systematik Die Gattung Musa wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 1043 aufgestellt. Als Lectotypusart wurde 1763 Musa paradisiaca durch Michel Adanson in Familles des plantes, 1. Auflage, Band 2, S. 525, 580 festgelegt.
Sektionen und Arten Die Einteilung der Gattung Musa in Sektionen hat sich wiederholt gewandelt. Nach Wong et al. 2002 wird die Gattung Musa in die drei Sektionen Musa, Callimusa und Ingentimusa eingeteilt; sie stellten die Arten der Sektion Rhodochlamys in die Sektion Musa und die der Sektion Australimusa in Callimusa. Markku Häkkinen stellte 2013 auch Ingentimusa in Callimusa; somit sind es nur noch zwei Sektionen, die sich beispielsweise in der Chromosomengrundzahl x = 11 und x = 10 unterscheiden.
Die Gattung Musa wird seither nur noch in die zwei Sektionen Musa und Callimusa gegliedert und enthält etwa 83 Arten und einige Unterarten bzw. Varietäten. Sektion Musa In diese Sektion werden auch die Arten der früher gesondert betrachteten Sektion Rhodochlamys gestellt. Die Chromosomengrundzahl beträgt x=11. Sie enthält etwa 34 Arten (hier mit ihren Verbreitungsgebieten):mini|Blütenstand von Musa mannii mini|Blütenstand von Musa ornata mini|Habitus und Laubblätter von Musa rubra Musa acuminata (inkl. Musa tomentosa ): Sie kommt ursprünglich in sieben Unterarten und drei Varietäten im tropischen und subtropischen Asien vor. Sie ist weltweit (vor allem durch Kultivation) verbreitet. Musa aurantiaca : Sie kommt in drei Varietäten vom nördlichen Assam bis nördlichen Myanmar vor. Musa balbisiana : Sie kommt in sieben Varietäten im tropischen und subtropischen Asien vor.