Neuhausen-Nymphenburg ist der Stadtbezirk 9 der bayerischen Landeshauptstadt München. Im Jahr 1992 fusionierten Neuhausen und Nymphenburg zum heutigen Stadtbezirk.
Lage Der Stadtbezirk 9 reicht vom Marsfeld am Innenstadtrand bis zum Schlosspark Nymphenburg im Westen und erstreckt sich in seiner Nord-Süd-Ausdehnung vom Olympiapark über die Villenkolonie Gern bis zu den Gleisanlagen Hauptbahnhof-Pasing.
Nachbarbezirke sind Moosach im Norden, Milbertshofen-Am Hart im Nordosten, Schwabing-West und die Maxvorstadt im Osten, die Schwanthalerhöhe im Südosten, Laim im Süden sowie Pasing-Obermenzing im Westen.
Geschichte und Beschreibung mini|links|Stadtbezirksteile mini|Der heutige Stadtbezirk mit Neuhausen und Nymphenburg auf einer Karte von 1810 mini|Schloss Nymphenburg mit Nymphenburger Kanal mini|Volksgarten Nymphenburg, 1900
Ein charakteristisches Merkmal dieses Bezirks ist sein Potpourri aus unterschiedlichen städtebaulichen Elementen.
Zur Vorstufe eines Villenviertels wurden die am Schlossrondell gelegenen zehn symmetrisch in zwei Fünfergruppen gegliederten Palais, die zwischen 1728 und 1758 für höhere Hofbedienstete errichtet und ursprünglich als Ausgangspunkt für eine nie verwirklichte „Carlstadt“ (nach dem Muster der Stadt Karlsruhe) geplant worden waren. Alte Gemälde zeigen ein reges Straßenleben auf den Wegen innerhalb dieser Bebauung mit der stadtmauerartigen Einfassung (z. B. Canaletto, Nymphenburg von der Stadtseite). In Nymphenburg entstand dann, besonders ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, im Umfeld der Auffahrtsalleen zur Schlossanlage ein repräsentatives Wohnviertel, in dem sich zahlreiche Beispiele gründerzeitlicher Architektur erhalten haben, wie die Villenkolonien Neuwittelsbach und Gern.
Die erste Erwähnung ist 1170 als Niwenhusen, namensgebend der Gutshof des Rudolfus de Niwenhusen. Im am 1. Januar 1890 eingemeindeten Neuhausen, das zur Spätgründerzeit schon ein prosperierendes Viertel war, prägen Wohn- und Geschäftshäuser in geschlossener, dichter Blockbebauung das Stadtbild. Entlang der Arnulfstraße und deren Nebenstraßen sind dies häufig wohnungsgenossenschaftliche Bauten wie die teilweise unter Denkmalschutz stehende Versuchssiedlung des Bayerischen Post- und Telegraphenverbandes und die Siedlung Neuhausen. Nördlich des Rotkreuzplatzes findet man mehr Villen und Bürgerhäuser der Gründerzeit.
Im Süden entlang der Gleisanlagen herrschten teils großflächige gewerbliche, industrielle und bahnbetriebliche Nutzungen vor, welche seit den 1990er Jahren u. a. infolge der Privatisierung der Bahnanlagen weitgehend städtebaulich neu entwickelt wurden. Mittelpunkt und urbanes Zentrum des Stadtteils ist der Rotkreuzplatz. Viel gut erhaltene Bausubstanz aus der Gründer- und Zwischenkriegszeit mit dem reichen Angebot an Grünflächen verleihen Neuhausen eine hohe Wohnqualität. Während die Altbauquartiere im Umfeld der Nymphenburger Straße seit jeher auch Heimat für die gehobene Mittelschicht sind, bieten die teils schlichter ausgeführten Jahrhundertwendegebäude im Umfeld von Schulstraße und Donnersbergerstraße Wohnraum für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen.
Am 1. Januar 1899 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Nymphenburg in die Stadt München eingemeindet.
Benannt ist der Stadtteil nach dem Schloss Nymphenburg, der früheren Sommerresidenz der bayerischen Kurfürsten und Könige. Heute ist das Schloss zusammen mit dem Schlosspark Nymphenburg eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Münchens.
Gleich neben dem Schloss liegt die 1747 von Kurfürst Max III. Joseph gegründete Porzellanmanufaktur Nymphenburg, das Marstallmuseum Nymphenburg und das Museum Mensch und Natur. An den Schlosspark grenzt auch der Botanische Garten; seinem Eingang gegenüber liegt das Bayerische Landesamt für Maß und Gewicht. Der Hirschgarten, der Grünwaldpark und der an den Bezirk angrenzende Olympiapark ergänzen das reiche Angebot an Grün- und Erholungsflächen. Zugleich ist der Bezirk aber auch durch die Anbindung der Autobahn A 8 an das Stadtgebiet und durch ein Teilstück des Mittleren Rings mit einem hohen Verkehrsaufkommen belastet. Seit der ab 1. Mai 1996 gültigen Stadtgebietsgliederung, bei der Teile von Neuhausen und Nymphenburg, die zuvor zum alten zehnten Stadtbezirk gehörten, wieder eingegliedert wurden, hat Neuhausen-Nymphenburg mit rund 100.000 Einwohnern nach Ramersdorf-Perlach die zweithöchste Einwohnerzahl der Münchner Bezirke. Im Norden von Neuhausen, zwischen Gern und Moosach liegt der Ortsteil Nederling, im Nordosten der Ortsteil Ebenau.
Am Romanplatz lag 1890 bis 1916 der Volksgarten Nymphenburg, zu seiner Zeit der größte Vergnügungspark Deutschlands.
Die Arbeitsplätze des Bezirks liegen neben Handel und Dienstleistungssektor zum großen Teil im öffentlichen Bereich. Außer der Niederlassung der Deutschen Bahn, dem Bundeswehr-Verwaltungszentrum, dem Bayerischen Landeskriminalamt sowie zahlreichen Krankenhäusern wie dem Rotkreuzklinikum München, dem Deutschen Herzzentrum, dem Krankenhaus Barmherzige Brüder und dem Klinikum Dritter Orden liegen auch große Sozialeinrichtungen im Bezirk. 1929 wurde an der Wendl-Dietrich-Straße 20 die älteste Stadtjugendherberge Deutschlands errichtet, deren 2014 geplanter Erweiterungsbau sich mit großflächigen geschwungenen Verglasungen zum angrenzenden Winthirplatz öffnen soll. Bis voraussichtlich 2026 wird das Strafjustizzentrum München am Leonrodplatz errichtet. Dort werden 1300 Menschen arbeiten.
Der Ausländeranteil in Neuhausen-Nymphenburg beträgt rund 16,8 % (2024). Bezüglich der Altersverteilung ist Neuhausen das jüngere der beiden Viertel.
Galerie
Bildung und Kultur mini|Blutenburg-Theater mini|Tollwood-Festival
Institut für Zeitgeschichte, Leonrodstr. 46b Freiheitshalle, Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1 Kulturzentrum Backstage, Reitknechtstr. 6 Blutenburg-Theater, Blutenburgstraße 35 Geschichtswerkstatt Neuhausen e. V., Neuhauser Trafo, Nymphenburger Straße 171a Münchner Volkshochschule, Außenstelle Neuhausen, Neuhauser Trafo, Nymphenburger Straße 171a (Eröffnung: September 2009) Münchner Stadtbibliothek, Stadtteilbibliothek, Neuhauser Trafo, Nymphenburger Straße 171a (Eröffnung: Januar 2010) Von-Parish-Kostümbibliothek, Kemnatenstraße 50 Nymphenburger Schulen, Schulzentrum, Sadelerstraße 10 Pathos Transport Theater, Dachauer Straße 110d Schwere Reiter (Theater), Dachauer Straße 114 Sommer Tollwood-Festival, Oberwiesenfeld Ost-West-Friedenskirche, Oberwiesenfeld Neues Maxim, Landshuter Allee 33
Baudenkmäler Listen der Baudenkmäler im Bezirk 9 Neuhausen - Nymphenburg:
Statistik
(Stand jeweils am 31. Dezember, Einwohner mit Hauptwohnsitz) Jahr Einwohner davon Ausländer Einwohnerje km² 2000 81.968 17.923 (21,9 %) 6.345 2001 82.235 17.972 (21,9 %) 6.366 2002 81.947 17.795 (21,7 %) 6.343 2003 81.661 17.703 (21,7 %) 6.321 2004 81.921 18.041 (22,0 %) 6.343 2005 82.156 17.890 (21,8 %) 6.362 2006 84.604 18.016 (21,3 %) 6.563 2007 85.964 18.118 (21,1 %) 6.674 2008 87.043 18.836 (21,2 %) 6.730 2009 87.846 18.147 (20,7 %) 6.792 2010 89.286 18.464 (20,7 %) 6.905 2011 92.139 19.848 (21,5 %) 7.135 2012 94.257 21.126 (22,4 %) 7.299 2013 95.906 22.083 (23,0 %) 7.426 2014 97.521 23.309 (23,9 %) 7.551 2015 98.702 24.264 (24,6 %) 7.643 2016 99.538 24.878 (25,0 %) 7.707 2017 98.520 24.005 (24,4 %) 7.629 2018 98.814 23.980 (24,3 %) 7.651 2019 100.213 24.907 (24,9 %) 7.760 2020 99.704 24.635 (24,7 %) 7.720 2021 99.415 24.954 (25,1 %) 7.698 2022 100.495 26.329 (26,2 %) 7.781 2023 100.396 26.256 (26,2 %) 7.774 2024 101.901 27.038 (26,5 %) 7.890 2025 102.527 27.061 (26,4 %) 7.939
Quelle mit weiteren DatenStatistische Daten zur Münchner Bevölkerung. Landeshauptstadt München. Abgerufen am 2. April 2026.
Politik
Der Bezirksausschuss von Neuhausen-Nymphenburg wurde zuletzt im Rahmen der Kommunalwahlen in Bayern 2026 am 8. März 2026 neu gewählt. Dabei wurde der Bezirksausschuss auch von 41 auf 39 Sitze verkleinert.wochenanzeiger.de abgerufen am 4. September 2025. Die Sitzverteilung lautet wie folgt: GRÜNE 14, CSU 9, SPD 7, FDP 2, DaCG/ÖDP 1, LINKE 3, FW 1 und AfD 2. abgerufen am 2. April 2026. Von den 72.180 stimmberechtigten Einwohnern in Neuhausen-Nymphenburg haben 40.872 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 56,6 % (2020: 52,8 %; 2014: 45,0 %) lag.
Nach der Kommunalwahl 2026 wurde Leonie Lobinger (GRÜNE) als Vorsitzende wiedergewählt. Ihre Stellvertreter sind weiterhin Sabine Nasko (CSU) und Anna-Lena-Mühlhäuser (SPD). Der BA-Vorstand wir komplettiert durch die Beisitzer Rudolf Stummvoll (GRÜNE) und Jörn Retterath (SPD) und den Kassier Felix Meyer (FDP).stadt.muenchen.de abgerufen am 28. Juli 2026.
Anna Hanusch (Grüne) wurde nach der Kommunalwahl 2020 zum zweiten Mal als Vorsitzende des Bezirksausschusses gewählt. Ihre Stellvertreter sind Sabine Nasko (CSU) und Anna-Lena Mühlhäuser (SPD).hallo-muenchen.de abgerufen am 23. Juni 2020. Zum 1. Juli 2025 wechselte Anna Hanusch (GRÜNE) als Stadtdezernentin nach Braunschweig, was eine Nachwahl für den Vorsitz für den Bezirksausschuss notwendig machte.sueddeutsche.de abgerufen am 4. September 2025. Als neue BA Vorsitzende wurde Leonie Lobinger (GRÜNE) gewählt.hallo-muenchen.de abgerufen am 4. September 2025.
In der Legislaturperiode 2014–2020 war Anna Hanusch (GRÜNE) das erste Mal als Vorsitzende des Bezirksausschusses gewählt worden. Ihre Stellvertreter waren Sabine Nasko (CSU) und Oliver Belik (SPD).wochenanzeiger-muenchen.de abgerufen am 16. September 2014.
Der Stadtbezirk ist aktuell im Münchner Stadtrat durch Kathrin Abele (SPD), Christian Köning (SPD), Laurenz Kiefer (CSU), Antonia Waldner (CSU) und Andreas Staufenbiel (FW) vertreten.
Im Bezirkstag von Oberbayern ist der Stadtbezirk durch Susanne Wittmann (Tierschutzpartei) vertreten; sie ist Anfang 2025 über die Liste DaCG/ÖDP auch in den Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg nachgerückt, 2026 jedoch nicht wieder in den Bezirksausschuss gewählt worden.
Persönlichkeiten mini|hochkant=0.6|Carl Orff (Ruhmeshalle) mini|hochkant=0.6|Philipp Lahm
Der Schriftsteller Alfred Andersch (1914–1980) ist in Neuhausen geboren und aufgewachsen. In der Erzählung Der Vater eines Mörders, die von seiner Schulzeit handelt, schildert er den damaligen Direktor des Wittelsbacher-Gymnasiums. Der Porzellanmaler Maximilian Joseph Auer (1805–1878) wurde in Nymphenburg geboren. Monsignore Fritz Betzwieser (1929–1993) war von 1965 bis 1993 Stadtpfarrer der Pfarrei Herz Jesu. Durch sein ausgeprägtes Engagement für den Tierschutz, sowie u. a. seine persönliche Freundschaft zum Dalai Lama, den er 1986 nach Neuhausen eingeladen hatte, war er weit über die Grenzen seiner Pfarrei hinaus bekannt. Im Roman Der Kanal porträtierte der hier bis zu seinem Tod lebende Schriftsteller Manfred Bieler (1934–2002) die Gesellschaft Nymphenburgs. Der Historiker Karl Bosl (1908–1993) lebte viele Jahre in der Donnersbergerstraße. Benno Danner (1857–1917), dessen Witwe Therese Danner (1861–1934) die Danner-Stiftung gründete, war Eigentümer der „Zimmergörglsölde“ an der Winthirstraße 18, die seine Großmutter 1855 vom Nymphenburger Apotheker Anton Gulielmo (1805–1872) erwarb. Der Architekt der Gewofag-Siedlung Neuhausen, Hans Döllgast (1891–1974), lebte in der Siedlung am Winthirplatz. Auch die Geschichte des Nationalsozialismus ist eng mit Neuhausen verbunden. Der Werkzeugmacher Anton Drexler (1884–1942), Gründer der Deutschen Arbeiterpartei, lebte und arbeitete hier.muenchen.de (PDF; 3,4 MB) Der bayerische Schauspieler Helmut Fischer (1926–1997), außerhalb Bayerns vor allem durch seine Rolle als „Monaco Franze – der ewige Stenz“ bekannt geworden, wurde in Neuhausen geboren. Der Tischtennisfunktionär und -spieler Rudi Gruber (1922–2002) wurde in Neuhausen geboren.