mini|Tom Waits bei der Glitter and Doom Tour, 2008 Thomas Alan „Tom“ Waits (* 7. Dezember 1949 in Pomona, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Sänger, Komponist, Schauspieler und Autor. In seiner Musik verbindet Waits Einflüsse aus klassischen amerikanischen Genres wie Blues, Rhythm and Blues, Jazz, Folk und die Songwriter mit Aspekten des Vaudeville und der Theatermusik. Später nahm Waits auch Einflüsse aus Avantgarde-Jazz, Rap oder Industrial Rock mit auf. Seine Musik wird gelegentlich auch dem Alternative Rock oder Indie-Rock zugerechnet. Waits trägt seine durch die Beat Generation beeinflussten Songs mit charakteristisch rauer Stimme vor.

Seit Beginn seiner Karriere in den 1970er Jahren wurden und werden Waits’ Kompositionen von unzähligen – häufig kommerziell wesentlich erfolgreicheren – Musikern gecovert. Rod Stewart erreichte beispielsweise 1989 mit der Waits-Komposition Downtown Train Platz eins der Billboard 200. Waits’ Album Bad As Me aus dem Jahr 2011 war das erste, das bereits kurz nach dem Erscheinen nennenswerte Verkaufszahlen erzielen konnte. Als Schauspieler war Waits unter anderem in den Kinofilmen Down By Law, Bram Stoker’s Dracula, Short Cuts, Das Kabinett des Doktor Parnassus, 7 Psychos und The Ballad of Buster Scruggs zu sehen.

Leben und Werk Kindheit und Jugend mini|hochkant|Das Hoover Hotel in Whittier hat sich seit Waits’ Kindheit kaum verändert Tom Waits wurde in Pomona im Los Angeles County geboren und wuchs zunächst in Whittier auf, einer Stadt, die auch viele Jahre später noch typisch für das Amerika der 1950er Jahre war. Abweichend von anderen Quellen gibt Barney Hoskyns in seiner Waits-Biografie Whittier auch als Geburtsort an.Barney Hoskyns: Tom Waits: Ein Leben am Straßenrand. Waits’ Vater Jesse Frank Waits (benannt nach Jesse und Frank James) war schottisch-irischer Abstammung und kam aus Texas. Er unterrichtete Spanisch in Pomona, Whittier, La Verne und Montebello und war Alkoholiker. Waits’ Mutter Alma, ebenfalls Lehrerin, war in Oregon aufgewachsen und streng puritanisch erzogen worden.

Nach der Scheidung der Eltern (sein Vater hatte die Familie 1959 verlassen) zog seine Mutter mit ihm und seinen beiden Schwestern nach Chula Vista. Dort besuchte Waits die Hilltop High School.

In den letzten Jahren seiner High-School-Zeit arbeitete Tom Waits bei Napoleone’s Pizza in National City als Geschirrspüler und Koch. Er „machte gute Pizzen“, erinnerte sich sein früherer Arbeitgeber Sal Crivello. Diese Zeit bezeichnete Waits als seine glücklichste, und die Gespräche der Gäste, sagt er, dienten ihm später als Inspiration für seine Lieder. In der Jukebox von Napoleone’s Pizza entdeckte er die Musik von Ray Charles und James Brown. Er schwärmte für Bob Dylan, den er zeitweise imitierte, aber auch für Frank Sinatra und Cole Porter. Die Hippiebewegung der 1960er Jahre war und blieb ihm fremd, er „war ein Rebell gegen die Rebellen“, wie er 2004 sagte. In dieser Zeit brachte er sich selbst das Klavierspielen bei und schloss sich der High-School-Band The System, einer R&B-Combo, an.

Waits faszinierten die Literaten der Beat Generation. Er beschäftigte sich mit den Texten von Jack Kerouac, Allen Ginsberg und Delmore Schwartz; inspiriert vom Rhythmus der Beatliteratur begann er seine ersten Lieder zu schreiben. In Los Angeles entdeckte er den als Chronisten der kalifornischen Unterschicht bezeichneten Charles Bukowski, dessen wöchentliche Kolumne Notes of a Dirty Old Man in der LA Free Press erschien.Barney Hoskyns: Tom Waits: Ein Leben am Straßenrand. Seite 110.

Anfänge der Karriere 1969 heuerte Tom Waits als Türsteher im Heritage an, einem Club in San Diego, in dem größtenteils traditionelle Folkmusik und Bluegrass gespielt und das von dem Banjospieler Bill Nunn und dem Engländer Stewart Glennan betrieben wurde. Er wurde als jener Türsteher bekannt, der immer ein Buch unter dem Arm hatte. In dieser Zeit testete er auch sein Talent als Unterhaltungskünstler. Während seiner Arbeit begann er damit, Bruchstücke von Gesprächen, die um ihn herum stattfanden, aufzuschreiben und aus diesen Schnipseln eigene Songs zu kreieren. „Ich fand, dass in den Unterhaltungen viel Musik drin war“, bemerkte Waits in einem Interview zu dieser Angewohnheit. Dialogfetzen irgendwo zwischen Trunkenheit, Gewalt und Depression kehrten in seinen Liedern immer wieder. Im Heritage hatte Waits am 20. November 1970 seinen ersten Auftritt gegen Gage, auch wenn sein Repertoire nicht ganz in das Programm des Clubs passte – es bestand hauptsächlich aus Bob-Dylan-Titeln, gemischt mit Blues- und Country-Nummern und derben Witzen. Der erste von ihm öffentlich gespielte eigene Song war Poncho’s Lament, ein ironisierter Country-Walzer, wie er für die damalige San-Diego-Szene typisch war. Die Gage betrug 6 Dollar, als Türsteher verdiente er 8 Dollar pro Abend.

Das Talent des jungen Songwriters sprach sich rasch in San Diego herum, und bald folgten Auftritte in anderen örtlichen Clubs wie dem In the Alley, wo er im Vorprogramm von Tim Buckley sowie Sonny Terry und Brownie McGhee spielte. Doch eine größere Chance auf Bekanntheit als die limitierte und dürftige San-Diego-Szene boten die Open-Mic-Hootenanny-Nächte am Montag in Doug Westons Club Troubadour in West Hollywood.

Die 1970er Jahre Closing Time mini|Der amerikanische Traum, verkörpert am Sunset Boulevard Bei einem dieser Hootenannies hörte ihn der Manager Herb Cohen und nahm ihn unter Vertrag. Bei Cohens Label Bizarre Records waren so unkonventionelle Künstler wie Frank Zappa und Captain Beefheart, doch Waits wurde zu Beginn nur als Autor verpflichtet. Ihm gefiel die Vorstellung, für andere Sänger auf Bestellung zu schreiben und dafür ein Gehalt von 300 Dollar zu bekommen. Von seinem Manager ermutigt zog Waits 1972 nach Los Angeles und nahm die ersten Eigenkompositionen auf. Begeistert von einem Open-Stage-Auftritt und den Demoaufnahmen nahm ihn David Geffen, der Besitzer von Asylum Records, für sein Label unter Vertrag. Für Geffen war Waits „exakt das, was [er] bei Asylum haben wollte. Er sah nicht so aus, wie die Singer-Songwriter damals aussahen. Er hatte eine ganz eigene Stimme, einen eigenen Stil, eine eigene Präsentation und augenscheinlich ein ganz eigenes Desinteresse an all diesen Dingen. Aber seine Songs bliesen mich weg. Ich liebte die Art, wie er sang.“

mini|Für sein zweites Album ließ sich Waits von Jack Kerouac inspirieren (Bild um 1956) Im Jahr 1972 nahm Tom Waits in nur zehn Tagen sein erstes Studioalbum Closing Time auf. Das Album wurde von Jerry Yester produziert und im März 1973 veröffentlicht. Sein späteres Werk unterscheidet sich stilistisch deutlich von dieser Platte. Die Promotionstour zur Platte mit einer eilig zusammengestellten Band kam beim Publikum anfangs gut an, auch wenn die Musik stilistisch nicht so recht in die Zeit passte. Eine Karriere als Musiker rückte in greifbare Nähe. Waits freute sich darüber, „weg von zu Hause zu sein und durch die amerikanische Nacht zu fahren“.Waits zu Adam Sweeting, Guardian, 15. September 1992 Doch unangenehme Erfahrungen wie ein Auftritt bei einer Kindershow in einem Einkaufszentrum in Atlanta ernüchterten Waits. Als weiteren Rückschlag empfand er den Verkauf von Asylum an Warner Brothers. Es mag ein Trostpflaster für ihn gewesen sein, dass gleichzeitig die ersten Musikerkollegen Lieder des jungen Songwriters für sich entdeckten. Als eine der ersten Bands nahmen die Eagles 1974 den Song Ol’ 55 auf; Martha wurde von Lee Hazlewood und Tim Buckley gecovert.

Während seiner Tour hatte Waits mit seinem Standbassisten Ben Webb in Lowell (Massachusetts) vergeblich das Grab des 1969 verstorbenen Beatpoeten Jack Kerouac gesucht. Nicht nur Kerouacs gedruckte Gedichte beeinflussten Waits. Er schwärmte auch für die Platte Poetry for the Beat Generation, auf der Kerouac 1959 seine Texte zur Musik des Komikers und Jazzpianisten Steve Allen gesprochen hatte. Von dieser Kombination ließ er sich für die Songs seines zweiten Albums inspirieren.

The Heart of Saturday Night Waits hatte auf eine Aufnahmemöglichkeit für Ende 1973 gehofft, doch zunächst schickte Herb Cohen ihn und Ben Webb auf Tour im Vorprogramm von Frank Zappa and the Mothers of Invention. Die ursprünglich vorgesehene Kathy Dalton war abgesprungen, da sie Zappa-Fans nicht akzeptierten. Weil Waits und Webb keine eigenen Instrumente mitnehmen durften, musste bei den Auftritten Waits George Dukes E-Piano spielen und Webb Bassgitarre, worauf er keinerlei Erfahrung besaß. Schon der erste Auftritt in der Avery Fisher Hall im Lincoln Center in New York vor „viertausend vollbreiten und verärgerten Zappa-Fans […, die] Toms Balladen-Stil überhaupt nicht schätzten und uns das auch spüren ließen“ (so Bob Webb 2007), war problematisch, und auf der gesamten Tour wurden sie beschimpft und ausgepfiffen.

Auf diese Erfahrungen reagierte Waits mit der bewussten Konstruktion der Kunstfigur „Tom Waits“. Er wählte als Lebensmittelpunkt das Tropicana Motor Hotel (Top Trop) am Santa Monica Boulevard in Los Angeles. Er profitierte von den Geschichten und Mythen um diese Lokalität, aus denen er sein eigenes Image als Rowdy und Trunkenbold, aber auch Romantiker, schaffen konnte. Das Hotel war in den frühen 1960er Jahren von dem Baseballspieler Sandy Koufax eröffnet worden und hatte dem Regisseur Paul Morrissey 1972 für seinen Film Andy Warhol’s Heat als Kulisse gedient. In dem Motel hatten u. a. Jim Morrison, Sam Shepard, Alice Cooper und Warren Zevon verkehrt.

Waits absolvierte jetzt viele Konzerte, arbeitete an seiner Bühnenshow und gab Gastspiele in Orten wie dem Ebbet’s Field in Denver. Dort lernte er den Musiker Chuck E. Weiss kennen. Dessen Exzentrik (er trug gerne einen Chinchillamantel und Plateaustiefel) und Zusammenarbeit mit vielen bekannten Bluesmusikern passte zu Waits’ Image und Selbstbild. Weiss wurde eine Art Ratgeber für Waits. 1981 veröffentlichte Weiss sein erstes eigenes Album, das mit Waits’ Hilfe entstanden war.

Am 23. April 1974 begannen die Aufnahmen für Waits’ zweites Studioalbum The Heart of Saturday Night in Wally Heiders Studio 3 am Cahuenga Boulevard. Maßgeblich daran beteiligt war der Produzent Bones Howe, den David Geffen vermittelt hatte und der in seiner Karriere bisher für so unterschiedliche Künstler wie The Fifth Dimension, Elvis Presley, Frank Sinatra und den Free-Jazz-Pionier Ornette Coleman gearbeitet hatte. Wie Howe kamen auch die anderen Musiker aus den Bereichen zwischen Jazz und Pop, was die Aufnahmen eindeutig in die von Waits gewünschte Richtung führte. Musiker wie Mike Melvoin am Piano und Jim Hughart am Bass bestimmten nachhaltig den Stil des Albums, das noch weniger dem damaligen Pop-Mainstream entsprach als sein erstes. Auf dem Cover des Albums ist eine Zeichnung des Sängers in seinem typischen Outfit zu sehen: zerschlissenes Sakko über schmuddeligem Hemd, um den Hals eine schlecht gebundene Krawatte und auf dem Kopf eine Schiebermütze.

Nach dem Erscheinen von The Heart of Saturday Night im Oktober 1974 ging Waits auf Betreiben seines Managers Herb Cohen widerwillig wieder mit Frank Zappa auf Tour, dieses Mal allerdings solo. Die Reaktionen des Publikums waren zwar ähnlich wie bei der ersten Tour, doch Waits hatte die Unterstützung des exzentrischen Zappa. In den Augen der Branchenkollegen hatte er dadurch gewissermaßen das „Zappa-Gütesiegel“ erhalten, was für den Verlauf seiner weiteren Karriere durchaus hilfreich war. Der Rolling Stone führte das Album 2008 in seiner Liste der 500 besten Alben aller Zeiten auf Platz 339.

Nighthawks at the Diner