Der MississippiDuden, 25. Aufl. 2009, S. 738. [] (engl.: Mississippi River) ist ein 3778 Kilometer langer Strom in den Vereinigten Staaten. Er entspringt dem Lake Itasca im nördlichen Minnesota und mündet rund 160 Kilometer südlich von New Orleans in den Golf von Mexiko.
Sein längster Nebenfluss Missouri ist bis zur Mündung deutlich länger, jedoch wesentlich wasserärmer als der Mississippi. Der Missouri River und der Unterlauf des Mississippi bilden als Mississippi-Missouri mit 6051 Kilometern Länge das viertlängste Flusssystem der Erde.
Der vom Wasservolumen her größte Nebenfluss des Mississippi, der Ohio River, übertrifft bei seiner Mündung den Hauptfluss deutlich. An dieser Stelle sind der Missouri und der Illinois River bereits in den Hauptstrom eingeflossen.
Auf seinem Weg durchquert der Mississippi nahezu das gesamte Staatsgebiet der USA von Nord nach Süd. Er fließt durch oder bildet die Grenze von zehn US-Bundesstaaten: Minnesota, Wisconsin, Iowa, Illinois, Missouri, Kentucky, Tennessee, Arkansas, Mississippi und Louisiana. Bei St. Louis vereinigt er sich mit dem Missouri sowie dem Meramec und bei Cairo, Illinois, mit dem Ohio. Bis auf das Gebiet um die Großen Seen entwässert der Fluss das gesamte Gebiet zwischen den Rocky Mountains im Westen und den Appalachen im Osten. Das Mississippidelta bei New Orleans bildet eines der größten Mündungsgebiete weltweit.
Etymologie Der Name Mississippi stammt vermutlich aus der Sprache der Algonkin. Er ist abgeleitet von dem alten Ojibwe-Wort „misi-ziibi“ für „großer Fluss“, oder auch „gichi-ziibi“ für „riesiger, gewaltiger, große Wassermengen führender Fluss“. Die häufig anzutreffende Übersetzung „Vater der Gewässer“ ist eher eine poetische als eine wortgetreue Übersetzung.F. L. Langstedt: Reisen nach Südamerika, Asien und Afrika, 1789. Eine andere mögliche Herkunft wäre aus der Sprache der Anishinabe Messipi für „großer Fluss“. Umgangssprachlich wird der Mississippi in den USA oft „Old Man River“ genannt, auch in dem Lied Ol’ Man River aus dem Musical Show Boat aus dem Jahr 1927.
Geographie Einzugsgebiet und Flusssystem mini|hochkant=1.5|Einzugsgebiet des Mississippi mini|hochkant=1.5|Detaillierte Karte der Nebenflüsse des Mississippi
Der Mississippi entwässert den größten Teil des zwischen den Randgebirgen im Osten (Appalachen) und im Westen (Rocky Mountains) gelegenen Teils der Vereinigten Staaten von Amerika in den Golf von Mexiko. Das Einzugsgebiet des Mississippi ist das viertgrößte der Welt. Es umfasst 3.220.000 Quadratkilometer und erstreckt sich über 31 Bundesstaaten der USA und zwei Provinzen Kanadas. Durch die überwiegende Lage im Westwindgürtel ist der im Lee der Hochgebirgsketten liegende westliche Teil überwiegend semiarid und der östliche Teil humid.
Der namentliche Hauptast des Stromsystems verläuft annähernd mittig in südlicher Richtung und entspringt westlich des Oberen Sees in Quellbächen, die den Itascasee speisen, der als Quelle des Mississippi gilt. Es spiegelt die hygrischen Unterschiede des Einzugsgebietes wider, dass der eigentliche Hauptast des Mississippi-Systems (bestimmt vom jeweils größeren zusammenfließenden Gewässer) in den niederschlagsreichen Appalachen entspringt, der längste Ast des Flusssystems dagegen in den Rocky Mountains.
Der hydrologische Hauptast wird gebildet durch den Fließweg Allegheny River – Ohio – Mississippi.
Der längste Fließweg folgt der Linie Red Rock River – Beaverhead River – Jefferson River – Missouri – Mississippi.
Die wichtigsten Nebenflüsse des Mississippi sind:
Linke Nebenflüsse
St. Croix River Black River Wisconsin River Rock River Illinois River Kaskaskia River Ohio Hatchie River Yazoo River Big Black River
Rechte Nebenflüsse
Minnesota River Root River Cannon River Turkey River Iowa River Des Moines River Skunk River Salt River Missouri Saint Francis River White River Arkansas Red River
Abflussdaten
Am Zusammenfluss mit dem Missouri führt der Mississippi mit rund 2900 m³/s im Mittel etwas mehr Wasser als sein wesentlich längerer Nebenfluss, der rund 2200 m³/s einbringt. Der Obere Mississippi trifft danach mit einem mittleren Durchfluss von rund 5900 m³/s auf den Ohio, der mit rund 7950 m³/s mehr Wasser führt und hydrografisch den Hauptstrang des Flusssystems darstellt.
Die Angaben für die Mündung des Mississippi differieren deutlich, auch weil der rund 500 km oberhalb der Mündung abzweigende Flussarm Atchafalaya manchmal nicht eingerechnet wird. Hier zweigen bis zu 30 % des mittleren Abflusses vom Hauptstrom ab und nehmen kurz darauf den Red River auf, der mit einer Wasserführung von 1590 m³/s nur ein Nebenfluss des mit einem mittleren Abfluss von 4730 m³/s (auf m³ umgerechnet und auf 5 gerundet) größeren Atchafalaya ist und damit auch ein Nebenfluss des Mississippi. Der zumeist angegebene, den Atchafalaya mit Red River einbeziehende Summenwert von rund 18 400 m³/s ist damit hydrografisch gerechtfertigt und charakterisiert das Flusssystem besser als der Durchfluss allein des Hauptstromes, für dessen Mündungsbereich Werte um 16 800 m³/s angegeben werden. Damit steht der Mississippi an siebter Stelle der ins Meer mündenden Ströme der Erde, wird allerdings auch noch übertroffen von drei Nebenflüssen des Amazonas.Anm.: Nach Amazonas (und dessen Nebenflüssen Rio Madeira, Rio Negro und Rio Japurá), Kongo, Brahmaputra-Meghna, Orinoco, Jangtsekiang und Jenissei
Flussabschnitte
Der Mississippi kann allgemein in seinen Oberlauf (Upper Mississippi River), von seiner Quelle bis zur Einmündung des Ohio, und in seinen Unterlauf (Lower Mississippi River), vom Ohio bis zu seiner Mündung in den Golf von Mexiko, gegliedert werden.
mini|links|Quelle des Mississippi im Itasca Lake mini|links|Mündung des Ohio in den Mississippi mini|Mississippi in Minneapolis (2005) mini|Saint-Anthony-Fälle Minneapolis um 1860 mini|Mississippi Lock and Dam Nr. 2 bei Hastings, Minnesota
Oberlauf des Mississippi Die Quelle des Mississippi liegt bei 47° 11' nördlicher Breite und 95° 14' westlicher Länge im Norden des US-Bundesstaates Minnesota im Itasca State Park. Der Itascasee sammelt in 450 Metern Höhe über dem Meeresspiegel mehrere Quellbäche, deren größter den nahen Elk Lake entwässert, und entlässt den Mississippi als fünf Meter breiten Bach. Die Quelle des größten Itascasee-Zuflusses in der Nähe des Little Elk Lake ein paar Kilometer südlich gilt als eigentlicher Ursprung des Mississippi.
Flussabwärts durchfließt der Mississippi stark mäandrierend die glazial geformte Seenplatte im Norden Minnesotas. Er durchquert dabei zahlreiche Seen, als größten den Lake Winnibigoshish. Unterhalb des Coon Rapids Damm bei Minneapolis ist der Mississippi schiffbar.Coon Rapids Dam, Coon Rapids, MN Bis zu dessen Fertigstellung 1913 war der Fluss sogar bis St. Cloud mit Schiffen befahrbar.
Die Saint-Anthony-Fälle in Minneapolis und ein paar kleinere Wasserfälle bei Little Falls in Minnesota waren die einzigen natürlichen Wasserfälle am Oberlauf des Mississippi. Heute prägt den Oberlauf zwischen Minneapolis und St. Louis eine Abfolge von 29 Damm- und Schleusenbauwerken, die bis in die 1940er Jahre errichtet wurden, und mit denen die Schifffahrt 123 Höhenmeter überwindet. Sie wurden errichtet, um den Transport von Massengütern aus dem Norden der USA an den Golf von Mexiko zu erleichtern. Die Dämme erlauben es zudem, die Durchflussmenge des Oberlaufs zu regulieren und damit auch die des Unterlaufs zu beeinflussen. Kritiker stellen den wirtschaftlichen Nutzen der Bauwerke in Frage und beklagen deren negative ökologische Auswirkungen. Die Damm- und Schleusenbauwerke werden vom United States Army Corps of Engineers instand gehalten.
Die teilweise seeartigen Stauhaltungen dienen heutzutage auch touristischen Zwecken. Die nährstoffreichen Steilhänge an beiden Ufern sind außerdem ein Weinanbaugebiet.
Nördlich von St. Louis vereinigt sich der Mississippi mit dem Missouri zu einem breiten Strom. Als größter, den Mississippi an Wasserführung sogar übertreffender Nebenfluss mündet schließlich bei Cairo der Ohio. Wichtigste Zuflüsse des Oberlaufs sind Minnesota River, Iowa River, Des Moines River, Illinois River, Missouri und Ohio.
mini|links|Abgeschnürte Altwasser des Mississippi mini|Satellitenaufnahme des unteren Mississippi (Falschfarben)
Unterlauf des Mississippi
Südlich der Einmündung des Ohio tritt der Mississippi in eine etwa 80 km breite Inlandsbucht ein. Aufgrund der niedrigen Reliefenergie und des geringen Höhenunterschiedes (96 m) von Cairo bis zur Mündung in den Golf von Mexiko bildet der Mississippi in seinem Unterlauf weite Mäander aus. Durch die dynamische Veränderung des Flussbettes über die Jahrhunderte sowie durch Maßnahmen der Flussbegradigung sind an beiden Flussufern durch abgetrennte Altwasser weitläufige Auenlandschaften entstanden.
mini|links|Mississippidelta aus dem Weltall
Da die Grenzen der US-Bundesstaaten in dieser Region auf einem historischen Verlauf des Flusses beruhen, hat die Verlagerung des Flussbettes zur Folge, dass der Mississippi heutzutage nicht mehr durchgehend eine natürliche Grenze zwischen verschiedenen Bundesstaaten darstellt. So gibt es im Bundesstaat Arkansas Exklaven auf dem linken Ufer, während Teile des rechten Ufers mittlerweile zu den Staaten Tennessee und Mississippi gehören.
Im Süden des Bundesstaates Louisiana mündet der Strom in einem weitläufigen Delta in den Golf von Mexiko. Der längste Mündungsarm ist der Atchafalaya River, der rund 500 km vor der Hauptmündung vom Mississippi abzweigt und selbst ein Delta ausbildet. Das United States Army Corps of Engineers begrenzt mit der Old River Control Structure die Wassermenge, die vom Hauptarm des Flusses in den Atchafalaya abfließen kann, auf rund 30 %, im Hochwasserfall auf knapp 50 %. Flussabwärts von New Orleans hat sich im Laufe der Zeit aufgrund der großen Sedimentfracht des Flusses und dem geringen Gezeitenhub des Golfs von Mexiko ein fingerförmiges, sogenanntes Vogelfußdelta geformt, welches fünf Hauptarme besitzt. Es ist mit 28.600 km² eines der größten Mündungsdeltas weltweit. Die Menge an angelieferter Flussfracht beträgt im Mississippi-Delta täglich 1 bis 1,5 Millionen Tonnen an Sediment. Das durch regelmäßige Überschwemmungen geschaffene flache Schwemmland ist sehr fruchtbar. Durch die Zufuhr an nährstoffreichem Süßwasser und das im Wechsel der Gezeiten einströmende salzige Ozeanwasser ergeben sich hohe Raten der Primärproduktion (Algen, Phytoplankton) und zunehmende Anteile organischen Bodenmaterials. Die hohe Artenvielfalt in den Gewässern begünstigt die Fischerei. Sie erbringt rund eine Million Tonnen Fisch pro Jahr und ist damit die bedeutendste in den USA. Hauptanbaufrüchte der Landwirtschaft sind Reis, Baumwolle, Zuckerrohr und Sojabohnen. Die zwei Hauptprobleme im Gebiet des Mississippi-Deltas sind der Verlust an Feuchtgebieten durch den Anstieg des Meeresspiegels und die Eutrophierung.
Im Delta wurden im letzten Jahrhundert zahlreiche wasserbauliche Maßnahmen durchgeführt, um die Schifffahrt zu den Raffinerie-Standorten in Louisiana zu erleichtern. Dazu zählen Begradigungen des Flusslaufs, die Errichtung von Deichen zum Hochwasserschutz, Vertiefungen der Fahrrinne durch das Abtragen von Sandbänken sowie die Anbindung des Flusses an das Kanalnetz des Intracoastal Waterway.
Wichtige Zuflüsse des Unterlaufs sind White River, Arkansas, Yazoo River und Red River. Die Region am Unterlauf des Flusses wird auch Lower Mississippi Delta Region genannt; sie erstreckt sich vom südlichen Illinois und Missouri beiderseits des Stromes bis zur Mündung und weist viele kulturelle und soziale Gemeinsamkeiten auf.
Geschichte Prähistorische Zeit