Der Sansibar-Archipel (veraltet Gewürzinseln, , auch Zanzibar-Archipel) ist eine zu Tansania gehörende Inselgruppe 30 km vor der Ostküste Afrikas. Die drei größten Inseln dieser Gruppe sind Unguja (ebenfalls Sansibar genannt), Pemba und Mafia.

Unguja hat mit seinen vorgelagerten Nebeninseln eine Größe von 1.666 km², Pemba inklusive der Nebeninseln 988 km², Mafia 413 km². Die größte Stadt des Archipels ist Sansibar auf Unguja.Diemels Welt Lexikon und Reisehandbuch. 1995/96, ISBN 3-9802428-6-2.

Liste der größeren Nebeninseln Zu Unguja gehörig Bawe Changuu (Prison Island) Chapwani (Grave Island) Tumbatu Popo Daloni Mnemba Vundwe Uzi Sume Miwi Pungume Kwale Tele Ukombe Chumbe Nyange Murogo Sandbänke Pange

Zu Pemba gehörig Pemba - The clove island. 1:100.000, Map & Guide, 2013, Dept. of Surveys and mapping, Chake-Chake

Misali Vikunguni Kashani Kokota Funzi Pembe Uvinje Fundo Njao Kisiwa Mbali Kisiwa Hamisi Kisiwa N´gombe Kisiwa Kamata Kojani Kuji (Mtangani) Shamiani Jombe Panza Panani Sumtama Matumbini Matumbi Makubwa Kwata Makoongwe

Zu Mafia gehörig Chole Juani Jibondo Bwejuu Shungi Mbili Mbarakuni Nyororo Jina

Administrative Gliederung Unguja und Pemba bilden zusammen mit ihren Nebeninseln und der weit abseits gelegenen kleinen Latham-Insel den tansanischen Teilstaat Sansibar (mit insgesamt fünf der 26 Verwaltungsregionen Tansanias), während die Insel Mafia mit ihren Nebeninseln zu Tanganjika gehört und dort einen Distrikt der Region Pwani bildet. Hauptstadt und ökonomisches Zentrum ist Sansibar auf Unguja. Die Altstadt Stone Town gilt als Sehenswürdigkeit. Die Hauptort von Pemba ist Chake-Chake.

Geographie mini|Karte der Hauptinsel Unguja mini|Strandabschnitt, wenige Kilometer nördlich von Stone Town

Küsten- und Bodengestaltung Die Westküste Ungujas ist durch zahlreiche – teilweise lagunenartige – Buchten reich gegliedert, hat nur ein schmales Strandriff und große Wassertiefen nahe dem Ufer. Unguja wird umsäumt von einem Wallriff, das sich in der Nähe der vorgelagerten Inseln – die größte ist Tumbatu – über den Meeresspiegel erhebt. Fast überall ist das Ufer der Westküste leicht zugänglich.

Die Ostküste ist dagegen fast ungegliedert. Sie wird von einem mächtigen Strandriff mit hoher Brandung begleitet und fällt an vielen Orten steil ins Meer ab.

Das Innere der Insel zerfällt kulturgeographisch und physisch in zwei Hälften. Die Westhälfte trägt meridionale Hügelketten, so den Masinginiberg (135 m), und zeigt stellenweise sumpfige Niederungen sowie zahlreiche fließende Gewässer, so der Zingwe-Zingwe und der Mwera. Der außerordentlich fruchtbare Boden besteht aus tiefgründigen Alluvialmassen aus verwittertem Korallenkalk.

Die Osthälfte ist dagegen unfruchtbar, flach und wasserarm, hat eher Karstcharakter mit Dolinen, Höhlen und unterirdischen Flüssen.

Klima Sansibars Klima ist tropisch, am wärmsten von Dezember bis März; das durchschnittliche Jahresmittel liegt bei 26,5 °C. Die Regenzeiten dauern von März bis Mai und von Oktober bis November.

Flora und Fauna Eine wesentliche Rolle in der Nutzung der Natur Sansibars spielen die marinen Habitate, wie Seegraswiesen, Korallenriffe und Mangrovenküsten. Viele Strände des Archipels werden von Meeresschildkröten für ihr Brutgeschäft aufgesucht. In Nungwi gibt es eine Aufzucht- und Schutzstation für Meeresschildkröten. Vor der afrikanischen Festlandsküste leben zahlreiche große Haiarten wie der Bullenhai oder Tigerhai, aber auch große Planktonfresser wie der Walhai.

Die Fauna von Unguja dokumentiert die Landbrücke der Insel zum afrikanischen Kontinent während der letzten Eiszeit. Die Vielfalt auch der terrestrischen und semiaquatischen Lebensräumen auf den Inseln reicht von Mangrovensümpfen über Buschland bis zu großen Gebieten mit Palmfarnen.

Der Sansibar-Stummelaffe ist endemisch. Die meisten Tiere leben auf der Hauptinsel Unguja, einige auch auf Pemba. Ihr Lebensraum sind Wälder, neben Primär- sind sie auch in Sekundärwäldern zu finden und werden in verschiedenen Forest National Parks geschützt. Der Sansibar-Leopard war eine der hier endemischen Unterarten. Er gilt seit 1991 als ausgestorben.

Um sämtliche Inseln des Sansibar-Archipels finden sich die marinen Habitate Korallenriff, Seegraswiesen und Mangrovenwälder im küstennahen Bereich.

Naturschutz und Umweltkonflikte Der Tanzanian Wildlife Act bezieht die Flora und Fauna Sansibars mit ein. Wichtige Schutzgebietskategorien sind „National Park“, „Wildlife reserve“ und „Marine park“. Die Umsetzung der Schutzgebiete und die Durchsetzung von Naturschutzregeln ist je nach Gebiet in einem sehr unterschiedlichen Status.

Der Tourismus nahm in Ostafrika in den letzten Jahren zu, was zu einem hohen Druck auf die besonderen Lebensräume auch Sansibars führt. Hotels entstehen an vielen Stränden und die Insel ist eine der am schnellsten wachsenden Touristen-Destinationen des Indischen Ozeans.Nach Hauke Reuter (ZMT) 2013 http://lists.zmt-bremen.com/ZMT_Newsletter2-2013.pdf Der Tauchtourismus zusammen mit der lokalen Fischerei gefährdet vor allem die empfindlichen Korallenriffe.

Naturschutzkonzepte werden vom Institute of Marine Science (IMS) an der University of Dar es Salaam seit 2009 teilweise in Kooperation mit dem Leibnitz-ZMT Bremen ausgearbeitet.

Bevölkerung Die Inselbewohner nennt man Sansibarer. Im Jahr 2002 zählten sie 981.754 Menschen. Sie bestehen aus Afrikanern, Indern, Persern und Arabern sowie zahlreichen Mischlingen aus diesen Gruppen.

Bei der letzten Volkszählung vor der Unabhängigkeit hingen 97 Prozent der Bevölkerung dem Islam an. Die restlichen 3 Prozent waren Hindus, Christen oder Anhänger afrikanischer Religionen.Report on the Census of the Population of Zanzibar Protectorate (1958). Zanzibar Town. Da aber seit der Unabhängigkeit bei den Bevölkerungszählungen aus politischen Gründen die Religionszugehörigkeit nicht mehr erfasst wird, ist es möglich, dass sich das prozentuale Verhältnis geändert hat. Die Nationalsprache ist Swahili. Auf Sansibar lebt außerdem eine kleine Gruppe von etwa 10.000 Ibaditen. Für die Integrität des Staates Tansania und das junge demokratische Mehrparteiensystem ist die Lage auf Sansibar problematisch, da der Civic United Front (CUF) immer wieder vorgeworfen wird, als islamisch-arabische Kraft den Ausbau der Autonomie und letztlich die Unabhängigkeit als islamischer Staat anzustreben. Hintergrund der Vorwürfe ist die Tatsache, dass die Regierungspartei Chama Cha Mapinduzi, die Revolutionspartei, nur auf Sansibar mit einer ernsthaften Opposition in Form der CUF zu tun hat. Daher wird die CUF mit vielen Mitteln bekämpft und ihr unter anderem der Vorwurf gemacht, eine islamistische Partei zu sein.

Die Bevölkerung wuchs im 20. Jahrhundert stark an. 1920 lebten hier erst 114.000 Menschen; 1935 waren es 234.000, 1963 319.000, 1967 364.000, 1978 479.000, 1988 623.000 und 2002 981.754.2002 Population and Housing Census.

Geschichte Frühe Zeit Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der LSA-Epoche.Ceri Shipton, Alison Crowther et al.:”Reinvestigation of Kuumbi Cave, Zanzibar, reveals Later Stone Age coastal habitation, early Holocene abandonment and Iron Age reoccupation”Azania: Archaeological Research in Africa, Volume 51, 2016 - Im Zuge der Bantu Expansion setzten sich bantusprachige Gruppen auf den Inseln durch.

Arabische Händler, die im 8. Jahrhundert die Insel bereisten, nannten die Küste der Inseln .Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 347, S. 43. Mit ihnen kam die heute noch vorherrschende Religion, der Islam. Als Folge der Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Händlern und Küstenbewohnern entwickelte sich eine neue Sprache: Swahili, auch Swaheli oder Suaheli (von bzw. der Pluralform ),Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 364. eine Mischung aus dem Arabischen und der Bantusprachen der einheimischen Völker, wobei die Sprache von der Struktur her eine afrikanische Klassensprache blieb, mit einem Wortschatz, der zu etwa 30 % aus dem Arabischen stammt, aber auch Wörter aus dem Englischen, Deutschen und verschiedenen indischen Sprachen integrierte.

Im 10. Jahrhundert siedelten sich persische Händler an. Diese sind Vorfahren der Schirasi.

Schon im 10. Jahrhundert hatten Araber Niederlassungen in der Region gegründet, die sich zu blühenden Republiken entwickelten. Als Vasco da Gama am 28. Januar 1499 Sansibar besuchte, fand er gut gebaute und reiche Städte, die lebhaften Handel mit Indien trieben.

1503 landete der Portugiese Ruy Lourenço Ravasco auf Unguja, baute dort eine Handelsstation. Sansibar wurde tributpflichtig und 1505 durch João Homere vollends in portugiesischen Besitz genommen. In den folgenden Jahren kontrollierten die Portugiesen den gesamten Handel im Indischen Ozean.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verloren die Portugiesen alle ihre Besitzungen nördlich von Mosambik an den Imam von Maskat; Sansibar ging 1698 verloren. Unter der Herrschaft des Imam zerfiel das Land in zahlreiche kleine Staaten und Gemeinwesen.

Unter der Herrschaft der Araber von Oman Im 17. bis 19. Jahrhundert bildete Sansibar unter der Herrschaft des Sultans von Oman ein Zentrum für den östlichen Sklavenhandel. Jahrhundertelang war die flache Insel Unguja (nach Madagaskar die größte Insel vor Ostafrika) eine der wichtigsten Handelsmetropolen im Indischen Ozean. Sklavenhandel sowie Handel mit Elfenbein und ab 1818 die Kultivierung von Gewürznelken machten die Insel reich, berühmt, berüchtigt und begehrenswert. Im Gegenzug waren die muslimischen Herren Sansibars auf den Kauf von Schusswaffen und Munition angewiesen, um die Herrschaftsstrukturen der Sklaverei (Sklavenhandel, Sklavenjagd und Sklavenkarawanen) bis ins innere Afrika durchzusetzen.

mini|links|Das alte Fort in , Sansibar Ab dem 18. Jahrhundert übten die Araber auf der strategisch wichtigen Insel Unguja zunehmenden Einfluss aus. Das Hauptgeschäft bestand im Sklavenhandel, der als Transitgeschäft über die Inseln lief. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden 6.000 bis 10.000 Sklaven jährlich „umgesetzt“. Man schätzte den Anteil der Sklaven an der Gesamtbevölkerung auf 75 %.

mini|Historische Karte (um 1890) Seit 1784 beherrschte der Sultan von Maskat die Insel Unguja direkt durch einen Gouverneur. Diese Statthalter und jene an der ostafrikanischen Küste machten sich jedoch zunehmend unabhängig, wurden aber von Sultan Sayyid Saʿîd wieder unterworfen. 1829 fiel Mombasa, 1837 fiel auch Sansibar durch Verrat.Meyers Konversationslexikon. Band 15: Russisches Reich bis Sirte. Leipzig/Wien 1897, S. 254. 1829 legte der Sultan die erste Gewürznelkenplantage auf Unguja an.

1832 zunächst provisorisch, dann 1840 endgültig entschied der Sultan, den omanischen Hof nach Sansibar zu verlegen. In dieser Zeit erreichten europäische und amerikanische Händler Sansibar. Als erstes „westliches“ Land eröffneten 1837 die Vereinigten Staaten von Amerika ein Konsulat. 1841 folgte das britische, 1844 das französische Konsulat. Damit wurde das Sultanat auch international anerkannt.

mini|links|Sansibar zur Kolonialzeit Nach dem Tode Sayyid Saʿīds (Bū-Saʿīd-Dynastie) 1856 wurde das Sultanat geteilt. Sein Sohn Sayyid Mâdjid wurde Sultan von Sansibar. Nach dessen Tod am 7. Oktober 1870 wurde ein jüngerer Bruder des Sultans, Barghash ibn Saʿîd, Souverän des Gebiets, und als der 1888 starb, folgte ihm sein zweiter Bruder, Sayyid Chalifa ibn Said.