Harburg ist der südwestliche der sieben Bezirke der Freien und Hansestadt Hamburg. Namensgebend ist die ehemals eigenständige Stadt und heutige Stadtteil Harburg. Bis zur 2008 erfolgten Umgliederung des Stadtteils Wilhelmsburg in den Bezirk Hamburg-Mitte war Harburg der flächengrößte Bezirk Hamburgs.

An den Bezirk Harburg grenzen im Norden und Osten der Bezirk Hamburg-Mitte, im Süden der Landkreis Harburg und im Westen der Landkreis Stade (beide in Niedersachsen).

Gliederung Der Bezirk Harburg besteht aus 17 Stadtteilen.

ehemaliges Kerngebiet Harburg mit den Stadtteilen Eißendorf, Gut Moor, Harburg, Heimfeld, Langenbek, Marmstorf, Neuland, Rönneburg, Sinstorf und Wilstorf; ehemaliger Ortsamtsbereich Süderelbe mit den Stadtteilen Altenwerder, Cranz, Francop, Hausbruch, Moorburg, Neuenfelde und Neugraben-Fischbek.

Für Einwohnerangelegenheiten gibt es neben dem Bezirksamt drei Kundenzentren, zwei für die früheren Ortsamtsbereiche Harburg und Süderelbe und eines für Ausländerangelegenheiten.

Geschichte

links|mini|Rathaus Harburg – Sitz des Bezirksamtes und der Bezirksversammlung Mit Ausnahme des Stadtteils Moorburg, der bereits seit dem 14. Jahrhundert zu Hamburg gehörte, kamen die übrigen Gebiete des heutigen Bezirkes erst 1937 durch das „Groß-Hamburg-Gesetz“ aus der preußischen Provinz Hannover in die Hansestadt Hamburg: darunter die erst 1927 gebildete Stadt Harburg-Wilhelmsburg mit den darin eingegliederten Gemeinden Heimfeld, Wilstorf, Lauenbruch und Eißendorf, ferner die Gemeinden Altenwerder, Fischbek, Francop, Gut Moor, Langenbek, Marmstorf, Neuenfelde, Neugraben, Neuland, Rönneburg, Sinstorf aus dem Landkreis Harburg und Cranz aus dem Landkreis Stade.

Zum 1. April 1938 verloren die zum hamburgischen Staatsgebiet hinzugekommenen Städte und Gemeinden ihre Selbständigkeit und wurden Teil der Gesamtgemeinde Hamburg. Im selben Jahr wurde Hamburg in zehn Kreise geteilt, darunter der Kreis 8 = Wilhelmsburg, Harburg, Süderelbe. (Nach den Luftangriffen im Sommer 1943 wurde auch Finkenwerder zeitweise dem Kreis 8 zugeschlagen.)

Der Verwaltungssitz des weiterhin preußischen Landkreises Harburg verblieb zunächst in Harburg. Erst nach der Zerstörung des Harburger Kreishauses bei einem alliierten Luftangriff am 21. November 1944 wurde die Kreisverwaltung nach Winsen (Luhe) verlegt.

1945 wurde der ehemalige Senator der Stadt Harburg Alfred Höhlein (SPD) erster Leiter des Bezirksamtes Harburg (bis 1954). Nach dem Gesetz über die Bezirksverwaltung vom 21. September 1949 wurde die Gliederung Hamburgs in sieben Bezirke vorgenommen, deren Aufteilung unter Beteiligung von sieben Bezirksausschüssen (welche bei der Bürgerschaftswahl am 16. Oktober 1949 gewählt worden waren) am 11. Mai 1951 endgültig beschlossen wurde.

Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Volkszählungsergebnisse der Gemeinde Harburg nach dem jeweiligen Gebietsstand. Mit der Vereinigung 1927 zu Harburg-Wilhelmsburg überschritt die Einwohnerzahl der Gemeinde die Grenze von 100.000 und machte sie zur Großstadt. Bei der Zählung am 16. Juni 1933 hatte die Stadt 112.593 Einwohner. Seit dem 1. Januar 1938 ist sie Teil der Stadt Hamburg. Die Einwohnerzahlen beziehen sich ab 1861 auf die „ortsanwesende Bevölkerung“ und ab 1925 auf die Wohnbevölkerung.

Jahr Einwohner 3. Dezember 1861 12.200 3. Dezember 1864 13.500 3. Dezember 1867 14.200 1. Dezember 1875 17.100 1. Dezember 1880 19.100 1. Dezember 1885 22.341 1. Dezember 1890 35.081 2. Dezember 1895 42.579 Jahr Einwohner 1. Dezember 1900 49.153 1. Dezember 1905 55.676 1. Dezember 1910 67.025 1. Dezember 1916 57.009 5. Dezember 1917 55.842 8. Dezember 1919 65.933 16. Juni 1925 72.905rechts|Einwohnerentwicklung von Harburg zwischen 1861 und 1925 mini|Amtsgericht Hamburg-Harburg

Politik Bezirksversammlung

Am 7. Mai 2025 schloss die Fraktion der SPD 5 ihrer Mitglieder aus. Sie sind künftig fraktionslos. Die CDU ist mit 12 Abgeordneten seitdem stärkste Kraft in der Bezirksversammlung. Im November 2025 trat der ehemalige SPD-Abgeordnete Arne Thomsen der FDP bei, die damit wieder über Fraktionsstärke verfügt.„Ex-SPD-Mann verhilft FDP zu Fraktionsstatus im Harburger Rathaus“ in Hamburger Abendblatt vom 13. November 2025, abgerufen am 14. Juli 2026.

Nach der Bezirksversammlungswahl 2014 wurde der Sozialdemokrat Manfred Schulz zum Vorsitzenden der Bezirksversammlung gewählt. Im März 2017 wurde die Sozialdemokratin Birgit Rajski zur neuen Vorsitzenden gewählt, nachdem Manfred Schulz das Amt aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hatte. 2019 wurde Jürgen Heimath (SPD) Vorsitzender der Bezirksversammlung und trat aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut zu den Bezirkswahlen 2024 an, woraufhin Holger Böhm (SPD) zum Vorsitzenden gewählt wurde. Böhm ist seit 2024 Vorsitzender der Bezirksversammlung Hamburg-Harburg.Sitzungsdienst Harburg, abgerufen am 24. September 2020.

Im September 2025 scheiterte die CDU mit ihrem Vorhaben, Böhm durch ihren Kandidaten Robert Timmann zu ersetzen. Nach dem Ausschluss von 5 Mitgliedern aus der SPD-Fraktion verfügte diese nur noch über zehn Sitze, während die CDU mit 12 Abgeordneten die stärkste Fraktion stellte. Mit Unterstützung durch die AfD-Fraktion gelang es der CDU, den Antrag auf Neuwahl eines Vorsitzenden auf der Tagesordnung zu halten. SPD, Grüne und Linke boykottierten daraufhin den geheimen Wahlgang, in dem Timmann 25 Ja-Stimmen erhielt und damit die erforderliche absolute Mehrheit der Mitglieder des Gremiums verfehlte. Drei der an der Wahl teilnehmenden Abgeordnete hatten mit Nein gestimmt, einer hatte sich enthalten.

Bezirksamtsleiter Von Januar 2012 bis November 2017 war Thomas Völsch (SPD) Bezirksamtsleiter von Hamburg-Harburg. Völsch wurde im September 2017 für eine zweite, sechsjährige Amtszeit mit 76 % der Stimmen bestätigt. Nach Völschs Tod im November 2017 übernahm der parteilose Dezernent Dierk Trispel kommissarisch das Amt des Bezirksamtsleiter. Am 10. September 2018 wurde die parteilose Sophie Fredenhagen von der Bezirksversammlung zur neuen Bezirksamtsleiterin gewählt und Ende September vom Hamburger Senat bestätigt. Zuvor, im August 2018, hatte die SPD wegen unterschiedlicher Positionen zur Person Fredenhagen die große Koalition in der Bezirksversammlung aufgekündigt. Am 1. Juli 2025 wurde die Vakanz nach dem Ende der Amtszeit von Fredenhagen durch die Wahl von Christian Carstensen zum Bezirksamtsleiter beendet. Der vormalige Leiter der Präsidialabteilung der Stadtentwicklungsbehörde setzte sich mit 37 Stimmen gegen Julian Georg (Die Linke) durch, der 9 Stimmen erhielt.

Leiter des Bezirksamtes Harburg, früher Bezirksleiter. (frühere Bürgermeister von Harburg und Wilhelmsburg siehe unter Bürgermeister/Oberbürgermeister der Stadt Harburg) 1945/51–1954 Alfred Höhlein 1954–1957 Werner Stelly 1958–1968 Walter Mohr 1968–1977 Hans Dewitz 1977–1984 Helmut Raloff 1984–1990 Jobst Fiedler 1991–1998 Michael Ulrich 1998–2004 Bernhard Hellriegel 2004–2011 Torsten Meinberg 2012–2017 Thomas Völsch 2018–2024 Sophie Fredenhagen 2024–2025 Posten vakant seit 2025 Christian Carstensen

Bürgerschaft Mit dem 2009 geänderten Wahlrecht für die Hamburgische Bürgerschaft und die Bezirksversammlung Harburg wurde der Bezirk in die beiden Wahlkreise Harburg und Süderelbe eingeteilt, deren Grenzen jedoch nicht mit den vorhandenen Stadtteil- und Siedlungsstrukturen übereinstimmen.

Die Wahlbeteiligung bei der Bürgerschaftswahl 2015 im Februar 2015 betrug landesweit 56,5 %, im Bezirk gemittelt 51,2 %. Für den Wahlkreis Süderelbe sitzen Matthias Czech (SPD), Jasmin Janzen (SPD, nachgerückt im Mai 2017 für Brigitta Schulz ebenfalls SPD) und André Trepoll (CDU) in der Bürgerschaft. Den Wahlkreis Harburg repräsentieren Sören Schumacher (SPD), Birte Gutzki-Heitmann (SPD) und Birgit Stöver (CDU).Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: Endgültiges Ergebnis der Bürgerschaftswahl 2015:Gewählte Kandidatinnen und Kandidaten, abgerufen am 26. September 2015 Der Wahlkreis Süderelbe zählt mit 24,1 Prozent Wahlkreisstimmen für die CDU als Hochburg der CDU. Auch die AfD kann mit jeweils über 9 Prozent die beiden Wahlkreise zu ihren Hochburgen zählen.Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: , abgerufen am 26. September 2015

Bundestag Für die Wahl zum Deutschen Bundestag gehört der Bezirk seit 2002 zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Bergedorf – Harburg, zuvor zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Harburg und wurde von 1949 bis heute lediglich von drei direkt gewählten Abgeordneten vertreten: Herbert Wehner (SPD) von 1949 bis 1983, Hans-Ulrich Klose (SPD) von 1983 bis 2013 und Metin Hakverdi (SPD) seit 2013. Hakverdi erhielt bei der Bundestagswahl 2013 40,4 %Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: Analyse der Bundestagswahl am 22. September 2013 in Hamburg Endgültige Ergebnisse, abgerufen am 26. September 2015 und bei der Bundestagswahl 2017 34,8 % der Erststimmen.

Wappen

Das alte Harburger Wappen zeigt das Stadttor in rot mit blauer Turmhaube. Der Schild ist golden belegt mit einem blauen Löwen und roter Zunge. Mit dem Wappen wird an die Zugehörigkeit der Stadt Harburg zum Territorium der Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg erinnert.

Als die beiden Städte Harburg und Wilhelmsburg zusammengeschlossen wurden, erhielten sie ein neues Stadtwappen. Das Harburger Wappen, ein weißes Torhaus auf weißem Grund mit drei Türmen, und geöffnetem Tor, in dem der braunschweigische Löwe steht, wurde um zwei Lilien auf den Zinnen der beiden Türme aus dem Wilhelmsburger Wappen ergänzt.

Heute hat das Harburger Wappen eher symbolischen Charakter und gilt nicht als offizielles Hoheitszeichen. Es wird jedoch noch heute auf Drucksachen der Harburger Bezirksversammlung verwendet.

Wirtschaft mini|Der Bahnhof Hamburg-Harburg

Verkehr Grundsätzlich besteht durch die Lage südlich der Elbe das Problem, dass der Bezirk Harburg nur unzureichend an das übrige Hamburger Stadtgebiet angebunden ist. Das betrifft sowohl den Straßen- als auch den öffentlichen Personennahverkehr.

Durch den Bezirk Harburg verlaufen von Norden nach Süden die Bundesautobahn 7 und die Bundesautobahn 1. Von Norden führt in die Wilhelmsburger Reichsstraße in den Bezirk, die Teil der Bundesstraße 75 ist. Diese umgeht die Harburger Innenstadt und führt daran anschließend in südwestlicher Richtung bis zur Anschlussstelle Hamburg-Marmstorf an der A 7. Unmittelbar nördlich davon zweigt die Bundesautobahn 261 von der A 7 ab. Die Bundesstraße 73 durchquert den Bezirk in West-Ost-Richtung und endet an der B 75.

Am Bahnhof Hamburg-Harburg treffen die Eisenbahnstrecken Hamburg-Hannover und Hamburg-Bremen mit den Strecken nach Cuxhaven (Unterelbebahn) und nach Hamburg zusammen. Eine Strecke der Hamburger S-Bahn, auf der die Linien S3 und S5 verkehren, führt aus der Hamburger Innenstadt über Wilhelmsburg und die Harburger Innenstadt und weiter über Neugraben im Westen des Bezirks bis nach Buxtehude und Stade. Die S-Bahn wurde 1983 bis Harburg Rathaus, 1984 bis Neugraben und 2007 bis Stade eröffnet. 2020 wurde der Bau eines S-Bahn-Rings über Heimfeld, Bostelbek und Altona zur Entlastung der S-Bahn zwischen Harburg und Wilhelmsburg vorgeschlagen.

Der Stadtverkehr in Harburg wurde ursprünglich von Straßenbahnlinien der Hamburger Hochbahn AG getragen. In den 1920er-Jahren entstand ein privater und später kommunalisierter Omnibus-Betrieb, der sich jedoch nicht halten konnte. Gegen das Zugeständnis Harburgs, keinen eigenen Verkehrsbetrieb zu unterhalten, erweiterte die Hochbahn ihr Straßenbahnnetz, das zur Zeit seiner größten Ausdehnung folgendes Aussehen hatte: Rönneburg (Radickestr.) – Wilstorfer Straße – Mühlenstr. (heute Schloßmühlendamm) – Hamburg Bahnhof – Heimfeld Bahnhof – Bostelbek Bahnhof – Appelbüttel

Zusätzlich unterhielt die Hochbahn in den 1930er Jahren die Buslinien 36 (Eißendorf) und 39 (Marmstorf–Innenstadt–Fleestedt).