mini|hochkant=1.3|Vorhaut, Klitoriseichel und kleine Schamlippen (kleine Vulvalippen) liegen in der Mitte zwischen den beiden großen Schamlippen (große Vulvalippen).Im vergrößerten Ausschnitt sieht man Vorhaut (1) und Eichel der Klitoris (2) sowie darunter die beiden vorderen Enden der kleinen Schamlippen.Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher: PROMETHEUS - Allgemeine Anatomie. 6. Auflage, Thieme, Stuttgart/New York 2022. S. 240. Der größte Teil der Klitoris, nämlich die Klitorisschenkel und Vorhofschwellkörper sind von außen nicht sichtbar.

mini|hochkant=1.3|Von Helen O’Connell mit MRT erstellte erste 3D-Darstellung einer Klitoris im sexuell erregten Zustand (mit den angrenzenden Organen).1 Klitoriseichel; 2 Klitorisschaft; 3 Klitorisschenkel; 4 Vorhofschwellkörper (Bulben); 5 Harnröhre; 6 Vaginalöffnung; 7 Vagina; 8 Gebärmutter; 9 Harnblase.

Die Klitoris (, Genitiv: clitoridis; von , ‚kleiner Hügel‘),Duden Wörterbuch: Klitoris. Auf: duden.de, zuletzt abgerufen am 28. Oktober 2020. ist ein großenteils aus Schwellkörpergeweben gebildeter Teil des weiblichen Genitals, von dem nur die Spitze bzw. Eichel der Klitoris (Glans clitoridis) und die sie umschließende Klitorisvorhaut (praeputium clitoridis) von außen sichtbar sind. Die Eichel ist der empfindlichste Teil dieses Organs. Die jeweils paarigen Schwellkörper vereinigen sich nach oben hin zum Klitorisschaft, an dem sich die Eichel befindet. Eichel und Schaft werden deutsch auch Kitzler genannt. Die Schwellkörper befinden sich unter den Schamlippen und anderen Bereichen der Vulva. Die gesamte Klitoris ist erogen und spielt für die sexuelle Erregung und den Orgasmus der Frau eine wichtige Rolle.

Anatomie und Funktion Embryonalentwicklung mini|280px|links|Während der Embryogenese sind die Organanlagen für die äußeren Genitalien bei beiden Geschlechtern noch gleich. Im Laufe der Fetogenese entwickeln sie unterschiedliche Proportionen und durch die Wirkung von Geschlechtshormonen schließt sich die Urogenitalrinne zu unterschiedlichen Anteilen.Laurence Baskin, Mei Cao et al.: Androgen and estrogen receptor expression in the developing human penis and clitoris. In: Differentiation. Band 111, Januar-Februar 2020, S. 41–59.

Entwicklungsphysiologisch gehen Klitoris und Penis aus dem Genitalhöcker hervor.Alfred Sigel, R. H. Ringert: Kinderurologie. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg u. a. 2001, ISBN 3-540-64764-3, Kapitel 1: Embryologie des Urogenitaltraktes (Volltext als PDF; Auf: springer.com)Raimund Stein, Rolf Beetz, Joachim Wilhelm Thüroff: Kinderurologie in Klinik und Praxis. 3. Auflage. Thieme, Stuttgart/New York 2012, ISBN 978-3-13-674803-9, S. 440 ff. → Abschnitt 37, Sinus urogenitalis und Anomalien des weiblichen Genitales. (Volltext als PDF; Auf: thieme-connect.de).

Die Entwicklung der äußeren Genitalien nimmt ihren Anfang in einer sexuell indifferenten Phase. Erst ab der zwölften Woche ist die Differenzierung der Gewebe der beiden Geschlechter vollständig. Bei beiden entstehen in der indifferenten Phase zunächst: Genitalhöcker: Tuberculum genitale; ventral von der Kloakenmembran (Sinus urogenitalis) Genital- oder Urethralfalten; beidseits der Kloakenmembran Genitalwülste oder Labioskrotalwülste; lateral der Genitalfalten Die Differenzierung zum weiblichen Genital ist durch die Rückbildung des Ductus mesonephricus („Wolffsche Gang“) und der Beibehaltung des Ductus paramesonephricus („Müllersche Gang“) charakterisiert, woraus die Tuba uterina, der Uterus und ein Teil der (distalen) Vagina entstehen. Der Sinus urogenitalis bildet mit den Genitalwülsten und dem Genitalhöcker die äußeren Genitalien (unterster (proximaler) Teil der Vagina, Vestibulum vaginae, Labia majora et minora) sowie die Klitoris. Bei beiden Geschlechtern wächst zunächst der Genitalhöcker in die Länge und wird somit zum Penis bzw. zur Klitoris. Beim weiblichen Fetus bildet sich aus dem Genitalhöcker die Klitoris. Der Sinus urogenitalis bleibt als Vestibulum vaginae offen und die beiden Genitalfalten bilden die kleinen Schamlippen, Labia minora. Die Genitalwülste vergrößern sich und bilden die großen Schamlippen, Labia majora. Zwischen den Genitalfalten liegt zunächst die Urogenitalmembran, die das spätere Ostium urogenitale noch verschließt. Diese reißt ungefähr eine Woche, nachdem das Septum urorectale mit der Kloakenmembran verwachsen ist, ein und gibt das Ostium frei.

Anatomie mini|links|Äußere Klitoris mit Benennungen gemäß der anatomischen Nomenklatur: 1: Klitorisvorhaut, Praeputium clitoridis2: Klitoriseichel, Glans clitoridis3: Kleine Schamlippen, Labia minora

mini|280px|Gesamte Klitoris mit den unter den Schamlippen verborgenen Teilen:1) Eichel, Glans clitoridis in der Vorhaut, Praeputium clitoridis, und Klitorisschaft, Corpus clitoridis, umgeben vom Musculus ischiocavernosus2) Schwellkörper, Corpus cavernosum clitoridis,3) Klitorisschenkel, Crus clitoridis4) Harnröhrenmündung, Ostium urethrae externum5) Vorhofschwellkörper, Bulbus vestibuli umfasst vom Musculus bulbospongiosus6) Scheidenöffnung, Vestibulum vaginae mini|links|400px|Zwischen Klitoriseichel und Bulben befindet sich ein RSP (infracorporeal Residual Spongy Part). Die Klitoriseichel und die Eichel des Penis sind nach neueren Literaturquellen (2022) homolog zueinander (Michael Schünke: PROMETHEUS – Anatomie, 2022).Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher: PROMETHEUS - Allgemeine Anatomie. 6. Auflage, Thieme, Stuttgart/New York 2022. S. 230, 237, 244, 245.

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Die Klitoris besteht aus den zwei am Sitzbeinausschnitt, Arcus ischiadicus, befestigten Schwellkörperschenkeln, Crura clitoridis (Singular: Crus clitoridis) und den beiden Vorhofschwellkörpern, Bulbi vestibuli, die sich unter dem Arcus pubis zum Schaft, Corpus clitoridis, vereinen.

Das freie Ende ist zur Klitoriseichel, Glans clitoridis, erweitert, diese ist von der Klitorisvorhaut (-haube), Praeputium clitoridis, bedeckt. Durch ein Band, das Ligamentum suspensorium clitoridis, ist die Klitoris am Unterrand der Schambeinfuge befestigt. Die zu beiden Seiten hin abzweigenden Klitorisschwellkörper, Klitorisschenkel, Corpus cavernosum clitoridis, und Vorhofschwellkörper, Bulbi vestibuli, sind paarig angelegte Teile des Organs, die sich in Richtung der Schambeinfuge, Symphysis pubica, zum Corpus clitoridis vereinigen. Die zwei parallelen Schwellkörper des Schaftes sind von einer faserigen kollagene Hülle, die Tunica albuginea, umgeben; diese Hülle vereinigt sich in Richtung zur Glans clitoridis mit der Klitorisvorhaut.

Die beiden auslaufenden kleinen Schamlippen formen die paarigen Frenula clitoridis, die an der Unterseite der Klitoriseichel, Glans clitoridis, eine medial verlaufende Weichteilfalte bilden. Sie verläuft also von der kranialen Vereinigungsstelle der beiden kleinen Schamlippen zur Glans clitoridis.

Laut Walter Graumann (2004) ist die Glans clitoridis der Glans penis eher analog, nicht strenggenommen homolog. Der Unterschied bestünde darin, dass der Corpus clitoridis, den seitlichen Penisschwellkörpern, Corpora cavernosa penis, entspräche und somit auch die Glans clitoridis, wohingegen sich die Glans penis, Corpus spongiosum (penis), am oberen Ende des Harnröhrenschwellkörpers, Corpus cavernosum urethrae, befindet.Walther Graumann: Compact Lehrbuch Anatomie: in 4 Bänden. Schattauer, Stuttgart 2004, ISBN 3-7945-2063-7, S. 322. Daniel Haag-Wackernagel (2017) ordnet jedoch die Glans clitoridis in Entsprechung zur Glans penis dem Corpus spongiosum zu.Daniel Haag-Wackernagel: Das weibliche Erregungssystem aus Sicht der Evolutionsbiologie. (PDF; 1,2 MB) Departement Biomedizin der Universität Basel, 2017.

Glans und Crura enthalten beide kavernöses Gewebe und sind von einer festen Tunica albuginea umgeben. Dem männlichen Harnröhrenschwellkörper, Corpus spongiosum, entsprechen bei der Frau die Vorhofschwellkörper, Bulbi vestibuli, die zweigeteilt auf jeder Seite des urethralen und vaginalen Ausgangs sitzen.

Die Größen der Schwellkörpersysteme sind individuell sehr unterschiedlich. Klitorisschenkel und Bulben sind ebenfalls erogen. Sie reagieren sowohl auf Berührungen der seitlichen Bereiche der Vulva als auch auf aktive Betätigung der sie umhüllenden Muskeln durch Beckenbodentraining mit positivem Effekt auf die Orgasmusfähigkeit der Frau.S. Soeder, A. Lehmann, R. Tunn, S. M. Grüsser-Sinopoli: Beckenbodenbewußtseinsschulung als Einflussfaktoren auf das sexuelle Erleben der Frau. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 66, 2006, doi:10.1055/s-2006-952497.

Die arterielle Versorgung erfolgt über Äste der Arteria pudenda interna: die Arteria profunda clitoridis zieht zu den Klitorisschenkeln und die Arteria dorsalis clitoridis zur Klitoriseichel. Die Vena dorsalis clitoridis führt das Blut der gesamten Klitoris in den Venenplexus um die Harnblase ab.

Die Lymphe fließt über die Lymphknoten in der Leiste ab.Erik Schulte: Weibliches Genitale. In: Gerhard Aumüller u. a.: Anatomie. 3. Auflage. Thieme, Stuttgart 2014, S. 808.B. Fischer, G. Rune: Weibliche Geschlechtsorgane. In: Detlev Drenckhahn (Hrsg.): Anatomie. Band 1, 17. Auflage. Urban & Fischer, München 2008, S. 841. Während die Lymphe der Vulva in die Nodi lymphatici Nll. inguinales superficiales abfließen, wird die Lymphe der vorderen Klitorisanteile mit dem Corpus und Glans clitoridis in die Nll. inguinales profundi und Nll. iliaci interni drainiert.

Schwellkörperschenkel Die beiden seitlich liegenden Klitorisschenkel (Crura clitoridis) enthalten jeweils einen Schwellkörper (das Corpus cavernosum clitoridis dextrum (rechte Seite) bzw. sinistrum (links)), aus erektilem Gewebe, welches aus glatten Muskelzellen und Bindegewebe besteht.

340px|mini|links|Die Schwellkörpersysteme des Mannes.Oben das Cavernosum penis mit den beiden Crura penis. Sie sind dem klitoralen System analog.Unten das Corpus spongiosum penis mit dem Bulbus penis. Sie sind, auch als Corpus cavernosum urethrae feminina bezeichnet, den Bulbi vestibuli, der Gräfenberg-Zone, dem Anterior Fornix Erogenous Zone, kurz AFE-Zone (Halban-Faszie) der Frau analog.aus: John C Boileau Grant: An atlas of anatomy: by regions: upper limb, abdomen, perineum, pelvis, lower limb, vertebrae, vertebral column, thorax, head and neck, cranial nerves and dermatomes. 5. Ausgabe, Williams & Wilkins, Baltimore 1962. mini|3D-Modell von Odile Fillod: die Schwellkörpersysteme: oben Glans und Corpus clitoridis mit den beiden anhängenden, schlankeren Crura clitoridis und den beiden dickeren Bulben der Klitoris.Karolin Küter: Die Klitoris, das unbekannte Organ. Auf: Keine Korrespondentin, 30. November 2016.

Die beiden paarig angelegten Corpora cavernosa clitoridis vereinigen sich auf ihrem Weg zur Symphyse zum Schaft, Corpus clitoridis, und schließlich zur Eichel, Glans clitoridis. Die Tunica albuginea umgibt die beiden Schwellkörperschenkel zur Aufrechterhaltung und Stabilisierung ihrer Form, es handelt sich um eine Bindegewebsschicht aus faserreichemIm faserreichen Bindegewebe sind neben Anteilen aus kollagenen Fasern vor allem noch elastische Fasern vorherrschend. Bindegewebe, das über die Corpora cavernosum clitoridis zur Glans clitoridis in das Praeputium clitoridis ausläuft.Claire C. Yang, Christopher J. Cold, Ugur Yilmaz, Kenneth R. Maravilla: Sexually responsive vascular tissue of the vulva. In: BJU International. Band 97, Nr. 4, 2006, S. 766–772, doi:10.1111/j.1464-410X.2005.05961.x.

Vorhofschwellkörper (Bulben)