Die Lyme-Borreliose oder Lymekrankheit (Aussprache [] nach der Stadt Lyme, abgerufen am 30. April 2025) ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst wird. Menschen können durch den Stich einer Zecke infiziert werden, wenn diese zuvor ein infiziertes Tier gestochen hatte. In Deutschland wird Borreliose durch den Stich des Holzbocks übertragen.

Etwa einer von 100 Zeckenstichen führt zur Borreliose-Krankheit, die behandelt werden muss. Es werden zwei frühe und ein spätes Stadium der Krankheit unterschieden, die speziell die Haut, das Nervensystem, die Gelenke und das Herz betreffen:

früh lokalisiert (nach 3–30 Tagen): Wanderröte (zu 89 % als einzige Symptomatik), Borrelien-Lymphozytom (2 %) früh disseminiert: wie 1. an verschiedenen Stellen, zudem Neuroborreliose (3 %), Lyme-Arthritis (5 %), Lyme-Karditis (<1 %) spät: Herxheimer-Krankheit (1 %), späte Neuroborreliose, chronische Lyme-Arthritis

Entdeckung, Namensgebung und Ursprung Die Bezeichnung Lyme-Borreliose setzt sich zusammen aus dem Namen der US-amerikanischen Orte Lyme und Old Lyme, in denen das Krankheitsbild 1974 und 1975 nach gehäuftem Auftreten von Gelenksentzündungen bei Kindern in Verbindung mit Zeckenstichen erstmals beschrieben wurde (anfangs wurde dies als juvenile rheumatoide Arthritis fehlgedeutet), und aus der Bezeichnung der Erregerfamilie, die nach dem französischen Bakteriologen Amédée Borrel benannt ist. 1977 wurde „Lyme-Arthritis“ vom amerikanischen Rheumatologen Allen Steere und Mitarbeitern als eigenständige Krankheit anerkannt, jedoch noch ohne Bezug zur Borreliose. Die epidemiologischen Befunde legten nahe, dass die Erkrankung durch einen infektiösen Erreger verursacht und durch einen Gliederfüßer als Vektor übertragen wird.

Dem amerikanischen Bakteriologen Willy Burgdorfer gelang 1981 erstmals der Nachweis der neu entdeckten Borrelia-Art aus Schildzecken (Ixodidae) und später auch aus Krankheitsherden infizierter Patienten 1982 ihre Anzucht. Ihm zu Ehren wurde diese Spezies Borrelia burgdorferi benannt. Hierbei wies man bei Patienten mit Lyme-Arthritis Antikörper gegen das isolierte Bakterium nach, wodurch sich der vermutete kausale Gesamtzusammenhang erhärtete.

Bei der DNA-Sequenzierung der 5300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi wurde eine 60-prozentige Übereinstimmung mit dem Genom von Borrelia burgdorferi gefunden. Damit ist dies der älteste dokumentierte Borreliose-Fall in der Menschheitsgeschichte und der erste Nachweis in einem nicht mehr lebenden Individuum überhaupt.Hubert Filser: Der Risikopatient aus dem Eis. In: Süddeutsche Zeitung. online vom 29. Februar 2012, abgerufen am 9. März 2012.

Erreger mini|Borrelia burgdorferi, 400-fach vergrößert Borrelien sind eine Gattung gramnegativer, spiralförmiger Bakterien und gehören zur Familie der Spirochaetaceae und der Klasse der Spirochäten.

Als Oberbegriff für die Arten, die die Lyme-Borreliose verursachen, wird der Begriff Borrelia burgdorferi sensu lato (Bbsl) verwendet. Es sind über 20 Spezies des Bbsl-Komplexes beschrieben, hiervon sind sechs humanpathogen: B. burgdorferi sensu stricto, B. afzelii, B. garinii, B. bavariensis, B. spielmanii und B. mayonii. B. burgdorferi und B. mayonii sind in den USA im Mittleren Westen verbreitet; in Deutschland und weiteren europäischen Staaten die anderen Arten außer B. mayonii. Dies wird als Ursache unterschiedlicher Manifestationen in Europa und Amerika diskutiert.

Die Infektion mit Borrelia burgdorferi kommt bei Vögeln sowie bei verschiedenen Säugetieren, hauptsächlich Mäusen, vor. Diese sind Reservoir-Wirte, von denen die Infektion durch eine Schildzecke auf den Menschen übertragen wird.

Borreliose-Erreger konnten auch in fliegenden Insekten nachgewiesen werden (Pferdebremsen, Stechmücken). Eine Übertragung durch einen Stich wird jedoch bezweifelt.

Zudem gibt es weitere Borrelia-Arten, wie unter anderem B. recurrentis und B. hermsii, als Erreger des Rückfallfiebers.

Morphologische Veränderungen In-vitro-Untersuchungen weisen darauf hin, dass Borrelien in der Lage sind, ihre ursprüngliche längliche Gestalt unter Stress in eine Kugelform umzuwandeln. Zudem zeigen entsprechende Studien, dass Borrelien auch noch in weiteren Formvarianten vorkommen können, die unter den Oberbegriffen L-Formen oder Sphaeroplasten zusammengefasst werden.V. P. Mursic u. a.: Formation and cultivation of Borrelia burgdorferi spheroplast-L-form variants. In: Infection. Band 24, Nr. 3, 1996, S. 218–226. PMID 8811359. Sphaeroplasten besitzen eine defizitäre Zellwand oder sind sogar zellwandlos (zystisch). Es gibt darüber hinaus Hinweise, dass diese Formen sowohl intrazellulär als auch extrazellulär vorkommen können und in der Lage sind, sich trotz ihrer zellwandlosen Form zu teilen und sich auch wieder in komplette Formen zurückzuentwickeln.

Mit dem Rasterkraftmikroskop wurde beobachtet, wie sich die Borrelien innerhalb weniger Tage zu symmetrischen Gebilden formieren und einen Biofilm bilden, der aus extrazellulären polymeren Substanzen besteht. Unter den Erregern besteht eine chemische Kommunikation namens Quorum sensing, die maßgeblich zur Biofilmbildung beiträgt. Möglicherweise können diese Varianten das körpereigene Immunsystem und die Wirkung von Antibiotika behindern.

Verbreitung mini|Länder mit berichteten Fällen Lyme-Borreliose ist in der nördlichen Hemisphäre die häufigste von Schildzecken übertragene Erkrankung, in Deutschland vom Gemeinen Holzbock. Sie sind in ganz Deutschland Träger von Borrelien, allerdings mit kleinräumig starken Unterschieden. In Europa sind 3–38 % der Zecken betroffen, wobei adulte Zecken im Durchschnitt zu 20 %, Nymphen zu 10 % und Larven nur zu etwa 1 % infiziert sind. Nach einem Zeckenstich kommt es in 2,6–5,6 % der Fälle zu einer Infektion (d. h. nachweisbaren Antikörpern). In 0,3–1,4 % der Fälle kommt es zu einer Erkrankung.

Borreliose ist nicht in das Infektionsschutzgesetz aufgenommen. Es besteht jedoch eine auf landesrechtlicher Ebene geregelte Meldepflicht für Rheinland-Pfalz, das Saarland, Bayern sowie Berlin und die neuen Bundesländer. Schätzungen für die jährlichen Fallzahlen in Deutschland reichen von 60.000 bis über 200.000, damit liegt die Inzidenz bei 70-240 pro 100.000 Einwohner.

Für Österreich werden Inzidenzen zwischen 135R. Smith, J. Takkinen, Editorial team: Lyme borreliosis: Europe-wide coordinated surveillance and action needed? In: Eurosurveillance. 2006;11(25), S. 2977 (englisch); abgerufen am 27. April 2012. und 300E. Lindgren, T. Jaenson: Lyme Borreliosis in Europe. (PDF; 1,1 MB) WHO Europe (englisch) abgerufen am 27. April 2012. pro 100.000 Einwohner angegeben. In der Schweiz sind je nach Region 5 bis 30 % der Zecken mit Borrelien infiziert, jährlich erkranken etwa 10.000 Personen an einer Borreliose, damit liegt die Inzidenz bei ca. 110 pro 100.000 Personen., Informationen des Bundesamts für Gesundheit

Übertragung mini|Ixodes ricinus – einer der Hauptüberträger von Borrelien

Überträger des Bakteriums sind in der Regel Zecken, die den Erreger einige Stunden nach dem Stich übertragen, nach verschiedenen Angaben innerhalb von 6 und 48 Stunden.O. March: Transmissionsrisiko von Borrelia burgdorferi nach Zeckenstich: Follow-up Studie. (PDF) Je länger eine mit Borrelien befallene Zecke gesaugt hat, umso höher ist das Risiko einer Übertragung. Ein Teil der Infektionen erfolgt aber auch durch unsachgemäßes Entfernen der Zecke, wenn sie gequetscht wird.

Die als Nymphen bezeichneten juvenilen Entwicklungsstadien der Zecken sind mit bloßem Auge kaum erkennbar. Da die Nymphen nach ihrer meist unbemerkten Blutmahlzeit von der Haut abfallen, weiß der Gestochene in diesem Fall nichts von einer möglichen Borreliose-Infektion und wird erst aufmerksam, wenn die Symptome auftreten.

Es besteht ein sehr geringes Risiko einer Übertragung des Erregers während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind über die Plazenta. Einen sicheren Nachweis einer Erkrankung in der Gebärmutter gibt es nicht.

Lyme-Borreliose wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Diagnose Lyme-Borreliose ist bei der typischen Wanderröte eine rein klinische Diagnose. In atypischen Verläufen und anderen Krankheitsausprägungen wird die Verdachtsdiagnose durch Labordiagnostik gestützt.

Eine sichere Diagnose kann oft anhand der Krankheitssymptome, des Krankheitsverlaufs, der Krankengeschichte und der serologischen Befunde sowie sorgfältiger Erhebung anamnestischer Daten sowie der ggf. aktuellen psycho-sozialen Situation gestellt werden. Bei hinreichendem Verdacht, aber unklaren Befunden wird manchmal versuchsweise eine Antibiotika-Behandlung durchgeführt. Allerdings besagt das Ansprechen auf die Antibiotikagaben nicht, dass eine aktive Lyme-Borreliose vorliegt, und umgekehrt belegt ein Nicht-Ansprechen nicht, dass die Krankheit ausgeheilt ist. Insbesondere die optimale Antibiotika-Behandlung des späten Stadiums ist unklar und deshalb strittig.

Nach einer durchgemachten Borreliose besteht keine Immunität.

Klinische Symptomatik Hautmanifestation (Erythema migrans): Eine Lyme-Borreliose tritt am häufigsten zuerst als Wanderröte von mindestens 5 cm Durchmesser um den Zeckenstich in Erscheinung. Davor liegen mindestens 3 symptomfreie Tage. Die Wanderröte kann atypisch verlaufen oder streuen. Dazu können verschiedene unspezifische Symptome auftreten.

Im späten Krankheits-Stadium kann die chronische Hautentzündung Akrodermatitis chronica atrophicans meistens an Armen und Beinen auftreten. In etwa der Hälfte der Fälle sind Gelenke und Nervengewebe der entsprechenden Stellen betroffen.

Neuroborreliose: Die neurologischen Fälle manifestieren sich im frühen Stadium, nach wenigen Wochen bis Monaten nach dem Zeckenbiss als Neuroborreliose. Selten entwickelt sie sich als späte Neuroborreliose über Monate oder Jahre.

Lyme-Arthritis: Hierbei sind insbesondere das Knie, das Sprunggelenk und der Ellenbogen betroffen.

Lyme-Karditis: Tritt nur bei 1 % der Patienten mit einer Borreliose (in den U.S.A.) auf und ist seitens des CDC als plötzlich auftretender, aber vorübergehender (transienter) zweit- oder drittgradiger AV-Block, also einer Herzrhythmusstörung definiert. Die Lyme-Karditis tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Der beste Prädiktor eines drohenden AV-Blocks ist ein EKG mit einem PR-Intervall von über 300 Millisekunden. Seltener wurden auch andere Rhythmusstörungen wie ein sinoatrialer Exit-Block oder ein Schenkelblock. Symptome sind Bradykardie, Müdigkeit, Atemnot und intermittierende Palpitationen, manchmal auch eine Angina, Benommenheit, sogar Ohnmachtsanfälle (Synkopen). Besonders der drittgradige AV-Block dauert selten mehr als sechs Tage, weshalb in der Regel nur ein temporärer und kein permanenter Herzschrittmacher notwendig ist. Die Rhythmusstörungen bilden sich unter korrekter Antibiotika-Therapie oftmals schon nach Stunden und eigentlich immer vollständig zurück. Typischerweise wird zunächst intravenöses Ceftriaxon eingesetzt und nach Rückbildung der akuten Rhythmusstörungen auf eine orale Antibiose gewechselt.Deborah Gomez Kwolek, Julian S. Haimovich, Marc D. Succi, David M. Dudzinski, Sarah E. Turbett: Case 24-2025: A 32-Year-Old Woman with Fatigue and Myalgias. New England Journal of Medicine 2025, Band 393, Ausgabe 8 vom 21./28. August 2025, Seiten 799–807, DOI:10.1056/NEJMcpc2312739 - Fallgeschichte einer Lyme-Karditis

Differenzialdiagnose In Abhängigkeit vom Krankheitsstadium und Manifestation ist die Differenzialdiagnose weit gefächert.