mini|hochkant=1.1|Enthaarte Vulva, Perineum und Anus einer Frau; durch die geöffneten Labien ist der Scheideneingang sichtbar.
Vulva (Mehrzahl: Vulven, ; auch Cunnus, Pudendum femininum; veraltet Vestibulum vaginae oder Pudendum muliebre [von lateinisch mulier = die Frau; muliebris = weiblich] sowie „weibliche Scham“) bezeichnet die Gesamtheit der äußeren primären Geschlechtsorgane weiblicher Tiere. Bei Säugetieren besteht sie aus dem Venushügel, den VulvalippenMichael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher: PROMETHEUS - Allgemeine Anatomie. 6. Auflage, Thieme, Stuttgart / New York 2022. S. 240, 243. und der Klitoris.
Im Unterschied zur Tieranatomie wird bei der Frau auch der Scheidenvorhof zur Vulva gezählt. Von diesem führen die Scheide (Vagina) ins Innere zur Gebärmutter (Uterus) und die kurze Harnröhre (Urethra feminina) zur Harnblase (Vesica urinaria). Ab der Geschlechtsreife werden große Bereiche der Vulva durch die Schambehaarung bedeckt (Pubes, Crinis vulvae), die sich mit Beginn der Pubertät als Teil der Körperbehaarung und somit als sekundäres Geschlechtsmerkmal herausbildet.
Außerhalb der medizinischen Fachsprache wird die Vulva auch fälschlicherweise als „Scheide“ oder „Vagina“,Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte: Äußere Genitalien der Frau. In: frauenaerzte-im-netz.de, 26. März 2018, abgerufen am 15. Mai 2020;Harriet Lerner: “V” is for vulva, not just vagina. In: LJ World.com. Mai 2003 (englisch);Stephan Maus: Vulva: Das verschwiegene Sexorgan. In: Stern.de, 22. April 2009;Florian Borchmeyer: „Das da unten“ – „Vulva“: Die Kulturgeschichte des weiblichen Geschlechts. ZDF-Sendung aspekte. 13. Februar 2009. zuweilen auch als „äußere Scheide“ In: Bravo.de. bezeichnet.
Das medizinisch ebenfalls eingeführteRauber, Kopsch: Lehrbuch und Atlas der Anatomie des Menschen. Abteilung 4: Eingeweide. 13. Auflage. Thieme, Leipzig 1929, S. ??. und in literarischer oder gehobener Alltagssprache gebrauchte Fremdwort ist Cunnus (Mehrzahl Cunni, vergleiche mit Cunnilingus). In der klassischen lateinischen Literatur galt es jedoch vorwiegend als obszöner Ausdruck oder wurde mit erotischen Konnotationen gebraucht.Wilfried Stroh: Sexualität und Obszönität in römischer „Lyrik“. In: Theo Stemmler, Stephan Horlacher (Hrsg.): Sexualität im Gedicht: 11. Kolloquium der Forschungsstelle für europäische Lyrik. Universität Mannheim 2000, ISBN 3-8233-4156-1, S. 11–49.
Auch können die weiblichen Geschlechtsorgane anderer Tiergruppen neben den Säugetieren, unter anderem bei den Nematoden, in biologischer Analogie als Vulva bezeichnet werden, sie unterscheiden sich jedoch vollständig von den Vulven der Säugetiere.
Anatomie bei der Frau Makroskopische Anatomie
Äußere Erscheinungsform und Anatomie der Vulva
mini|hochkant=1.5|links|verweis=A) Commissura labiorum anterior der großen Schamlippen;B) Klitorisvorhaut, Praeputium clitoridis; durch das Zurückziehen der Klitorisvorhaut, Praeputium clitoridis, zeigt sich das Kitzlerbändchen, Frenula clitoridis, welches sich in die kleinen Labien, Labia minora fortsetzt;C) Kleine Schamlippen, Labia minora;D) Große Schamlippen, Labia majora;E) Commissura labiorum posterior der großen Schamlippen sowie die Dammnaht (Raphe perinei) und der Anus;F) Klitoriseichel, Glans clitoridis und Klitorisschaft, Corpus clitoridis;G) Innere Fläche der großen Schamlippen, Labia majora (siehe auch Fordyce-Drüse);H) Scheidenvorhof, Vestibulum vaginae;I) Mündung der weiblichen Harnröhre, Urethra feminina, der Meatus urethrae externus mit der Carina urethralis vaginae;J) Scheideneingang, Introitus vaginae;K) Fourchette, Commissura labiorum posterior
mini|hochkant=1.5|Schematische Darstellung der menschlichen Vulva mit den äußerlichen und den innenliegenden Strukturen mini|hochkant=1.5|Schematische Darstellung der weiblichen Geschlechtsorgane des Menschen mini|Video: Anatomie der menschlichen Vulva und Vagina
Die Vulva umfasst die äußeren, primären Geschlechtsorgane der Frau. Das sind die einfassenden Anteile wie Venushügel, die großen äußeren Schamlippen, die kleinen inneren Schamlippen, die Klitoris und der Scheidenvorhof mit den Ausgängen der Vagina, der Harnröhre und der Vestibulardrüsen.Vulva. In: Pschyrembel Wörterbuch Sexualität. De Gruyter, Berlin 2006, ISBN 3-11-016965-7, S. 581.Arne Schäffler, Nicole Menche: Mensch – Körper – Krankheit. Biologie, Anatomie, Physiologie. Lehrbuch und Atlas für die Berufe im Gesundheitswesen. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Urban & Fischer, München 1999, ISBN 3-437-55091-8, S. 396–397. Die Vagina öffnet sich mit der Scheidenöffnung, Ostium vaginae oder Introitus vaginae, mehr oder weniger ausgeprägt ring- bis kranzförmig in den Scheidenvorhof, Vestibulum vaginae, der Vulva. Die großen Schamlippen, Labia majora pudendi, verlaufen vom Venushügel, Mons pubis, bis zum Damm, wobei sie gewissermaßen in die Raphe perinei auslaufen. Sie verdecken Klitoris, Harnröhrenöffnung und Scheideneingang größtenteils und schützen diese somit. Die großen Schamlippen, Labia majora, enthalten in unterschiedlichem Ausmaß subkutanes Fettgewebe und sind von einer pigmentierten Felderhaut bedeckt. Die mit Haaren, Talg- und Schweißdrüsen durchsetzte Haut an der Außenfläche der großen Schamlippen ist pigmentiert. Zur Innenfläche hin verschwinden allmählich die beschriebenen Hautanhangsgebilde. So wird die Haut rötlicher, weicher und gleicht dadurch mehr einer Schleimhaut. Innen enthalten die Labia majora viel Fett- und Bindegewebe, glatte Muskulatur, Nerven und Gefäße. Beide großen Schamlippen bilden die Schamspalte, Rima pudendi, ihre obere Vereinigungsstelle wird als Commissura labiorum anterior, die hintere als Commissura labiorum posterior bezeichnet.Gert-Horst Schumacher, Gerhard Aumüller: Topographische Anatomie des Menschen. Urban & Fischer, München/Jena 2004, ISBN 3-437-41366-X. Aufgrund der unterschiedlichen Dicke der subkutanen Fettgewebspolster stehen, neben anderen Faktoren, die inneren, kleinen Schamlippen bei einer stehenden Frau in unterschiedlichem Ausmaße hervor.
In der Bildungsphase der Organe beim Embryo (Organogenese) entsteht die Vulva aus dem Genitalhöcker und den seitlich davon liegenden Geschlechtswülsten.
Der Venushügel, Mons pubis oder Mons veneris, und die großen Schamlippen, Labia majora pudendi, stellen die äußere Begrenzung der Vulva dar. Bis zur Pubertät (genauer: Pubarche) sind sie unbehaart, bei erwachsenen Frauen sind sie mit Schamhaar bewachsen. Die großen Schamlippen enthalten Talg-, Schweiß- und Duftdrüsen und bilden die Schamspalte, Rima pudendi. Von den äußeren Schamlippen bedeckt ist der Vorhofschwellkörper (Bulbus vestibuli), der homolog zum Harnröhrenschwellkörper des Mannes ist.Gerhard Aumüller u. a.: Duale Reihe Anatomie. 2. Auflage. Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 728.
Zwischen den äußeren großen Schamlippen liegen die beiden kleinen Schamlippen, Labia minora pudendi, auch Nymphae genannt. Die inneren kleinen Schamlippen sind bei einigen Frauen in stehender Körperhaltung vollständig durch die äußeren Schamlippen verdeckt, ragen jedoch oft auch sichtbar aus diesen heraus. Zwischen den großen und kleinen Schamlippen formt sich eine fettgewebslose Schicht, die reichlich mit elastischem lockeren Bindegewebe und Talgdrüsen ausgestattet ist.Theodor Heinrich Schiebler: Lehrbuch der gesamten Anatomie des Menschen: Cytologie, Histologie, Entwicklungsgeschichte, makroskopische und mikroskopische Anatomie. Springer-Verlag, Heidelberg/Berlin/New York 2013, ISBN 978-3-662-12240-2, S. 524. Eine Behaarung fehlt gänzlich. Nach innen zum Vestibulum vaginae befindet sich ein mehrschichtiges, unverhorntes und nach außen schwach verhorntes Plattenepithel. In dem Bindegewebe mit seinem hohen Anteil an elastischen Fasern verzweigen sich reichlich starke Venennetze, die bei geschlechtlicher Erregung anschwellen. An der vorderen Umschlagsfalte der inneren Schamlippen, Commissura labiorum anterior, in der Tieranatomie auch als Commissura labiorum ventralis bezeichnet, liegt die Klitoris, der „Kitzler“. Die Klitoris ist ein von Schwellkörpergewebe gebildetes erektiles Organ, welches mit Nervenenden, genauer Mechanorezeptoren der Haut, durchsetzt und besonders in der Lage ist, auf Berührung zu reagieren. Die Klitoris und der Penis nehmen embryonal-entwicklungsgeschichtlich ihren gemeinsamen Ausgangspunkt aus dem Genitalhöcker. Die Klitoris hat einen äußerlich sichtbaren Anteil, die Klitoriseichel (Glans clitoridis), die von der Klitorisvorhaut (Praeputium clitoridis) überzogen ist, sowie zwei im Inneren liegende Schwellkörperschenkel.Gerhard Aumüller u. a.: Duale Reihe Anatomie. 2. Auflage. Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-152862-9, S. 728.
Vom unteren Ende der Vulva aus, der Fourchette (siehe Fourchette-Piercing), Commissura labiorum posterior, zieht sich sichtbar die Verwachsungsnaht oder Raphe perinei in anteroposteriorer Richtung in der Medianebene zum Anus zu.
Das variable Erscheinungsbild der Vulvae mini|hochkant=1.2|Individuelle Ausformungen menschlicher Vulven
Jede Vulva ist in ihrem Erscheinungsbild individuell und damit einzigartig. So unterscheiden sich die Größe der Klitoris, die Form der Schamlippen, die Farbe und Oberflächenstruktur, die Entfernung von der Klitoris zur Harnröhrenmündung und die Distanz von der hinteren Umschlagfalte der inneren Schamlippen, Commissura labiorum posterior, bis zum Anus in weiten Grenzen.J. Lloyd, N. S. Crouch, C. L. Minto, L. M. Liao, S. M. Creighton: Female genital appearance: „normality“ unfolds. In: BJOG. Nr. 112, 2005, S. 643–646. PMID 15842291, doi:10.1111/j.1471-0528.2004.00517.x (freier Volltext). Diese Variationen erklären auch die Unterschiede zu häufig nachbearbeiteten Abbildungen von äußeren Geschlechtsteilen, die einem idealisierten Schönheitsideal entsprechen sollen.Ada Borkenhagen, Heribert Kentenich: Labienreduktion – Neuester Trend der kosmetischen Genitalkorrektur – Übersichtsarbeit. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Nr. 69, 2009, S. 19–23, doi:10.1055/s-2008-1039241.
Der augenfälligste anatomische Unterschied zwischen verschiedenen Frauen liegt in der Ausprägung von Klitorisvorhaut und inneren Schamlippen und dem Grad der Sichtbarkeit bei aufrechter Körperhaltung. Nur bei wenigen Frauen sind diese Strukturen vollständig von den äußeren Schamlippen umschlossen; meist ragen sie mehr oder weniger stark hervor.Es gibt fünf verschiedene Vagina-Typen, und sie alle sind wundervoll. Auf: mtv.de/news (Viva) vom 29. Oktober 2018; abgerufen am 20. Mai 2020.
Begründet durch die stark zunehmende Nachfrage nach ästhetischer IntimchirurgieDas genormte Geschlecht – Frankfurter Allgemeine Zeitung und die damit einhergehende Verunsicherung vieler FrauenL. Michala, S. Koliantzaki, A. Antsaklis: Protruding labia minora: abnormal or just uncool? In: Journal of Psychosomatic Obstetrics & Gynecology. Band 32, Nr. 3, 2011, S. 154–156. doi:10.3109/0167482X.2011.585726 wurden mehrere wissenschaftliche Studien durchgeführt, um die Normvariation der Vulva zu bestimmen. Zwischen August 2015 und April 2017 vermaßen Ärzte der gynäkologischen Ambulanz am Luzerner Kantonsspital die äußeren genitalen Strukturen von 657 ambulanten weiblichen Patientinnen (15–84 Jahre).Wie sieht eigentlich eine «normale Vulva» aus? Die Ergebnisse der groß angelegten Studie wurden 2018 veröffentlicht.A. Kreklau, I. Vaz, F. Oehme, F. Strub, R. Brechbühl, C. Christmann, A. Günthert: Measurements of a ‘normal vulva’ in women aged 15–84: a cross‐sectional prospective single‐centre study. In: BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology. 2018. doi:10.1111/1471-0528.15387 Die Ärzte und Wissenschaftler stellten eine große Variationsbreite fest, insbesondere bei den inneren Schamlippen, der Klitoris und der Klitorisvorhaut.