Das Kloster Einsiedeln (lateinisch Abbatia territorialis Sanctissimae Virginis Mariae Einsiedlensis) mit seiner Abtei- und Kathedralkirche Maria Himmelfahrt und St. Mauritius ist eine exemte Benediktinerabtei in der Gemeinde Einsiedeln im Kanton Schwyz. Es handelt sich aufgrund seiner Bedeutung als grösster Wallfahrtsort des Landes und seiner prägnanten Architektur um den berühmtesten Barockbau der Schweiz; die Abtei ist zudem eine bedeutende Station auf dem Jakobsweg. Die Schwarze Madonna von Einsiedeln in der Gnadenkapelle ist Anziehungspunkt für rund 800'000 Pilger und Touristen pro Jahr. Die Gemeinschaft der Benediktinermönche zählt rund 40 Mitglieder. Das Kloster ist nicht Teil einer Diözese, sondern hat den Status einer Territorialabtei.
Seit seiner Gründung im Jahre 1130 gehört das Benediktinerinnenkloster Fahr bei Zürich zur Abtei Einsiedeln. Dadurch ist der Abt von Einsiedeln auch derjenige des Klosters Fahr. Sie bilden zusammen das weltweit einzige noch erhalten gebliebene Doppelkloster im Benediktinerorden.
Geschichte Von der Meinradszelle zur Reichsabtei mini|hochkant|Meinrad mit den Mördern und den beiden Raben mini|Kloster Einsiedeln und Weihnachtsmarkt in der Nacht mini|Kloster Einsiedeln Blick von Osten im Sommer mini|Kloster Einsiedeln Blick von Osten im Winter mini|Fahne der Abtei Einsiedeln in Gedenken an die Raben des heiligen Meinrad Im Jahr 828 zog sich der Benediktiner Meinrad vom Kloster Reichenau als Einsiedler auf den Etzelpass zurück. An einem abgelegenen Ort baute er sich 835 eine neue Klause mit einer kleinen Kapelle. Dieser Ort lag etwas südlicher, mitten im Finstern Wald. Der Legende nach wurde Meinrad dort von Menschen aufgesucht, welche seinen Rat und Trost erbaten und ihm dafür Gaben überliessen. Am 21. Januar 861 soll er von Landstreichern überfallen und ermordet worden sein. Daraufhin sollen zwei Raben die Mörder verfolgt und vor Gericht geführt haben, wo sie unter dem Vorsitz des Grafen Adalbert des Erlauchten zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurden. Aus diesem Grund sind auf den Wappen von Kloster und Dorf Einsiedeln zwei Raben abgebildet. Seine Leiche wurde auf der Reichenau bestattet, das Herz auf dem Etzel begraben.Hanna Böck: Einsiedeln. Das Kloster und seine Geschichte. S. 13–14.
Über 40 Jahre später wurde die Meinradszelle wieder zum Anziehungspunkt für Einsiedler. Unter ihnen war auch Benno, der kurze Zeit Bischof von Metz war. Sie liessen sich 906 bei der Zelle nieder und machten die Gegend urbar.
934 wurden die Einsiedler durch Eberhard, einen Dompropst aus Straßburg, zu einer Gemeinschaft zusammengefasst, der er die Regel des heiligen Benedikt gab. Eberhard, der erste Abt, verfügte über Eigenleute, welche die erste Bevölkerung des Hochtals bildeten.Hanna Böck: Einsiedeln. Das Kloster und seine Geschichte. S. 23.
Die Gründung des Stifts wurde am 27. Oktober 947 durch König Otto I. bestätigt und ging mit einer üblichen Schenkung von Land einher. Zur Schenkung Ottos I. gehörte auch die Insel Ufenau, die zu diesem Zeitpunkt dem Damenstift Säckingen gehörte. Das Damenstift wurde dafür mit anderen Besitzungen entschädigt. Das Stift Einsiedeln erhielt ausserdem die freie Abtwahl und Immunität. Im Jahr 948 wurde die erste Abteikirche zu Ehren Marias und des heiligen Mauritius geweiht.
Unter den ersten Äbten entwickelte sich die Einsiedler Mönchsgemeinschaft zu einem weitherum als vorbildlich bekannten Benediktinerkloster. Dafür spricht die Tatsache, dass zahlreiche Mönche als Äbte in andere Klöster oder auf Bischofsstühle gerufen werden.
Hoch- und Spätmittelalter Kaiser Heinrich II. schenkte während seines fünfwöchigen Aufenthaltes in der Pfalz in Zürich am 2. September 1018Heinrich II. - RI II,4 n. 1936. 1018 September 2, Zürich: Heinrich schenkt dem Kloster Einsiedeln auf Bitten des Abtes Wirund den um die Abtei gelegenen umwegsamen und unkultivierten Wald mit allen Nutzungsrechten innerhalb angeführter Grenzen (). – Guntherius canc. vice Erchanbaldi archicap.; verfaßt und geschrieben von GD; M.; SI; „Si loca divinis.“ Überlieferung/Literatur: Einsiedeln Stiftsarchiv. – Guillimann, Habsburgiaca ed. I. 134 zit.; MG. DD. 3, 507 no. 395; Quellenwerk z. Entstehung d. Schweizer Eidgenossenschaft I/1, 31 no. 64. – Hidber 1255; Böhmer 1179; Stumpf 1712. Kommentar: Zur Sache und zu den Wildbanngrenzen vgl. Ranzi, Königsgut und Königsforst 177 f. In: RI II,4 n. 1936, in: Regesta Imperii Online, regesta-imperii.de (Abgerufen am 19. November 2024). auf Bitten des Abtes Wirund dem Kloster den 229 km² großen um die Abtei gelegenen Finstern Wald zur Nutzung.Joachim Salzgeber: Am 2. September 1018 schenkte Heinrich II. dem Kloster Einsiedeln den Finstern Wald. In: Maria Einsiedeln. Band 99, 1994, S. 149–151. Er hatte als Förderer der Kirche und der Klöster bereits am 5. Januar desselben Jahres in seiner Pfalz in Frankfurt dem Kloster die althergebrachten Besitzungen und die Immunität bestätigt.MG. DD. 3, 482 wo. 378. Die Aufsicht, auch die Vertretung des Klosters in Rechtsfragen, übernahm jeweils ein Schirmherr. Zu diesen zählten die Nellenburger, die Rapperswiler und die Herren von Uster. Schliesslich gingen diese einträglichen Rechte an die Habsburger über.
Nach dem ersten Klosterbrand von 1029 wurde von 1031 bis 1039 eine dreischiffige Basilika mit einer Krypta errichtet, welche die Grundform für den späteren Barockbau vorgab. Die Grundsteinlegung für den Neubau fand am 10. Mai 1031 statt.Aegidius Tschudi: Chronicon Helveticum. Am 13. Oktober 1039 wurde die Klosterkirche durch Abt Berno wieder eingeweiht. Berno dichtete und komponierte eigens für den Festtag das Festoffizium zu Ehren des heiligen Meinrad, das heute noch in der gleichen Fassung von den Benediktinern in Einsiedeln gesungen und gebetet wird.Karl Wehrle: auf reichenau.de vom 25. Januar 2024. Eine zweite Basilika (Unteres Münster) wurde 1230 über dem ummauerten Hof errichtet.
Seit 1114 sind Grenzstreitigkeiten mit den Schwyzern bekannt, die an Hofgerichten in der Regel zugunsten des Klosters entschieden wurden. 1308, nach dem Tod des Habsburger Königs Albrecht I., nahmen die Streitigkeiten wieder deutlich zu. In der Dreikönigsnacht des Jahres 1314 wurde das Kloster im sogenannten Marchenstreit von Schwyzer Bauern überfallen und geplündert. Die Grosszahl der Mönche wurden gefangen nach Schwyz geführt. Der Herzog von Österreich, Leopold I., der Schirmvogt des Klosters Einsiedeln war, griff danach die Innerschweizer an, unterlag ihnen aber 1315 in der Schlacht am Morgarten. Der Konflikt konnte erst 1350 bereinigt werden. Das Kloster verlor damals einen beträchtlichen Teil seines Landbesitzes.
Nach einem Brand im Jahr 1465 wurde das Untere Münster eingewölbt. 1509 und 1577 stand die Kirche erneut in Flammen.
Frühe Neuzeit
Huldrych Zwingli war von 1516 bis 1518 als Leutpriester im Kloster beschäftigt, bewusst als geschätzter Humanist in dieses Amt geholt. Diebold von Geroldseck, einer der letzten Mönche des Klosters, verliess 1525 Einsiedeln und schloss sich der Zürcher Reformation an (er sollte 1531 in der Schlacht von Kappel an der Seite Zwinglis fallen), sodass der greise Abt Konrad III. von Hohenrechberg nunmehr der einzige Konventuale des Stiftes war. Seit dem 13. Jahrhundert hatte man nur noch Söhne aus adligen Familien in die Gemeinschaft aufgenommen, was zu einer kontinuierlichen Abnahme der Zahl der Mönche führte. Die Schwyzer beriefen im Sommer 1526 aus dem Kloster St. Gallen einen neuen Abt, Ludwig II. Blarer von Wartensee, der jedoch erst 1533 von Rom als rechtmässig anerkannt wurde, da die Schwyzer zu diesem Eingriff gemäss Kirchenrecht nicht berechtigt gewesen wären. Der neue Abt nahm die ersten Bürgerlichen in das Kloster auf und belebte es so wieder. Besonders Abt Joachim Eichhorn († 1569) machte sich um den Wiederaufbau des Klosters in geistlicher und materieller Hinsicht verdient, sodass er als zweiter Gründer des Klosters gilt. Er nahm auch als einziger Konzilsvater aus dem deutschsprachigen Raum am Konzil von Trient teil.
Im späten 17. und im beginnenden 18. Jahrhundert erhielt das Kloster sein jetziges Aussehen. Der Chor und die Beichtkirche entstanden 1674–1684 unter Leitung des Architekten Hans Jörg Kuen. Nachdem das Gebäude trotz regelmässigen Erweiterungen zu klein für die wachsende Gemeinschaft geworden war, wurde am 31. März 1704 der Grundstein für den Klosterneubau gelegt, der nach den Plänen von Bruder Caspar Moosbrugger errichtet wurde. Sein Bruder, der Baumeister Johann Moosbrugger, wurde mit den Bauarbeiten beauftragt. Die Innenausstattung übertrug man den Gebrüdern Cosmas Damian Asam und Egid Quirin Asam, zusammen mit weiteren bedeutenden Künstlern. 1734 wurde der Barockbau der Kirche vollendet, und unter Abt Nikolaus Imfeld wurde die Kirche am 3. Mai 1735 geweiht.
In den 1770/1780er Jahren zeigte sich eine Reihe von Einsiedler Konventualen unter der Patronage von Abt Marian Müller offen für verschiedene Anliegen der katholischen Aufklärung und setzte sich beispielsweise für Verbesserungen im Volksschulwesen sowie für die Hebung der allgemeinen Wohlfahrt ein. Auch die Pflege ökumenischer Beziehungen war ihnen wichtig.Thomas Fässler: Aufbruch und Widerstand. Das Kloster Einsiedeln im Spannungsfeld von Barock, Aufklärung und Revolution. Egg 2019.
19. bis 21. Jahrhundert mini|Kloster Einsiedeln,Foto: Bruno Wehrli, 1909 Als die französischen Revolutionstruppen Anfang Mai 1798 Einsiedeln erreichten, flohen Abt Beat Küttel und die übrigen Mönche des Klosters. Die Gnadenkapelle wurde von den Besatzern zerstört, das Gnadenbild jedoch konnte durch die Mönche unter Leitung des späteren Abtes Konrad Tanner gerettet werden. Am 17. September desselben Jahres wurde das geplünderte Stift zum Staatseigentum erklärt. Durch die sogenannte Mediationsakte erhielten am 19. Februar 1803 die Geistlichen das Kloster wieder zurück, nachdem die Ersten von ihnen bereits 1801 wieder nach Einsiedeln zurückgekehrt waren. Die Gnadenkapelle wurde allerdings erst 1815–1817 mit den erhaltenen Teilen der alten Bausubstanz im klassizistischen Stil wiederaufgebaut.
Im Laufe der Jahrhunderte gründeten Einsiedler Mönche unzählige Tochterklöster, darunter 1854 St. Meinrad (Indiana/USA) und 1948 Los Toldos (Argentinien), die ihrerseits wiederum Neugründungen vornahmen.
Einen Höhepunkt bildete der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Sommer 1984, der am 15. Juni die feierliche Weihe des neuen Hochaltares im Unteren Chor vornahm. mini|Luftaufnahme der Klosteranlage mit Vorplatz und Marienbrunnen 2017/18 wurden im Landesmuseum Zürich Schätze erstmals ausserhalb der Klostermauern präsentiert, darunter die beiden mit Edelsteinen verzierten goldenen Kronen für Maria und das Jesuskind aus dem 19. Jahrhundert, 17 prunkvolle Gewänder für die schwarze Madonna oder der sogenannte Einsiedler Türkenteppich. Mit mehr als 300 Leihgaben erzählte die Ausstellung die Geschichte des Klosters, insbesondere wie es zu einem der bedeutendsten religiösen Ziel der Pilger wurde, aber auch diejenige der Pilger selbst.
Wallfahrt
Seit dem 14. Jahrhundert fanden belegbar Marienwallfahrten nach Einsiedeln statt.«1311 wird berichtet, ‹dass die Landleut von Schwyz kamen gen Einsiedeln mit dem Kreuze›.» In: Die Schwarze Muttergottes von Einsiedeln. 2005, S. 11. Während des Spätmittelalters kamen die Pilger sogar aus Norddeutschland und den Niederlanden. Einen Rückgang der Pilgerströme erlebte das Kloster nur zur Zeit der Reformation, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Einsiedeln erneut zum religiösen Mittelpunkt der Schweizer Katholiken. Seit Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Wallfahrt einen weiteren Aufschwung, vor allem im Kontext des Kulturkampfes sowie durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz. Einsiedeln wurde so zum religiösen Zentrum der katholischen Schweiz.
Einsiedler Muttergottes
mini|Schwarze Madonna von Einsiedeln in einem Kleid von 1781