Echnaton (Geburtsname Amenophis IV.; ägyptisch Amenhotep IV.; später Achenaton, engl. Akhenaten) war ein altägyptischer König (Pharao) der 18. Dynastie (Neues Reich) und Sohn von Amenophis III. und Königin Teje. Er erhob den Gott Aton in Gestalt der Sonnenscheibe nebst Tilgung der übrigen Götter zur zentralen Gottheit Ägyptens und weihte ihm seine neue Hauptstadt Achet-Aton. Als Herrscher setzte er auf eine streng nach innen gerichtete Politik und reformierte die altägyptische Kunst.
Echnatons Regierungszeit wird unterschiedlich datiert: ca. 1351–1334 v. Chr., 1340–1324 v. Chr. (Helck) oder 1353–1336 v. Chr. (Krauss).siehe 14. Jahrhundert v. Chr. und Späte Bronzezeit entspricht dem Neuen Reich (etwa 1550–1070 v. Chr.).
Zu seinem Namen Amenhotep (IV.) (hieroglyphische Transkription: Jmn ḥtp): ursprünglicher ägyptischer Geburtsname Ach-en-Aton (direkte und vollständige hieroglyphische Transliteration [Götter in Hieroglyphenschreibung vorangestellt]: Aton-ach-en, Transkription: Jtn-3ḫ-n, verkürzt: Aton-ach, Jtn-3ḫ; Transkription nach Satzaussage: 3ḫ-n-Jtn = Der Aton dient oder Der Aton nützlich ist); die vermutlich ägyptologisch-korrekte Aussprache seines neuen Namens (d. h. der Transliteration der Hieroglyphen) in deutscher Form: Echnaton.
Eine nachweislich korrekte Aussprache des Neuägyptischen gibt es wegen des Fehlens einer genauen Überlieferung der Vokalität nicht. Nach dem in der Liturgie der koptischen Kirche weitergegebenen (tradierten) Koptischen, der jüngsten Form des Ägyptischen, und weiteren Nebenüberlieferungen kann lediglich die Aussprache Amanchatpa oder Achan-jati(n)Ludwig Morenz: Die Zeit der Regionen im Spiegel der Gebelein-Region: Kulturgeschichtliche Re-konstruktionen. Brill, Leiden 2010, ISBN 90-04-16766-8, S. 27. rekonstruiert werden.
Familie Vater: Amenophis III. Mutter: Teje Geschwister: Thutmosis, Sitamun, Iset, Henuttaunebu, Nebet-tah, Baketaton, „Younger Lady“ Ehefrauen: Nofretete, Kija, „Younger Lady“ (nach den DNS-Untersuchungen eine Schwester des Echnaton und Mutter des Tutanchamun, umstritten), Taduchepa Söhne: TutanchamunEine DNA-Analyse erhärtete im Jahr 2010 die bisherigen Vermutungen, dass Echnaton der Vater war. Hinzu kommt aus dem Jahr 2008 der Fund eines passenden Reliefgegenstücks durch Zahi Hawass. Aus der Inschrift des Gesamtreliefs geht hervor, Echnatons war; vgl. auch Günther Roeder: Königssohn Tut-anchu-Aton. In: Rainer Hanke: Amarna-Reliefs aus Hermopolis (= Ausgrabungen der Deutschen Hermopolis-Expedition in Hermopolis 1929–1939. Band. 2). Gerstenberg, Hildesheim 1969, S. 40. (umstritten) Töchter: Meritaton, Maketaton, Anchesenpaaton, Neferneferuaton tascherit, Neferneferure, Setepenre.
Leben und Religion Jugendzeit Über die Jugendzeit von Amenophis IV. ist kaum etwas bekannt. Aus dem Königspalast von Malkatta ist nur ein Krugverschluss erhalten, der von einer „Domäne des wirklichen Königssohnes Amenophis“ berichtet.Gabriele Höber-Kamel: Unter den Strahlen des Aton – Zur Geschichte der Armana-Zeit. In: Kemet. Heft 1/2002, S. 6. Amenophis übernahm erst nach dem frühen Tod seines älteren Bruders Thutmosis die Rolle des Thronfolgers.Bis auf einen Steinsarkophag einer Katze gewidmet sind kaum Zeugnisse des Prinzen erhalten, siehe Hermann A. Schlögl: Echnaton (= Beck’sche Reihe. Band 2441: C. H. Beck Wissen) Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56241-9, S. 23. Er wird zur Zeit der Thronbesteigung auf ein Alter von 18 bis 22 Jahren geschätzt.Michael E. Habicht: Nofretete und Echnaton. Das Geheimnis der Amarna-Mumien. Leipzig 2011, S. 34. Ob er seine Gemahlin Nofretete vor oder nach diesem Ereignis heiratete, kann nur vermutet werden, doch kam seine älteste Tochter Meritaton bereits im ersten Regierungsjahr zur Welt.
Thronbesteigung Amenophis IV. wurde unter dem Thronnamen Nefer-cheperu-Re, Wa-en-Re („schön sind die Gestalten des Re, der Einzige des Re“), Beiname Anch em Maat („der von der Maat lebt“) und daher mit Bezug auf den Gott Re und die Göttin Maat gekrönt. Ob er zunächst Mitregent in den letzten Regierungsjahren seines Vaters war, ist in der Ägyptologie stark umstritten, wird in den letzten Jahren jedoch eher abgelehnt. Indizien dafür waren Titel, die sich entweder auf Ober- oder Unterägypten beziehen (el-Mahdy), die jedoch durch Hornungs These entkräftet werden: zwischen Ober- und Unterägyptern bestand angeblich eine Rivalität, was sich auch an der unterschiedlichen Akzentsetzung des Hauptgottes ausgedrückt haben soll.Erik Hornung: The New Kingdom. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology. Leiden / Boston 2006. Wichtig sind in diesem Zusammenhang vor allem die Arbeiten von Rolf Krauss zur Chronologie der Amarna-Zeit,beispielsweise Rolf Krauss: Zur Chronologie der 18. und 19. Dynastie. (= XX. Deutscher Orientalistentag. Vom 3. bis 8. Oktober 1977 in Erlangen. Vorträge. Herausgegeben von Wolfgang Voigt) In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Supplementa. (ZDMG Supp) Band 4. Wiesbaden 1980, S. 73–75. die eine Mitregentschaft, die auch aus inhaltlichen Gründen abgelehnt werden sollte, so gut wie unmöglich macht. Als Bekräftiger der These einer Mitregentschaft kann exemplarisch Cyril Aldred angeführt werden, der von einer Coregentschaft von bis zu 11 Jahren ausging.Cyril Aldred: Akhenaten and Nefertiti; [Catalog of an exhibition celebrating the 150th anniversary of the Brooklyn Institute of Arts and Sciences] (= Studio book.). Brooklyn Museum in association with the Viking Press, New York 1973, ISBN 0-670-11139-2, S. 18.
Änderung des politischen Kurses Ab dem Neuen Reich ist in der religiösen Vorstellungswelt eine deutliche Hinwendung zur Sonne zu beobachten, so leitete schon Thutmosis IV. nach seiner Traumstele seine Legitimation nicht gar von Amun ab, sondern von Harmachis, dem Horus-Gott mit einem solaren Schwerpunkt.Andrea Klug: Königliche Stelen in der Zeit von Ahmose bis Amenophis III (= Monumenta Aegyptiaca. Band 8). Brepols, Turnhout 2002, ISBN 978-2-503-99123-8, S. 300. Essentielle Grundsteine für die Vormachtstellung des Solarkultes legte jedoch Echnatons Vater Amenophis III. Er hatte den Sonnengott Aton stärker verehrt, zumal innere Kontakte zum Königreich Mitanni (und zum Hethiterreich) bestanden, wo ebenfalls die Sonne die Hauptgottheit darstellte. Sein Sohn und Nachfolger Echnaton ging jedoch noch einen Schritt weiter, indem er in seinem 6. Regierungsjahr eine neue Stadt als Hauptkultzentrum des Aton erbauen ließ und sie zu seinem Regierungssitz machte. Gleichzeitig ließ er im Bereich des Karnak-Tempels östlich des Amun-Bezirkes ein Aton-Heiligtum, das Gem-pa-Aton, erbauen.Der Tempelkomplex war ursprünglich nördlich separat vom Amun-Tempel erbaut worden, wurde jedoch langsam durch Überbauung von nachfolgenden Herrschern in den Tempelkomplex integriert. Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Albatros, Düsseldorf 2000. ISBN 3-491-96001-0.
Die hier gefundenen Kolossalstatuen geben einen Hinweis auf Echnatons religions-politische Entwicklung. In seiner Jugendzeit in Auftrag gegeben, stellen sie einen Bezug zu der Triade der Ursprungs-Schöpfergötter Atum, Schu und Tefnut her und symbolisieren damit eine von ihm beabsichtigte Rückkehr zu den Fundamenten der ägyptischen Götterwelt. Der Kult dieser Ursprungsgötter war verdrängt worden durch die Verehrung ihrer Nachkommen; jedoch reduzierte Echnaton durch die Rückkehr zu den ersten drei Göttern die Bedeutung der Kulte anderer Götter.Robert B. Partridge: Photo Feature, Colossal Statues of Akhenaten from the Temple of Karnak. In: Ancient Egypt. Heft 43, Band 8, Nr. 1, August / September 2007, (www.ancientegyptmagazine.com). Später, in der Amarna-Zeit, wurde Aton der wichtigste, wenngleich nicht der einzige Reichsgott.
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Aton, ursprünglich die Gestalt des Sonnengottes am Abend, wurde in Gestalt der Sonnenscheibe nun zur symbolischen Personifizierung des Reichsgottes und zur Quelle allen Lebens.
Bis zur Zeit Echnatons wurde der Sonnengott als Re-Harachte traditionellerweise mit Menschenkörper, Falkenkopf und der darüber befindlichen Sonnenscheibe immer in seitlicher Ansicht dargestellt. Diese Abbildungsart hatte zur Folge, dass dem Gott immer nur eine einzige Person gegenüberstehen konnte. In der Tradition der alten Ägypter war das stets der Pharao. In der Amarna-Epoche unter Echnaton wurde nunmehr bei der Darstellung des Sonnengottes Aton in der Regel völlig auf den Menschenkörper verzichtet und dieser Gott als nach vorne gedrehte Sonnenscheibe mit Händen an den Enden der Sonnenstrahlen abgebildet. Dadurch konnten jetzt König und Königin zu gleichen Teilen von den Lebenszeichen des Sonnengottes profitieren.Erläuterung von Christian E. Loeben, Humboldt-Universität Berlin, in: ZDF Expedition: Echnaton und Nofretete – Die Mumie des Ketzers. (Mittwoch, 23. August 2006, 14:15 Uhr).
Amun-Re war während der 18. Dynastie zu einem verborgenen Gott transzendiert, der Urgrund allen Seins und Quelle allen Lebens war. In gebildeten Kreisen galten alle übrigen Götter nur als seine Erscheinungsformen. Auch seine Priesterschaft war eigenmächtig und reich geworden, obgleich der Pharao nach der alten Tradition der eigentliche Höchste Priester und Vermittler sein sollte.
Vorläufig gelang es dem Pharao auf eigenen Befehl hin, die als überflüssig empfundenen Erscheinungsformen des Reichsgottes zu verwerfen, zu unterdrücken und gleichzeitig die mächtigen Priesterschaften zu entmachten. Der Pharao und seine Frau wurden damit wieder wie in alten Zeiten die Repräsentanten dieses Gottes auf Erden, der keiner Priesterkaste bedurfte. Der Pharao allein konnte die Segnungen des Höchsten Gottes dem Volk vermitteln. Der Aton-Kult trug dabei offenbar henotheistische Züge. Eine besondere Darstellung der Nofretete auf drei Steinblöcken wird von Forschern als Beweis dafür betrachtet, dass die Gemahlin dem Echnaton als Hohepriesterin diente. Das Volk selbst durfte den Gott nicht anrufen, sondern musste die Vermittlung des Pharao und seiner Frau als Fürbitter in Anspruch nehmen.
mini|hochkant| Im Felsengrab des früheren Beamten und späteren Pharaos Eje sowie in anderen Gräbern der Epoche wurde Echnatons Atonhymnus gefunden.
Seit seinen Glaubensreformen nannte sich Amenophis IV. Echnaton; er änderte damit nur seinen Geburtsnamen. In allen offiziellen Darstellungen wird lediglich der Thronname erwähnt. Die Namensänderung war somit keine Revolution, sondern eine persönliche Angelegenheit.
Da er deren Existenz nicht bestritt, verbot er den Kult der übrigen Götter nicht. Wenn wohl auch lokal auf Theben begrenzt, kam es dennoch zu Ausschreitungen gegen die Priester bzw. die alten Götternamen auf den Denkmälern. Eine Anordnung Echnatons konnte jedoch nicht nachgewiesen werden; auch in seiner eigenen Hauptstadt existierten zumindest im häuslichen Bereich weiterhin und mit Kenntnis des Pharaos eine Vielzahl anderer Götter.Christine El Mahdy: Tutanchamun – Leben und Sterben des jungen Pharao. Blessing, München 2000, ISBN 3-89667-072-7.
Religiöse Auswirkungen In der Wissenschaft existieren mehrere Theorien hinsichtlich der Tragweite dieser politisch-religiösen Entscheidungen: Echnaton wollte einen Monotheismus einführen, gegen den sich das Volk, die Priester und andere wehrten. Archäologische Zeugnisse für andere Götter sind darauf zurückzuführen. Echnaton strebte lediglich eine Bevorzugung des Gottes Aton an (Monolatrie). Echnaton wollte einen Monotheismus, zog sich in seine Stadt Achet-Aton zurück und überließ das Land sich selbst. Achet-Aton war demnach nur eine religiöse Enklave, während sich der Pharao dem übrigen Land gegenüber gleichgültig verhielt. Echnaton wollte einen Henotheismus einführen, womit sich das übrige Volk mit seinen Funktionsträgern schwer tat. Die anderen Götter wurden nach dieser Auffassung in einer Art Übergangsphase weiterhin geduldet. Die Religion kam nie über diese Übergangsphase hinaus, und nach Echnatons Tod setzten sich die Vertreter der alten Ordnung durch.