miniatur|Max Burghardt Max Georg Emanuel Burghardt (* 27. November 1893 in Wickendorf; † 22. Januar 1977 in Ost-Berlin) war ein deutscher Schauspieler, Intendant und Präsident des Kulturbundes der DDR.

Leben Kindheit und Jugend Max Burghardt wurde in Wickendorf bei Schwerin"Ich war nicht nur Schauspieler. Erinnerungen eines Theatermannes", Aufbau-Verlag Berlin Weimar 1983, 3. Auflage, Seite 6. geboren, wo der Großvater mütterlicherseits ein kleines Gut in der Nähe des Schweriner Sees besaß. Max Burghardt lebte dort etwa drei bis vier Jahre und zog dann mit seiner Familie nach Berlin-Moabit. Nach einem zwischenzeitlichen Umzug ins Berliner Hansaviertel zog die Familie dann in die Paulstraße wieder nach Moabit. Max Burghardt besuchte ein Gymnasium. Zu seinen Schulfreunden zählte der später als Schauspieler bekannt gewordene Gustav von Wangenheim. Burghardts Vater war Ingenieur und beruflich bedingt häufig über längere Zeiten abwesend. Als prägend für seinen Wunsch Schauspieler zu werden, gab Burghardt später die Erfahrung seines ersten Theaterbesuchs, im Stück Die Räuber im Berliner Schillertheater an.Max Burghardt, "Ich war nicht nur Schauspieler. Erinnerungen eines Theatermannes", Aufbau-Verlag Berlin Weimar 1983, 3. Auflage, Seite 11 ff. Noch nicht 16-jährig bewarb sich Burghardt bei Paul Legband um eine Aufnahme in die von ihm geleitete Schauspielschule, wurde jedoch abgelehnt. Einige Zeit später wurde er vom Gymnasium verwiesen, da er eine Schulaufführung gestört hatte, indem er im Rahmen eines Schulstreiches ein Bärengebrüll imitiert hatte.

Seine Eltern ließen sich scheiden. Max Burghardt zog etwa 1910 mit seiner Mutter Margot und seinem Bruder Hans nach Rostock. Seinen Vater sah er nie wieder. In Rostock arbeitete er im Büro seines Onkels Carl Uhlenbrock, der eine Generalvertretung für Versicherungen betrieb. Seine Mutter gründete in der Schröderstraße eine Pension. Burghardt absolvierte eine Ausbildung als Buchhändler beim Buchhändler Joerges in der Rostocker Augustenstraße. Sein Onkel hatte eine ordentliche Berufsausbildung als Voraussetzung für eine Schauspielausbildung bestimmt. In seiner Freizeit widmete sich Burghardt dem Segeln.

Er bewarb sich während seiner Lehrzeit bei der von Maria Moissi in Berlin neu gegründeten Schauspielschule und wurde angenommen. Die Schulkosten wurden ihm gestundet. Burghardt brach daraufhin seine Lehrausbildung ab und studierte 1913–1914 dann an der Maria-Moissi-Schauspielschule. Später sah er insbesondere die in dieser Zeit genossene Sprechausbildung kritisch, da er nach dem Vorbild von Alexander Moissi die Eigenart einer als singend umschriebenen Sprechweise annahm.Max Burghardt, "Ich war nicht nur Schauspieler. Erinnerungen eines Theatermannes", Aufbau-Verlag Berlin Weimar 1983, 3. Auflage, Seite 61 f. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Burghardt als Freiwilliger bei der Marine in Kiel, wurde dort jedoch abgewiesen. Eher zufällig meldete er sich dann freiwillig beim 17. Dragoner-Regiment in Ludwigslust und kam so zur Kavallerie. Nach einer Grundausbildung gelangte er an die deutsche Ostfront und kämpfte an der Düna. Mit Beschwerden am Knie wurde er in ein Lazarett und später wieder nach Ludwigslust verlegt. Im Spätherbst 1917 erfolgte eine Abkommandierung zur Infanterie, die sich tatsächlich jedoch als Einsatz zur Zuckerrübenernte in der Umgebung von Nauen herausstellte. Später wurde Burghardt wieder an die Ostfront verlegt. Vom Peipussee erfolgte im Herbst 1918 eine Verlegung nach Dorpat. Max Burghardt arbeitete als Telefonist beim Regimentsstab. Hier blieb er bis zum Kriegsende. Als entlassener Soldat ging er Mitte November 1918 zurück zu seiner Mutter, die inzwischen in Bremen in der Osterstraße ein kleines Geschäft eröffnet hatte, in dem er aushalf.

Schauspielkarriere miniatur|Theater Lübeck In Bremen versuchte er seine Schauspielausbildung fortzuführen. Er nahm Schauspielstunden bei der Bremer Schauspielerin Josefa Flora. Der Intendant des Bremer Stadttheaters, Julius Otto, stellte Burghardt, auf Empfehlung von Flora, als Volontär ein. Nach einigen Monaten, in denen er nur als Komparse eingesetzt wurde, erhielt er eine kleine Sprechrolle und ein erstes Honorar. Weitere Rollen und ein ordentlicher Vertrag als Anfänger folgten. Auf Vermittlung einer Tante erhielt er die Gelegenheit als Gastspiel den Mortimer in Maria Stuart am Theater Lübeck zu geben. Im Ergebnis erhielt er in Lübeck einen Zweijahresvertrag als Vollschauspieler. In dieser Zeit nahm er zeitweise beim in Hamburg tätigen Hermann Wlach Schauspielunterricht.In seiner Autobiographie gibt Burghardt als Namen des unterrichtenden Schauspielers allerdings A. Wlach an. Max Burghardt, "Ich war nicht nur Schauspieler. Erinnerungen eines Theatermannes", Aufbau-Verlag Berlin Weimar 1983, 3. Auflage, Seite 121.

Auf Vermittlung des Theateragenten Wahle ging Burghardt im August 1923 an das Rostocker Stadttheater. Dort blieb er jedoch nur ein Jahr. Er fand ein Engagement in Münster am dortigen Theater, wo er jedoch ebenfalls nur kurze Zeit blieb. Es schloss sich eine Anstellung in Plauen an. Hier lernte er die Opernsängerin Charlotte Massenburg kennen, die er ein Jahr später in Darmstadt heiratete. In den Sommermonaten spielte das Theaterensemble in Bad Elster. Dort sprach ihn nach einer Vorstellung Bertold Held an, der ein Engagement am Deutschen Theater in Berlin vorschlug. Zunächst ging Burghardt noch an das Theater nach Erfurt, wo ihn tatsächlich bald die Einladung zu einem Vorsprechen bei Max Reinhardt erreichte. Das Vorsprechen fand im Theater am Kurfürstendamm statt. Reinhardt wollte ihn engagieren, verlangte jedoch eine Spezialisierung. Burghardt lehnte ab und blieb in Erfurt. Um in der Nähe seiner in Darmstadt beschäftigten Ehefrau zu sein, nahm er ein Engagement am im Volksbildungsheim ansässigen Frankfurter Künstlertheater in Frankfurt am Main auf. Das Ensemble bespielte drei Wochen im Monat kleine Volksbühnen im Rhein-Main-Gebiet. Burghardt bezog ein Zimmer in der Frankfurter Kaiserstraße. Er wurde zum Obmann des Lokalverbandes der Gewerkschaft gewählt und nahm an einem Kongress der Deutschen Bühnengenossenschaft teil. Probleme ergaben sich mit dem Erstarken der Nationalsozialisten vor allem für seine Ehefrau, die sich als „Halbjüdin“ Anfeindungen ausgesetzt sah. Sie erhielt anonyme Briefe und wurde beschimpft.

Für drei Jahre blieb er beim Künstlertheater, überwarf sich dann aber mit dem Intendanten Hans Meissner und kündigte. Er trug sich mit dem Gedanken nach Berlin zugehen und dort als Schriftsteller zu arbeiten. Tatsächlich ging er dann nach Ende der Spielzeit nach Berlin. Seine Ehefrau blieb zurück. In Berlin lebte er bei einem Freund und hatte vereinzelte Auftritte, musste sich jedoch arbeitslos melden. Er schrieb auch Kurzgeschichten und Gedichte, jedoch ohne wirtschaftlichen Erfolg. Burghardt erhielt dann ein Angebot nach Frankfurt am Main zurückzukehren. Er spielte für zwei Monate am Rhein-Main-Theater den Johannes Vockerath in Hauptmanns Einsame Menschen. Er erhielt dann ein Angebot für eine Gastrolle am privaten, durch Direktor Kraushaar geleiteten Stuttgarter Schauspielhaus, das er sofort annahm. Auch seine Frau Charlotte kam nach Stuttgart. In Stuttgart freundete er sich mit den Schauspielern Willy Reichert und Fritz Wisten an.

Max Burghardt und seine Frau standen politisch schon seit längerem der KPD nahe. Ende 1929/Anfang 1930 stellten sie einen Aufnahmeantrag und wurden dann Mitglieder der KPD. Gemeinsam besuchte das Ehepaar Veranstaltungen der Marxistischen Arbeiterschule, erster Lehrer hier war der später in der DDR einflussreiche Kurt Hager. 1932 kehrte Burghardt für ein Gastspiel als Hamlet nach Frankfurt am Main an das Frankfurter Künstlertheater zurück.

Nationalsozialismus miniatur|Max Opitz, 1951 An dem Theater erlebte er auch die sogenannte Machtergreifung der Nationalsozialisten. Burghardt versteckte in seiner Wohnung einen KPD-Genossen, der dann nach Paris floh. Auch seinem Kollegen Alexander Maaß verhalf er zur Flucht. Burghardt kehrte nach Stuttgart zurück. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner Schwägerin lebte er in der Villa des Professors Hölder in der Waldstraße 13 in Degerloch. Zeitweise hielt sich in seiner Wohnung auch der KPD-Funktionär Max Opitz auf, mit dem er sich anfreundete.

Max Burghardt spielte auch weiterhin am Schauspielhaus, wobei sich die Arbeitsbedingungen dort erheblich verschlechtert hatten. Der bisherige Intendant war aufgrund seiner jüdischen Herkunft entlassen und durch einen Nationalsozialisten ersetzt wurden. Zweimal im Monat fuhr er auch weiterhin nach Frankfurt und spielte dort Hamlet. Darüber hinaus verfasste er Hörspiele. Im Kabarett Friedrichsbau trat er in Sketchen und kleineren Theaterstücken auf.

Im Auftrag der verbotenen KPD fuhr Max Burghardt häufiger in die Schweiz nach Zürich und Basel und nahm Kontakt mit Schweizer Kommunisten, auch am Zürcher Schauspielhaus auf. Als Rechtfertigung für die Auslandsreisen dienten Gastspiele. Im Zuge seiner illegalen Tätigkeit arbeitete er auch mit Lilo Herrmann zusammen.

Am 5. Dezember 1935 um 6.00 Uhr wurde Burghardt, letztlich wegen illegaler Tätigkeit in der Gruppe Lilo Herrmann, von der Gestapo in seiner Wohnung in Degerloch verhaftet. Er wurde zunächst zum Hotel Silber, der örtlichen Hauptleitstelle der Gestapo, gebracht und dort verhört. Kurze Zeit später wurde er in das Polizeigefängnis Welzheim verbracht, in dem er vier Wochen gefangen gehalten und auch verhört wurde. Es folgte dann wieder eine Haft im Untersuchungsgefängnis Stuttgart. Die Untersuchungshaft dauerte zwei Jahre, die Burghardt in Einzelhaft verbrachte. In der Haft wurde er einmal vom SA-Funktionär Hanns Ludin aufgesucht. In dem schließlich unter der Bezeichnung Duchrow und Genossen auch gegen Burghardt geführten Strafverfahren gelang es vor allem durch die Aussage seiner Frau Charlotte und entsprechend vorgelegter Dokumente nachzuweisen, dass die Auslandsreisen Burghardts Gastspielen dienten. Der mit der Todesstrafe bedrohte Vorwurf des Landesverrats wurde daher gegen ihn fallengelassen. Letztlich wurde er zu vier Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde nur zum Teil angerechnet. Zur Verbüßung der Haftstrafe kam Max Burghardt in das Zuchthaus Ludwigsburg. Zunächst klebte er dort Tüten, später arbeitete er in der Gefängnisbibliothek. In der Haft traf er wieder auf Max Opitz. Nach Verbüßung der Haftstrafe wurde er jedoch nicht freigelassen, sondern erneut im Lager in Welzheim inhaftiert. In dieser Zeit lernte er auch den späteren SPD-Politiker und Generalstaatsanwalt Richard Schmid kennen. Zeitweise arbeitete Max Burghardt hier als Schreiber im Büro. Nach etwa einem Jahr, am 6. April 1941, erfolgte dann seine Freilassung.

Nach seiner Entlassung kehrte Max Burghardt nach Bremen zurück, wo seine Mutter, in der Kleinen Annenstraße 17a, und seine Frau lebten. Seiner Frau war es gelungen, eine ungarische Geburtsurkunde zu beschaffen, die eine arische Abstammung auswies, so dass sie von der Judenverfolgung verschont blieb. Zunächst musste Burghardt sich noch einmal wöchentlich bei der örtlichen Polizei melden. Die Meldeauflagen fielen später weg. Gesundheitlich hatte er haftbedingt Beeinträchtigungen erlitten. Als problematisch erwies sich eine Veränderung des Hüftgelenks, die zu Schmerzen führte.

Er fand eine Anstellung in der Registratur der Bremer Niederlassung der Mineralölfirma Rhenania-Ossag. Um den zunehmenden Luftangriffen zu entgehen, brachte Burghardt seine gesundheitlich angegriffene Mutter nach Bad Doberan. Er selbst blieb jedoch mit seiner Frau in Bremen. Durch Personaleinsparungen verlor Burghardt seinen bisherigen Arbeitsplatz und wurde zu den Bremer Atlas-Werken dienstverpflichtet. Die Atlas-Werke waren eine große Werft an der Weser, die U-Boot-Segmente und Kanonenboote baute. Burghardt war auch hier als Gehilfe in der Registratur tätig. In seiner Freizeit verfasste Burghardt mehrere Schauspiele.