Die Enzephalopathie (, und ) ist ein Sammelbegriff für krankhafte Zustände des Gehirns unterschiedlicher Ursache und Ausprägung. Gelegentlich bezeichnete man auch Psychosen als Encephalopathien, und hier im Besonderen die Psychose mit oder ohne Koma bei einer Nebenniereninsuffizienz als Encéphalopathie addisonienne.Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 2. Ordner (Carg–Ez), München/Berlin/Wien 1967, ISBN 3-541-84000-5, S. E 111 f.

Da strukturelle Läsionen in vielen Fällen ausbleiben, ist eine Reversibilität oft möglich, aber nicht immer gegeben. Der Begriff wird im Allgemeinen nur für Veränderungen verwendet, die das Gehirn als Ganzes und nicht nur einzelne Gehirnabschnitte betreffen. Der Entstehung von Symptomen liegen Dysfunktionen von Nervenzellen (Neuronen) und Gliazellen zugrunde. Sie werden bedingt durch Veränderungen im internen Milieu eines Organismus und einer Beeinträchtigung der zerebralen Homöostase mit der Folge von Störungen von Neurotransmitter- und Membran­funktionen.

Langzeitschäden wie kognitive Störungen nach Enzephalopathien lassen sich vermutlich auch auf sekundäre neuroinflammatorische Prozesse beziehen, zum Beispiel nach Sepsis, Verbrennungen oder prolongierten Operationen.

Einteilung und Ursachen Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, Antikörper gegen den NMDA-Rezeptor chronisch-traumatische Enzephalopathie, nach wiederholten Schlägen oder Stößen, auch nach Epilepsie Glycin-Enzephalopathie, durch übermäßige Produktion von Glycin hepatische Enzephalopathie, bei Lebererkrankungen vermutlich durch hirnschädigende Stoffe wie Ammoniak verursacht Hashimoto-Enzephalopathie, bei Autoimmunthyreoiditis Pescaderia-Enzephalopathie, bedingt durch Verzehr von Meeresfrüchten, insbesondere Fischen wie Alaska-Seelachs (Pollack), assoziiert mit Hashimoto-Enzephalopathie HIV-Enzephalopathie, bei einigen HIV-Patienten beobachtet Hochdruckenzephalopathie (Encephalopathia hypertensivaGünter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 2. Ordner (Carg–Ez), München/Berlin/Wien 1967, ISBN 3-541-84000-5, S. E 112.) , durch zu hohen Blutdruck Hyperammonämie, durch zu hohen Ammoniumgehalt im Blut Zerebrale Hypoxie, durch Sauerstoffmangel Lyme-Enzephalopathie, in chronischen Stadien der Borreliose. Mitochondriale Enzephalopathie, durch Störung der mitochondrialen DNS subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (Morbus Binswanger), durch Arteriosklerose übertragbare spongiforme Enzephalopathien (Transmissible spongiforme Enzephalopathie, abgekürzt TSE), vermutlich durch Prionen wie die bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE), auch Creutzfeldt-Jakob-Krankheit urämische Enzephalopathie, bei Nierenversagen „Wernicke-Enzephalopathie“, durch Mangel an Vitamin B1 (Thiamin)

Enzephalopathien können unter anderem auch durch abnorme Konzentrationen toxischer Substanzen, bestimmter MedikamenteA. V. Klimenko, I. V. Rozmaiiski: Salvarsan encephalopathia. In: Vestnik Venerologii i Dermatologii. Band 4, 1954, S. 54 f. und Elektrolyte, durch Krankheitserreger oder durch Durchblutungsstörungen verursacht werden.

Drogen und Medikamente spielen ebenfalls im Sinne toxischer Einflüsse auf das Gehirn eine Rolle (Toxidrome).

Vergiftungen wie eine Bleivergiftung können ebenfalls Ursache von Enzephalopathien sein.

Eine traumatische Enzephalopathie chronischen Ursprungs ist die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), ursprünglich und teilweise heute noch Dementia pugilistica ([=Boxerdemenz], Encephalopathia traumatica der Boxer, BoxerenzephalopathieGünter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 2. Ordner (Carg–Ez), München/Berlin/Wien 1967, ISBN 3-541-84000-5, S. E 112.) genannt.

Klinische Erscheinungen Die neuropsychiatrisch dominierte Symptomatik der Enzephalopathie ist nicht spezifisch für die Ursache und vielfältig: Bewusstseinsstörungen, Bewegungsstörungen, vegetative Dystonie kommen häufig vor als Teile des charakteristischen sogenannten zerebralen Allgemeinsyndromes. Seltener sind zerebrale Herdsymptome und Hirnstammzeichen, z. B. bei Hypoglykämie bzw. Wernicke-Enzephalopathie.

Diagnose Als Test auf Enzephalopathien wird die klinische Untersuchung im Abgleich mit einer Elektroenzephalografie (EEG), mit neuroradiologischen Verfahren und mit einer entsprechenden Labordiagnostik (Serum und Liquor) eingesetzt. Sorgfältig sind andere akute und chronische ZNS-Erkrankungen wie unter anderem Schlaganfälle, Infektionen, Traumata und Epilepsie abzugrenzen, bevor die Diagnose einer Enzephalopathie gestellt werden kann.

In Einzelfällen wie dem Verdacht auf eine Prionerkrankung wird die Technik der Protein Misfolding Cyclic Amplification (PMCA) angewandt.

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Einzelnachweise

Kategorie:Krankheitsbild in der Neurologie