mini|Ehemalige Haribo-Zentrale in Bonn mini|Logistikbereich am Standort Bonn mini|Haribo-Produktionsstätte in Uzès in Frankreich mini|Haribo-Werk in Bonn-Kessenich aus südwestlicher Richtung mini|Neubaugebiet in Grafschaft-Ringen, Luftaufnahme April 2016 mini|Bunte Konfekt-Mischung: Haribo Color-Rado Die Haribo-Holding GmbH & Co. KG (Eigenschreibweise: HARIBO) ist ein deutscher Konzern, der Süßwaren herstellt. Bekanntestes Produkt sind die zwei Jahre nach der Unternehmensgründung 1922 von Hans Riegel erfundenen, zur Abgrenzung von Konkurrenzprodukten Goldbären genannten Gummibärchen. Neben der Marke „Haribo“ gehören dem Unternehmen inzwischen auch Maoam und Haribo Chamallows (ehemals „Dulcia“). Der Firmensitz befand sich bis 2018 im Bonner Stadtteil Kessenich; im Mai 2018 wurde er in die Gemeinde Grafschaft, Ortschaft Ringen, in Rheinland-Pfalz verlegt. Bonn ist weiterhin Produktionsstandort.

Geschichte Am 13. Dezember 1920 wurde die Firma Haribo vom Unternehmensgründer Johann „Hans“ Riegel in das Bonner Handelsregister eingetragen. Die Unternehmensbezeichnung ist ein Akronym und ist von den beiden ersten Buchstaben seines Vor- und Nachnamens sowie den ersten beiden Buchstaben des Standortes abgeleitet (Hans Riegel Bonn). Startkapital waren nach Firmenangaben ein Sack Zucker, ein Kupferkessel, eine Marmorplatte, ein Hocker, ein gemauerter Herd und eine Walze. Die erste Fabrikationsstätte befand sich in einem im selben Jahr erworbenen Haus in der Bergstraße im Bonner Stadtteil Kessenich.Geschichte von Haribo. haribo.com, abgerufen am 26. Mai 2015. Zwei Jahre nach der Firmengründung erfand Hans Riegel den Vorläufer der Goldbären, damals noch „Tanzbär“ genannt. Dieser war allerdings nicht nur größer als die heutigen Gummibärchen, sondern auch weicher, da zu seiner Herstellung statt der heute üblichen Gelatine noch Gummi arabicum verwendet wurde.Matthias Opdenhövel, Steffi Hugendubel-Doll: Flipflops, iPod, Currywurst: Wer hat's erfunden? cbj Kinderbücher Verlag, München 2012, ISBN 978-3-570-13621-8, S. 124–125.Wolfgang Grossmann: 13. Dezember 1920: Hans Riegel gründet in Bonn eine Bonbonkocherei. SWR2-Zeitwort, 13. Dezember 2016. 1925 begann Haribo mit der Herstellung von Lakritzprodukten. Anfang der 1930er Jahre entstanden die Vertriebsorganisation in Deutschland und der Hauptbau der neuen Fabrikationsanlage. 1935 wurde in Kopenhagen zusammen mit den Geschäftspartnern Christian und Eckhof Hansen die Haribo Lakrids A/S Kopenhagen gegründet. Während des Zweiten Weltkrieges ging die Produktion nach Firmenangaben stark zurück, unter anderem wegen Rohstoffknappheit. Im Jahr 2000 stand Haribo im Verdacht, während dieses Krieges Zwangsarbeiter beschäftigt zu haben. Der Hersteller bestritt dies jedoch und weigerte sich folglich auch, in den Zwangsarbeiterfonds einzuzahlen.Charles P. Wallace: The Final Reckoning. In: Time Magazine, 31. Juli 2000, abgerufen am 11. August 2012.

Nach dem frühen Tod Johann Riegels im März 1945 wurde die Firma zunächst von seiner Frau weitergeführt. Nachdem die Söhne Hans und Paul 1946 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt waren, übernahmen sie die Leitung. Hans Riegel junior repräsentierte die Firma nach außen, während Paul Riegel die Forschung und Produktentwicklung leitete und so gut wie nie in der Öffentlichkeit auftrat. 1957 übernahm Haribo die Godesberger Firma Kleutgen & Meier, bei der Hans Riegel senior seinen ersten Arbeitsplatz gehabt hatte. 1961 übernahm Haribo die Bonera Industrie en Handelsmaatschappij NV in Breda und führte sie als Haribo Nederland weiter. 1967 erwarb Haribo Anteile der französischen Süßwarenfabrik Lorette aus Marseille, die in Haribo-France umbenannt wurde. 1987 fusionierte diese mit dem südfranzösischen Hersteller Ricqles Zan zur Haribo Ricqles-Zan mit Produktionsstätten in Marseille, Uzès und Wattrelos. Am Standort Uzès befindet sich auch das bislang einzige kleine Werksmuseum des Unternehmens.

1968 kaufte Haribo Anteile an der Solinger Firma Dr. Hillers, 1979 übernahm man sie ganz. Ab 1980 entstand am Standort in drei Ausbauphasen eine neue Produktionsstätte. Im Oktober 2011 wurde der Solinger Standort um ein Hochregallager, ein Bürogebäude und eine Warenumschlagshalle erweitert. haribo.com, Pressemitteilung vom 11. Oktober 2011. 1971 kamen Mehrheitsanteile am fränkischen Hersteller Bären-Schmidt, 1972 die Beteiligung an der englischen Firma Dunhills hinzu, die 1994 komplett übernommen wurde. Außerdem wurden in den 1970er Jahren Vertriebsorganisationen in Österreich und Schweden aufgebaut. 1982 wurden die Goldbären in den USA eingeführt. Weitere Zukäufe und Markteinführungen, u. a. in Frankreich, Norwegen, Spanien, Finnland und der Türkei, folgten. 1986 wurde die Edmund Münster GmbH & Co. KG gekauft, die seit 1930 das Kaubonbon „Maoam“ produziert.

Im Oktober 2003 gab Hans Riegel junior bekannt, dass einer seiner Neffen, Hans-Jürgen Riegel (* 1956), sein Nachfolger werden solle. Bis 2005 leitete dieser den Betrieb in Frankreich, überwarf sich dann jedoch mit seinem Onkel und verließ das Unternehmen. Mitinhaber Paul Riegel starb überraschend in der Nacht im August 2009.Bonn trauert um Haribo-Mitinhaber Paul Riegel. Pressemitteilung der Stadt Bonn, 4. August 2009. Nach dem Bruch des guten Verhältnisses zu seinem Neffen entschied Hans Riegel, die Nachfolgefrage offenzulassen. Dies führte zu einem Konflikt der Haribo-Familienstämme, da Paul Riegels Söhne eine im Sommer 2008 noch von ihrem Vater zur Klärung der rechtlich komplexen Fragen eingeleitete Beschwerde bei der Industrie- und Handelskammer weiterführten. Nach deren zwischenzeitlicher Aussetzung wurde schließlich eine einvernehmliche Gesamtlösung erarbeitet und 2010 vorgestellt. Danach wurde die Haribo-Holding GmbH & Co. KG neu gegründet. An ihr sind je zur Hälfte die Paul Riegel Familienholding und die zu diesem Anlass neu gegründete Hans Riegel Holding beteiligt. Zugleich entstanden unterhalb der neuen Obergesellschaft zwei Zwischenholdings zur Bündelung des deutschen Geschäfts einerseits und des internationalen Geschäfts andererseits. Hans-Guido (* ~1966), Paul Riegels Sohn aus erster Ehe, wurde wie sein Vater Geschäftsführer für Produktion und Technik neben seinem Onkel Hans, der weiterhin das Marketing und den Vertrieb betreute. Hans-Arndt (* ~1968), Paul Riegels Sohn aus zweiter Ehe, übernahm den Vorsitz eines neuen vierköpfigen Aufsichtsrats. Eine starke Rolle erhielt mit der Leitung des Auslandsgeschäfts auch der langjährige Mitarbeiter Andreas Nickenig (* ~1968), der als Ziehsohn Hans Riegels galt und sich zugleich mit Pauls gleichaltrigen Söhnen gut versteht. Hans Riegel starb nach der Entfernung eines gutartigen Hirntumors am 15. Oktober 2013 während der Rehabilitation. An seine Stelle trat die bereits 1987 gegründete Hans Riegel-Stiftung, die nunmehr Reinhard Schneider leitet, Prokurist und ebenfalls langjähriger Mitarbeiter Hans Riegels.

Ehemalige Produktionsstätten Haribo schloss im September 2018 sein Werk in Mainbernheim bei Würzburg, nachdem die dortige Produktion bereits im Februar 2018 eingestellt worden war. In: br.de, abgerufen am 23. März 2018. Im November 2020 gab Haribo bekannt, zum Ende desselben Jahres auch sein Werk im sächsischen Wilkau-Haßlau mit 120 Mitarbeitern schließen zu wollen.Katrin Terpitz: Haribo schließt einziges Werk in Ostdeutschland auf www.handelsblatt.de, 6. November 2020 Der langjährige Werbepartner Thomas Gottschalk kritisierte die Entscheidung. Im Juni 2023 wurde bekannt, dass das Werksgelände an den Logistikdienstleister Weck + Poller verkauft wird.

Gegenwart mini|hochkant|Haribo-Geschäft in Berlin, 2024 Haribo produziert mit etwa 7000 Mitarbeitern in vier Betrieben in Deutschland und zehn weiteren in anderen Ländern Europas. Im Juni 2003 wurden Haribo-Produkte in mehr als hundert Ländern vertrieben. hochkant=1.2|ohne|mini|Länder mit Haribo-Werken in Europa Im Jahr 2008 leitete das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen das Unternehmen und weitere Süßwarenhersteller wegen unerlaubter Preisabsprachen ein.Verdacht auf Preisabsprachen – Kartellamt ermittelt auch gegen Haribo. In: Spiegel online, 11. Februar 2008. 2012 verhängte das Bundeskartellamt ein Bußgeld gegen Haribo und einen verantwortlichen Vertriebsmitarbeiter von zusammen 2,4 Millionen Euro. Grund waren wettbewerbswidrige Absprachen mit Konkurrenzunternehmen, bei denen man sich über Verhandlungen mit dem Einzelhandel austauschte.Mars als Kronzeuge: Kartellamt verhängt Millionen-Strafe gegen Haribo. In: Der Tagesspiegel, 1. August 2012.

Verlegung des Firmensitzes Seit 2005 wurde in der Öffentlichkeit über Pläne des Unternehmens spekuliert, dass der Standort Bonn mit seinen 1300 Mitarbeitern verlegt werden solle, weil dort keine Expansion mehr möglich sei. Als neue Standorte waren der rheinland-pfälzische Ort Gelsdorf (Gemeinde Grafschaft) und deren nordrhein-westfälische Nachbarstadt Rheinbach im Gespräch.Altes Firmengelände taugt nicht – Haribo zieht weg aus Bonn. In: Handelsblatt vom 19. Dezember 2005.Neuer Standort – Haribo verlässt Bonn. In: Handelsblatt vom 23. Oktober 2007. Pressemitteilung der Stadt Bonn vom 23. Oktober 2007. Im September 2013 wurde bekannt, dass Haribo ein Grundstück mit einer Fläche von 30 Hektar im Innovationspark Rheinland zwischen Ringen und Oeverich in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Grafschaft kaufen wolle.Ein historischer Tag für die Grafschaft. In: General-Anzeiger Bonn vom 20. September 2013. Dort errichtete Haribo zunächst ein Logistikzentrum. Im Mai 2018 wurde der Sitz des Unternehmens in die Gemeinde Grafschaft verlegt, die Hauptverwaltung zog Anfang des Monats mit 400 Beschäftigten von Bonn dorthin um. Gleichzeitig wurde dort ein Produktionsbetrieb errichtet. Die Produktionsstätte in Bonn blieb erhalten. Das durch den Umzug in Bonn freigewordene Verwaltungsgebäude aus den 1960er Jahren wurde an die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik vermietet.

Im Zuge der Rettungsmaßnahmen nach den Überschwemmungen an der Ahr und ihren Nebenflüssen im Verlauf der Hochwasserkatastrophe 2021 stellte das Unternehmen das Areal seines Werks in Grafschaft über mehrere Tage als Bereitstellungsraum für Einsatzkräfte zur Verfügung.Mehr als 60 Tote nach Hochwasser in Rheinland-Pfalz, allgemeine-zeitung.de vom 16. Juli 2021, abgerufen am 19. Juli 2021

Werksverkauf mini|Aktueller Werksverkauf in Bonn-Bad Godesberg Die Produkte der Firma Haribo werden auch im Werksverkauf an den Standorten Grafschaft-Ringen, Bonn-Bad Godesberg, Solingen und in einer Verkaufsstelle auf dem Gelände der zum Haribo-Konzern gehörenden Firma Maoam in Neuss angeboten. Um auch mit eigenen Läden in den Innenstädten Präsenz zu zeigen, wurde das Konzept der Haribo-Shops entwickelt. Der erste wurde in der Bonner City nahe des Münsters eröffnet. Inzwischen gibt es neben den großräumigen Werksverkäufen bundesweit 12 Shops (Stand Juni 2025). In: haribo.com, Pressemitteilung vom 24. Oktober 2012.Übersicht der Fabrikverkäufe und Shops auf der Unternehmens-Website

Produktionsstätte Linz In Österreich werden die Produkte von Haribo seit 1976 verkauft; seit 1989 werden sie darüber hinaus auch in Linz in Oberösterreich produziert, als die Firma den traditionsreichen, 1921 gegründeten Konditorei-Großbetrieb Panuli übernahm. haribo.com Im Linzer Werk sind heute 250 Personen beschäftigt, jährlich werden 16.000 Tonnen Süßwaren hergestellt, rund 75 Tonnen am Tag. In Österreich hält Haribo bei Fruchtgummi einen Marktanteil von 60 Prozent. Die Stadt gilt als Drehscheibe für den gesamten ost- und südeuropäischen Markt. Es handelt sich um rund hundert verschiedene Produkte für Österreich, die Schweiz, das Baltikum und auch Lieferungen an andere Haribo-Gesellschaften.

Produktionsstätte Pleasant Prairie