mini|Drei Stolpersteine in der Passauer Straße 2

Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Schöneberg enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Schöneberg im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 1010 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Bild Name Standort Verlege­datum Leben 100px Cheruskerstraße 20 Gaston Eugen Aberlé kam am 15. April 1912 in Neukölln auf die Welt als Sohn des Straßburgers Armand Aberlé (1880–1941) und dessen Frau Bertha geb. Grünberg (1884–1942).Armand Aberle. mappingthelives.orgBertha Aberle geborene Grünberg. mappingthelives.org Er hatte einen Bruder Manfred (1907–1996).Manfred Aberlé. mappingthelives.org Gaston Aberlé wurde kaufmännischer Angestellter. Ob er heiratete und Kinder hatte, konnte nicht ermittelt werden. Meistens lebte er als Untermieter, so 1939 in der Cheruskerstraße 20 bei dem Pensionär August Menzel.Gaston Eugen Aberlé. mappingthelives.org Er leistete Zwangsarbeit, zuletzt bei den Pertrix-Werken in Niederschöneweide, in denen Batterien, Taschenlampen und ab 1934 auch Patronenhülsen hergestellt wurden. Am 24. Oktober 1941 wurde Gaston Aberlé nach Litzmannstadt (Lodz) verschleppt, von dort am 7. November 1941 nach Posen in ein Zwangsarbeiterlager und schließlich 1944 nach Auschwitz, wo er ermordet wurde.Transportliste des II. Transport. statistik-des-holocaust.de; abgerufen am 20. Juni 2018. Auch seine Eltern wurden ermordet, nur seinem Bruder Manfred gelang das Überleben durch Flucht nach Schweden. Er legte 1983 für seine Eltern und seinen Bruder auf Yad Vashem zur Erinnerung Pages of Testimony an. Manfred Aberlé starb am 9. Juni 1996 in Freiburg im Breisgau und wurde in Stockholm in Schweden neben seiner Frau Gerda Marie Hermine Aberlé (1908–1982) beerdigt.Manfred Aberlé. gravar.se 100px Münchener Straße 38 100px Münchener Straße 38 100px Münchener Straße 38 100px Heilbronner Straße 21 Katharina Lubczynski kam am 20. Mai 1889 in Berlin als Tochter des Siegfried Lubczynski und seiner Frau Henriette, geborene Lubczynski, zur Welt. Sie hatte eine ältere Schwester Charlotte Wally. Katharina wurde Näherin und heiratete 1919 den Rechtsanwalt Wilhelm Abrahamsohn. Die Tochter Hortense Daisy kam am 3. September 1921 zur Welt, es folgte der Sohn Günther Gerd Siegfried am 26. Oktober 1926. Die Familie wohnte ab 1930 in der Martin-Luther-Straße 54. 1932 beging Katharinas Mann Suizid. Daraufhin erlitt Katharina einen Nervenzusammenbruch. Für die Dauer ihrer Genesung befanden sich ihre Kinder zwei Jahre lang bei befreundeten Nachbarn, die dem orthodoxen Judentum angehörten. Daisy übernahm den orthodoxen Glauben, so dass es nach der Rückkehr in den mütterlichen Haushalt zu Spannungen kam, während Katharina und Günther die religiösen Vorschriften lockerer befolgten. Katharina zog 1933 in die Heilbronner Straße 21 in eine 3,5-Zimmer-Wohnung mit gediegener Einrichtung. Sie bereitete die Ausreise ihrer Kinder vor, die die Private Waldschule Kaliski besucht hatten. Daisy besuchte Hachschara Lager und emigrierte im November 1938 nach Palästina. Günther gelangte 1939 mit einem Kindertransport nach England.Landesarchiv Berlin B Rep.025-08 Nr. 1067/66, B Rep. 025-02 Nr. 408/57 Katharina Abrahamsohn wurde am 25. Januar 1942 nach Riga deportiert, ihr Todesdatum ist unbekannt. Sehr wahrscheinlich wurde sie dort direkt bei der Ankunft am 30. Januar 1942 ermordet, falls sie nicht schon aufgrund der Kälte in den Güterwaggons erfroren war. Ihre Kinder trafen sich erstmals wieder 1952. Daisy hatte 1943 Shlomo Denn geheiratet, die Kinder sind Ruthi, Rachel, Mati und Avi. Daisy starb 2013. Günther Abrahamsohn nannte sich später Gunther Abrahamson, er zog nach Kanada und heiratete Inge Hamann, die ebenfalls aus Berlin stammte, er starb 2016 in Kanada.Biografisches Album für Daisy und Günther Abrahamsohn in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ 100px Freisinger Straße 5a 100px Innsbrucker Straße 28 Ernst Adler wurde am 30. Januar 1900 in Beuthen/Oberschlesien, jetzt Polen, geboren. Sein Vater war der Schlossermeister Gustav Adler, seine Mutter war Franziska Adler, geb. Fernbach. Die Heirat der Eltern war im Dezember 1897. Ernst hatte die Schwestern Gertrud Cäcilie (geb. Dez. 1898), Ruth (geb. Dez. 1903), und Margarete (geb. Jan. 1905). Der Vater Gustav Adler verstarb mit 44 Jahren im Oktober 1913

Laut seiner Heiratsurkunde vom 27. September 1935 lebte er zu diesem Zeitpunkt in der Nürnberger Straße 25/26 in Charlottenburg. Auf dieser Urkunde wird sein Beruf mit Bauarbeiter bezeichnet. Er heiratete die Buchhalterin Margot geb. Rosenberger auf dem Standesamt Friedenau. Eine Trauzeugin war die Mutter der Braut, Hedwig Rosenberger, die zu diesem Zeitpunkt die Adresse Ceciliengärten 40 angab. Wie das junge Paar mit der wachsenden Diskriminierung und den vielen antijüdischen Gesetzen zurechtkam, können wir nur erahnen. Zur Zeit der Volkszählung am 17. Mai 1939 lebten Ernst und Margot Adler in der Innsbrucker Straße 28, im Hinterhaus 4. Etage. Die Schwiegermutter Hedwig Rosenberger sah für sich keinen Ausweg und flüchtete im Januar 1942 in den Tod. Todesursache laut Sterbeurkunde: Wunden an den Handgelenken, Selbstmord durch Schlafmittelvergiftung. Es ist zu vermuten, dass Ernst und auch Margot zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Zumindest ab 1942 wohnten sie zwangsweise in der Karlsruher Straße 23 in Charlottenburg, als Untermieter bei Chaim Hermann Askanas. Dort liegen seit 2013 insgesamt neun Stolpersteine, für ihn, seine Frau Jenny und weitere frühere Hausbewohner. Am 27. Mai 1942 wurde Ernst Adler, wie viele weitere jüdische Männer durch die Gestapo verhaftet und über das Sammellager, zu dem die Synagoge Levetzowstraße zweckentfremdet worden war, ins KZ Sachsenhausen verbracht und am nächsten Tag im sogenannten Industriehof erschossen. Er wurde 42 Jahre alt.

Anlass war ein Brandanschlag auf die antibolschewistische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten, den zwei kommunistische Widerstandsgruppen, die Gruppe um Herbert Baum sowie um Joachim Funke und Werner Steinbrink verübt haben. Weil sich unter den bald darauf Verhafteten auch mehrere jüdische Personen befanden, ordnete Heinrich Himmler als Vergeltung persönlich die Erschießung „jüdischer Geiseln“ an, die am 28. und 29. Mai erfolgte. Voraus ging die Verhaftung von 500 Berliner Juden, unter denen Ernst Adler war. Ermordet wurden bei dieser Racheaktion 96 Häftlinge, die sich schon im KZ Sachsenhausen befanden, 154 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Berlin und weitere 100 willkürlich ausgewählte Männer aus der Gruppe dieser 500 Verhafteten. Im Bundesarchiv existiert die Liste mit den Namen dieser 250 erschossenen Geiseln. Auch die Familien dieser Männer wurden zeitnah ins Konzentrationslager deportiert und ermordet. Margot, die Frau von Ernst Adler, nahm sich am 4. Juni 1942 das Leben, also etwa eine Woche nach der Ermordung ihres Mannes. Ernst und Margot Adler hatten keine Kinder. Es wurde kein Entschädigungsverfahren angestrengt. 100px Martin-Luther-Straße 111 Friedrich Adler kam am 11. Januar 1933 in Berlin als drittes Kind des Privatlehrers Alfred Adler und seiner Frau Hedwig, geborene Hope, zur Welt, seine Geschwister waren Heinrich und Margarete. Die Familie lebte in der Martin-Luther-Straße 58 (heute 111). Sein Vater emigrierte 1936 nach Afrika, kehrte kurz nach Berlin zurück und flüchtete dann nach Rotterdam, seine Geschwister emigrierten nach England. Friedrich musste mit seiner Mutter in die Güntzelstraße 45 ziehen,Adler, Friedrich. its-arolsen.org; Karteikarte Reichsvereinigung der Juden. von dort wurden sie am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.statistik-des-holocaust.de 100px Martin-Luther-Straße 111 Hedwig Hope kam in Köln am 13. Januar 1896 als zweites Kind des Hautarztes Otto Hope und seiner Frau Elise, geborene Weißstock, zur Welt. Ihr Bruder Max war 1894 geboren, ihre Schwester Martha folgte 1897. 1911 wurde die Ehe ihrer Eltern geschieden, Otto Hope brachte seine geschiedene Frau Elise und die Tochter Martha in eine Anstalt. Ihr Vater heiratete ein zweites Mal: seine neue Ehefrau war gut 10 Jahre älter als Hedwig. Hedwigs Bruder Max, der Medizin studierte, beging 1918 Suizid. Im selben Jahr heiratete Hedwig den Privatlehrer Alfred Adler, der einen Sohn namens Gerd mit in die Ehe brachte. Die Familie lebte zunächst in Berlin in der Landgrafenstraße, später in der Martin-Luther-Straße 58 (heute 111), wo Alfred Adler eine höhere Privatschule leitete. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Heinrich (1920), Margarete (1923) und Friedrich (1933). Alfred Adler emigrierte bereits 1936 nach Afrika, kehrte kurz nach Berlin zurück und flüchtete 1938 zu seiner Schwester nach Rotterdam. 1947 zog er nach England, wo er 1961 starb. Page of Testimony Die Kinder Heinrich und Margarete entkamen 1939 nach England, Gerd war bereits 1935 nach Palästina ausgewandert. Zurück blieb Hedwig Adler mit dem jüngsten Sohn Friedrich. Sie musste noch in die Güntzelstraße 45 ziehen, von dort wurde sie mit ihrem 9 Jahre alten Sohn Friedrich am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert und ermordet. 100px Innsbrucker Straße 28 Margot wurde am 26. August 1904 in Breslau geboren. Ihr Vater war Bruno Rosenberger, ihre Mutter war Hedwig Rosenberger, geb. Heymann. Die Familie zog zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach Berlin. Ab 1929 ist ihr Vater Bruno Rosenberger sowohl im Berliner jüdischen Adressbuch als auch im Berliner Adressbuch unter der Adresse Innsbrucker Straße 28 in Berlin-Schöneberg aufgeführt. Der Vater verstarb im August 1933 im naheliegenden Auguste-Viktoria-Krankenhaus. Am 27. September 1935 heiratete die Buchhalterin Margot Ernst Adler auf dem Standesamt Friedenau. Zu diesem Zeitpunkt war sie mit ihrer Mutter unter der Adresse Ceciliengärten 40 gemeldet. Die Hochzeit war kurz nach der Verabschiedung der „Nürnberger Gesetze“, die die Heirat zwischen Juden und Nicht-Juden verbot und so eine weitere Eskalation der anti-jüdischen Politik Nazi-Deutschlands bewirkte. Wie das junge Paar während der fürchterlichen Jahre unter dem Nazi-Terror lebte, können wir nur erahnen. Die Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus Berlin lief seit Oktober 1941 im großen Stil. Margots Mutter Hedwig Rosenberger nahm sich am 12. Januar 1942 das Leben, weil sie keinen anderen Ausweg sah.